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Sport-Rant

Started by"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
First post2023-08-28 08:18 +0200
Last post2023-08-28 21:35 +0200
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Contents

  Sport-Rant "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-28 08:18 +0200
    Re: Sport-Rant Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-27 23:25 -0700
    Re: Sport-Rant Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-28 09:49 +0200
      Re: Sport-Rant Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-09-09 03:50 -0700
    Re: Sport-Rant Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-28 10:00 +0200
    Re: Sport-Rant Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-08-28 17:03 +0200
      Re: Sport-Rant Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2023-08-28 18:05 +0200
        Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-28 18:39 +0200
        Re: Sport-Rant Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-28 19:51 +0200
          Re: Sport-Rant Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2023-08-29 09:22 +0100
            Re: Sport-Rant Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-29 20:03 +0200
        Re: Sport-Rant Ulrich Weise <ulrich.weise@t-online.de> - 2023-08-29 10:53 +0200
          Re: Sport-Rant Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-08-29 11:12 +0200
            Re: Sport-Rant "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-29 11:36 +0200
              Re: Sport-Rant Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-08-29 12:27 +0200
                Re: Sport-Rant "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-29 12:34 +0200
                  Re: Sport-Rant Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-08-29 15:31 +0200
                    Re: Sport-Rant Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-29 09:12 -0700
          Re: Sport-Rant Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-29 20:12 +0200
    Re: Sport-Rant Lothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de> - 2023-08-28 17:48 +0200
      Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-28 18:02 +0200
        Re: Sport-Rant Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-28 09:20 -0700
          Re: Sport-Rant Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-08-28 20:54 +0200
            Re: Sport-Rant Michael Zink <michael@swamp.franken.de> - 2023-08-29 08:53 +0200
      Re: Sport-Rant Joerg Walther <joerg.walther@gmail.com> - 2023-08-28 18:06 +0200
      Re: Sport-Rant Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2023-08-28 18:07 +0200
        Re: Sport-Rant Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-28 09:22 -0700
        Re: Sport-Rant Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-08-28 20:56 +0200
    Re: Sport-Rant Lothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de> - 2023-08-28 19:56 +0200
      Re: Sport-Rant "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-28 20:01 +0200
        Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-28 20:35 +0200
          Re: Sport-Rant Lothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de> - 2023-08-28 21:55 +0200
            Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-29 00:09 +0200
              Re: Sport-Rant Lothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de> - 2023-08-29 01:01 +0200
                Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-29 08:44 +0200
                  Re: Sport-Rant Lothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de> - 2023-08-29 13:13 +0200
                    Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-29 13:41 +0200
                      Re: Sport-Rant Lothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de> - 2023-08-29 13:56 +0200
                        Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-29 14:16 +0200
                          Re: Sport-Rant Lothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de> - 2023-08-29 14:22 +0200
          Re: Sport-Rant Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2023-08-29 05:26 +0000
            Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-29 07:38 +0200
              Re: Sport-Rant "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-29 07:54 +0200
                Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-29 08:19 +0200
                Re: Sport-Rant Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2023-08-29 09:43 +0200
                Re: Sport-Rant Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-09-10 09:23 -0700
            Re: Sport-Rant Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-28 23:40 -0700
        Re: Sport-Rant Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-28 21:47 +0200
      Re: Sport-Rant Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-28 20:19 +0200
        Re: Sport-Rant Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2023-08-29 09:00 +0200
      Re: Sport-Rant Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-28 21:35 +0200

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#602954 — Sport-Rant

From"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Date2023-08-28 08:18 +0200
SubjectSport-Rant
Message-ID<uche74$bh8d$1@solani.org>
Michael Bode hat geschrieben, unser Land sei auf dem absteigenden Ast. 
Ob jmand widerspreche.
Natürlich kann man widersprechen!

Denn wir haben ja immer noch den Sport!
Motorsport, Formel 1- ouh, die fahren gar nicht mehr in Dutschland?
Fußball! Der Nationalsport! Die letzten 3 Weltmeisterschaften waren 
kräftezehrend und lang, wie Jogi Löw zuvor wusste. Ouh, nach der 
Vorrunde hatten wir jeweils fertig?
Aber Hockey! Die sieggewohnte Hockey-Mannschaft bei der EM- ah ja, 4. 
Platz gestern. Holzmedaille.
Zum Glück gibt es die Leichtathletik WM. Die ging gstern zu Ende mit, 
Moment- null Medaillen für Deutschland?

Kann es sein daß die Generation Z echte Weicheier sind und gar nix 
gebacken bekommen ausser sich überall festzubappen?

Irgendwie waren wir Boomer noch aus härterem Holz. Da ging es nicht nur 
um Work-Life Balance und Pronomen. Das Geschlecht stand im Ausweis, da 
musste man auch nicht täglich neu darüber grübeln.

Klar, wir mussten uns laufend gegen ein Übermaß an Konkurrenten 
behaupten, in jedem Seminar bei mir waren die Mikroskope zu wenig, und 
überhaupt, was wollt Ihr denn alle mal machen, niemand braucht die 
Ärzteschwemme und all die nutzlosen Ingenieure.

Gruß

Joachim

-- 
Bitt um Vrzihung, di Tast " " klmmt manchmal...

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#602955

FromUlf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de>
Date2023-08-27 23:25 -0700
Message-ID<ad197b77-6741-45ad-9036-48c6649320e8n@googlegroups.com>
In reply to#602954
Ländischwätzi schrieb am Montag, 28. August 2023 um 08:18:13 UTC+2:

> Denn wir haben ja immer noch den Sport! 
> Motorsport, Formel 1- ouh, die fahren gar nicht mehr in Dutschland? 

Tja, wenn Du wüßtest, wie man das schreibt...

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#602967

FromFidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Date2023-08-28 09:49 +0200
Message-ID<uchjht$1k05d$1@dont-email.me>
In reply to#602954
Salve allerseits,

