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Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus

From Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus
Date 2025-11-22 14:47 +0000
Message-ID <10fsiev$ebc6$1@solani.org> (permalink)
References <10fmuho$am2a$1@solani.org> <mo8mvdFtpr0U4@mid.individual.net> <10fnhca$32n8g$2@dont-email.me> <modudfFqa37U1@mid.individual.net>

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Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> wrote:
> Am 20.11.25 um 17:58 schrieb Fidel Sebastián Hunrichse-Lara:
>> Salve allerseits,
>> 
>> Walter Brill schrieb:
>>> Am 20.11.25 um 12:37 schrieb Dr. Joachim Neudert:
>>> 
>>>> Ekrem Imamoğlu war die Hoffnung für Millionen Menschen in der Türkei.
>>> 
>>> Ist heute Deine neues "Ölkännchen" eingetroffen;-)
>>> 
>> +--- <hier abknabbern> ---
>> | Der Westen steckt in einer Krise und die Frage ist, wie er da wieder
>> | herauskommt. Ich weiß es auch nicht im Detail, aber vermutlich wäre eine
>> | Besinnung auf die eigenen Stärken ein guter Anfang. Was konkret heißt:
>> | Er muss wieder christlich werden. Ja, das mag so manchen Leser
>> | irritieren, aber ich kann all die Millionen Menschen beruhigen, die
>> | längst aus der Kirche ausgetreten sind: Da muss niemand wieder rein, der
>> | schon raus ist. Christlich werden bezieht sich auf die Selbstbezeichnung
>> | als Kulturchrist.
>> |
>> | Uns ist das Wissen verloren gegangen, dass unsere westlichen Werte
>> | weitestgehend christliche Werte sind. Tatsächlich hat diese Religion
>> | einige beeindruckende Erfolge vorzuweisen: Sie gründete die ersten
>> | Universitäten, verbot die Ehe unter nahen Verwandten, predigte Vergebung
>> | statt Rache, baute prachtvolle Kathedralen und prägte nebenbei noch
>> | unser Gefühl für Ästhetik. Ach ja, und ohne Christentum auch keine
>> | universellen Menschenrechte und damit kein Artikel 1 des Grundgesetzes,
>> | dass die Würde des Menschen unantastbar ist – keine schlechte Bilanz
>> | nach 2.000 Jahren Christentum.
>> |
>> | Diese Verdienste werden auch nicht dadurch geschmälert, dass es daneben
>> | auch reichlich Verbrechen im Namen der Kirche gab. Verbrechen sind keine
>> | christliche Besonderheit, sondern der weltgeschichtliche Normalfall,
>> | während die oben erwähnten Ideen tatsächlich einzigartig sind. Dschingis
>> | Khan, Kaiser Nero oder der Aztekenkönig Tizoc hinterließen allesamt
>> | Leichenberge, aber keinen Wertekanon, der lehrt, dass jeder Mensch
>> | gleich viel wert ist.
>> |
>> | Die europäischen Aufklärer übernahmen schließlich die kirchlichen
>> | Moralvorstellungen, kritisierten aber gleichzeitig umso lauter die real
>> | existierende Kirche. Sie gingen dabei so geschickt vor, dass viele
>> | Menschen bis heute denken, die Aufklärung hätte uns die liberalen
>> | Freiheiten im unerbittlichen Kampf gegen das Christentum erstritten.
>> | Dabei hat sie die „christlichen Werte“ lediglich in „universelle Werte“
>> | umgewidmet und die Vergangenheit Europas kurzerhand zum „finsteren
>> | Mittelalter“ erklärt, damit möglichst keinem der eigene
>> | Taschenspielertrick auffällt. Aber das ist lange her und spielt an
>> | dieser Stelle auch keine weitere Rolle.
>> |
>> | In unserer Zeit jedenfalls sind die Kirchen leer und das Christentum in
>> | atemberaubendem Tempo auf dem Rückzug. Andere Weltanschauungen treten an
>> | ihren Platz in Gesellschaft und Stadtbild und genau da beginnt das
>> | Problem. Wenn das Christentum verschwindet, verschwindet mit ihm auch
>> | der Westen. Umso wichtiger wäre ein Aufstieg des Kulturchristentums als
>> | Bewahrer unserer westlichen Werte, ohne die es keine freie Gesellschaft
>> | geben kann.
>> |
>> | Sie sind noch nicht überzeugt? Dann würde ich Ihnen gerne Richard
>> | Dawkins vorstellen. Er ist der berühmteste Evolutionsbiologe der Welt,
>> | der außerdem auch als wortgewandter Atheist von sich reden machte. Seine
>> | religionskritischen Werke tragen Titel wie „Der Gotteswahn“ oder „Die
>> | Schöpfungslüge“ und sind globale Bestseller geworden. Dieser Richard
