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| From | Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus |
| Date | 2025-11-20 11:37 +0000 |
| Message-ID | <10fmuho$am2a$1@solani.org> (permalink) |
Heute in der SZ. Ausserordentlich lesenswert. Güner Balci ist seit 2020 die Integrationsbeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln. ========================== Unter wem leiden Muslime in Deutschland mehr: unter islamistischen Strukturen und Clankriminalität – oder den Menschen, die auf diese Gefahren hinweisen? Gedanken der Integrationsbeauftragten von Neukölln. Ein Essay von Güner Balci 19. November 2025 | Lesezeit: 10 Min. Ekrem Imamoğlu war die Hoffnung für Millionen Menschen in der Türkei. Der abgesetzte Bürgermeister Istanbuls war das Licht am Ende des Tunnels, die letzte Hoffnung für ein Land, dass sich unter Recep Tayyip Erdoğan zunehmend in einen islamistisch-autoritären Staat verwandelt. Ekrem Imamoğlu sitzt seit über neun Monaten unschuldig im Gefängnis, die Staatsanwaltschaft fordert nun 2352 Jahre Strafe. Sein Verbrechen war es, mit demokratischen Mitteln die letzten Reste des Laizismus in der Türkei zu leben, gewählt zu werden von freien, mündigen Bürgern, in einem wunderschönen Land. In diesem Land war es unter Atatürk einmal Mode, bewusst Wörter aus dem Französischen in den Sprachgebrauch zu übernehmen, um einen Anschluss an den Westen zu ermöglichen. Heute ist es ein sicheres Land für die Hamas, die dort ihr Vermögen anlegt. Was das mit uns zu tun hat? Viel. Wenn man es erkennen will. Oder eben sehr wenig – wenn man noch immer nicht begriffen hat, dass islamistische Netzwerke lange getarnt und im Verborgenen gewoben werden, bis sie so stark sind, dass es keine Tarnung mehr braucht. Zur Autorin Güner Balci ist seit 2020 Integrationsbeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln. Im August erschien ihr Buch „Heimatland – Zähne zeigen gegen die Feinde der Demokratie“ (Rowohlt Berlin). Wenn man Imamoğlu fragen könnte, würde er das aus seiner Gefängniszelle heraus wahrscheinlich gerne erläutern. Er könnte etwa erklären, warum es nicht gut für unsere Demokratie ist, wenn Funktionäre des aus der Türkei gesteuerten Islam-Verbands Ditib in öffentlichen Gremien sitzen, um über die Vergabe von öffentlichen Mitteln mitzubestimmen. Wenn Muslimbrüder, finanziert durch Steuermittel, Community-Arbeit betreiben, wenn islamistische Verbände und Funktionäre, die ihren Gott über alle weltlichen Gesetze stellen, mitbestimmen dürfen über unseren Bildungskanon. Die mangelnde Wahrnehmung für das Einsickern des Islamismus in unsere Gesellschaft geht uns alle an. Es ist kein Phänomen, dass man nur in Neukölln oder nur in einer bestimmten Partei findet – es zieht sich seit Jahrzehnten durch alle Volksparteien und zivilgesellschaftlichen Institutionen. Wenn es Islamisten gelingt, gesellschaftliche Normen zu verschieben, waren und sind als Erste immer Muslime selbst betroffen, egal ob in Syrien oder in Deutschland. Geschäft in der Karl-Marx-Straße Foto: Christophe Gateau/Christophe Gateau/dpa Es gibt kaum eine Gemeinde, die das repräsentiert, was viele säkular orientierte Menschen mit muslimischem Hintergrund ausmacht Bei uns in Neukölln können sich Jungen und Mädchen, Frauen und Männer, Queere und Nicht-Queere noch das Recht herausnehmen, den Islam ganz individuell zu praktizieren, als ihre eigene, persönliche Lebensphilosophie. Ein ganz gewöhnlicher Prozess, würde man jetzt meinen, so kennt man es aus fast jedem Kirchenkreis. In der Realität aber finden viele Muslime allein in ihren Herzen ein Zuhause im Islam. Es gibt kaum eine Gemeinde, die das repräsentiert, was so viele säkular orientierte Menschen mit muslimischem Hintergrund ausmacht: Die Vereinbarkeit von individueller Freiheit, von Glauben oder Nichtglauben mit der Gewissheit, alles und