Dr. Joachim Neudert schrieb:
>
> Michael Bode hat geschrieben, unser Land sei auf dem absteigenden
> Ast. Ob jmand widerspreche. Natürlich kann man widersprechen!
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| *DIE ZEIT*: Wir saßen hier vor ziemlich genau fünf Jahren schon mal
| zusammen. Damals haben Sie eine Art Zukunftsmanifest entworfen. Sie
| sagten: "Es ist mir im Grunde egal, was die Menschen denken. Hauptsache,
| wir einigen uns auf politische Projekte, die uns verbinden und mit denen
| wir die Zukunft in die Hand nehmen. Die Gedanken dürfen gern frei
| bleiben." Wie steht es jetzt bei den politischen Projekten, die die
| Menschen verbinden und mit denen sie die Zukunft in die Hand nehmen?
|
| *Robert Habeck*: Bezogen auf die Aufgaben, die Deutschland in den
| nächsten fünf bis zehn Jahren vor sich hat: mittendrin. Bezogen auf die
| Legislatur und in Prozenten: bei 75 Prozent. Ich würde sagen, dass in
| den letzten bald zwei Jahren eine enorme Agenda abgearbeitet wurde von
| der Regierung, auch von mir persönlich und dem Ministerium, das ich
| führen darf.
|
| *ZEIT*: Entschuldigung, aber müsste man vor dem Hintergrund des
| Heizungsgesetzes nicht eher sagen: So wenig Einigkeit über Projekte war
| nie?
|
| *Habeck*: Das war natürlich in mehrfacher Hinsicht eine Phase, aus der
| man viel lernen kann. Aber der politische Streit, sowohl innerhalb der
| Regierung wie zwischen Regierung und Opposition, darf nicht darüber
| hinwegtäuschen, dass in der Bevölkerung ein ganz großer Gestaltungswille
| da ist.
|
| *ZEIT*: Meine Wahrnehmung ist eine komplett andere: Es gibt so viel
| Unzufriedenheit, so viel Sorge und Enttäuschung darüber, dass in diesem
| Land, das mal ein Muster war für Effizienz, so wenig funktioniert ...
|
| *Habeck*: ... das sehe ich anders!
|
| *ZEIT*: Wie denn?
|
| *Habeck*: Die Wahrheit ist, dass wir als Land aus einer politischen
| Bequemlichkeit aufschrecken. Das ist ja für sich genommen schon eine
| Zumutung – sich selbst zu sagen, da haben wir alle nicht genau
| hingeschaut, da waren wir zu selbstvergessen, zu träge, vielleicht auch
| zu denkfaul. Wir sind jetzt konfrontiert mit der zwingenden
| Notwendigkeit, Dinge anders zu machen: die Zuwanderung zu organisieren,
| die Energieversorgung umzustellen, bis hin zum Stellenwert des Militärs,
| das auf einmal wieder eine Bedeutung hat. Es ist mit den Händen zu
| greifen, was für eine Herausforderung diese Transformation darstellt.
| Man kann der Debatte nicht mehr ausweichen.
|
| *ZEIT*: Und Sie glauben, dass durch reden die große Transformation auch
| akzeptiert wird?
|
| *Habeck*: Ja, ich bin optimistisch, dass wir einigungsfähig sind. Weil
| das Land in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, dass es sich neu
| erfindet, dass wir Krisen meistern können. Und ich bin als Demokrat
| optimistisch, dass am Ende für Lösungen abgestimmt wird und nicht für
| die Verhinderung von Lösungen. Ich glaube übrigens, dass die Union
| gerade merkt, dass es nicht reicht, die Performance der Regierung
| "ausbeuten" zu wollen.
|
| *ZEIT*: Welchen Sinn hat es denn, ein Heizungsgesetz auf den Weg zu
| bringen, das Teile der Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt –
| vielleicht auch in die Arme der Populisten getrieben hat? Die
| verschiedenen Versionen des Gebäudeenergiegesetzes stecken den Leuten
| heute noch in den Knochen ...
|
| *Habeck*: ... das steckt mir natürlich auch noch in den Knochen. Dieses
| Gesetz ist mal als Klimagesetz geplant gewesen. Dann hat die Koalition
| es als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine vorgezogen.
| Der Beschluss, es von 2024 an, also sehr schnell gelten zu lassen, war
| eine direkte Auswirkung der Gasversorgungssituation. Ein Gasmangel war
| für den Winter 2022/23 eine reale Bedrohung, wir mussten befürchten,
| dass wir Unternehmen abschalten müssen. Auch für die Zeit danach waren
| wir in Sorge. Der Antrieb war, dass wir alles tun müssen, um in den
| nächsten Jahren Gas zu sparen.
|
| *ZEIT*: Es kam dann aber anders.
|
| *Habeck*: Im Frühjahr dieses Jahres war der größte Druck weg, die
| Bevölkerung hat gesehen, dass die Energiesparmaßnahmen greifen, dass wir
| alternative Energie besorgt haben. Das hat was verändert. Dann haben wir
| das Gesetz noch mal geändert, und daraus ist wieder ein
| Klimaschutzgesetz geworden. Und nun ist es ja auch gut so.
|
| "*Noch nie hat eine Regierung so viel für Klimaschutz getan*"
|
| *ZEIT*: Gerade haben Sie gesagt, man kann eine Menge aus den vergangenen
| Monaten lernen. Was denn?
|
| *Habeck*: Dass das Gespür für die gesellschaftliche Veränderung nicht
| verloren gehen darf. Ja, dieses Gesetz mutet den Menschen in Deutschland
| etwas zu, wir ändern etwas. Umgekehrt kann ich heute sagen: Noch nie hat
| eine Regierung so viel für Klimaschutz getan. Noch nie konnten wir so
| glaubwürdig sagen: Wir können auch dieses Projekt der Transformation
| schaffen.
|
| *ZEIT*: War zumindest der erste Entwurf des Heizungsgesetzes nicht auch
| das Projekt von Spezialisten, die nur noch wenig Sensorium für die
| Empfindung der Mehrheit haben?
|
| *Habeck*: Also das würde ja heißen, dass vier Referenten, zwei
| Abteilungsleiter, ein Staatssekretär und ein Minister zusammenhocken und
| sich etwas ausdenken. So war es nicht, die Blase hat es nie gegeben. Nur
| fürs Dokument: Ein Drittel der fossilen Energien, die wir in Deutschland
| verfeuern, verbrauchen wir beim Heizen, damit sind wir sehr schlecht,
| auch im europäischen Vergleich. 80 Prozent unserer Heizungen laufen auf
| Gas und auf Öl, in anderen Ländern sind es nur noch 20 Prozent. Wir
| müssen da rangehen – oder wir sagen, wir geben die Klimaschutzziele auf.
| Dann wiederum werden andere Länder das auch tun. Insofern steht sehr
| viel auf dem Spiel. Und ja, das hat jetzt wehgetan. Aber ich glaube,
| wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, wird man sagen, gut, dass wir
| es angegangen haben.
|
| *ZEIT*: Was sagen Sie denn denjenigen in Ihrer Partei, den Aktivisten
| oder manchen Kommentatoren in deutschen Medien, die meinen, dass dieser
| Kompromiss, der nach der Sommerpause verabschiedet werden soll, viel zu
| lasch sei?
|
| *Habeck*: Die Antwort ist, dass wir auch mit dem veränderten Gesetz die
| Möglichkeit haben, die Klimaschutzziele einzuhalten.
|
| *ZEIT*: Aber was sagen Sie diesen Kritikern, die meinen, der Klimawandel
| vertrage keinen Aufschub und das Gesetz sei immer noch zu lasch?
|
| *Habeck*: Ich weiß jetzt nicht genau, wen Sie meinen, ob Leitartikler in
| Ihrer Zeitung oder die Klimakleber ...
|
| *ZEIT*: ... vielleicht beide ...
|
| *Habeck*: ... beiden muss ich sagen: In einer Demokratie brauchst du
| immer politische und gesellschaftliche Mehrheiten, das bestimmt die
| Geschwindigkeit der Veränderung. Man muss aus dem Zentrum der
| Gesellschaft heraus immer wieder erklären, erklären, erklären, für die
| Mehrheiten werben, sie herstellen, Bündnisse schmieden.
|
| *ZEIT*: Auf der anderen Seite denken viele Leute: Was sind unsere knapp
| zwei Prozent am weltweiten CO₂-Ausstoß gegen die 32 Prozent von China.
| Und ich soll jetzt noch das Grillen einstellen.
|
| *Habeck*: Grillen können alle, wie sie wollen, von mir aus.
|
| *ZEIT*: Na ja, ist die Fleischerzeugung nicht auch ein starker CO₂-
| Treiber?
|
| *Habeck*: Das ist alles richtig. Es gibt jedoch Antworten, über die wir
| auch schon vor fünf Jahren gesprochen haben: Die politische Aufgabe ist
| es, eine bessere Politik zu machen, nicht den besseren Menschen zu
| erziehen. Also besser zu sein, als Menschen es im Alltag sein können.
| Heißt: Wie wir die Tiere halten und wo das Fleisch herkommt, wird über
| den politischen Rahmen geregelt. Dann kannst du im Supermarkt deine
| Wurst kaufen, ohne dir lange Gedanken machen zu müssen, wie die
| Zuchtbedingungen waren und ob sich die Sau umdrehen konnte im Stall.
| Wenn wir uns aber politisch immer nur auf den bequemsten Nenner
| verabreden, dann macht der Anspruch, die Dinge zum Besseren zu
| verändern, kaum einen Sinn.
|
| "*Es war immer klar, dass es nicht nur Applaus geben würde*"
|
| *ZEIT*: Bei der Frage nach den Emissionen Chinas sind Sie jetzt aber
| ausgewichen.
|
| *Habeck*: China hat noch einen langen Weg vor sich. Aber die Annahme,
| dass Deutschland allein auf weiter Flur ist, ist falsch. Ich komme
| gerade vom G20-Treffen in Indien. Weit mehr Länder als erwartet und auch
| Indien sagen, wir wollen den Weg zur Dekarbonisierung gehen. Der globale
| Wettbewerb geht inzwischen um die Frage, wer spielt vorne bei den neuen
| Klimatechnologien? Die Welt investiert in diese Technologien und
| erneuerbaren Energien.
|
| *ZEIT*: Sie sind über Monate fast täglich angegriffen worden. Auch durch
| eine Zeitung, die selten "Heizungsgesetz" geschrieben hat, sondern stark
| personalisiert: "Habecks Heiz-Hammer". Hat so ein Dauerfeuer
| Auswirkungen auf Ihr Leben?
|
| *Habeck*: Ja, aber anders, als man vermuten würde. Das, was ich im
| Moment mache, ist das Beste, was ich in meinem bisherigen politischen
| Leben gemacht habe. Es bedeutet mir richtig viel, und ich bin stolz
| darauf. Ich habe immer viel gearbeitet, aber noch nie so viel wie in den
| letzten zwei Jahren. Ich weiß, wofür ich das tue. Es gibt null Hadern,
| null Zaudern, null Bedauern, gar nichts. Ich bin ganz verschmolzen mit
| der Aufgabe, die ich im Moment habe. Es war immer klar, dass es nicht
| nur Applaus geben würde. Andererseits sind manche Dinge auch leichter
| gegangen, als ich es mir vorgestellt habe: Wir haben ein Gesetz gemacht,
| dass in allen Bundesländern, auch in Bayern, zwei Prozent der
| Landesfläche mit Windkraftanlagen bestellt werden sollen. Da dachte ich,
| da gibt es richtig was auf die Mütze – aber alle sind jetzt an Bord.
| Selbst die Bayern sagen, wir wollen Windkraftweltmeister werden. Dabei
| weiß ich noch, wie ich Markus Söder in meinen ersten Monaten im Amt
| besucht habe. Seine Haltung war in etwa: In Bayern weht kein Wind, das
| funktioniert bei uns nicht. (lacht)
|
| *ZEIT*: Es gibt aber im Moment vor allem Gegenwind.
|
| *Habeck*: An anderen Stellen ist der erwartete Gegenwind gekommen, ja.
| Aber das bedauere ich gar nicht, und es ist auch nicht das, was mir in
| den Knochen steckt. Was mir in den Knochen steckt, ist, dass ich diesen
| Moment der gesellschaftlichen Veränderung zu spät gesehen habe. Nach dem
| ersten Jahr des russischen Kriegs gegen die Ukraine und der
| Energiekrise, wo alles so irre schnell gehen musste, wo es bei
| Entscheidungen auf Tage ankam, sind wir im gleichen Tempo
| weitergelaufen. Darüber habe ich viel nachgedacht, denn das sollte mir
| eigentlich nicht passieren.
|
| *ZEIT*: Was genau meinen Sie mit gesellschaftlicher Veränderung?
|
| *Habeck*: Im Winter grassierte die Angst, nicht genug Gas zum Heizen zu
| haben. Als wir diese Gefahr gebannt hatten, traten andere Sorgen in den
| Vordergrund: dass eine neue Heizung zu teuer ist, dass der Umstieg
| schwierig ist. Das traf auf eine große Krisenerschöpfung, nach all dem,
| was die Menschen in den letzten Jahren strapaziert hat – die Pandemie,
| der Krieg zurück in Europa, die Inflation. Wenn in so einer Phase der
| Verunsicherung auch noch wild Ängste geschürt werden – da kommt jemand,
| reißt deine Heizung raus –, wird daraus ein schwieriges Gemisch. Die
| öffentliche Debatte war dann so tosend, dass es erst mal schwer war,
| genau genug hinzuhören.
|
| *ZEIT*: Sie sagen, es seien Ängste geschürt worden. Sehen Sie sich denn
| als Opfer einer Kampagne?
|
| *Habeck*: Nein, die deutsche Presse darf schreiben, was sie will. Die
| Pressefreiheit ist ein hohes Gut.
|
| *ZEIT*: Das war eine Antwort wie von Angela Merkel.
|
| *Habeck*: Das nehme ich in diesem Fall als Kompliment. Eine öffentliche
| Person zu sein bedeutet, mit Zuschreibungen leben zu müssen. Das gilt
| für die schlechten Zuschreibungen und für die guten auch.
|
| *ZEIT*: Lesen Sie denn alles, was über Sie geschrieben wird?
|
| *Habeck*: Nein.
|
| "*Früher habe ich für mich gesprochen, jetzt für Deutschland*"
|
| *ZEIT*: Sind Sie aufgrund dieser Stimmung bedroht worden?
|
| *Habeck*: Das gehört inzwischen zum Alltag eines Ministers dazu.
|
| *ZEIT*: Aber war Ihnen das Ausmaß vor Amtsantritt klar?
|
| *Habeck*: Nein, in dieser Dimension nicht. Als ich das letzte Mal hier
| in diesem Büro saß, war ich Landesminister und Parteivorsitzender einer
| Oppositionspartei. Jetzt bin ich Vizekanzler und Wirtschaftsminister der
| größten Volkswirtschaft Europas. Mit dem Amt ist ja ein realer
| Machtzuwachs verbunden, der notwendigerweise auch bedeutet, dass man
| bestimmte Abschirmungen, Sicherheitsvorkehrungen und so weiter akzeptiert.
|
| *ZEIT*: Im Vergleich zu früher, als Sie ganz unbeschwert gesprochen
| haben, scheinen Sie mir in Ihren Antworten sehr viel vorsichtiger
| geworden zu sein ...
|
| *Habeck*: Früher habe ich für mich gesprochen, jetzt spreche ich für
| Deutschland.
|
| *ZEIT*: Sie sagen, es gibt eine gewisse gesellschaftliche
| Geschlossenheit in wichtigen Fragen. Mein Eindruck ist, die Gesellschaft
| ist heute noch gespaltener als in den Zeiten der Flüchtlingskrise. Gut
| steht nur die AfD da.
|
| *Habeck*: Ich habe, das ist ein paar Wochen her, mal wieder das
| Braunkohleunternehmen LEAG in der Lausitz besucht und habe dort mit den
| Auszubildenden gesprochen. Als ich beim vorletzten Mal dort war, haben
| sie mir eine große Protestaktion gemacht und gesagt: Herr Habeck, Sie
| können hier unterschreiben, dass die Kohlekraftwerke bis 2038
| weiterlaufen sollen, dann sind wir wieder Freunde. Das konnte ich
| natürlich nicht – und es herrschte dann eine entsprechend gereizte
| Stimmung. Als ich kürzlich da war, hatten die ein Modell der Lausitz
| aufgebaut – mit lauter Gaskraftwerken, Solaranlagen, Windkraftanlagen –
| und haben zu mir gesagt: Herr Habeck, das ist unsere Zukunft. Helfen Sie
| uns, diese Zukunft zu bewerkstelligen! Da konnte ich sofort einschlagen
| – und das erlebe ich auch anderswo.
|
| *ZEIT*: Sie nennen ein Beispiel aus dem Osten Deutschlands, wo die AfD
| im Moment die stärkste Partei zu sein scheint.
|
| *Habeck*: Ja, möglicherweise werden einige der Menschen, die ich dort
| getroffen habe, AfD wählen. Trotzdem kann man doch vernünftig
| miteinander reden!
|
| *ZEIT*: Sie halten Wähler einer in Teilen extremistischen Partei nicht
| automatisch für Extremisten?
|
| *Habeck*: So ist es. Alles, was ich von der AfD weiß, halte ich für
| falsch, teilweise für verschwörungstheoretisch, für demokratiefeindlich,
| teils für faschistisch. Mit den Menschen, die diese Partei wählen, kann
| ich trotzdem reden. Die werden hinterher nicht die Grünen wählen, die
| werden vermutlich auch niemals sagen, Robert Habeck ist ein prima
| Politiker. Das erwarte ich auch gar nicht. Aber ich bin fest davon
| überzeugt, dass es richtig ist, miteinander zu sprechen.
|
| *ZEIT*: Auf welchem Feld müssten die anderen Parteien besonders aktiv
| werden, um der AfD endlich etwas entgegenzusetzen?
|
