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Groups > de.sci.electronics > #202026
| From | Hans-Peter Diettrich <DrDiettrich1@aol.com> |
|---|---|
| Newsgroups | de.sci.electronics |
| Subject | Re: Konstruktion von Zustandsreglern |
| Date | 2016-02-12 06:20 +0100 |
| Message-ID | <di5b3uFqec4U1@mid.individual.net> (permalink) |
| References | <56B744FA.4050208@aol.com> <dhp7qmFnquiU1@mid.individual.net> <dht31nFne58U3@mid.individual.net> <dhu92lF1tkcU1@mid.individual.net> |
Volker Staben schrieb: > Am 09.02.16 um 03.59 schrieb Hans-Peter Diettrich: >> Insbesondere erscheinen mir >> adaptive Regler interessant, die sich die fehlenden Konstanten zu einem >> analytischen Modell zur Laufzeit besorgen. > > Das ist wiederum eine völlig andere Baustelle - von einfachen > selbsteinstellenden Reglern, die zu Beginn eine bestimmte > Stellgrößensequenz fahren und aus der Antwort der Strecke einmalig ein > Modell berechnen, bis hin zu Adaptionsverfahren, die online z.B. mit > überlagerten PRBS-Folgen laufend ein zeitvariables Streckenmodell > ermitteln. In den Isermann-Bänden steht dazu fast alles drin, was man > wissen kann. Die Frage ist, wieviel man lesen muß, bevor man damit in der Praxis was anfangen kann, bzw. anderen Leuten Hilfestellung in Form von Kochrezepten geben kann. Dazu würde mir so ein selbsteinstellender Regler ausreichen, der sich am Beispiel eines DC Motors mit Encoder veranschaulichen läßt - das kann fast jeder Bastler mal brauchen. Die weiterführende Theorie hat inzwischen beim Heizungsregler einen etwas unerwarteten Effekt bewirkt, indem der Betroffene inzwischen die Temperatur des Heizkörpers regelt (mit PID) statt der Raumtemperatur. Draufgekommen ist er von alleine, nachdem ich ihm das Modell der Regelstrecke aus Heizkörper+Raum vorgestellt hatte. Danach hat sich alles als ein X-Y Problem herausgestellt, daß er nämlich etwas anderes beschrieben hat, als er eigentlich wollte. Ihm ging es nicht um einen Nachbau eines Thermostaten, den er schon hatte und dessen Hardware er weiterhin verwendet hat, sondern um seine Heizkostenrechnung, die wegen der heftigen Überschwinger des alten Reglers in diesem kühlen Raum (17°) weit höher war als in den stärker geheizten Räumen. Und nachdem sein Regler die Raumtemperatur auf 0,1° konstant hält, lohnt sich zumindest für solche Räume (unbewohnt, Schlafzimmer...) mehr Aufwand kaum noch. Aber wie sieht es bei bewohnten Räumen aus, mit Nachtabsenkung etc.? Kommt man da ohne adaptive Regelung aus, wenn die Anwesenheit einer wechselnden Zahl von Personen, Lüften, geöffnete Türen etc. einen unvorhersehbaren Einfluß auf die Regelstrecke haben? In der Beschreibung eines solchen Thermostaten fand ich die Eigenschaft "Erkennung offener Fenster", die ich seitdem bei meinen Thermostaten sehr vermisse. Etliche meiner Haushaltshilfen reißen erst mal alle Fenster auf, ohne die Heizung abzudrehen, bevor wir zum Einkaufen fahren. Anschließend kochen und muffeln die Heizkörper, aber dann ist es zum Abdrehen zu spät. Wie könnte das in einem Regler berücksichtigt werden? >>>> [5] Wie wird daraus die Struktur des Reglers (Schieberegister für >>>> Zustandsvektoren) festgelegt, und wie werden die Koeffizienten für die >>>> Rückführung und das Stellsignal bestimmt? >>> Der Reglerentwurf führt - solange man sich auf eine Rückführung des >>> Zustandsvektors aus Strecke oder Beobachter beschränkt - erst einmal auf >>> ein rein proportionales Regelgesetz, also rein proportional wirkende >>> Koeffizienten in der Zustandsrückführung. Diese Stuktur des >>> Zustandsreglers ist verfahrensimmanent vorgegeben, da gibt es also >>> nichts "festzulegen". Die Stellgröße berechnet sich dann einfach