jeden zu jeder Zeit infrage stellen zu dürfen. Auch Gott – ohne dafür bestraft zu werden. Ich kenne so viele Menschen, die ihre Art der religiösen Freiheit jedoch nicht öffentlich leben können. Weil die Diffamierungen und Einschüchterungen durch reaktionäre Personen und Institutionen systematisch sind, bisweilen lebensgefährlich – und das seit Jahrzehnten. Die einzige liberale Moschee in Deutschland, in der Frauen und Männer nebeneinander beten und Frauen das Gebet leiten dürfen, steht unter Polizeischutz und entging nur durch die Zuarbeit ausländischer Nachrichtendienste einem islamistischen Terroranschlag. Es bildet sich jedoch kein breites politisches Bündnis für die Betroffenen – im Gegenteil, Islamisten erleben besonders seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf israelische Zivilisten eine breite Solidarisierung in bestimmten Teilen sich „links“ verortender Gruppen. Man erlebt es an Universitäten, auf der Straße und auch bei uns in Neukölln, und manchmal fühlt sich das Ganze wie eine Tragikomödie an. Wenn etwa ein hyperaktiver linker Antisemit sich ins falsche arabische Shisha-Café verirrt und statt Zuspruch für seine Hetze gegen Israel und Juden vom Cafébetreiber Prügel angedroht bekommt mit der Ansage: „Wir wollen deinen Judenhass nicht, wir wollen Frieden.“ Wenn dieser linke Antisemit dann aus Verzweiflung und Angst die 110 wählt, wird es doppelt komisch – denn eigentlich wollen nicht wenige Neuköllner Linke die Polizei eher lieber abschaffen. Gar nicht komisch ist es aber, wenn der Leiter einer beliebten arabischen Sprachschule plötzlich Besuch von einem islamistischen Funktionär bekommt, mit dem unverblümten Ratschlag: Er solle sich lieber eine neue Heimatstadt für sich und seine Familie suchen, solange er noch könne. Der Grund: Der Schulleiter besteht auf eine säkulare Sprachvermittlung, ohne das Rezitieren von Koranversen, und positioniert sich offen gegen jede Form von Antisemitismus. „Es gibt hier eine reale Macht der Islamisten“ Mitten in Neukölln tobt der Nahostkonflikt am Tresen. Das Bajszel, eine Kneipe, in der man rauchen und anderer Meinung sein darf, ist ins Fadenkreuz von Islamisten und extremen Linken geraten. Ohne Polizeischutz geht hier nichts mehr. Ja, manchmal wirkt es in Neukölln wie in Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ – mit dem Unterschied, dass die Islamisten in der Realität weitaus weniger charmant sind als dessen Romanheld Mohamed Ben Abbes. Der fiktive Anführer einer muslimischen Partei schafft es in dem Buch in kürzester Zeit sogar, ein dekadentes Bildungsbürgertum zu bezirzen und sich als Präsidentschaftskandidat gegen die damals noch unter dem Namen Front National firmierenden extremen Rechten in Stellung zu bringen. Er gewinnt die Wahl und ersetzt den Laizismus durch eine Theokratie, in der die Scharia herrscht. In Neukölln – und beileibe nicht nur dort – träumen ebenfalls viele Extremisten von mehr Gott, der über den weltlichen Gesetzen schwebt. Religionskritik bleibt ein gefährliches Unterfangen, sobald es um den Islam geht. Man denkt dabei unweigerlich an Samuel Paty, an Charlie Hebdo. Und wer nicht schon deshalb genug eingeschüchtert ist, knickt spätestens dann ein, wenn man ihm beim Hinterfragen reaktionärer Praktiken mit dem Rassismusvorwurf kommt. Gleichzeitig wird jede Debatte dazu von der rechtsextremen AfD und ihren Schergen missbraucht, um Hass gegen alle Muslime und Migranten zu schüren. Eine Moschee in Neukölln Foto: Sean Gallup/Getty Images Ein zu kurzer Rock, ein Pausenbrot während des Ramadans – alles kann als Beleidigung des Propheten aufgefasst werden Diese Auseinandersetzung ist eine der größten Herausforderungen für unsere Streitkultur und unsere Demokratie. In Neukölln haben wir das schon lange erkannt, deshalb sah die gesellschaftspolitische Entwicklung bei uns verglichen