| *Habeck*: Erst mal braucht man spürbare, greifbare Erfolge. Die sind ja
| da.
|
| "*Niemand hat vom öffentlichen Schlechtreden profitiert*"
|
| *ZEIT*: In der Ampel nimmt man weniger die Erfolge als den Streit
| untereinander wahr.
|
| *Habeck*: Das Entscheidende ist, dass wir in der Ampel gesehen haben:
| Niemand hat vom Streit oder von öffentlichem Schlechtreden profitiert.
| Wenn einer der drei Regierungspartner im Moment in den Umfragen durch
| die Decke gehen würde, würde man sagen, okay, für den ist es ja
| offensichtlich eine gute Strategie gewesen. Das ist aber nicht der Fall.
|
| *ZEIT*: Und was waren noch mal die Erfolge?
|
| *Habeck*: Wir haben eine Energiekrise und eine Gasmangellage abgewendet
| im letzten Jahr, die Energiepreise gehen wieder runter. Wir konnten das
| russische Gas ersetzen. Wir haben mit der Fachkräftezuwanderung die
| ökonomischen Grundlagen geschaffen, dass genug Fachkräfte kommen können.
| Es gibt Fortschritte bei der Digitalisierung, beim Ausbau der
| Erneuerbaren. Die CO₂-Emissionen sinken. Und vieles mehr. Man kann das,
| was gerade in Deutschland passiert, also auch stark erzählen. Ich breche
| aber an dieser Stelle ab, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich
| die Probleme übersehe.
|
| *ZEIT*: Sie nennen – wie vor fünf Jahren auch – nicht die
| Migrationspolitik, also das Thema, das bei uns und in vielen anderen
| Ländern die Rechte so stark macht.
|
| *Habeck*: Die gehört ohne Frage dazu, wie soziale Gerechtigkeit, wie die
| Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse. Auch weil sie sich natürlich
| dazu eignet, Probleme zu externalisieren, also anderen die Schuld zu
| geben. Auch da, wenn ich das sagen darf, hat meine Partei, die ja
| woanders herkommt, unter Schmerzen einen großen Schritt getan, indem sie
| die europäische Handlungsfähigkeit im Asylrecht mit unterstützt hat.
|
| *ZEIT*: Nach langem Streit hat sich die EU auf eine Reform des
| Asylrechts geeinigt. Das Ziel: den Zustrom von Menschen ohne Anrecht auf
| Schutz zu reduzieren. Einige in Ihrer Partei sehen das immer noch als
| Verrat am Selbstverständnis der Grünen.
|
| *Habeck*: Am Ende haben wir es aber in der Regierung gemacht. Obwohl
| immer im Raum steht, die Grünen kreisten nur um sich selbst. Das ist
| überhaupt nicht wahr: Wir haben mit dem Asylkompromiss und mit vielen
| anderen Entscheidungen staatsbürgerliche Reife bewiesen.
|
| *ZEIT*: Sie wollen nicht mehr Milieupartei sein, das war vor fünf Jahren
| Ihre programmatische Ansage. Jetzt sind Sie in den Umfragen relativ
| stabil bei 14 bis 15 Prozent. Wenn man sich Ihre Wähler anschaut, dann
| muss man feststellen, es ist schon ein sehr eigenes Milieu. In den
| Achtzigerjahren waren es vor allem Menschen mit geringem Einkommen, aber
| gut gebildet, die die Grünen gewählt haben. Es waren auch viele
| Arbeitslose darunter. Heute sind unter den Menschen, die am besten
| verdienen in Deutschland, die meisten grünen Wähler.
|
| *Habeck*: Es gibt eine Korrelation der grün wählenden Menschen mit dem
| Bildungsabschluss, und in der Regel folgt ja einem höheren
| Bildungsabschluss ein höheres Einkommen im Laufe des Lebens. Insofern
| kann man das nicht abstreiten. Aber die DNA der Partei ist ja nicht, für
| Leute mit höheren Einkommen Politik zu machen – ganz im Gegenteil. Es
| mag Milieuzusammensetzungen geben, wahrscheinlich gilt das in
| irgendeiner Form für alle Parteien. Die Frage ist: Ruht man sich darauf
| aus? Und da ist es eine Klischeezuschreibung, dass meine Partei in
| besonderem Maße selbstreferenziell ist, also Politik fürs eigene Milieu
| macht. Es ist genau andersrum: Wir sind in den letzten Monaten geradezu
| über uns hinausgewachsen, Entscheidungen zu treffen, die wir nicht im
| Parteiprogramm hatten und die nicht gerade milieukonform sind.
|
| *ZEIT*: Sie haben von der Macht gesprochen, die Ihnen zugewachsen sei.
| Spüren Sie manchmal auch Ohnmacht in Ihrem Amt?
|
| *Habeck*: Die Macht überwiegt eindeutig, aber noch einmal: Die Macht ist
| ein Arbeitsauftrag.
|
| *ZEIT*: An welcher Stelle spüren Sie die Ohnmacht?
|
| *Habeck*: Ohnmacht ist das falsche Wort, weil ich ja durchaus
| Möglichkeiten habe, Dinge zu ändern. Aber die Aufgaben sind so
| vielfältig und so groß, dass ich manchmal wünschte, der Tag hätte 48
| Stunden. Dann könnte ich mehr reden und mehr Überzeugungsarbeit leisten
| – und auch noch häufiger nachfragen. Klar.
|
| "*Es geht ums reale Tun*"
|
| *ZEIT*: Wenn das Heizungsgesetz verabschiedet wird – war es das dann mit
| dem Klimaschutz für diese Legislaturperiode? Das jedenfalls hört man aus
| allen Ampelparteien – auch aus Ihrer.
|
| *Habeck*: Ihre Frage geht von einem Missverständnis aus. Als ob
| Klimaschutz nur aus neuen Gesetzen besteht und dann ist alles erledigt.
| Es geht ums reale Tun. Wir erneuern die Industrie, bauen unser
| Energiesystem um, beschleunigen weiter den Ausbau von Wind- und
| Solarenergie, organisieren die Wasserstoffinfrastruktur ... Wir sind
| mittendrin.
|
| *ZEIT*: Kommt denn die umstrittene Subvention der Energiepreise für die
| Industrie, die Sie sich so sehr wünschen – aber die von kleineren
| Betrieben abgelehnt wird, weil die befürchten, dass die größeren dann
| einen Kostenvorteil haben?
|
| *Habeck*: Es geht um die energieintensive Industrie. Aber da kann ich
| keinen Durchbruch vermelden. Ich halte das zwar für notwendig und habe
| dafür geworben, der Finanzminister und der Bundeskanzler sind da aber
| bekanntlich sehr skeptisch.
|
| *ZEIT*: Für was genau: für eine längerfristige Subvention oder eine auf
| wenige Jahre beschränkte Brückenförderung?
|
| *Habeck*: Für eine Brücke, die lang genug ist, dass dann ausreichend
| andere Energie da ist. Die dauerhafte Lösung wird so aussehen: Die große
| Industrie in Deutschland, also die Stahlindustrie oder die
| Chemieindustrie, aber auch kleinere produzierende Gewerbe bekommen
| Zugang zu erneuerbarer Energie. Da sind die Produktionskosten sehr
| günstig. Nur müssen die Wind- und Solarparks in der Menge noch gebaut
| werden. Und klar, mein Leben wäre einfacher, wenn die vorherige
| Regierung damit schon früher angefangen hätte. Hat sie aber nicht.
|
| *ZEIT*: Mit welchen Kosten rechnen Sie?
|
| *Habeck*: Um die 20 Milliarden Euro auf sechs Jahre.
|
| *ZEIT*: Aber müsste man dafür nicht ein viertes Mal in vier Jahren die
| Schuldenbremse aussetzen?
|
| *Habeck*: Beim Industriestrompreis ist der Vorschlag, ihn über das
| Sondervermögen zu finanzieren, das wir zur Bewältigung der Energiekrise
| eingerichtet haben. Die Schuldenbremse erneut auszusetzen – das geben
| die wirtschaftlichen Daten nicht her, und der Koalitionsvertrag tut es
| auch nicht. Wir haben über den Klima- und Transformationsfonds
| Möglichkeiten geschaffen, große Investitionen zu tätigen. Das sind
| Milliardensummen, die wir ausgeben. Ich mache aber keinen Hehl daraus,
| dass ich mit mehr Möglichkeiten mehr machen könnte – und meine, dass
| Deutschland mehr machen müsste. Wir sollten stärkere Investitionsanreize
| setzen, durch bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für
| Klimainvestitionen, für Ausgaben in Forschung und Entwicklung, oder auch
| die degressive AfA. Damit können Investitionen schneller abgeschrieben
| werden, das ist steuerlich für die Unternehmen attraktiv und setzt einen
| Impuls. Wir können auch selbst über staatliche Unternehmen mehr
| investieren – etwa bei der Bahn.
|
| *ZEIT*: Die Schuldenbremse wird für den Rest der Legislaturperiode
| eingehalten?
|
| *Habeck*: Ja. Immer vorausgesetzt, es passiert nichts Unvorhergesehenes.
|
| *ZEIT*: Sie wissen, dass Deutschland heute vielerorts wieder verglichen
| wird mit dem Zustand von 2003, als wir "der kranke Mann Europas" genannt
| wurden.
|
| *Habeck*: Krank sind wir nicht, aber etwas untertrainiert. Und das hat
| speziell für Deutschland zwei Gründe. Wir sind Exportnation, rund 50
| Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts kommen durch Exporte zustande. Die
| Exporte haben uns reich gemacht, die Wirtschaft ist dadurch sehr stark
| gewachsen, aber wenn die Weltwirtschaft, zum Beispiel in China,
| schwächelt, haut es bei Deutschland stärker ins Kontor. Und es ist ja
| erst ein Jahr her, dass uns ungefähr die Hälfte des Gases flöten
| gegangen ist – eine solche Abhängigkeit von Russland hatten andere
| Länder nicht.
|
| "*Die Versorgungssicherheit steht immer über allem*!"
|
| *ZEIT*: Sehen Sie das als die alleinige Erklärung für die letzten drei
| Quartale, in denen wir schlechter dastanden als die meisten
| vergleichbaren Länder?
|
| *Habeck*: Es gibt noch eine Erklärung, die dazukommt: dass die
| Binnennachfrage schwächer ist, aber das gilt natürlich in anderen
| Ländern auch. Die Inflation sorgt dafür, dass Menschen weniger Geld
| haben, der hohe Zinssatz sorgt dafür, dass Investitionen teurer werden
| und weniger investiert wird. Das ist seine Kehrseite. Also im Grunde ist
| das, was wir in der Bauwirtschaft jetzt sehen, der Effekt. Das klingt
| bitter und zynisch, aber es ist das Ziel der Zentralbanken,
| Investitionen abzudämpfen, um die Inflation nicht weiter hochzuziehen.
|
| *ZEIT*: Sie wissen, dass von Unternehmerseite noch andere Gründe
| angeführt werden: der Alleingang beim klimapolitischen Umbau der
| Industriegesellschaft, die Regulierungswut, die hohen Energiepreise –
| und die generelle Unsicherheit, ob genug Energie da sein wird.
|
| *Habeck*: Was die Sicherheit angeht, dass wir genug Energie haben, die
| ist garantiert. Die Versorgungssicherheit steht immer über allem! Im
| Moment haben wir in Deutschland enorme fossile Kapazitäten. Die werden
| wir nicht abschaffen, solange wir nicht klimaneutralen Ersatz haben. Was
| den klimaneutralen Ersatz anbelangt, haben wir doch gerade etwas Gutes
| verkündet: Wir haben uns mit der Europäischen Kommission geeinigt, dass
| wir bis 2030 den Bau klimaneutraler Kraftwerke mit einer Leistung von
| insgesamt bis zu dreißig Gigawatt staatlich fördern werden. Das
| entspricht dem, was rund dreißig Atomkraftwerke leisten würden. Solange
| wir keinen Wasserstoff haben, läuft ein Teil dieser neuen Anlagen mit
| Erdgas, sie werden aber gleich so gebaut, dass sie umrüstbar sind auf
| Wasserstoff.
|
| *ZEIT*: Eine Umfrage der FAZ bei Spitzenmanagern und Unternehmern hat
| ergeben, dass die meisten dem Satz zustimmen, "Deutschland hat seinen
| Zenit überschritten – und seine besten Jahre hinter sich". Und off the
| record stimmen CEOs noch ganz andere Töne an: Es sind wirklich düstere
| Aussichten!
|
| *Habeck*: Wir müssen an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten, hart
| arbeiten, und wir haben kollektiv in der Vergangenheit weggeschaut. Es
| kann ja keine Überraschung sein, dass wir als Gesellschaft älter werden.
| Dass wir eine klaffende Lücke an Fachkräften haben. Dass andere Länder
| in der Digitalisierung weiter sind als wir. Dass fast halb Europa
| intelligentere Stromsysteme hat. Oder dass wir bei Genehmigungsverfahren
| mit ausgedruckten Akten arbeiten. Das sind alles keine neuen
| Erkenntnisse. Da ist ein politischer Schlendrian gewesen, und der muss
| jetzt beseitigt werden. Wir müssen Investitionshemmnisse wegräumen,
| Bürokratie reduzieren, bei den unzähligen Berichtspflichten
| entschlacken. Daran sind wir dran. Insofern, ja, wir müssen an unserer
| Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Aber was mich umtreibt an dieser Haltung,
| wir hätten den Zenit überschritten – das klingt alles nach schlecht
| gelaunter Untergangsstimmung.
|
| *ZEIT*: So ist aber die Lage ...
|
| *Habeck*: ... dann müssen wir da rauskommen! Dann müssen die
| Vorstandsvorsitzenden die Mentalität mit verändern! Darf ich noch ein
| Beispiel erzählen? Ich habe letzte Woche Thyssenkrupp einen
| Förderbescheid über zwei Milliarden Euro übergeben – die investieren
| noch mal mehr für den Standort Duisburg in grüne Stahlproduktion, bauen
| ein Riesenwerk auf. Das Ding hatte eine Vorgeschichte: Sechs Wochen
| vorher war ich bei einer Demo, 12.000 Stahlkocher in T-Shirts, auf denen
| stand: "Stillstand hat noch nie etwas bewegt!" Die haben gesagt: Wir
| sind die Klimaschützer, wir wollen hier den Standort aufbauen, das Werk
| weiterentwickeln, für unsere Stadt und unsere Familien. Normalerweise
| dauert so ein Genehmigungsbescheid ein bis zwei Jahre. Ich habe ihnen
| den sechs Wochen später vorbeigebracht. Die Stahler haben mir zum Dank
| ein Herz aus Stahl geschenkt.
|
| *ZEIT*: Frei nach Herbert Grönemeyers Bochum-Hymne: "Du hast ’n
| Pulsschlag aus Stahl."
|
| *Habeck*: Das ist jetzt eine kleine Anekdote, aber sie zeigt etwas. Wir
| reden ja über Mentalität. Diese Leute hatten auf dem T-Shirt nicht
| stehen: "Wir gehen in den Untergang, wer geht mit?" Die haben auch nicht
| gesagt: "Habeck, hilf uns." Die Haltung war: "Wir wollen! Machst du
| mit?" Ich will die Probleme nicht wegreden, aber ich will, dass wir sie
| angehen mit der Haltung: Das lösen wir jetzt! Ich sehe diese ganzen
| Überschriften, ich lese die Artikel, ich treffe die CEOs permanent, ich
| bin mit den Vorsitzenden der Verbände durch Videoschalten in Verbindung.
| Und mit dem ganzen Wissen, das ich habe, sage ich jetzt: Das ist eine
| Situation, die wir bestehen können, wenn wir es denn wollen.
|
| *ZEIT*: Ist es nur eine Frage der Mentalität, wenn allein 2022 125
| Milliarden Euro mehr Direktinvestitionen aus Deutschland abgeflossen
| sind, als im gleichen Zeitraum hier im Land investiert wurden, wie
| Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigen? So viel wie nie
| zuvor. Und wenn wir bei einer Zukunftstechnologie, diesmal der KI,
| wahrscheinlich wieder wenig Eigenes auf die Beine stellen werden?
|
| *Habeck*: Allein die Zahl der Unternehmen, von denen wir wissen, dass
| sie in den nächsten drei Jahren über 100 Millionen Euro investieren
| wollen in Deutschland, ist groß. Gut zwei Dutzend Firmen wollen einen
| Gesamtwert von 80 Milliarden Euro investieren. Und erst diese Woche hat
| der taiwanesische Halbleiterhersteller TSMC seine Standortentscheidung
| für Dresden angekündigt. Infineon investiert, Intel. Deutschland – und
| gerade auch der Osten – wird zum Hub für Mikroelektronik. Und bei KI
| könnte ich Ihnen lauter Beispiele nennen für Mittelständler, die
| Großartiges entwickeln. Deutschland kann was.
|
| *ZEIT*: Vor fünf Jahren haben wir ganz zum Schluss über Ihre Aversion
| gegen das formelle Protokoll gesprochen. Sie sagten: "Das Letzte, wonach
| ich Sehnsucht habe, sind Krawatten." Sind sie Ihnen in der Zwischenzeit
| vertrauter geworden?
|
| *Habeck*: Ja. Und es gibt auch Situationen, in denen ich vorher nie war:
| Feierstunden im Bundestag, in denen der Opfer des 17. Juni gedacht wird,
| des Holocausts – oder Staatsbesuche, wo mir das dann auch angemessen
| erscheint.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.zeit.de/2023/34/robert-habeck-ampel-regierung-klimapolitik/komplettansicht>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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#603847

