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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Bhagavad-gita As It Is |
| Date | 2023-11-13 09:24 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <uismfp$idab$2@dont-email.me> (permalink) |
| References | <e6536fbe-8570-451b-9c33-5e3b330039a9n@googlegroups.com> <uirhv6$1edcr$1@solani.org> |
Salve allerseits, Gerhard Hoffmann schrieb: > > Am 09.11.23 um 13:14 schrieb Herwig: > >> Jedenfalls etwas Übersicht über die heiligen Schriften eine der >> grössten ReligionsGemeinschaften der Welt zu bekommen ist legitim. >> Dazu zwang ich mich, wenigstens ein paar Seiten zu lesen (Es >> handelt sich um eine englische Übersetzung). Klüger bin ich dadurch >> nicht geworden, genauso wenig wie bei den anderen heiligen >> Schriften der Welt: Altes und Neues Testament, Tora, Mein Kampf, >> Das grüne Buch, Koran, Talmud. Ein paar Seiten zu lesen reicht bei >> diesen Religionen nicht aus, das Potential für Gewalt durch diese >> Religionen abzuschätzen - > > Religionen sind nun mal hauptsächlich für die Grüppchenbildung > da. Wenn man was ohne Diskussion durchsetzen will, genügt es zu > sagen "das ist heilig". Dann haben alle anderen in Ehrfurcht zu > erschweigen. Die Zeit ist gerade heikel für das Thema. Ich passe. > +--- <hier abknabbern> --- | Totalitaristisches Denken zeichnet sich dadurch aus, dass es sich auf | das Ganze der Wirklichkeit bezieht und absolute Aussagen auch in | Bereichen macht, in denen nur vorläufige Aussagen über Teilaspekte der | Wirklichkeit möglich sind. Im Bereich der Naturwissenschaft und der | empirischen Forschung kann das Absolute kein Gegenstand der Erkenntnis | sein. Jede wissenschaftliche These ist prinzipiell widerlegbar. | | Demgegenüber können sich Glaubensaussagen auf das Ganze der | Wirklichkeit, auf Sinn und Ursprung des Daseins richten, ohne | fundamentalistisch zu sein, denn es handelt sich um persönliche | Überzeugungen ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Theologische | Aussagen haben keine empirisch-wissenschaftliche Beweiskraft. Theologen | arbeiten zwar systematisch-akademisch, mit geisteswissenschaftlichen | Methoden wie der Philosophie oder der Geschichtsschreibung, doch ihr | Gegenstand ist Gott, und dieser ist «keine naturwissenschaftliche | Formel», wie der katholische Theologe Karl Rahner gesagt hat. | | Es ist wichtig, diese Unterscheidungen zu machen. Theologie und | Naturwissenschaft finden auf verschiedenen intellektuellen Stockwerken | statt. Sind religiöse oder antireligiöse Fundamentalisten nicht fähig | oder willens, das zu sehen, wird Glaube zum Irrationalismus, und | Wissenschaft wird zur antireligiösen Ideologie, zur rational getarnten | Quasireligion. Das ist mehr als nur falsches Denken, es führt zu | Intoleranz, zur Verengung des geistigen Lebens. Am Ende liegen religiöse | und antireligiöse Eiferer im gleichen Krankenhaus, wenn auch wiederum | auf verschiedenen Stockwerken. | | Eine weltoffene Gesellschaft lebt vom Bewusstsein, dass Vernunft und | Glaube ihren je eigenen, sinnerfüllten Zugang zur Wirklichkeit bieten. | Die Wissenschaft ist ein Werkzeug, mit dem Erkenntnisse gesammelt, | Wissen generiert, Forschung betrieben wird, aber sie ist keine | Weltanschauung. Umgekehrt ist die Religion eine Weltanschauung, jedoch | kein Werkzeug wissenschaftlicher Erkenntnis. | | *Das richtige Leben* | | Der Schweizer Philosoph Michael Rüegg plädiert in seinem Buch «Krise der | Freiheit» (2016) für ein gelassenes Verhältnis zwischen Wissenschaft, | Religion und Staat. Wissenschaft und Politik sind für ihn Werkzeuge der | Erkenntnis und der Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Als | solche sind sie fruchtbar und gesund, solange sie nicht zur | Weltanschauung überhöht werden, solange sie nicht das richtige Leben und | die richtige Moral für alle Menschen definieren wollen. | | Eine Religion auf der anderen Seite ist dann gesund, wenn sie die | Wissenschaft nicht konkurrenziert und ihr Verhältnis zur politischen | Macht klärt, wenn sie die Freiheit des anderen toleriert. Dann darf sie | absolute Wahrheitsansprüche haben, jedoch keinen politischen | Geltungsanspruch. | | Umgekehrt bedeutet das auch, dass Wissenschaft und Politik sich nicht zu | Konkurrenten der klassischen Religionen aufschwingen dürfen, wie sich | das etwa die Giordano-Bruno-Stiftung wünscht, der Evolutionäre | Humanismus oder der Effektive Altruismus. Das sind Bewegungen, die | Judentum und Christentum abschaffen wollen. Damit sind