>> | Dawkins sagt über sich: „Ich bin ein kultureller Christ.“ Ihm ist diese
>> | Erkenntnis gekommen, während er in seiner Heimat Großbritannien den
>> | Aufstieg des Islams erlebte, dessen Wertvorstellungen sich in
>> | wesentlichen Punkten von denen des Christentums unterscheiden. Dawkins
>> | gehört damit zu jenen Menschen, die zwar nicht an Gott glauben, sehr
>> | wohl aber an die Werte, die jene geschaffen haben, die genau das tun.
>> | Insgesamt findet gerade dort, wo in Europa der Islam mittlerweile das
>> | Leben der Menschen mitprägt, eine Rückbesinnung statt.
>> |
>> | Tatsächlich ist der Islam eine Herausforderung für den Westen, da er
>> | dessen Werte ablehnt. Ein Blick in die „Kairoer Erklärung der
>> | Menschenrechte“ lässt in dieser Hinsicht wenige Fragen offen. Die
>> | universellen Menschenrechte haben hinter der Scharia zurückzustehen,
>> | heißt es darin. Die Abkehr vom Islam (und nur von ihm) wird bestraft,
>> | Körperstrafen sind erlaubt. Kurzum: Die Würde des Menschen ist plötzlich
>> | Verhandlungssache, sie ist nicht mehr absolut. Damit wird die Idee
>> | begraben, dass alle Menschen über unteilbare Grundrechte verfügen.
>> |
>> | Es gibt aber nicht nur den Islam als Gegenspieler westlicher Werte. Er
>> | wird auch von der Linken bedroht, die seit dem Zusammenbruch der
>> | Sowjetunion keine Chance mehr hat, die Welt im eigenen Sinne zu prägen.
>> | Darum sinkt sie zunehmend auf das Niveau antiwestlicher und
>> | antisemitischer Extremisten ab. Ihr Beitrag erschöpft sich immer mehr
>> | darin, dem Westen den Untergang zu wünschen, sich mit dessen Feinden zu
>> | verbünden und ihn selektiv für vergangene Verbrechen anzuklagen. Auch
>> | gegenüber dieser gescheiterten Ideologie sollte man wissen, was man
>> | verliert, wenn man ihr nachgibt. Da sie umso erfolgreicher ist, je
>> | weniger die Menschen wissen, wofür der Westen eigentlich steht, sollte
>> | die Beschäftigung mit den eigenen Werten und Wurzeln unbedingt mehr Raum
>> | in unserer Zivilisation einnehmen.
>> |
>> | Kulturchristentum ist dabei ein säkulares Bekenntnis zum freien Westen.
>> | Was es zugleich nicht ist, ist eine Kampfansage an Linke oder Moslems,
>> | die Teil des Westens sein wollen. Dieser ist schließlich auch deswegen
>> | so erfolgreich, weil sich ihm jeder anschließen kann. Dafür reicht es
>> | schon, dem Individuum den Vorzug vor dem Kollektiv zu geben, schon hat
>> | man das Ticket in diese Zivilisation gelöst.
>> |
>> | Es lohnt sich, diese Werte in einer Welt rivalisierender Kollektivideen
>> | wie dem chinesischen Kommunismus, der venezolanischen Kleptokratie oder
>> | dem iranischen Islamismus zu verteidigen. Wo der Einzelne nur noch ein
>> | Rädchen im Getriebe ist, ist die Unmenschlichkeit zu Hause.
>> |
>> | [...]
>> |
>> | In diesem Sinne: Amen und Sapere aude.
>> +--- </hier abknabbern> ---
>> 
>> ©<https://www.welt.de/debatte/article6919c9bc48c8e4de26557cee/religion-wenn-das-christentum-verschwindet-verschwindet-auch-der-westen.html>
> 
> Christentum und westliche Werte?


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OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2025-11-20 11:37 +0000
  Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-11-20 15:30 +0100
    Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2025-11-20 15:37 +0000
      Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Goetz Schultz <ng.expire1230@goetz.co.uk> - 2025-11-20 15:55 +0000
      Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-11-21 14:22 +0100
    Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-11-20 17:58 +0100
      Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-11-22 15:07 +0100
        Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2025-11-22 15:27 +0100
        Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2025-11-22 14:47 +0000
        Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Marte Schwarz <marte.schwarz@gmx.de> - 2025-11-24 13:51 +0100

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