FromUlf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de>
Date2023-09-09 03:50 -0700
Message-ID<14c386d3-5f51-4b76-9c55-3d17461911e6n@googlegroups.com>
In reply to#602967
Fidel Sebastián Hunrichse-Lara schrieb am Montag, 28. August 2023 um 09:49:19 UTC+2:

> +--- <hier abknabbern> --- 

> | *Habeck*: China hat noch einen langen Weg vor sich. Aber die Annahme, 
> | dass Deutschland allein auf weiter Flur ist, ist falsch. Ich komme 
> | gerade vom G20-Treffen

> +--- </hier abknabbern> --- 
> 
> ©<https://www.zeit.de/2023/34/robert-habeck-ampel-regierung-klimapolitik/komplettansicht> 

Nach der Mitgliederzahl gerechnet, könnte man nun in G21 umbenennen;
die Afrikanische Union ist mit von der Partie.

Oder will man nicht, weil G7/8/7 in der Bezeichnung zu instabil war?

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#602969

FromFidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Date2023-08-28 10:00 +0200
Message-ID<uchk7g$1k3kj$1@dont-email.me>
In reply to#602954
Salve allerseits,

Dr. Joachim Neudert schrieb:
>
> Kann es sein daß die Generation Z echte Weicheier sind und gar nix 
> gebacken bekommen ausser sich überall festzubappen? Irgendwie waren
> wir Boomer noch aus härterem Holz. Da ging es nicht nur um Work-Life
> Balance und Pronomen. Das Geschlecht stand im Ausweis, da musste man
> auch nicht täglich neu darüber grübeln.
>
+--- <hier abknabbern> ---
| Einmal stand sein Chef plötzlich hinter ihm. "Ah, das sieht aber nicht
| so gut aus, nimm lieber den anderen Entwurf!", sagte er und deutete auf
| Sebastians Bildschirm. Der war aber gerade nicht mit seiner Arbeit
| beschäftigt, sondern bastelte an einem Logo für eine Homepage, die er
| ehrenamtlich betreibt. Ob in diesem Moment aufgeflogen ist, dass
| Sebastian im Büro an privaten Projekten arbeite, könne er nicht genau
| sagen, sagt er. Weder er noch sein Chef hätten die Situation noch mal
| angesprochen.
|
| Stress im Job kennt Sebastian nicht. Im Gegenteil: Er sei in der Regel
| nur vier der acht Stunden beschäftigt, sagt der 32-Jährige. Sebastian
| arbeitet bei einem Rundfunksender. Wo genau, möchte er nicht öffentlich
| sagen, sein Chef soll nicht von dem Arbeitszeitbetrug erfahren. Denn
| Sebastian ist zufrieden damit, wie es ist. Seit der Pandemie arbeitet er
| ausschließlich im Homeoffice. Jetzt könne er die Zeit für ihn noch
| sinnvoller nutzen: aufräumen, Wäsche zusammenlegen, für seine WG kochen.
| Manchmal, wenn Sebastian mit seinen Mitbewohner:innen in der Küche
| Karten spielt, stehe sein Laptop aufgeklappt auf dem Tisch, falls seine
| Kolleg:innen ihm doch noch eine E-Mail schicken und ihn bitten, noch
| etwas zu erledigen.
|
| Sebastian nennt seinen Job langweilig. Einen, der ihn komplett
| unterfordere. Er hat Kulturwissenschaften studiert, sich im Studium mit
| Feminismus, Männlichkeit und Critical Whiteness beschäftigt. Jetzt lädt
| er täglich im Früh- oder Spätdienst Videos hoch, versieht sie mit einer
| Überschrift, mit einem Teaser und einem kurzen Text, verschlagwortet den
| Inhalt in einer Software. Er könnte eigentlich das Doppelte an Arbeit
| pro Schicht verrichten und würde dann immer noch nicht in Zeitnot
| gelangen. Doch er spricht das lieber nicht an. "Ich hoffe einfach, es
| fällt nie auf."
|
| Sebastian gehört zu einer Gruppe von Arbeitnehmer:innen, die einen Beruf
| gewählt haben, der sie weder herausfordert noch stresst. In dem sie
| weder viel Sinn sehen noch sich besonders anstrengen wollen. Einen Job,
| der ihnen aber trotzdem die Miete, Urlaube und Hobbys finanziert. Das
| passt eigentlich nicht zum Ruf von jungen Menschen. Sie gelten als eine
| Gruppe, die nach Selbstverwirklichung im Beruf strebt. Die in einer
| Firma arbeiten wollen, mit flachen Hierarchien und einer wertschätzenden
| Unternehmenskultur. Eine aktuelle Umfrage belegt: Junge Menschen wollen
| hart arbeiten, sofern die Bezahlung stimmt. Ihnen ist es wichtig, etwas
| zu tun, was sie als sinnvoll erachten, aber auch, dass ihre Arbeits- und
| Freizeit gut ausbalanciert sind.
|
| *Wollen alle jungen Arbeitnehmende hart arbeiten*?
|
| Doch schaut man genauer hin, ist das zwar die Mehrheit, aber eben nur
| etwas über 80 Prozent. Was ist mit den anderen? Was ist mit solchen
| Leuten wie Sebastian, denen bei der Work-Life-Balance, vor allem das
| Life wichtig ist? Sind sie vielleicht glücklicher?
|
| Maike Andresen leitet an der Uni Bamberg den Lehrstuhl für
| Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalmanagement und
| Organisational Behaviour. Sie beschäftigt sich seit 15 Jahren mit
| Karrieren und sagt, die Gruppe der Millennials und der Generation Z sei
| viel heterogener, als die meisten Umfragen glauben lassen. Zusammen mit
| einer Gruppe von Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt befragt sie
| seit 2013 regelmäßig Arbeitnehmende zu deren unterschiedlichen
| Karrieren. Blickt sie in ihre Daten, stellt sie fest: Die Gruppe der
| Millennials spaltet sich in zwei Gruppen, in die der Unabhängigen und
| die der Traditionalisten. Erstere sind so, wie man sich die Millennials
| vorstellt: Sie wechseln häufig die Arbeitgeber und streben nach
| persönlichem Wachstum im Job. Die Traditionalisten hingegen binden sich
| an ein Unternehmen, in dem sie Karriere machen.
|
| Wachstum oder Karriere – was ist mit denen, die weder noch wollen?
| "Wahrscheinlich finden sich in beiden Gruppen Arbeitnehmende, die nur
| wenig Engagement in ihrem Job zeigen", sagt Andresen. "Doch als
| eigenständige Gruppe kristallisiert sie sich nach unseren Daten nicht
| heraus. Sowohl die Millennials als auch die Generation Z sind in ihrem
| Job committet."
|
| *Richard sortiert täglich Akten*
|
| Richard* ist 27 und wollte eigentlich Anwalt werden. Deshalb studierte
| er Jura, merkte aber schnell, dass ihm der Druck zu hoch ist. Im vierten
| Semester lernte er wochenlang für eine Klausur, schlief die letzten Tage
| vor der Prüfung kaum. Er schrieb die Definitionen von Mord, Totschlag
| oder fahrlässiger Tötung auf Zettel und klebte sie überallhin – übers
| Bett, an den Kühlschrank. "Ich konnte alles auswendig und habe doch nur
| drei Punkte geschrieben, also durchgefallen. Nach dieser Klatsche dachte
| ich mir: Ne, das ist einfach nicht meins."
|
| Im Gericht ist er letztendlich trotzdem gelandet, als Anwärter zum
| Justizfachwirt in Berlin. Denn er mag Gesetze und findet
| Rechtsstreitigkeiten spannend, sei es die der Nachbarn, die sich um
| einen Busch streiten oder des Mannes, dessen Bekannter in seinem WLAN
| illegal einen Film heruntergeladen hat. An aufregenden Tagen sitzt
| Richard in den Gerichtssälen und protokolliert die Verhandlungen. Aber
| meistens verteilt er morgens die Post an die unterschiedlichen
| Dezernate, druckt die richterlichen Ladungen aus, tütet sie in
| Briefumschläge ein und verschickt sie an Zeugen. Dann sortiert er Akten,
| beschriftet sie mit einer Zahl, locht sie und heftet sie in einem Ordner
| ab. Jeden Tag von acht bis 16 Uhr. "Es ist immer der gleiche Ablauf,
| egal in welchem Gericht man ist", sagt Richard. Um 17 Uhr ist er
| spätestens zu Hause.
|
| "*Das wäre nichts für mich. Immer zu spät, immer gestresst*"
|
| Richard heißt eigentlich anders. Weil sein Arbeitgeber ihm bisher auf
| seine Bitte, per Mail über seine Arbeit mit der Presse sprechen zu
| dürfen, noch nicht geantwortet hat, bleibt er anonym. Dabei glaubt
| Richard nicht einmal, dass dieser etwas dagegen hätte. Viel
| wahrscheinlicher ist es, dass die Mail ungelesen in einem Postfach ruht.
|
| Es ist kein Geheimnis, dass die Berliner Justiz gerade erst mit der
| Digitalisierung beginnt. Die Auszubildenden in den Gerichten lernten in
| der ersten Woche erst mal das Faxgerät zu bedienen, sagt Richard. Wenn
| die Anwälte etwa aus Bayern die Berliner darum bitten, mal eben schnell
| Dokumente einzuscannen und zu mailen, muss Richard ihnen erklären, dass
| es einen Scanner in seinem Büro nicht gibt. Dass er aber die Papiere
| kopieren und mit der Post verschicken könne. "Wollen sie mich
| verarschen?", muss er sich dann von den Anwält:innen aus Bayern anhören
| lassen, die es offenbar gewohnt sind, sich Dokumente per Mail
| zuzusenden. Manchmal frustriere ihn die Trägheit der Berliner Justiz
| schon, sagt Richard. Aber nachts wach liege er deshalb auch nicht. Es
| sei eben so, wie es ist.
|
| Als sinnlos empfundene Arbeit macht krank, ergeben Studien.
| Unterforderung im Job führt zu Unzufriedenheit, stellen Peter Werder und
| Philippe Rothlin in ihrem Buch Diagnose Boreout – Wenn Langeweile krank
| macht fest. Dem aktuellen Stressreport der Bundesanstalt für
| Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2019) zufolge fühlen sich 13 Prozent
| der Befragten vermehrt gestresst, weil sie auf der Arbeit fachlich
| unterfordert sind.
|
| Menschen hätten unterschiedliche Prioritäten, sagt Hannes Zacher,
| Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität
| Leipzig. Manche suchten die Erfüllung im Job, andere gingen eher in
| ihrer Rolle als Familienvater oder Freund auf. Allerdings, das zeige die
| Forschung, könne anspruchslose Arbeit tatsächlich krank machen. Nicht
| nur kurz-, sondern auch langfristig. Wer einer anspruchsvollen Arbeit
| nachginge, erkranke im Alter seltener an Demenz, sagt Zacher. Vor allem,
| wenn die anspruchsvolle Arbeit mit einem großen Handlungsspielraum
| einherginge. Also etwa die Hochschullehrerin, die jedes Semester den
| Vorlesungsplan selbst erstellt, oder der Staatsanwalt, der sich sein
| Leben lang mit komplizierten Rechtsfällen beschäftigt hat. "Wer sich
| gezielt anspruchslose Tätigkeiten aussucht, der verpasst auch die
| Möglichkeit, sich selbst zu entwickeln und an den Herausforderungen zu
| wachsen", sagt Zacher.
|
| Trotzdem müssten in vielen Berufen routinierte Aufgaben abgearbeitet
| werden, die keine oder nur sehr wenig Gestaltungsmöglichkeiten böten,
| sagt er. "Es gibt durchaus viele Arbeitnehmende, die diese Berufe
| vorziehen." Zacher sagt auch, es gebe einen nicht geringen Anteil an
| Menschen, die keine Tätigkeit anstreben, mit der sie ihre Persönlichkeit
| weiterentwickeln wollen. Einen geringen "Growth-Need-Strength" nennt er
| das, angelehnt an ein Modell der beiden Arbeitspsychologen Richard
| Hackman und Greg Oldham aus den Siebzigerjahren, das zeigt, dass
| Merkmale wie Anforderungsvielfalt, Bedeutsamkeit oder Autonomie im Job
| Einfluss auf die psychische Verfassung und letztendlich auf die
| Arbeitsergebnisse der Arbeitnehmenden hat. "Diesen Growth-Need-Strength
| kann man messen", sagt Zacher. "Die meisten haben einen mittleren Wert,
| aber ungefähr zwanzig Prozent zeigen einen eher hohen, aber ebenfalls
| zwanzig Prozent zeigen auch einen eher geringen Wert."
|
| Richard sieht die Rechtsanwälte, die in die Gerichte hetzen, weil sie
| sich bei einem Termin verspätet haben. Nicht selten ist er es, der ihnen
| hinterhertelefonieren muss, damit sie pünktlich zum Prozessbeginn
| erscheinen. "Das wäre nichts für mich. Immer zu spät, immer gestresst.
| Da würde ich graue Haare bekommen!" Wenn er sich vorstellt, dass er auch
| so ein Leben hätte haben können, wenn er sein Studium beendet hätte,
| weiß er seinen geregelten Tagesablauf noch mehr zu schätzen.
|
| Sebastian hingegen sagt, dass er, wenn er zu lange am Stück in seinem
| Job arbeitet, müde und wie ausgelaugt ist. "Ich merke, dass ich dann die
| viele freie Zeit, die ich ja jeden Tag habe, weniger sinnvoll nutze",
| sagt er. Er könne sich natürlich einen anderen Job suchen, aber er
| befürchtet, dass er dann zu wenig Zeit für seine Freund:innen und
| Mitbewohner:innen hätte. "Wenn ich mir vorstelle, dass ich wirklich acht
| Stunden am Tag arbeiten müsste, wäre ich abends wahrscheinlich zu platt,
| um noch etwas zu unternehmen."
|
| *Planbare Aufgaben steigern den Selbstwert*
|
| Die Arbeit, die man ausführe, habe viel mit dem eigenen Selbstwert zu
| tun, sagt Zacher. Wenn die Aufgaben, die zu erledigen sind, machbar und
| planbar seien, steigere das den eigenen Selbstwert, man sei zufriedener
| und letztendlich auch glücklicher. Andererseits könne es auch sein, dass
| selbstbewusstere Menschen sich weniger durch einen anspruchsvollen und
| sozial anerkannten Job definieren müssen.
|
| Richards Freunde belächeln ihn oft, weil er für andere Termine ausmacht
| und Briefe per Post verschickt. Dafür wohnt er im Gegensatz zu ihnen mit
| seiner Freundin in einer Einliegerwohnung außerhalb der Stadt. Denn er
| ist bereits Beamter auf Probe und bekommt 1.300 Euro im Monat. Seine
| Freunde können sich nicht mal ein WG-Zimmer leisten und leben noch bei
| ihren Eltern. Als Anwärter im Justizdienst wechselt er alle drei Monate
| das Gericht, er darf Wünsche einreichen, in welches Gericht er als
| Nächstes versetzt wird.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.zeit.de/campus/2023-08/berufswahl-berufseinstieg-langweiliger-job-stress/komplettansicht>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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#602986

FromHermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de>
Date2023-08-28 17:03 +0200
Message-ID<kl3r95F4o7pU1@mid.individual.net>
In reply to#602954
Am 28.08.23 um 08:18 schrieb Dr. Joachim Neudert:
> Michael Bode hat geschrieben, unser Land sei auf dem absteigenden Ast. 
> Ob jemand widerspreche.
> Natürlich kann man widersprechen!

Nicht bei Bevölkerungszahlen.
<https://www.riffreporter.de/de/gesellschaft/demografie-deutsche-bevoelkerung-waechst-migration-lebenserwartung-geburtenrate>
Allerdings wachsen die Wasservorräte nicht mit.
..

> Denn wir haben ja immer noch den Sport!

Meinst Du Unterhaltung am Bildschirm?
Wie bei den Arkoniden? ( siehe Perry Rhodan Band 1 )
Konsum => Dekadenz?

> Irgendwie waren wir Boomer noch aus härterem Holz.

"Spitzensportler" werden doch gekauft.

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#602995

FromMichael Bode <m.g.bode@web.de>
Date2023-08-28 18:05 +0200
Message-ID<kl3utqF5c9oU4@mid.individual.net>
In reply to#602986
Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> writes:

> Am 28.08.23 um 08:18 schrieb Dr. Joachim Neudert:
>> Michael Bode hat geschrieben, unser Land sei auf dem absteigenden
>> Ast. Ob jemand widerspreche.
>> Natürlich kann man widersprechen!
>
> Nicht bei Bevölkerungszahlen.
> <https://www.riffreporter.de/de/gesellschaft/demografie-deutsche-bevoelkerung-waechst-migration-lebenserwartung-geburtenrate>
> Allerdings wachsen die Wasservorräte nicht mit.
> ..

Wachsen denn wenigstens die Einzahler ins System mit? Ich höre immer
Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden. Dabei sind doch vor 8 Jahren
jede Menge davon eingewandert. Sind die alle verdampft?

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#603009

FromLars Gebauer <lgebauer@live.de>
Date2023-08-28 18:39 +0200
Message-ID<uciik4$1p7fr$1@dont-email.me>
In reply to#602995
Am 28.08.23 um 18:05 schrieb Michael Bode:
> Wachsen denn wenigstens die Einzahler ins System mit? Ich höre immer
> Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden. Dabei sind doch vor 8 Jahren
> jede Menge davon eingewandert. Sind die alle verdampft?

Ach iwo. Die arbeiten alle ganz fachkräftig und zahlen aus lauter 
Dankbarkeit mehr als sie müßten ins System ein.
-- 
"Meine Bitte an Sie: den Klimawandel ernst nehmen, die ruhigen Stimmen 
in der Wissenschaft anhören und nicht jenen folgen, die für sich in 
Anspruch nehmen, für „die“ Wissenschaft zu sprechen. Politische 
Maßnahmen mit weltweiter Wirkung vorbereiten – und dafür auf 
klimaneutrale Technologie setzen. Nicht denen auf den Leim gehen, die 
Klimakatastrophe predigen und Panik als Grundlage der Klimapolitik 
propagieren." (Hans von Storch, 2023)

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#603025

FromFidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Date2023-08-28 19:51 +0200
Message-ID<ucimqj$1pib0$7@dont-email.me>
In reply to#602995
Salve allerseits,