mit Houellebecqs Roman viel zukunftsweisender aus. Trotz aller Bedrohungsszenarien. Neukölln hat eine große Mehrheit muslimischer Mitbürger, die man gesichert als Verfassungspatrioten bezeichnen kann, und einen sozialdemokratischen Bürgermeister, der nicht im Verdacht steht, gemeinsame Sache mit Freunden eines Gottesstaates zu machen. Bundesweit sorgte Martin Hikel für Schlagzeilen, weil er eine Studie zur „konfrontativen Religionsbekundung“ an Schulen in Auftrag gab. Die Ergebnisse waren niederschmetternd, sie förderten zutage, was sonst einfach in einem bestimmten Milieu bleibt und auf dem Rücken von Kindern und Lehrkräften ausgetragen wird: Eine kleine Gruppe ultrareaktionärer Jugendlicher macht den Schulalltag für eine Mehrheit von vor allem muslimischen Schülern und für deren Lehrer zur Hölle. Von Diskriminierungen und Unterrichtsverweigerung, Beleidigungen und sexueller Belästigung, sozialer Kontrolle und Diffamierungen war da die Rede, bis hin zu von roher Gewalt gegen jene, die man als „falsche Muslime“ ausgemacht hatte. Die Anlässe schienen banal: ein zu kurzer Rock, ein Pausenbrot während des Ramadans, eine verweigerte Huldigung des Propheten oder ein Gebrauch von dessen Namen im falschen Kontext. Alles konnte zu jeder Zeit als Beleidigung des Propheten gedeutet werden, und die, so weiß mittlerweile jedes Kind, wird nicht toleriert. „Heimatland“ von Güner Yasemin Balci Ziemlich einmalig in dieser Welt In Berlin-Neukölln lässt sich studieren, was die freie westliche demokratische Gesellschaft bedroht – und wie man sie stärkt, sagt Güner Yasemin Balci, die Integrationsbeauftragte dieses Viertels. Ihr lesenswertes Buch „Heimatland“ handelt davon. Bei einem Großteil der Neuköllner stieß die Studie auf Zuspruch, vor allem säkulare Muslime trugen den Wunsch an uns heran, unbedingt so weiterzumachen, sie waren überzeugt: Der Bürgermeister hatte erkannt, dass es genau diese Zustände waren, die viele von ihnen dazu veranlasst hatten, den Theokratien in ihren Herkunftsländern den Rücken zu kehren. Gleichzeitig organisierte der Bezirk eines der größten öffentlichen Fastenbrechen der Geschichte der Stadt: 2000 Menschen feierten auf der Sonnenallee Ramadan, als Anerkennung für die Selbstverständlichkeit muslimischen Lebens bei uns. Es sollte der Startschuss werden für einen empathischen, differenzierten Blick auf das Leben in muslimischen Communitys, auf die Situation von Kindern und Jugendlichen, die den religiösen Konflikten in ihrem Lebensumfeld bis dahin unbeachtet ausgesetzt waren. Doch das Gegenteil war der Fall. Begriffe wie Clankriminalität und Islamismus werden von Teilen einer bourgeoisen Linken und anderen Träumern bekämpft Teile der Grünen und der Linken, aber auch der SPD stürzten sich mit dem Vorwurf des „antimuslimischen Rassismus“ auf den Bürgermeister und seine Mitarbeiter. Der Zentralrat der Muslime, eine reaktionäre Organisation, deren extremistische Mitglieder teils in Verfassungsschutzberichten auftauchen und die tatsächlich nur eine Minderheit der in Deutschland lebenden Muslime repräsentieren, schlugen Alarm und witterten eine Hetzjagd gegen alle Muslime in Deutschland. Unterstützung bekamen sie von fragwürdigen NGOs, und selbst eine Landesabgeordnete der Grünen war sich nicht zu schade, die Macher der Studie als „extreme rechte Gruppe im Rathaus“ zu bezeichnen. Die rot-grün geführten Senatsverwaltungen setzten alle Mittel in Bewegung, um dem kleinen Träger „Verein für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung“, der die Studie für den Bezirk durchgeführt hatte, von heute auf morgen alle Mittel zu kürzen. Hätte es die Berliner Neuwahl 2023 nicht gegeben, wäre dieser Verein heute nicht mehr da. Hinzu kamen in der Folge Morddrohungen und öffentliche Aufrufe zur Gewalt auch gegen meine Person, und ich musste meinen Kindern erklären, warum