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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Die Tagesschau |
| Date | 2022-05-09 11:52 -0400 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <t5bdcd$ueu$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | <FtQ$dT2EnYB@tipota.de> <1alkki-h0a51.ln1@hergen.spdns.de> <FtUe+NjjnYB@tipota.de> <qdumki-3cl51.ln1@hergen.spdns.de> <xn0nho1mim44ck002@news.heirich.name> |
Salve allerseits, Peter Heirich schrieb: > Hergen Lehmann wrote: > >> Es gibt derzeit nur ein europäisches Land, in dem sich >> widerrechtlich ausländische Besatzungstruppen aufhalten und mit >> Waffengewalt die Regierung angreifen. Insofern sehe ich in deiner >> Aussage keinen Interpretationsspielraum, du musst von den Russen >> sprechen. > > Oder Nordzypern? > +--- <hier abknabbern> --- | Es sind Kampfjets und Haubitzen im Einsatz, es wird bombardiert, | Zivilist:innen werden verletzt und getötet. Im Schatten des Krieges | Russlands gegen die Ukraine fliegen wieder türkische Kampfjets und | Drohnen über Kurdistan. Nach tagelangen Luft- und Bodenangriffen begann | die türkische Armee in der Nacht zum Ostermontag die Großoffensive | Claw-Lock im Süden und Westen Kurdistans. Empörung vonseiten der | Weltgemeinschaft? Keine. Die Angriffe seien "Antiterrorkampf" heißt es | offiziell, der AKP-Sprecher Ömer Çelik zitiert in einer Presseerklärung | Artikel 51 der UN-Charta, worin das "Recht zur Selbstverteidigung" | geschrieben steht. Die nationale und territoriale Integrität der Türkei | sei gefährdet, heißt es. | | Dass es keine Berichte über einen tatsächlichen Angriff oder eine | militärische Provokation gegen die Türkei gibt, wird verschwiegen. In | den Medien gibt es hier und da eine kurze Meldung am Rande, es ist die | Rede von "Operation", von "PKK-Stellungen". Stillschweigend wird wieder | einmal hingenommen, dass die Türkei – ein Nato-Mitglied – Kurd:innen | angreift und damit Völkerrecht verletzt. | | Während Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine zu Recht schnell | verurteilt und sanktioniert wurde, wird die türkische Aggression gegen | Kurd:innen seit Jahrzehnten von denselben "Hütern westlicher Werte" | toleriert. Die Bundesregierung trifft sich regelmäßig mit türkischen | Regierungsvertreter:innen und betont die Wichtigkeit der | deutsch-türkischen Partnerschaft. Die Türkei sei jetzt, wo Russland | einen Krieg "gegen uns" führt, ein wichtiger Vermittler. | | *In der Ukraine sterben Ukrainer:innen, in Kurdistan "PKK*- | *Terrorist:innen*" | | Weder werden Sanktionen gegen den Bündnispartner diskutiert noch können | Kurd:innen auf sichere Fluchtwege und unkomplizierten Schutz hoffen, | wenn sie aus belagerten Städten oder vor türkischen Bomben fliehen. | Während die Grenzen für ukrainische Geflüchtete – zu Recht – geöffnet | sind, stecken fliehende Kurd:innen entweder an den Grenzen von Belarus | und Polen fest, ertrinken im Mittelmeer oder sie bekommen in Deutschland | kein Asyl und werden wieder abgeschoben. Eine Doppelmoral, die nur | schwer auszuhalten ist. | | Russische Kriegsverbrechen im Zug des völkerrechtswidrigen Einmarschs in | die Ukraine, die Massaker, Massengräber, Bombardierungen ganzer Städte | haben einen moralischen Schock verursacht, den Europa so für einen Krieg | lange nicht mehr empfunden hat. Doch statt eine Debatte darüber zu | führen, wie notwendig jetzt eine Politik ist, die kompromisslos | Menschenrechte priorisiert, statt Autokratien zu beschwichtigen, wird | erst mal hochgerüstet. Dass eine bedingungslose Militarisierung zur | moralischen Verpflichtung erklärt wird, erfreut sicherlich | Waffenlobbyist:innen auf der ganzen Welt, vor allem aber | Kriegsführer:innen wie die in der Türkei, die diesen Diskurs dann für | ihre eigenen Kriege nutzen. Unterstützt mit regelmäßigen | Waffenlieferungen und neuer Technik aus Deutschland tut die Türkei das | in Kurdistan, was Russland in der Ukraine macht: eine gesamte | Bevölkerung – kontinuierlich und über verschiedene Staatsgrenzen hinweg | – zu bekriegen. | | Wenn es gleichzeitig "russische Invasion in der Ukraine" und "türkische | Präsenz in Syrien" heißt, wenn dieselben Gewaltpraktiken in einem Fall | als Krieg bezeichnet werden und im anderen Fall als Militäroperation, | wenn Kriegsopfer als Ukrainer:innen benannt werden, bei Angriffen auf | Kurd:innen aber von Terrorist:innen und PKK-Stellungen gesprochen wird, | dann sind es diese Gleichzeitigkeiten, die uns vermitteln, dass | völkerrechtswidrige Kriege legitim sind, solange sie von unseren | Nato-Partnern geführt werden. | | *Türkische Bomben treffen nicht zufällig Zivilist:innen* | | Die türkische Regierung kann seit jeher ungestört Drohnen und | Kampfflugzeuge über alle Teile Kurdistans fliegen und diese | bombardieren, wie aktuell in den Regionen Metîna, Zap, Avaşîn und der | westkurdischen Stadt Kobanê. Bei diesen Angriffen geht es nicht – wie es | immer heißt – um Stellungen kurdischer Guerillakämpfer:innen, sondern | auch um zivile Siedlungsgebiete. Das zeigen die zahlreichen Beispiele | völkerrechtswidriger Einsätze der türkischen Luftwaffe in den | vergangenen Jahren. Ob im August 2011 im südkurdischen Kortek, vier | Monate