als >>> gewichtete Summe von Führungsgröße und Zustandsgrößen. Schieberegister >>> benötigt man nicht - das ist ja der Witz bei der Zustandsregelung: dass >>> man die Reglerdynamik unter Nutzung der Energiespeicher der Strecke >>> realisiert. >> Da ist mir möglicherweise der Beobachter mit hineingerutscht, oder ein >> Modell im Zeitbereich? > > Üblicherweise ist ein Zustandsraummodell eines im Zeitbereich. Inzwischen ist mir vieles klarer geworden, z.B. daß es sich bei meinen "Schieberegistern" um hintereinandergeschaltete Integratoren handelt, und daß diese garnicht im Regler sitzen, allenfalls in einem Beobachter. Warum hat man mir das nicht schon früher gesagt :-( > An Struktur und Parametern eines Zustandsreglers ändert sich übrigens > nichts, wenn man den Zustandsvektor alternativ aus Strecke oder > Beobachter abgreift - s. Separationstheorem. Auch das ist mir jetzt endlich klar, ich hatte die ganze Zeit ein falsches (zumindest unpassendes) Strukturdiagramm im Kopf, bei dem der Regler in der Systemmatrix A mit drinsteckt. Das kommt dann davon, wenn man zwar die Formeln nachvollzogen hat, aber daraus kein ausreichendes Verständnis für die Operanden in diesen Formeln hat :-( Im Durcharbeiten der Literatur bin ich noch nicht so weit gekommen, aber sehe ich das jetzt richtig, daß die *inverse* Systemmatrix in die Konstruktion eines Zustandsreglers eingeht? > Der größte Nachteil der Zustandsregelung ist, dass sie niemand kennt, > weil 95% aller Ingenieure behaupten, man brauche sie nicht. Deswegen > machen sie keine Erfahrungen damit, lernen ihre eindeutigen Vorzüge > nicht kennen und können zukünftig um so unbeschwerter behaupten, man > brauche sie nicht. So ist das ein Teufelskreis. Das klingt durchaus plausibel :-( >>>> Dieser Beobachter sollte doch auch verwendbar sein, um später die >>>> Parameter der realen Heizung zu bestimmen? >>> "Parameter" = Eigenschaften? Nein - die musst Du aus der Modellbildung >>> oder Identifikation bestimmen. Ein Beobachter kann nur Schätzwerte der >>> Zustandsgrößen liefern, also bspw. der Temperaturen in Deinem Fall. >> Und wenn man diese Schätzwerte mit den realen Temperaturen vergleicht, >> läßt sich doch das Modell durch Änderung seiner Parameter einfach an die >> Realität anpassen - solange die Modellstruktur stimmt. > > Die Parameter = Eigenschaften des Beobachters hast Du doch aus der > Identifikation der Strecke - oder zumindest aus begründeten Annahmen > über Struktur und Eigenschaften der Strecke. Der Beobachter liefert dann > Schätzwerte der Zustandsgrößen, die Du nicht messen willst oder kannst. Dazu noch eine Anekdote: in einen (analogen) Regler sollte eine Begrenzung eingebaut werden, die das Abwürgen eines Dieselmotors verhindern sollte. Die Elektronikabteilung (2,5 Mann) kam mit einer Schaltung aus 9 Opamps und 27 Trimmern daher, schön aus dem Tietze-Schenk zusammengestopselt. Verständlicherweise hatte nachher niemand eine Idee, wie man die Trimmer einstellen sollte, damit das Ding funktioniert. Zum Glück kam ich damals vorbei, und habe die Schaltung auf einen Widerstand und eine Diode reduziert, mit einem Trimmer für die Mindestdrehzahl des Motors. Dieser Vorfall hat damals große Kreise gezogen, und ich bekam sogar auf meinen Doktorhut eine Lösung aus einem Widerstand und einer Diode drauf :-) Vermutlich stecke ich jetzt in der Rolle der Elektroniker, wenn ich versuchen würde, einen Beobachter so hinzutrimmen, daß er eine gegebene Regelstrecke nachbildet? DoDi
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Konstruktion von Zustandsreglern Hans-Peter Diettrich <DrDiettrich1@aol.com> - 2016-02-07 14:22 +0100
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