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Re: Wie RAND die Szenarien sieht

From Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Wie RAND die Szenarien sieht
Date 2024-02-25 17:53 +0100
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <urfrb2$1v2t9$1@dont-email.me> (permalink)
References <uqnle6$6u6q$1@solani.org> <l3hap4FabcU8@mid.individual.net> <urdrqa$1ea42$1@dont-email.me> <l410vgFncciU1@mid.individual.net>

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Salve allerseits,

Walter Brill schrieb:
> Am 24.02.24 um 23:49 schrieb Fidel Sebastián Hunrichse-Lara:
>> Walter Brill schrieb:
>>> 
>>> Und dass das auch jeder versteht, wird es auch zum Download angeboten 
>>> <https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_reports/RRA2500/RRA2510-2/RAND_RRA2510-2.pdf>
>>> An so'nem freundlichen Think-Tank könnte sich Fidel mal eine Scheibe 
>>> abschneiden.
>> 
>> | Freilich aber lastet Snyder diese Strategie nicht exklusiv den
>> | Vereinigten Staaten an und beschreibt ausführlich den Kampf mit den
>> | "Sowjets" und dem KGB um die Deutungs- und Definitionshoheit.
> 
> Aus den Kommentaren: "Du hast den langen Weg von "linksgrünversifft"
> zu "ÖkoFDP" recht gut beschrieben..."
> 
> *ÖkoFDP* Eine geniale Wortschöpfung und m.M. nach so passend :-)
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Die RAND Corporation ist ein amerikanischer Thinktank. Gegründet wurde
| sie 1946. Ihr ursprüngliches Ziel: die bessere Koordination von
| Rüstungs- und Forschungsprojekten mit der militärischen Planung. Seit
| Jahrzehnten beschäftigt man sich jedoch vor allem mit allgemeinen
| Sicherheitsfragen, militärischen Strategien und Möglichkeiten
| internationaler Einflussnahme mit militärischen und nichtmilitärischen
| Mitteln.
|
| Das Hauptquartier von RAND ist in Santa Monica. Insgesamt arbeiten für
| die Denkfabrik weltweit über 1800 Mitarbeiter. Ein Großteil des 350
| Millionen Dollar schweren Etats stammt vom amerikanischen
| Verteidigungsministerium und von den Streifkräften der USA. Kurz: Bei
| RAND sitzen weder Friedenstauben noch Engel, sondern illusionsbefreite
| Analysten mit großer Nähe zum Pentagon. Manche würden von Falken reden.
| Andere von Realisten.
|
| Im Jahr 2019 veröffentlichte RAND ein Strategiepapier, das verschiedene
| Möglichkeiten untersuchte, „die die Vereinigten Staaten und ihre
| Verbündeten in wirtschaftlichen, politischen und militärischen Bereichen
| verfolgen könnten, um Russlands Wirtschaft und Streitkräfte zu
| überfordern und aus dem Gleichgewicht zu bringen und so das politische
| Ansehen des Regimes im In- und Ausland zu belasten“.
|
| Als eine geopolitische Option wurde die Unterstützung der Ukraine
| ausgemacht, „da hier die größte externe Schwachstelle Russlands
| ausgenützt würde“. Allerdings gab die Studie auch zu bedenken, dass eine
| Aufstockung der US-Militärhilfe für die Ukraine sorgfältig abgewogen
| werden müsse, um die Kosten für Russland zu erhöhen, „ohne einen viel
| größeren Konflikt zu provozieren, in dem Russland aufgrund seiner
| geografischen Nähe erhebliche Vorteile hätte“.
|
| „*Eine gewisse russische Gegeneskalation*“
|
| Letztlich kam RAND zu dem Ergebnis, dass „die vielversprechendsten
| Optionen zur Überforderung Russland diejenigen sind, die die
| Schwachstellen, Ängste und Stärken des Landes direkt ausnutzen und
| gleichzeitig die derzeitigen Vorteile Russlands untergraben“.
|
| Allerdings wurde betont: „Die meisten der erörterten Optionen,
| einschließlich der hier aufgeführten, sind in gewisser Weise eskalierend
| und würden wahrscheinlich zu einer gewissen russischen Gegeneskalation
| führen“, was wiederum bedeute, „dass jede Option bewusst geplant und
| sorgfältig kalibriert werden muss, um die gewünschte Wirkung zu
| erzielen.“ Insgesamt müssten die Optionen im breiteren Kontext einer
| nationalen Politik betrachtet werden, die auf Verteidigung, Abschreckung
| und Zusammenarbeit beruhe.
|
| In dieser Woche nun legte RAND eine neue Lageanalyse vor, die sich
| explizit mit dem Krieg in der Ukraine beschäftigt. Und man muss das
| Papier von 2019 im Kopf behalten, um die aktuellen Schlussfolgerungen
| entsprechend einzuordnen.
|
| Zusammengefasst kommen die Strategen aus Santa Monica unter dem Titel
| „Avoiding a long War“ („Einen langen Krieg vermeiden“), zu dem Ergebnis,
| dass „die Kosten und Risiken eines langen Krieges in der Ukraine
| beträchtlich sind“ und für die Vereinigten Staaten schwerer wiegen als
| die möglichen Vorteile eines solchen Verlaufs. Entsprechend betonen sie,
| „dass die Vermeidung eines langen Krieges für die Vereinigten Staaten
| eine höhere Priorität hat, als der Ukraine eine signifikant größere
| Kontrolle ihres Territoriums zu ermöglichen“. Ziel sei es vielmehr,
| „eine mögliche Eskalation zu einem Krieg zwischen Russland und der Nato
| oder den Einsatz russischer Atomwaffen zu vermeiden“.
|
| *Die Interessen der USA sind nicht identisch mit denen der Ukraine*
|
| Die Ukraine, so die Autoren der Studie, verfüge nicht über die
| Möglichkeit, die eigene territoriale Integrität gegenüber Russland zu
| wahren. „Und obwohl die Ukraine mit ihrer Fähigkeit überrascht hat, ihr
| eigenes Land zu verteidigen, ist es reine Fantasie, sich vorzustellen,
| dass sie Russlands Fähigkeit zur Kriegsführung zerstören könnte.“
|
| Auch ein Regierungswechsel in Moskau sei nach allen historischen
| Erfahrungen unwahrscheinlich, und es gebe zudem keine Garantie dafür,
| dass eine neue russische Führung friedensbereiter sei.
|
| Fazit: „Die Kontrolle über das Territorium ist zwar für die Ukraine
| immens wichtig, für die Vereinigten Staaten jedoch nicht die wichtigste
| Dimension der Zukunft des Krieges. Wir kommen zu dem Schluss, dass die
| Vermeidung eines langen Krieges für die Vereinigten Staaten eine höhere
| Priorität hat als die Ermöglichung einer wesentlich stärkeren
| territorialen Kontrolle durch die Ukraine. Darüber hinaus sind die
| Möglichkeiten der USA, die Grenzziehung im Detail zu beeinflussen, stark
| eingeschränkt.“ Allergings könnten die USA durch Bereitstellung
| zukünftiger Unterstützung für die Ukraine, Sicherheitsgarantien,
| Zusicherung der ukrainischen Neutralität und die Festlegung von
| Bedingungen für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland auf die
| Gesprächsbereitschaft der beiden Konfliktparteien Einfluss nehmen.
|
| Wenn nicht alles täuscht, macht man sich in Washington inzwischen
| intensiv über eine nichtmilitärische Lösung des Konflikts Gedanken. Die
| Interessen der USA sind nicht identisch mit denjenigen der Ukraine. Ziel
| der amerikanischen Außenpolitik ist eine pragmatische Eindämmung
| russischer Aggressionsmöglichkeiten. In Deutschland hinkt man der
| Entwicklung wieder einmal hinterher und verliert sich in der eigenen
| süßlich-blumigen Rhetorik von Werten und Völkerrecht.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.cicero.de/aussenpolitik/analyse-der-rand-corporation-einen-langen-krieg-vermeiden?amp>

