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| From | Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Special relationship |
| Date | 2017-02-03 15:59 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <o725pc$hk6$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (1 earlier) <o6q14m$7ic$1@dont-email.me> <o704k0$o8i$1@news.albasani.net> <o71jun$fc8$1@dont-email.me> <o71lit$1aq$1@news.albasani.net> <o71me2$tkr$1@news.albasani.net> |
Salve allerseits, Dr. Joachim Neudert schrieb: > >>> Und Du glaubst ernsthaft, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionschef >>> Jean-Claude Juncker oder sonst ein EU-Staat wird sich trauen, gegen den >>> mutmaßlichen Kandidaten des US-Präsidenten zu votieren? Wovon träumst >>> Du nachts? >> >> Absolutely werden sie das. Sonst können sie alle Selbstachtung abgegeben. >> >> Tusk hat in einem Brief an die EU-Staatschef offiziell vor Trump >> gewarnt, als eine der Gefahren für den Fortbestand der EU, gleichrangig >> mit der Ukraine-Krise. >> --- <hier abknabbern> --- Wie kann und soll Europa auf einen amerikanischen Präsidenten reagieren, der sich scheinbar um liberale Werte foutiert und mit dem Weltbild eines rechtspopulistischen EU-Gegners über den Atlantik blickt? Diese Frage beschäftigt die Gemüter in Brüssel und wird im Zentrum des Mittagessens beim informellen Gipfel stehen, zu dem sich die 28 EU-Regierungschefs heute Freitag in der maltesischen Hauptstadt Valletta einfinden werden. *Tusk sieht dramatische Lage* In seinem Einladungsschreiben an die Teilnehmer des Gipfels liess EU-Rats-Präsident Donald Tusk keinen Zweifel daran aufkommen, dass er die Lage als dramatisch erachtet. Tusk sieht den Fortbestand der Union nicht nur durch Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in den EU-Staaten und das Verzagen der proeuropäischen Eliten gefährdet. Vielmehr schrieb er von «besorgniserregenden Bekanntmachungen der neuen amerikanischen Regierung», die er neben russischer Aggression, chinesischen Ambitionen sowie dem islamistischen Terror zu den grössten geopolitischen Risiken für die EU zählte. «Vor allem der Wechsel in Washington bringt die EU in eine schwierige Lage. Die neue Regierung scheint die vergangenen 70 Jahre der amerikanischen Aussenpolitik infrage zu stellen.» In der Tat sitzt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ein Präsident im Weissen Haus, der im Fortbestand der EU kein strategisches Interesse Amerikas sieht und daher nicht nur den Brexit ausdrücklich begrüsst, sondern weitere Mitgliedstaaten zum EU-Austritt zu ermuntern scheint. Die Geringschätzung für die Institutionen der westlichen Nachkriegsordnung teilt Trump mit dem russischen Autokraten Wladimir Putin, der die EU und die Nato schwächen oder zu Fall bringen will. Auf ein selbstbewusstes Auftreten gegenüber Trump dringt das EU-Parlament, wo die Einreisesperren gegen Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern als kontraproduktiv im Kampf gegen den Terrorismus und als unvereinbar mit den Grundwerten westlicher Demokratien verurteilt wurden. Bereits sind Stimmen laut geworden, die Ted Malloch, den Trump angeblich als Botschafter zur EU nach Brüssel schicken will, das Agreement verweigern wollen. Die Ernennung des erklärten EU-Gegners, der die EU mit der Sowjetunion verglich, käme einem Affront gleich, den man Trump zutraut. Nicht nur gut angekommen ist Tusks Einladungsschreiben derweil bei einigen EU-Mitgliedstaaten, welche die Nennung der USA im gleichen Atemzug wie die terroristische Bedrohung als unglücklich betrachten. Ein hochrangiger Diplomat betont die langfristige Bedeutung der transatlantischen Beziehung und fordert eine koordinierte Kommunikationsstrategie. Die EU-Staaten könnten nicht einzeln auf jeden Tweet von Trump reagieren. Während der französische Präsident François Hollande eine starke Antwort an Trump fordert, macht der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban aus seiner Bewunderung für den US-Präsidenten kein Hehl. Offen ist darum, ob es den EU-Regierungschefs gelingen wird, das von Tusk eindringlich geforderte Signal der Einigkeit auszusenden. Beim Gipfel in Rom zu ihrem 60-jährigen Bestehen will die EU im März Prioritäten für die Zeit nach dem Brexit präsentieren, doch die Suche nach einer gemeinsamen Zukunftsvision verläuft harzig. [...] Merkel hat bisher betont gelassen, aber keineswegs kalt auf die Entwicklungen in den USA reagiert. Bereits bei der Gratulation zu Trumps Wahlsieg hatte sie es für nötig befunden, den höflichen Glückwünschen ihre praktisch als Bedingungen für die gedeihliche Zusammenarbeit formulierten Erwartungen nachzuschieben: eine Art von moralischer Versicherung dessen, was das transatlantische Verhältnis ausmacht. Als die letzte Gralshüterin des Westens möchte Merkel aber nicht wahrgenommen werden. Die Kanzlerin hat das Bild von der einsamen Verteidigerin des Westens mehrmals zurückgewiesen und im Gegenteil das Engagement vieler Europäer eingefordert, um für die eigenen Werte einzustehen. Sie tat dies aus persönlichen