nun die Polizei vor unserer Haustür stand. Unvergessen ist mir ein Abend in unserem altehrwürdigen Rixdorf-Salon im Rathaus Neukölln. Martin Hikel und ich sitzen am Tisch, umringt von allen namhaften islamistischen Predigern des Bezirkes, und wir sollen uns erklären, wie zwei Straftäter vor Gericht. Die Imame hatten diesen Termin eingefordert, um uns klarzumachen: Die Probleme, die wir benennen würden, kennen sie. Doch der Umgang mit diesen sei einzig ihnen vorbehalten. Die Forderung nach einem liberalen Islam konterten sie mit dem Vorwurf des antimuslimischen Rassismus, auch unsere Kooperation mit der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee wurde als Förderung von Hass gegen Muslime interpretiert. „Das sind keine Muslime, das sind Häretiker“, hieß es nachdrücklich. Islam, so ließ man uns wissen, sei einzig und allein ihr Geschäft, nur sie durften darüber reden und entscheiden. Alles andere wurde in die Kategorie Islamophobie einsortiert. Teile der Linken, der Grünen und der SPD sind in den vergangenen Jahren zu Kämpfern gegen „Islamophobie“ avanciert und schrecken nicht davor zurück, eigene Parteimitglieder anzuzählen, wenn diese es wagen, Islamismus beim Namen zu nennen. Aber auch die CDU hat ihren Teil dazu beigetragen, das Problem kleinzureden, und sich gerne mit Vertretern eines reaktionären Islam ablichten lassen. Robert Habeck hat damit seine Erfahrungen gemacht, genauso wie Cem Özdemir, aber auch Klaus Lederer und Petra Pau. Martin Hikel kennt diese Szene der Relativierer und Drangsalierer besonders gut. Er muss sich berufsbedingt regelmäßig mit ihnen auseinandersetzen. Gleichzeitig wünschen sich einige seiner Parteikollegen, dass Migrationspolitik, sofern sie denn überhaupt im Kontext politischer Forderungen erwähnt werden darf, die Vielfalt feiert und ausschließlich den Gewinn, den Einwanderung einem Land beschert. So werden Begriffe wie „Clankriminalität“ und „Islamismus“ von Teilen einer bourgeoisen Linken und anderen Träumern hart bekämpft, man setzt sich für deren Abschaffung ein. Sprachregelungen bestimmen den Diskurs und irgendwann auch das Bewusstsein, die Realität wird ignoriert. Seit ich vor fünf Jahren das Amt der Integrationsbeauftragten in Neukölln antrat, muss ich mich regelmäßig mit islamistischen Entwicklungen und Clanstrukturen auseinandersetzen. Ohne die vielen Neuköllnerinnen und Neuköllner, die täglich mit diesen Themen konfrontiert sind und mutig dagegen aufbegehren, wäre das nicht auszuhalten. Denn Antisemitismus, Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und häusliche Gewalt, Drogen und Müll gehören zusammen mit islamistischen Strukturen und Clankriminalität zu großen Problemlagen bei uns. Und ja, wir hatten in den vergangenen Jahren auch ein rechtsextremes Terrornetzwerk, dass mit einer ganzen Reihe von Brandsätzen fast Menschenleben gekostet hätte. Niemand bestreitet, dass unsere Demokratie so stark durch Rechtsextreme bedroht ist wie seit 1945 nicht mehr. Gegen Nazis zu sein, gehört in Neukölln für die absolute Mehrheit ohnehin zur obersten Bürgerpflicht. Dem akuten extremen Rechtsruck kann nur eine starke demokratische Zivilgesellschaft etwas entgegensetzen. Sie lebt und feiert das freie Wort. Sie ist die Substanz für das Gute, Schöne und Freie. Der Kampf dafür muss in allen Kontexten erkannt werden. Foto: imago stock&people/imago/Winfried Rothermel Es sind Frauen mit Kopftuch, die sagen: Islam ja, Islamisten nein Unsere Demokratie fällt nicht von heute auf morgen durch Gewalt, sie wird langsam und beharrlich zersetzt, von Extremisten jeglicher Sorte. Wir bereiten ihnen den Boden, wenn wir nicht wagen, darüber zu streiten, was uns verbindet und was uns auseinandertreibt. Die Kinder und Jugendlichen an unseren Schulen, auf unseren Spielplätzen und in den Sozialbausiedlungen in Neukölln, wo Menschen mit