	M.f.G.

-- 
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  Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-17 10:14 +0100
  Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-17 10:30 +0100
    Re: Wie RAND die Szenarien sieht Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2024-02-17 12:45 +0000
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        Re: Wie RAND die Szenarien sieht "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2024-02-17 15:21 +0100
          Re: Wie RAND die Szenarien sieht Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-02-17 15:34 +0100
            Re: Wie RAND die Szenarien sieht Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2024-02-17 15:26 +0000
              Re: Wie RAND die Szenarien sieht Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-02-17 15:34 +0000
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      Re: Wie RAND die Szenarien sieht Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2024-02-19 16:52 +0100
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          Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-21 20:48 +0100
            Re: Wie RAND die Szenarien sieht Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2024-02-21 23:51 -0800
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  Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-18 14:11 +0100
  Re: Wie RAND die Szenarien sieht Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2024-02-19 16:35 +0100
    Re: Wie RAND die Szenarien sieht Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2024-02-24 23:49 +0100
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        Re: Wie RAND die Szenarien sieht Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2024-02-25 16:22 +0100
        Re: Wie RAND die Szenarien sieht Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2024-02-25 17:53 +0100
          Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-25 18:09 +0100
          Re: Wie RAND die Szenarien sieht Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-03-26 09:22 +0000
            Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-03-26 18:16 +0100
  Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-22 20:08 +0100
    Re: Wie RAND die Szenarien sieht Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-02-23 08:31 +0000
      Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-23 15:41 +0100
    Re: Wie RAND die Szenarien sieht Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-03-05 15:59 +0000
  Re: Wie RAND die Szenarien sieht Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2024-03-27 07:19 +0100
    Re: Wie RAND die Szenarien sieht Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2024-03-27 07:31 +0100
      Re: Wie RAND die Szenarien sieht Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2024-03-27 10:21 +0100
        Re: Wie RAND die Szenarien sieht Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-27 11:32 +0100
        Re: Wie RAND die Szenarien sieht Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2024-03-27 16:59 +0100
          Re: Wie RAND die Szenarien sieht "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> - 2024-03-27 17:46 +0100
            Re: Wie RAND die Szenarien sieht Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2024-03-27 18:05 +0100
              Re: Wie RAND die Szenarien sieht Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-03-28 07:57 +0000
                Re: Wie RAND die Szenarien sieht Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2024-03-28 18:50 +0100
    Re: Wie RAND die Szenarien sieht Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-27 11:57 +0100

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