später in Roboskî an der türkisch-irakischen Grenze oder 2015 in | Zergelê in Südkurdistan. Jedes Mal trafen türkische Bomben nicht | zufällig Zivilist:innen. | | Diese aggressive Außenpolitik der Türkei gegen benachbarte Kurd:innen | wurde bereits im Syrienkrieg von den westlichen Bündnispartnern entweder | toleriert oder direkt unterstützt. Als die kurdischen Kräfte den | "Islamischen Staat" territorial besiegt hatten und die | kurdisch-feministische Bewegung emanzipatorische und demokratische | Errungenschaften verzeichnete, startete die türkische Armee – die | zweitgrößte Nato-Armee – Großoffensiven in Zusammenarbeit mit | islamistischen Söldnertruppen. So wurde die multikulturelle und vom | Syrienkrieg bis dahin weitestgehend verschonte Stadt Afrin 2018 zum | Schauplatz eines brutalen Kriegs mit Luft- und Bodenangriffen, | Enteignungen, Vertreibungen und Besatzung. Seitdem wird die Stadt | völkerrechtswidrig und ganz im kolonialen Stil aus Ankara verwaltet. | | Kriegsverbrechen wie diese oder wie die Hinrichtung der | syrisch-kurdischen Lokalpolitikerin Hevrîn Xelef bei einem weiteren | Angriffskrieg der Türkei 2019 hätten im besten Fall verhindert, | mindestens aber verurteilt und sanktioniert werden müssen. Dass es sich | dabei auf europäischer Seite nicht um ein einfaches Versäumnis handelt, | sondern politisches Kalkül dahintersteckt, ist spätestens seit dem | sogenannten EU-Türkei-Flüchtlingsdeal klar. Damit die Türkei weiterhin | Geflüchtete von Europa fernhält, wird Kritik an der türkischen Regierung | – wenn überhaupt – sporadisch und nur sehr vorsichtig geäußert. Vor | allem aber werden regelmäßig Zugeständnisse gemacht. Diese reichen von | großzügigen Waffenlieferungen an die Türkei bis hin zu Verboten von | kurdischen Vereinen in Deutschland und Abschiebungen von Kurd:innen in | die Türkei, wo sie mit langen Haftstrafen rechnen müssen. | | *Wo bleibt die "feministische Außenpolitik" der Bundesregierung*? | | Spätestens jetzt, nachdem der Krieg gegen die Ukraine die Frage nach | Moral und Verpflichtung wieder aufgeworfen hat, ist die Zeit gekommen, | Kriege als solche zu benennen – egal ob diese von "uns und unseren | Partnern" oder "den anderen" geführt werden. Eine "feministische | Außenpolitik", die sich die neue Bundesregierung auf die Fahne schreibt, | hätte schon längst die völkerrechtswidrigen Angriffe der Türkei auf die | Kurd:innen verurteilt, Sanktionen diskutiert, sich für die Freilassung | von politischen Gefangenen in türkischen Gefängnissen eingesetzt, sich | mit der prodemokratischen Oppositionspartei HDP getroffen, | gesellschaftspolitische Bündnisse mit der feministischen Bewegung in der | Türkei und der Frauenrevolution in Kurdistan initiiert, diplomatische | Beziehungen zu kurdischen Vertreter:innen in der Region aufgebaut, eine | politische Lösung in der sogenannten kurdischen Frage vermittelt und die | Kriminalisierung von Kurd:innen und ihren Vereinen und Verlagshäusern in | Deutschland gestoppt. | | Und vor allem: allen Geflüchteten denselben Schutz gewährleistet, wie | ihn derzeit Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine bekommen. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.zeit.de/zett/politik/2022-04/kurdistan-tuerkei-russland-ukraine-doppelmoral-westen> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-07 22:01 +0200
Re: Die Tagesschau Dieter Intas <dieterintas@gmail.com> - 2022-05-07 22:16 +0200
Re: Die Tagesschau Hendrik van der Heijden <hvdh@gmx.de> - 2022-05-08 11:50 +0200
Re: Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-08 14:43 +0200
Re: Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-08 14:43 +0200
Re: Die Tagesschau Martin Kobil <MartinKobil@epost.de> - 2022-05-08 09:57 -0700
Re: Die Tagesschau Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2022-05-08 19:08 +0200
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Re: Die Tagesschau Hergen Lehmann <hlehmann.expires.5-11@snafu.de> - 2022-05-08 13:14 +0200
Re: Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-08 14:43 +0200
Re: Die Tagesschau Hergen Lehmann <hlehmann.expires.5-11@snafu.de> - 2022-05-09 10:02 +0200
Re: Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-09 15:12 +0200
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Re: Die Tagesschau Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2022-05-09 08:24 -0700
Re: Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-09 20:12 +0200
Re: Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-09 20:12 +0200
Re: Die Tagesschau "Peter Heirich" <talk.usenet@info21.heirich.name> - 2022-05-09 15:25 +0000
Re: Die Tagesschau Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2022-05-09 11:52 -0400
Re: Die Tagesschau "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-05-09 20:12 +0200
Re: Die Tagesschau Hergen Lehmann <hlehmann.expires.5-11@snafu.de> - 2022-05-09 18:12 +0200
Re: Die Tagesschau Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2022-05-09 18:55 +0200
Re: Die Tagesschau "Peter Heirich" <talk.usenet@info21.heirich.name> - 2022-05-10 19:02 +0000
Re: Die Tagesschau Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2022-05-11 08:52 +0200
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