Michael Bode schrieb:
> Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> writes:
>> Am 28.08.23 um 08:18 schrieb Dr. Joachim Neudert:
>>
>>> Michael Bode hat geschrieben, unser Land sei auf dem
>>> absteigenden Ast. Ob jemand widerspreche. Natürlich kann man
>>> widersprechen!
>>
>> Nicht bei Bevölkerungszahlen. <https://www.riffreporter.de/de/gesellschaft/demografie-deutsche-bevoelkerung-waechst-migration-lebenserwartung-geburtenrate>
>> Allerdings wachsen die Wasservorräte nicht mit.
> 
> Wachsen denn wenigstens die Einzahler ins System mit? Ich höre immer
> Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden. Dabei sind doch vor 8 Jahren
> jede Menge davon eingewandert. Sind die alle verdampft?
>
+--- <hier abknabbern> ---
| Deutschland sucht händeringend Fachkräfte: Lkw-Fahrer, Kitapersonal,
| IT-Expertinnen. Die Zuwanderung soll einfacher werden, lautet der Wunsch
| der Ampel-Regierung. Wenig im Blick haben sie eine andere Gruppe von
| Personen: Deutsche, die auswandern. Darunter sind viele Hochqualifizierte.
|
| Gerade Deutschland ist im internationalen Vergleich mobil: In allen
| OECD-Staaten leben 3,8 Millionen Deutsche. Die Auswanderungsrate –
| bezogen auf die in Deutschland wohnende Bevölkerung – ist mit 5,1
| Prozent höher als bei vielen anderen Industrienationen. Zum Vergleich:
| Für Menschen in Polen liegt die Rate bei 10 Prozent, bei US-Amerikanern
| (0,7 Prozent) sowie bei Japanern (0,6 Prozent) sind die Werte hingegen
| sehr niedrig.
|
| Wer auswandert, sucht sich häufig Hilfe – die finden sie bei sogenannten
| Auswanderungsberatern. Zwei von ihnen erzählen, mit welchen Motiven
| Menschen zu ihnen kommen.
|
| Da ist Jochen Schuppener, der eine gleichnamige Auswanderungsagentur
| führt. Er gruppiert seine Klientel in drei Kategorien, die sich bei ihm
| auch etwa die Waage halten. Da sind Berufstätige, die für eine bestimmte
| Zeit in einem anderen Land arbeiten möchten. Häufig entsenden
| Unternehmen die meist um die 25 bis 40 Jahre alten Personen. Sie wählen
| den Schritt für ihre Karriere und weil sie weltoffen sind, berichtet
| Schuppener. Bei ihm landen vor allem auswanderungsfreudige Beschäftigte
| aus der Auto- und Chemieindustrie sowie dem Maschinenbau.
|
| Die Zeitspannen hätten sich in den vergangenen Jahren eher verkürzt,
| viele bleiben etwa zwei bis drei Jahre: Unternehmen sei aufgefallen,
| dass Beschäftigte, die etwa zehn Jahre im Ausland waren, oft schwierig
| zu reintegrieren seien, erklärt Schuppener: „Manche kommen zurück und
| merken: Ich passe hier einfach nicht mehr rein.“ Er hat auch eine
| Erklärung dafür. Wer gut in einem anderen Land ankommen wolle, müsse
| sich lokal anpassen – und viele passten sich sozusagen „zu gut“ an.
|
| „*Da gibt es eine große Unwissenheit*“
|
| Eine weitere Kategorie der Auswanderungswilligen seien politisch
| motiviert. „Ein bisschen frustriert, sozusagen deutschlandmüde, fühlen
| sich teils gegängelt von der Regierung“, beschreibt sie Schuppener. Auch
| durch die Pandemiebeschränkungen gab es noch mehr Personen als sonst,
| die aus politischen Gründen seine Beratung aufgesucht haben. Sie
| erhofften sich vom Auswandern, selbstbestimmter leben zu können, erzählt
| Schuppener. Auch der Ukrainekrieg schüre Zukunftsängste.
|
| Und schließlich könnte man weitere Auswanderer noch in die Kategorie
| Ruheständler einordnen. Sie stört teils das deutsche Klima, teils auch
| politische Verhältnisse – vorrangig geht es ihnen oft um die
| Annehmlichkeiten woanders: In manchen Ländern sind die
| Lebenshaltungskosten niedriger, man kommt man mit einer kleinen Rente
| besser aus. Ihnen gehe es oft um ein wärmeres Klima und eine andere
| Lebensart; sie erhofften sich gar eine Art zweiten Frühling. Schuppener
| selbst hat einen Beratungsfokus auf Asien. Besonders Thailand sei
| beliebt bei Ruheständlern. „Dass die politische Lage in Thailand
| angespannt ist und es viele Unruhen gibt, sehen viele nicht“, merkt er
| an. „Da gibt es auch eine große Unwissenheit – und teils auch Ignoranz.“
|
| Wenn Schuppener Tipps an Auswanderungsinteressierte gibt, sind ein paar
| grundlegende folgende: nicht direkt alle Zelte abbrechen. Nicht direkt
| die Krankenversicherung kündigen, er rät zu einer sogenannten
| Anwartschaft; eine Art Stand-by-Modus, in der man nur einen geringen
| Betrag bezahle. Klären sollte man: Wie steht es um Sprachkenntnisse,
| Eigentum, Einkünfte? Wie ist die politische Situation in dem Land? Denn:
| „Ein hoher Anteil kehrt zurück. Viele hatten einfach unrealistische
| Vorstellungen.“
|
| *Studie zeigt: Deutsche Auswanderer sind hochqualifiziert*
|
| Eine langjährige Studie des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
| (BiB) zeigt deutlich, welches Motiv bei Auswanderern überwiegt: 58
| Prozent von ihnen zieht es aus beruflichen Gründen ins Ausland. Bei
| knapp 30 Prozent spielten berufliche Gründe des Partners oder der
| Partnerin eine Rolle. Vor allem Hochqualifizierte gehen den Ergebnissen
| zufolge ins Ausland. Von einem „Brain Drain“ könnte man aber keineswegs
| sprechen, betont Jean Décieux, einer der Studienautoren: Denn der
| Großteil plane schon vor dem Auswandern, nach einer gewissen Zeit
| zurückzukehren – und sie bringen neue Erfahrung mit. Das nenne sich
| „Brain Circulation“. Die Auswanderer sind den Daten des Instituts
| zufolge zumeist zwischen 20 und 39 Jahre alt. Die Über-50-Jährigen
| machten nur einen geringen Anteil aus.
|
| Auch Sabina Hoffmann berät Auswanderungswillige. Sie arbeitet in der
| Raphaelswerk-Beratungsstelle in Hannover. Die Motivation derjenigen, die
| sich bei ihr Unterstützung holen, sei ebenfalls unterschiedlich. Ein
| Punkt ist ihr wichtig: Wer gehen will, weil er unzufrieden ist, sollte
| sich dazu noch in der Heimat Gedanken machen. „Unzufriedenheit nimmt man
| häufig mit.“ Eine Scheidung sei ein Beispiel, oder finanzielle
| Schwierigkeiten.
|
| Die beliebtesten Länder der Deutschen zum Auswandern sind die beiden
| Nachbarländer Österreich und Schweiz. Auf Platz drei: die USA. Warum
| eigentlich? Immer noch hätten viele ein Bild im Kopf, dass das Land
| „unbegrenzte Möglichkeiten“ biete, sagt Hoffmann. Während Abkommen die
| Arbeitsmigration in EU-Ländern vereinfachen, sind die Hürden, in Amerika
| zu arbeiten, bekanntermaßen deutlich höher. Das Visum hätten einige
| dennoch „nicht so auf dem Schirm“, erzählt Hoffmann, was sich häufig
| erst in den Gesprächen zeige. Bei Hoffmann wurde im vergangenen Jahr
| Kanada als Top-Auswanderungsziel nachgefragt. Doch ein Blick auf die
| Seite der Einwanderungsbehörde zeige schnell, ob man in eine der
| Einwanderungskategorien passe – oder nicht.
|
| Übrigens: Nicht erst seit der Pandemie kämen zu ihr verstärkt
| Beschäftigte, die mobil arbeiten und sich dafür vorübergehend eine neue
| Heimat suchen wollen. Und auch um arbeitsrechtliche Fragen,
| Sozialversicherung und steuerliche Belange hätten sich die wenigsten
| schon Gedanken gemacht.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.wiwo.de/erfolg/trends/deutsche-auswanderer-warum-deutsche-wegziehen-zwei-auswanderungsberater-berichten/29015920.html>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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#603092

FromGoetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk>
Date2023-08-29 09:22 +0100
Message-ID<uck9sl$25rur$1@dont-email.me>
In reply to#603025
On 28/08/2023 18:51, Fidel Sebastián Hunrichse-Lara wrote:
> | Deutschland sucht händeringend Fachkräfte: Lkw-Fahrer, Kitapersonal,
> | IT-Expertinnen. Die Zuwanderung soll einfacher werden, lautet der Wunsch
> | der Ampel-Regierung. Wenig im Blick haben sie eine andere Gruppe von
> | Personen: Deutsche, die auswandern. Darunter sind viele Hochqualifizierte.

Tja, kann daran liegen das gerade "IT-Expertinnen" so tolle Jobs im 
Ausland bekommen. Sollen sie eben einen IT-Experten einstellen - gibt es 
ja genug von.

Experte ist ja jeder der ein Wort aus der Fachgruppe buchstabieren kann.

-- 

Cheers,
    G.

Quis custodiet ipsos custodes?
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    X   against HTML e-mail
   / \
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#603178

FromFidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Date2023-08-29 20:03 +0200
Message-ID<uclbsq$2bu79$1@dont-email.me>
In reply to#603092
Salve allerseits,

