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| From | Wilhelm Ernst <newstrap@t-online.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct, de.soc.senioren |
| Subject | Das Gedicht zur Weihnacht? |
| Date | 2021-11-23 18:53 +0100 |
| Organization | Jo - aber |
| Message-ID | <snj9rg$mvj$1@solani.org> (permalink) |
Cross-posted to 2 groups.
Gerade gefunden: >><< Als Würger zieht im Land herum mit Trommel und mit Hippe, Mit schauerlichem Bum, bum, bum, tief schwarz verhüllt die Grippe. Sie kehrt in jedem Hause ein und schneidet volle Garben - Viel rosenrote Jungfräulein und kecke Burschen starben. Es schrie das Volk in seiner Not laut auf zu den Behörden: «Was wartet ihr? Schützt uns vorm Tod - Was soll aus uns noch werden? Ihr habt die Macht und auch die Pflicht - Nun zeiget eure Grütze - Wir raten euch: Jetzt drückt euch nicht. Zu was seid ihr sonst nütze! 's ist ein Skandal, wie man es treibt. Wo bleiben die Verbote? Man singt und tanzt, juheit und kneipt. Gibt's nicht genug schon Tote?» Die Landesväter rieten her und hin in ihrem Hirne. Wie dieser Not zu wehren wär', mit sorgenvoller Stirne: Und sieh', die Mühe ward belohnt. Ihr Denken ward gesegnet: Bald hat es, schwer und ungewohnt, Verbote nur geregnet. Die Grippe duckt sich tief und scheu und wollte sacht verschwinden – Da johlte schon das Volks aufs Neu' aus hunderttausend Mündern: «Regierung, he! Bist du verrückt – Was soll dies alles heissen? Was soll der Krimskrams, der uns drückt, Ihr Weisesten der Weisen? Sind wir denn bloss zum Steuern da, was nehmt ihr jede Freude? Und just zu Fastnachtszeiten – ha!» So gröhlt und tobt die Meute. «Die Kirche mögt verbieten ihr, das Singen und das Beten – Betreffs des andern lassen wir jedoch nicht nah uns treten! Das war es nicht, was wir gewollt. Gebt frei das Tanzen, Saufen. Sonst kommt das Volk – hört, wie es grollt, stadtwärts in hellen Haufen!» Die Grippe, die am letzten Loch schon pfiff, sie blinzelt leise Und spricht: «Na endlich – also doch!» und lacht auf häm'sche Weise. «Ja, ja – sie bleibt doch immer gleich die alte Menschensippe!» Sie reckt empor sich hoch und bleich und schärft aufs neu die Hippe. >><< Ist zwar hundert Jahre alt - könnte aber auch von heute sein... Doch 2020 kamen die Lauterbachs mit den Verboten noch vor den Toten und die Hippe mäht am liebsten Gerippe, geimpft und ungeimpft. Signiert ist das Gedicht, das am 6. März 1920 im Nebelspalter erschien, mit «A.Z.». Mit grösster Wahrscheinlichkeit stehen die Initialen für den Zürcher Arzt und Mundartschriftsteller Arthur Zimmermann (1864-1948, der in jenen Jahren immer wieder Gedichte zum Nebelspalter beisteuerte. Willi -- "Ein profitorientiertes Gesundheitswesen ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. In dem Augenblick, in dem die Fürsorge dem Profit dient, hat sie die wahre Fürsorge verloren." Bernard Lown, Gründer der Ärztebewegung gegen den Nuklearkrieg
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Das Gedicht zur Weihnacht? Wilhelm Ernst <newstrap@t-online.de> - 2021-11-23 18:53 +0100
Re: Das Gedicht zur Weihnacht? Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2021-11-23 19:35 +0100
Re: Das Gedicht zur Weihnacht? Dorothee Hermann <DorotheeHermann@gmx.net> - 2021-11-23 20:30 +0100
Re: Das Gedicht zur Weihnacht? Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2021-11-24 00:37 -0800
Re: Das Gedicht zur Weihnacht? Dorothee Hermann <DorotheeHermann@gmx.net> - 2021-11-24 13:01 +0100
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