sie ähnlich | vormodern wie jene, die ihre Religion gewaltsam verbreiten: Beide Seiten | betrachten ihre persönliche Weltanschauung als Massstab für alle. | | So lässt sich keine liberale Gesellschaft erhalten. Dies geht nur mit | der Verteidigung der Religionsfreiheit, der Wissenschaftsfreiheit und | des säkularen Rechtsstaates als Grundbausteine der Moderne. | Grundbausteine, die nicht als unvereinbar angesehen werden sollten, | sondern als gegenseitige Bereicherung und Begrenzung. Ohne die Freiheit, | seinen Glauben und seine Weltanschauung frei zu wählen, kann keine | Demokratie überleben. Und ein demokratisch-freiheitlicher Staat darf das | Böckenförde-Diktum nicht vergessen, wonach er von Voraussetzungen lebt, | die er selber nicht hervorbringen kann. | | *Humanitäres Hochdruckgebiet* | | Zu diesen Voraussetzungen gehört wesentlich das Christentum, auch wenn | das heute viele nicht mehr so sehen. Im Gegenteil dürfte die Meinung | weit verbreitet sein, dass die Freiheitsgeschichte des Westens nicht | dank dem Christentum entstanden ist, sondern aus dem Widerstand gegen | das Christentum. Die Menschenrechte gelten als Folge einer allgemeinen | Evolution der menschlichen Vernunft. Einer Evolution, die nach der | Überwindung der Religion von Natur aus zu einer besseren Gesellschaft | geführt habe. | | Ein bisschen so, wie sich das Wetter naturhaften Prozessen verdankt, | ohne das Zutun eines Wettergottes. Nach dieser Logik haben uns die | französische und die deutsche Aufklärung gutes Wetter gebracht. Eine Art | ausgedehntes, humanistisches Hochdruckgebiet, ausgelöst von den Idealen | der Aufklärung – gewissermassen mit naturwissenschaftlicher Notwendigkeit. | | Die Ideale der Aufklärung haben sich jedoch nicht aus der Natur oder aus | sich selbst entwickelt, sondern aus dem Judentum und dem Christentum. | Die Menschenrechte wurzeln in der biblischen Gottesebenbildlichkeit des | Menschen. Dass jeder Mensch die gleiche Würde besitzt, König wie | Bettler, Bürger wie Sklave, Frau wie Mann, Erwachsener wie Baby im | Mutterbauch – diese Überzeugung wäre undenkbar geblieben ohne die | Offenbarung des biblischen Gottes. | | Sie war undenkbar im alten Orient, sie war undenkbar in der griechischen | wie in der römischen Antike. Sie war und ist bis heute undenkbar in der | gesamten chinesischen Geschichte sowie in der islamischen Welt. Das ist | kein Zufall, und es wäre wichtig, in diesem Zusammenhang mehr Aufklärung | zu betreiben über die Wurzeln unserer Freiheit. | | *Die grossen Fragen* | | Zu dieser Aufklärung gehört die für den Westen charakteristische, | komplexe Beziehung zwischen Vernunft und Glauben, Wissenschaft und | Religion. Es ist keine Liebesbeziehung, wie die Geschichte lehrt, aber | eine Beziehung, die unsere Zivilisation immer wieder neu befruchtet und | vorangebracht hat. | | Mit den Worten von Papst Benedikt XVI.: «Ich bin überzeugt, dass ein | ständiger Dialog und eine Zusammenarbeit zwischen der Welt der | Wissenschaft und der Welt des Glaubens notwendig sind, um eine Kultur | des Respekts aufzubauen im Hinblick auf die Menschenwürde, die Rechte | des Menschen und die nachhaltige Entwicklung unseres Planeten.» | | Ein gelassenes Verhältnis zwischen Religion und moderner Gesellschaft | ist also auch deshalb wichtig, weil wir das Zusammenspiel zwischen | Vernunft und Glauben gerade in polarisierten Zeiten dringend brauchen. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.nzz.ch/feuilleton/religion-glaube-ist-kein-gegner-der-wissenschaft-ld.1763310> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Bhagavad-gita As It Is Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2023-11-09 04:14 -0800
Re: Bhagavad-gita As It Is Gerhard Hoffmann <dk4xp@arcor.de> - 2023-11-12 23:01 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-11-13 09:24 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-11-13 09:35 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-11-13 10:23 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-11-13 01:29 -0800
Re: Bhagavad-gita As It Is Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-11-13 15:30 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-11-13 15:52 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-11-14 03:52 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Ned Kelly <ned.kelly@nefkom.net> - 2023-11-14 16:04 +0100
Re: Bhagavad-gita As It Is Frank Hucklenbroich <hucklenbroich@gmx.net> - 2023-11-14 21:47 +0100
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