Goetz Schultz schrieb:
> On 28/08/2023 18:51, Fidel Sebastián Hunrichse-Lara wrote:
>
>> | Deutschland sucht händeringend Fachkräfte: Lkw-Fahrer, Kitapersonal,
>> | IT-Expertinnen. Die Zuwanderung soll einfacher werden, lautet der Wunsch
>> | der Ampel-Regierung. Wenig im Blick haben sie eine andere Gruppe von
>> | Personen: Deutsche, die auswandern. Darunter sind viele Hochqualifizierte.
> 
> Tja, kann daran liegen das gerade "IT-Expertinnen" so tolle Jobs im 
> Ausland bekommen. Sollen sie eben einen IT-Experten einstellen - gibt es 
> ja genug von. Experte ist ja jeder der ein Wort aus der Fachgruppe buchstabieren
> kann.
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Vielleicht erinnert sich noch jemand an dieses Video von Anfang Februar.
| Christian Lindner stand in einem Hörsaal in der ghanaischen Hauptstadt
| Accra, um ihn viele junge Studierende. Der deutsche Finanzminister
| sprach über die deutsche Industrie, die deutsche IT, die deutschen
| Behörden. Er warb mit Jobs. Hand heben, sagte er dann, für wen das, also
| Deutschland, eine Option sei. Ein paar Sekunden herrschte unangenehme
| Stille. Niemand rührte sich.
|
| Deutschland ist ein Einwanderungsland. Doch wenn Deutschland die Zahl
| der Arbeitskräfte halten will, dann braucht es noch mehr davon, etwa 1,5
| Millionen Zuwandernde pro Jahr. Das rechnete die Wirtschaftsweise Monika
| Schnitzer vor Kurzem aus. Aber ist Deutschland überhaupt noch so ein
| begehrtes Ziel für junge Menschen? Die OECD stellte Deutschland im
| internationalen Wettbewerb um Talente zum Beispiel eine "durchwachsene"
| Bilanz aus.
|
| Wir haben mit vier jungen Menschen darüber gesprochen, was sie an
| Deutschland abschreckt.
|
| *Irem, 31, aus der Türkei*
|
| Ich bin mit wenig Geld aufgewachsen und kann mit sehr wenig auszukommen.
| Aber ich will es nicht mehr.
|
| Ich war die Erste in der Familie, die studiert hat: Politikwissenschaft
| und internationale Beziehungen in Istanbul. Ich habe ein Erasmus-Jahr in
| Frankreich absolviert und einen Austausch in den USA. Ich habe meinen
| Master in Schweden gemacht und danach für mehrere NGOs gearbeitet, unter
| anderem in Palästina und Kapstadt. Dann kam die Pandemie und plötzlich
| stand ich ohne Job da.
|
| Die Arbeit in den NGOs hat mich ausgelaugt, ich wollte zurück in die
| Wissenschaft. Natürlich habe ich mir überlegt, ob ich nach Deutschland
| gehen soll. Dort gibt es eine riesige türkische Community und meine
| beste Freundin wohnt dort. Wir tauschen uns oft darüber aus, wie sie in
| Deutschland behandelt wird. Über Rassismus, über die Gängelung in den
| Behörden, über die Unsicherheit, ob das Visum verlängert wird.
|
| In vielen europäischen Ländern machen wir als Menschen, die aus der
| Türkei stammen, ähnliche Erfahrungen. Aber in Deutschland habe ich mich
| immer am wenigsten willkommen gefühlt. Wenn ich in Deutschland zu
| Konferenzen eingeladen werde, dann darf ich nur vom ersten Tag bis zum
| letzten Tag der Konferenz bleiben. In Griechenland darf man in solchen
| Fällen drei Monate bleiben. In den USA ist das ähnlich. Deutschland gibt
| mir das Gefühl, mich nur hier haben zu wollen, solange es nötig ist –
| und keinen Tag länger.
|
| Und dann ist da auch noch der Wissenschaftsbetrieb. Ich bin inzwischen
| in die USA gezogen und mache meinen Doktor in Anthropologie an der
| University of California. In Deutschland wäre es sehr wahrscheinlich,
| dass ich von Projekt zu Projekt springen müsste, von einem
| Einjahresvertrag zum nächsten. Es ist ein Glücksspiel, je nachdem, an
| welchen Professor man gerät. Ich hätte permanent Angst, abgeschoben zu
| werden.
|
| Hier in den USA habe ich die Garantie, dass mein Forschungsprojekt für
| sechs Jahre finanziert wird. Klar, in den USA ist auch vieles scheiße,
| ich könnte nie in einem der Redneck-Staaten leben. Aber zumindest wollen
| sie mich hier nicht sofort wieder weghaben. Und ich kann mir von dem
| Gehalt ein Auto leisten und sogar etwas beiseitelegen. Ginge das in
| Deutschland? No way.
|
| *Xaviera, 36, aus Kanada*
|
| Ich wusste schon immer, dass ich im Ausland leben will. Ich stamme aus
| Quebec, dem französischen Teil von Kanada. Vielleicht haben mich deshalb
| immer Orte angezogen, die eine gewisse Wärme ausstrahlen, und Menschen,
| mit denen man einfach ins Gespräch kommt. Mein Ziel war also nie
| Deutschland.
|
| Doch dann habe ich 2019 in Kolumbien meinen Freund kennengelernt. Er ist
| Kolumbianer, lebt aber in einer Kleinstadt bei Hamburg. Wir wollten ein
| gemeinsames Leben und dachten: Mit meinem kanadischen Pass wird es für
| mich einfach, in Deutschland Fuß zu fassen. Ich verkaufte also meine
| Sachen, mein Haus, mein Auto, kündigte und kaufte mir ein Ticket nach
| Deutschland. So begann die schwierigste Challenge meines Lebens.
|
| Ich kam relativ einfach an ein Arbeitsvisum für Menschen unter 35. Damit
| konnte ich nach Deutschland und hatte ein Jahr Zeit, einen Job zu
| finden. Mit einem Job hätte ich Jahr für Jahr ein neues Visum beantragen
| können. Erst war ich sehr zuversichtlich. Dann kam die Pandemie.
|
| Anfangs habe ich noch nach Jobs gesucht, die zu mir und meiner
| Ausbildung passen. Nach ein paar Monaten hätte ich jeden Job genommen.
| Doch niemand wollte mich, nicht einmal als Englisch- oder
| Französischlehrerin.
|
| Gleichzeitig hat mich die massive Bürokratie überfordert. Du musst dir
| jede Kleinigkeit zusammensuchen wie ein Detektiv. Es gibt keine
| Anleitung, die dir erklärt, welche Dokumente du brauchst, was
| Rundfunkgebühren sind oder dass man nach sechs Monaten einen deutschen
| Führerschein braucht. Das System ist sehr komplex. Und nicht nur ich war
| überfordert. Manchmal habe ich die Menschen in der Einwanderungsbehörde
| etwas gefragt, aber sie wussten selbst keine Antwort. Oft brauchte ich
| im Arbeitsamt oder der Einwanderungsbehörde auch einen Übersetzer, weil
| niemand Englisch sprach.
|
| Nach ein paar Monaten in Deutschland habe ich dann einen Job in einer
| Restaurantkette in Hamburg gefunden. Die Chefs waren Deutsche, aber es
| haben nur internationale Leute dort gearbeitet. Und nach kurzer Zeit
| wusste ich auch, warum. Die Bezahlung war mies, die ganze Zeit
| unbezahlte Überstunden, wir mussten Dinge tun, die nicht legal waren.
| Kein Deutscher hätte diese Arbeit gemacht. Aber die meisten von uns
| hatten keine andere Wahl.
|
| Denn in Deutschland hängt es vom Arbeitsplatz ab, ob man bleiben darf.
| Du kannst deinen Arbeitsplatz auch nicht einfach so wechseln. Als ich
| mein Visum für ein weiteres Jahr bekam, stand der Name meines
| Arbeitgebers darin, was bedeutete: Ich durfte nirgendwo anders arbeiten.
| Aber nach acht Monaten konnte ich nicht mehr, ich war ausgebrannt. Ich
| musste kündigen. Ich hatte solche Angst, dass sie mich aus Deutschland
| kicken. Mein Freund und ich überlegten sogar, zu heiraten. Aber das kam
| uns nicht richtig vor.
|
| Als ich ein paar Wochen später in der Einwanderungsbehörde saß, sagte
| man mir, ich dürfte mir einen neuen Job suchen. Mein neuer Arbeitgeber
| müsste nur wieder eine Erklärung zum Beschäftigungsverhältnis ausfüllen.
| Noch nie habe ich in meinem Leben so viele Bewerbungen geschrieben. Ich
| hatte das Gefühl, es schreckt die Firmen ab, so etwas auszufüllen. Viele
| haben mich einfach geghostet. Wahrscheinlich war es einfacher für sie,
| einen Deutschen einzustellen.
|
| Das alles belastete auch meine Beziehung. Wir fragten uns oft: Warum tun
| wir uns das überhaupt an? Über Monate fand ich keinen neuen Job, bis nur
| noch wenige Tage meines Visums übrig waren. Einen Tag vor Weihnachten
| kam die Zusage von einem Onlinelebensmittelgeschäft. Ich sollte
| Projektleiterin werden. Ich habe geweint vor Freude. Endlich hatte ich
| wieder Luft zum Atmen.
|
| Das ist jetzt zwei Jahre her. Das erste Jahr im neuen Job war wirklich
| wundervoll. Im zweiten Jahr gab es mehrere Entlassungswellen. Die erste
| überstand ich noch. Die zweite traf mich aber dann doch. Jetzt weiß ich
| nicht, wie es weitergehen soll.
|
| *Rául, 23, aus Spanien*
|
| Ich stamme aus einer kleinen Stadt im Süden Spaniens, etwas nördlich von
| Gibraltar. Ich wollte die Welt sehen – deshalb bin ich Übersetzer
| geworden. Während meines Studiums musste ich mich zwischen mehreren
| Sprachen entscheiden. Die erste Sprache war einfach auszuwählen:
| Französisch. Das ist eine schöne Sprache, ich hatte sie schon in der
| Schule. Englisch konnte ich bereits fließend. Zu Arabisch hat es mich
| nicht hingezogen. Es blieb die Wahl zwischen Italienisch und Deutsch.
|
| Die Entscheidung war schwer. Meine Eltern redeten auf mich ein: Du musst
| Deutsch lernen, in Deutschland sind die Jobs. Am Ende entschied ich mich
| aber für Italienisch. Das hatte mehrere Gründe.
|
| Da ist die Sprache an sich: Jedes Mal, wenn ich mit Kommiliton:innen
| sprach, die sich für Deutsch entschieden hatten, stöhnten sie. Deutsch
| ist wirklich schwer. Italien passt besser zu mir, das Essen, die Art zu
| leben, die Offenheit der Menschen.
|
| Vielleicht hatte ich auch Angst, dass es mir so ergeht, wie den vielen
| Spanier:innen, die nach der Finanzkrise 2008 nach Deutschland gingen.
| Das war eine richtige Auswanderungswelle. Sie dachten, sie verdienen
| dort gutes Geld. Aber sie sprachen die Sprache nicht und arbeiteten in
| Jobs, die die Deutschen nicht machen wollten. Letztlich war das Leben in
| Deutschland nicht viel besser als in Spanien. Viele von ihnen kamen
| desillusioniert zurück.
|
| Diese Erfahrung hat viele Spanier:innen geprägt, es wurden sogar Filme
| darüber gedreht, beispielsweise Perdiendo el norte (auf Deutsch: Ab nach
| Deutschland). Der Film ist eine Komödie, man möchte meinen, die beiden
| Protagonisten finden am Ende einen guten Job. Aber selbst in dieser
| Komödie gibt es kein Happy End in Deutschland.
|
| Während des Studiums habe ich meinen heutigen Freund kennengelernt, vor
| Kurzem bin ich zu ihm nach Schweden gezogen. Das ist ein tolles Land mit
| vielen Möglichkeiten. Ich lerne gerade Schwedisch, was tatsächlich Spaß
| macht. Ich glaube, an diesem Punkt kann ich sagen: Für mich sollte es
| Deutschland einfach nicht sein.
|
| *Eugenia, 30, aus Argentinien*
|
| Einmal war ich sogar in München. Es ist eine schöne Stadt, die
| Architektur ist toll. Und die Stadt wächst, es muss also viel gebaut
| werden. Ich dachte, München braucht Menschen wie mich.
|
| Ich komme aus Rosario, das ist die drittgrößte Stadt Argentiniens. Dort
| habe ich Architektur studiert, Bachelor und Master. Danach habe ich fünf
| Jahre als Architektin gearbeitet. Doch ich habe schon immer davon
| geträumt, in Europa zu leben. Das geht vielen Argentinier:innen so.
| Glücklicherweise hatten meine Urgroßeltern einen italienischen Pass. Ich
| zog also nach Italien, dort musste ich ein paar Monate wohnen, um selbst
| den italienischen Pass zu bekommen.
|
| Während dieser Zeit bin ich mit meiner Mappe mit Entwürfen und meinem
| Lebenslauf nach München. Eine Woche lang bin ich durch die verschiedenen
| Architekturbüros getingelt, von Vorstellungsgespräch zu
| Vorstellungsgespräch. Jeder sagte, ich sei geeignet, aber ich müsste
| zuerst Deutsch lernen. Ich hätte auch einen Deutschkurs gemacht, aber
| woher weiß ich dann, ob in einem Jahr der Job noch frei ist? Es dauert
| sicher eine lange Zeit, besonders Deutsch zu lernen. Und wovon hätte ich
| in der Zwischenzeit leben sollen? Ein Nebenjob war auch schwierig zu
| finden, denn die meisten Stellenanzeigen waren auf Deutsch.
|
| In Kopenhagen, wo ich heute lebe, war das ganz anders. Es gab viele
| ausgeschriebene Stellen auf Englisch. So kann ich Dänisch gut neben dem
| Job lernen. Auch insgesamt ist das dänische System viel übersichtlicher.
| Es gibt eine Anlaufstelle für alles, in Kopenhagen ist es das
| International House. Ein sehr schöner Ort, an dem man sich registriert,
| es gibt Dänischkurse, sie helfen dir, eine Wohnung zu finden und dich
| für einen Job zu bewerben. All das ist umsonst. Es gibt dort auch
| Veranstaltungen, damit man gleich Leute kennenlernen kann. Das war sehr
| wichtig für mich. In Deutschland habe ich so etwas nicht gefunden.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.zeit.de/zett/politik/2023-08/zuwanderung-deutschland-internationale-arbeitskraefte-fachkraeftemangel-buerokratie>

	M.f.G.

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wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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#603096

FromUlrich Weise <ulrich.weise@t-online.de>
Date2023-08-29 10:53 +0200
Message-ID<uckbml$ml16$1@solani.org>
In reply to#602995
Am Mon, 28 Aug 2023 18:05:14 +0200 schrieb Michael Bode zum 
Thema:  Re: Sport-Rant


>Wachsen denn wenigstens die Einzahler ins System mit? Ich höre immer
>Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden.

Tja, als einer der ersten Baby-Boomer zahle ich schon über 2 Jahre
nicht mehr ins System ein. Und mit mir bestimmt noch einige mehr, die
aus dem System ihr Geld bekommen.

Aber die Spitze ist noch nicht erreicht. Als nächstes steht die
Generation X vor der Rente.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1131350/umfrage/bevoelkerung-nach-geschlecht-und-generation/

Und wenn nicht jetzt schon, dann wird das im Steuersystem und im
Fachkräftemangel noch tiefere Löcher geben.

Gued gohn,
           Ulrich

  

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#603104

FromPeter Veith <veith@snafu.de>
Date2023-08-29 11:12 +0200
Message-ID<uckcpk$25u64$4@dont-email.me>
In reply to#603096
Am 29.08.2023 um 10:53 schrieb Ulrich Weise:

> Aber die Spitze ist noch nicht erreicht. Als nächstes steht die
> Generation X vor der Rente.
> https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1131350/umfrage/bevoelkerung-nach-geschlecht-und-generation/
> 
> Und wenn nicht jetzt schon, dann wird das im Steuersystem und im
> Fachkräftemangel noch tiefere Löcher geben.

Richtig: Die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner sollen die Renten, der
Rentner aus den "fetten" Jahren bezahlen.

Funktioniert solange nicht, bis die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner
selbst Rentner geworden sind.

"Nur" ein Übergangsproblem, dem weitsichtig mit Rentenkürzungen und
Inflation begegnet wird.

Veith
-- 
"Es ist nicht Ziel des Lebens, auf der Seite der Mehrheit zu stehen,
sondern die Flucht davor, sich bei den Irren wiederzufinden." (M. Aurel)
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com

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#603113

From"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Date2023-08-29 11:36 +0200
Message-ID<ucke6e$mfgm$3@solani.org>
In reply to#603104
Am 29.08.23 um 11:12 schrieb Peter Veith:
> Am 29.08.2023 um 10:53 schrieb Ulrich Weise:
> 
>> Aber die Spitze ist noch nicht erreicht. Als nächstes steht die
>> Generation X vor der Rente.
>> https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1131350/umfrage/bevoelkerung-nach-geschlecht-und-generation/
>>
>> Und wenn nicht jetzt schon, dann wird das im Steuersystem und im
>> Fachkräftemangel noch tiefere Löcher geben.
> 
> Richtig: Die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner sollen die Renten, der
> Rentner aus den "fetten" Jahren bezahlen.
> 
> Funktioniert solange nicht, bis die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner
> selbst Rentner geworden sind.
> 
> "Nur" ein Übergangsproblem, dem weitsichtig mit Rentenkürzungen und
> Inflation begegnet wird.
> 
> Veith

Das Hauptproblem sind doch 17 Millionen Neubürger, die nie in unser 
System einbezahlt haben, aber sofort mit ihren Ansprüchen laut präsent 
waren.

Ach, das ist kein Problem, weil es ja ein umlagebasiertes System ist?

Ja, dann können wir doch sagen wir mal gleich weitere 500 Millionen 
Menschen einladen dazuzukommen als Rentner, oder?


-- 
Bitt um Vrzihung, di Tast " " klmmt manchmal...

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#603120

FromPeter Veith <veith@snafu.de>
Date2023-08-29 12:27 +0200
Message-ID<uckh6i$2776e$1@dont-email.me>
In reply to#603113
Am 29.08.2023 um 11:36 schrieb Dr. Joachim Neudert:

> Am 29.08.23 um 11:12 schrieb Peter Veith:
>> Richtig: Die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner sollen die Renten, der
>> Rentner aus den "fetten" Jahren bezahlen.
>>
>> Funktioniert solange nicht, bis die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner
>> selbst Rentner geworden sind.
>>
>> "Nur" ein Übergangsproblem, dem weitsichtig mit Rentenkürzungen und
>> Inflation begegnet wird.
> 
> Das Hauptproblem sind doch 17 Millionen Neubürger, die nie in unser 
> System einbezahlt haben, aber sofort mit ihren Ansprüchen laut präsent 
> waren.