weniger rosigen Zukunftsperspektiven leben, werden nicht von der AfD oder vom „Dritten Weg“ angeworben. Das passiert in anderen Bezirken meiner Heimatstadt. Die Jungs und Mädchen in den schwierigen Kiezen von Neukölln sind leichte Beute für Kalifatsanhänger und Kriminelle auf der Suche nach billigen Handlangern. Beide Lager ködern hier die Kids mit unterschiedlichen Heilsversprechen. Es sind die Eltern und Großeltern dieser Kinder, die Martin Hikel dazu auffordern, mehr zu tun, um diese Entwicklung zu stoppen. Es sind Männer und Frauen mit muslimischem Background, die mit einer Mischung aus Ehrfurcht und fordernder Wut vor dem hochgewachsenen jungen Bürgermeister stehen und ihn nachdrücklich bitten, klare Position zu beziehen, mit den Worten: „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder bei diesen Kriminellen und Islamisten landen.“ Es sind Frauen mit Kopftuch, die sagen: Islam ja, Islamisten nein. Frauen, die mehr über die Bedrohung durch die Muslimbruderschaft wissen und referieren könnten, als manch ein selbsternannter Islamexperte. Und es sind auch Palästinenser und Palästinenserinnen, die sich zunehmend auf den Straßen Neuköllns bedroht fühlen, weil die Hamas für sie Terror bedeutet und nicht Freiheitskampf, und die ihre Kritik an der israelischen Regierung von der israelischen Bevölkerung trennen können. Erst vor Kurzem wurde ein junger muslimischer Mann auf der Sonnenallee niedergestochen, weil er nicht zulassen wollte, dass die Hamas-Unterstützer seinen Laden mit einer Palästina-Flagge schmücken. Wer nicht beflaggt ist, gilt als Verräter und erlebt Gewalt. Doch Menschen, die uns angreifen, weil wir in Neukölln offen darüber reden und Dinge verändern wollen, die scheren diese echten Konflikte wenig. Jeder unserer arabischsprachigen Bündnispartner im Bezirk – und davon haben wir viele – weiß mehr über die Konflikte auf der Straße und ist mutiger im Umgang mit ihnen als viele Berliner Politiker. Jedes Mädchen in Neukölln, das es schafft, sich einen sozialen Aufstieg auch ohne Akademiker-Eltern und eigenes Kinderzimmer zu erkämpfen, weiß mehr über die Wirkmacht von reaktionären Moscheen als so viele linke Antirassismus-Maulhelden, von denen man sich wünschen würde, dass sie doch endlich mal dort gegen Nazis kämpfen gingen, wo diese das Stadtbild stören. Stattdessen fordern sie als Instagram-Revoluzzer, dass der Neuköllner Bürgermeister weniger öffentlichkeitswirksam Verbundeinsätze gegen Clankriminelle begleitet und mehr zu „antimuslimischem Rassismus“ referiert. Ich bin mir sicher, Ekrem Imamoğlu wäre stolz auf Martin Hikel. Vielleicht sollten wir ihn fragen, ihn und die vielen anderen Frauen und Männer, die gerne eine Freiheit wie die unsere hätten, für die zu kämpfen es sich noch lohnt. Text: Güner Balci; Redaktion: Moritz Baumstieger; Bildredaktion: Daniel Hofer; Digitales Storytelling: Wolfgang Jaschensky -- please forgive my iPhone typos
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OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2025-11-20 11:37 +0000
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-11-20 15:30 +0100
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2025-11-20 15:37 +0000
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Goetz Schultz <ng.expire1230@goetz.co.uk> - 2025-11-20 15:55 +0000
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-11-21 14:22 +0100
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-11-20 17:58 +0100
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-11-22 15:07 +0100
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2025-11-22 15:27 +0100
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2025-11-22 14:47 +0000
Re: OT: Essay: Güner Balci zu Islamismus Marte Schwarz <marte.schwarz@gmx.de> - 2025-11-24 13:51 +0100
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