:-D

Da kämpft Du aber einen "alten Krieg". Oder, um Dir auch platt zu
antworten: Die "17 Millionen Neubürger" erarbeite(te)n auch ab 1990
gleichzeitig Renten, auch für Wessis.

Wäre aber mal eine spannende Rechnung: Wieviel Rentenbeiträge flossen ab
1990 aus Ostdeutschland in die GRV und wieviel zurück. Wenn wir die
Unschärfe "Wohnsitzprinzip" aushalten, bekämen wir einen Anhaltspunkt.

Nebenbei, wer hat eigentlich 1990 das Vermögen der SVK (DDR) und damit
die Rentenkasse kassiert?

> Ach, das ist kein Problem, weil es ja ein umlagebasiertes System ist?
> 
> Ja, dann können wir doch sagen wir mal gleich weitere 500 Millionen 
> Menschen einladen dazuzukommen als Rentner, oder?

Nun, das läuft doch derzeit noch zusätzlich  ... könnte man
"Schneeballsystem" nennen, wenn es sich nicht - sofern überhaupt
sozialversicherungspflichtig tätig - um Niedrig- und Mindestlöhner
handeln würde. Ukrainer privilegiert mit leistungsloser Mindestrente mal
außen vor.

Veith
-- 
"Es ist nicht Ziel des Lebens, auf der Seite der Mehrheit zu stehen,
sondern die Flucht davor, sich bei den Irren wiederzufinden." (M. Aurel)
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com

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#603121

From"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Date2023-08-29 12:34 +0200
Message-ID<uckhjh$mfgm$5@solani.org>
In reply to#603120
Am 29.08.23 um 12:27 schrieb Peter Veith:
> Am 29.08.2023 um 11:36 schrieb Dr. Joachim Neudert:
> 
>> Am 29.08.23 um 11:12 schrieb Peter Veith:
>>> Richtig: Die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner sollen die Renten, der
>>> Rentner aus den "fetten" Jahren bezahlen.
>>>
>>> Funktioniert solange nicht, bis die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner
>>> selbst Rentner geworden sind.
>>>
>>> "Nur" ein Übergangsproblem, dem weitsichtig mit Rentenkürzungen und
>>> Inflation begegnet wird.
>>
>> Das Hauptproblem sind doch 17 Millionen Neubürger, die nie in unser
>> System einbezahlt haben, aber sofort mit ihren Ansprüchen laut präsent
>> waren.
> 
> :-D
> 
> Da kämpft Du aber einen "alten Krieg". Oder, um Dir auch platt zu
> antworten: Die "17 Millionen Neubürger" erarbeite(te)n auch ab 1990
> gleichzeitig Renten, auch für Wessis.

Viele  Jungs wie Du sind 1991 direkt in die Rentensysteme gewechselt. 
Volksarmee-Offiziere wurden erst mal nicht benötigt.
(Ich weiß, Du hast wohl noch was anderes gearbeitet).


> 
> Wäre aber mal eine spannende Rechnung: Wieviel Rentenbeiträge flossen ab
> 1990 aus Ostdeutschland in die GRV und wieviel zurück. Wenn wir die
> Unschärfe "Wohnsitzprinzip" aushalten, bekämen wir einen Anhaltspunkt.
> 
> Nebenbei, wer hat eigentlich 1990 das Vermögen der SVK (DDR) und damit
> die Rentenkasse kassiert?

Hatten die Goldvorräte, Dollar, D-Mark  oder doch nur selbst gedrucktes 
Spielgeld?

> 
>> Ach, das ist kein Problem, weil es ja ein umlagebasiertes System ist?
>>
>> Ja, dann können wir doch sagen wir mal gleich weitere 500 Millionen
>> Menschen einladen dazuzukommen als Rentner, oder?
> 
> Nun, das läuft doch derzeit noch zusätzlich  ... könnte man
> "Schneeballsystem" nennen, wenn es sich nicht - sofern überhaupt
> sozialversicherungspflichtig tätig - um Niedrig- und Mindestlöhner
> handeln würde. Ukrainer privilegiert mit leistungsloser Mindestrente mal
> außen vor.
> 

In der Rentenversicherung sind die nicht sofort gelandet,  ähnlich wie 
unsere Migranten. Aber in der Krankenversicherung werden sie wie die 
Migranten  von den anderen AOK-Einzahlern voller Freude mitfinanziert.



-- 
Bitt um Vrzihung, di Tast " " klmmt manchmal...

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#603146

FromPeter Veith <veith@snafu.de>
Date2023-08-29 15:31 +0200
Message-ID<uckrvr$28uun$1@dont-email.me>
In reply to#603121
Am 29.08.2023 um 12:34 schrieb Dr. Joachim Neudert:

> Am 29.08.23 um 12:27 schrieb Peter Veith:
>> Am 29.08.2023 um 11:36 schrieb Dr. Joachim Neudert:
>>
>>> Am 29.08.23 um 11:12 schrieb Peter Veith:
>>>> Richtig: Die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner sollen die Renten, der
>>>> Rentner aus den "fetten" Jahren bezahlen.
>>>>
>>>> Funktioniert solange nicht, bis die heutigen Niedrig- und Mindestlöhner
>>>> selbst Rentner geworden sind.
>>>>
>>>> "Nur" ein Übergangsproblem, dem weitsichtig mit Rentenkürzungen und
>>>> Inflation begegnet wird.
>>>
>>> Das Hauptproblem sind doch 17 Millionen Neubürger, die nie in unser
>>> System einbezahlt haben, aber sofort mit ihren Ansprüchen laut präsent
>>> waren.
>>
>> :-D
>>
>> Da kämpft Du aber einen "alten Krieg". Oder, um Dir auch platt zu
>> antworten: Die "17 Millionen Neubürger" erarbeite(te)n auch ab 1990
>> gleichzeitig Renten, auch für Wessis.
> 
> Viele  Jungs wie Du sind 1991 direkt in die Rentensysteme gewechselt. 

Negativ. Die Masse war erst einmal Arbeitslos (und in diversen Systemen,
wie "Kurzarbeit Null" versteckt). Trotz massiver Abwanderung zum Wohle
der westdeutschen Wirtschaft waren noch bis zu 40% der verbliebenen
Erwerbsfähigen arbeitslos.

Frühverrentungen gab es natürlich auch, aber eben mit Einbußen, obwohl
es die heutigen Abschläge noch nicht gab.

> Volksarmee-Offiziere wurden erst mal nicht benötigt.
> (Ich weiß, Du hast wohl noch was anderes gearbeitet).

Du hast keine Ahnung, wie der Anschluß damals im Osten lief. Nur eine
sachliche Feststellung.

Von meinen damaligen Notizen kann ich Dir folgendes anbieten:
https://home.snafu.de/veith/Texte/zeitvgr.htm
https://home.snafu.de/veith/staerke.htm

>> Wäre aber mal eine spannende Rechnung: Wieviel Rentenbeiträge flossen ab
>> 1990 aus Ostdeutschland in die GRV und wieviel zurück. Wenn wir die
>> Unschärfe "Wohnsitzprinzip" aushalten, bekämen wir einen Anhaltspunkt.
>>
>> Nebenbei, wer hat eigentlich 1990 das Vermögen der SVK (DDR) und damit
>> die Rentenkasse kassiert?
> 
> Hatten die Goldvorräte, Dollar, D-Mark  oder doch nur selbst gedrucktes 
> Spielgeld?

Grundstücke z.B. ... das überhebliche Wessigequatsche kannst Du Dir an
dieser Stelle sparen, vor allem wenn Du keine Ahnung hast. Die Frage:
"Wieviel Rentenbeiträge flossen ab 1990 aus Ostdeutschland in die GRV
und wieviel zurück" bleibt zudem.

>>> Ach, das ist kein Problem, weil es ja ein umlagebasiertes System ist?
>>>
>>> Ja, dann können wir doch sagen wir mal gleich weitere 500 Millionen
>>> Menschen einladen dazuzukommen als Rentner, oder?
>>
>> Nun, das läuft doch derzeit noch zusätzlich  ... könnte man
>> "Schneeballsystem" nennen, wenn es sich nicht - sofern überhaupt
>> sozialversicherungspflichtig tätig - um Niedrig- und Mindestlöhner
>> handeln würde. Ukrainer privilegiert mit leistungsloser Mindestrente mal
>> außen vor.
> 
> In der Rentenversicherung sind die nicht sofort gelandet,  ähnlich wie 
> unsere Migranten.

Richtig, die zahlen erst einmal zum Wohle der Bestandsrentner ein,
soweit sie sozialversicherungspflichtige Arbeit mit ausreichend Lohn
haben. Aber irgendwann wollen die auch ausgezahlt werden (könnte zum
Schneeballsystem werden).

> Aber in der Krankenversicherung werden sie wie die 
> Migranten  von den anderen AOK-Einzahlern voller Freude mitfinanziert.

Da gibt es ausreichend interessengeleitete Berechnungen über die
volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Fakt ist: Hier hat die
BRD-Wirtschaft derzeit rd. 1,5 Mio. Arbeitskräfte _mehr_ zur Verfügung
als ohne die grenzenlose Einwanderung.

Und nur das zählt für die Politik. Der Rest wird durch Kürzungen bei den
Versicherten und Rentnern "repariert".

Veith
-- 
"Es ist nicht Ziel des Lebens, auf der Seite der Mehrheit zu stehen,
sondern die Flucht davor, sich bei den Irren wiederzufinden." (M. Aurel)
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com

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#603169

FromUlf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de>
Date2023-08-29 09:12 -0700
Message-ID<735b2dd4-b511-4153-9b80-16f1c56b508dn@googlegroups.com>
In reply to#603146
Peter Veith schrieb am Dienstag, 29. August 2023 um 15:31:42 UTC+2:
> Am 29.08.2023 um 12:34 schrieb Dr. Joachim Neudert: 
> 
> > Am 29.08.23 um 12:27 schrieb Peter Veith: 

> >> Ukrainer privilegiert mit leistungsloser Mindestrente mal 
> >> außen vor. 
> > 
> > In der Rentenversicherung sind die nicht sofort gelandet, ähnlich wie 
> > unsere Migranten.
> Richtig, die zahlen erst einmal zum Wohle der Bestandsrentner ein, 
> soweit sie sozialversicherungspflichtige Arbeit mit ausreichend Lohn 
> haben.

Auch mit nicht ausreichend Lohn, wenn sozialversicherungspflichtig.

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#603179

FromFidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Date2023-08-29 20:12 +0200
Message-ID<uclcem$2bu79$2@dont-email.me>
In reply to#603096
Salve allerseits,

Ulrich Weise schrieb:
> Am Mon, 28 Aug 2023 18:05:14 +0200 schrieb Michael Bode zum 
> 
>>Wachsen denn wenigstens die Einzahler ins System mit? Ich höre immer
>>Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden.
> 
> Tja, als einer der ersten Baby-Boomer zahle ich schon über 2 Jahre 
> nicht mehr ins System ein. Und mit mir bestimmt noch einige mehr,
> die aus dem System ihr Geld bekommen. Aber die Spitze ist noch nicht
> erreicht. Als nächstes steht die Generation X vor der Rente.
>   
Mach mal halblang! Auch ich bin ein Baby-Boomer! Jahrgang 1964! Die
Jahrgänge 1949 bis 1963 dürfen vor 67 in Rente gehen! Ich darf also
frühestens 2031 in Rente gehen! Was ich aber gar nicht vorhabe! Als
Lobbyist verdient man in Brüssel nämlich viel zu gut, um auch nur
daran zu denken, in Rente zu gehen... °‿‿°

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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#602990

FromLothar Kimmeringer <news201705@kimmeringer.de>
Date2023-08-28 17:48 +0200
Message-ID<uq3ndo2zbjgd$.dlg@kimmeringer.de>
In reply to#602954
Dr. Joachim Neudert wrote:

> Kann es sein daß die Generation Z echte Weicheier sind und gar nix 
> gebacken bekommen ausser sich überall festzubappen?
> Irgendwie waren wir Boomer noch aus härterem Holz.

Kann es sein, dass die Generation Boomer dank Sparmassnahmen in 
der Bildung bewirkte, dass inzwischen 30-40% der eigentlich
laut Lehrplan vorgesehen Sportstunden ausfallen?
 
Wo kein Fundament, da kein Haus.


Gruesse, Lothar
-- 
Lothar Kimmeringer                E-Mail: spamfang@kimmeringer.de
               PGP-encrypted mails preferred (Key-ID: 0x8BC3CD81)

Always remember: The answer is forty-two, there can only be wrong
                 questions!

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