Erwägungen, aber auch, weil sie weiss, dass Deutschland nicht zum Anführen des Westens taugt. [...] Hinter den kleinen und grossen Gesten steckt auch eine grosse Portion Ratlosigkeit. Für Deutschlands Aussenpolitik sind funktionierende Institutionen essenziell. Sie schaffen erst den Rahmen für deutsche Entfaltung. Und weil bis zur Wahlnacht auch in Berlin kaum jemand ernsthaft mit einem Sieg Trumps gerechnet hatte, hatten nur wenige Parlamentarier, Diplomaten und Regierungsberater Kontakt zu dessen Team aufgenommen. Umso harziger verläuft die Anbahnung von Gesprächen. Der neue Aussenminister Sigmar Gabriel bezeichnete gleichwohl in seiner Antrittsrede die transatlantische Partnerschaft als einen der Grundpfeiler deutscher Aussenpolitik. Manch ein Politiker in Berlin wünschte sich härtere Worte als die der Kanzlerin; andere warnen vor Hysterie. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz begeisterte auch da seine Anhänger, indem er selbstbewusst erklärte, als Kanzler würde er Trump sagen, es sei nicht die Politik Deutschlands und Europas, mit der Abrissbirne durch diese Werteordnung zu laufen. Schulz bedient damit ein – bis auf die Trump lobende AfD – weitherum verbreitetes Gefühl. Ob er als Politiker mit Regierungsverantwortung tatsächlich so sprechen würde, ist fraglich. Die Gefahr, dass die deutsche Abscheu vor Trump eher den Antiamerikanismus bedient, besteht. --- </hier abknabbern> --- ©<https://www.nzz.ch/international/verunsicherte-fuehrung-des-alten-kontinents-europa-ringt-um-seine-haltung-zu-trump-ld.143394> > > Dazu kommt: Trump will pokern. Er provoziert mal. Und hat Lust am Spiel. > > Schlappschwänze die daraufhin gleich einknicken, achtet er nicht. > --- <hier abknabbern> --- Nach dem ersten Schock über die Wahl von Donald Trump hatten sich viele Beamte, Diplomaten und Politiker in Brüssel in die Hoffnung geflüchtet, am Ende werde alles nur halb so schlimm werden. Wie alle seine Vorgänger seit dem Zweiten Weltkrieg werde auch der künftige amerikanische Präsident die geopolitische Bedeutung der Nato und der EU erkennen. Genährt wurden diese Hoffnungen durch die künftigen Aussen- und Verteidigungsminister Rex Tillerson und James Mattis, die sich bei den Anhörungen im Senat jüngst kritischer gegenüber Russland und verlässlicher gegenüber der Nato äusserten als Trump. *Brüskierender Rundumschlag* Umso grösser waren am Montag die Irritationen über ein Interview, das Trump kurz vor der Amtsübernahme vom Freitag im seinem Turm in Manhattan der deutschen «Bild» und der britischen «Times» gewährt hatte. Erstmals seit der Wahl äusserte sich der «president elect» ausführlich zu Europa – wobei er der deutschen Autoindustrie mit WTO-widrigen Strafzöllen drohte, die Nato als «obsolet» und den Brexit als «grossartig» bezeichnete und seinen Rundumschlag mit der Prognose krönte, der EU stehe der Austritt weiterer Länder bevor. Trumps Betrachtungen sind erratisch genug, dass Österreichs Aussenminister Sebastian Kurz am EU-Aussenrat in Brüssel beschwichtigen konnte, man könne die neue Regierung erst an ihren Taten messen. Auch Sprecher der EU-Kommission und der Nato reagierten betont gelassen auf das Interview. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich zwar tief besorgt, betonte aber, er gehe davon aus, dass die USA auch künftig an einer Partnerschaft mit Europa interessiert seien. Doch Trumps Aussagen zeigen, dass der künftige US-Präsident eine Zeitenwende einleitet, weil er mit einem ganz neuen Weltbild über den Atlantik blickt. Bisher hatten Republikaner wie Demokraten nicht nur die Nato als Grundpfeiler amerikanischer Sicherheitspolitik betrachtet. Auch dass es im strategischen Interesse der USA liegt, dass die EU Europa politisch stabilisiert und für marktwirtschaftliche Verhältnisse sorgt, war unbestritten. Beim Nato-Gipfel im Juli in Polen hatte Barack Obama die Europäer noch eindringlich zum Schulterschluss und zu einem sanften Brexit angehalten, um vor dem Hintergrund der russischen Aggressionspolitik eine Schwächung des Westens und der US-Nachkriegsarchitektur zu verhindern. Trump hingegen ist ein «grosser Fan» von allem Möglichen, doch für die EU hat er wenig übrig. Er erklärte gar, es sei ihm gleichgültig, ob die EU weiter existiere. Die Union sieht er als Vehikel zur Durchsetzung deutscher Interessen, das gegründet worden sei, «um die USA im Handel zu schlagen». Den Briten versprach er nach dem Brexit den schnellen Abschluss eines Handelsabkommens. Schneller als gedacht bewahrheiten sich damit die Befürchtungen des abtretenden US-Botschafters in Brüssel, Anthony Gardner. Dieser hatte jüngst erklärt, der frühere Chef der britischen Nationalistenpartei Ukip und Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage habe grossen Einfluss auf Trumps Sicht auf Europa. Den künftigen US-Präsidenten warnte Gardner vor dem «Wahnsinn», die Zerschlagung der EU zu unterstützen. *Auftrieb für EU-Gegner* Mit seinem Wirtschaftsprotektionismus, der Skepsis gegenüber Migration und der Kritik an Angela Merkels Entscheidungen in der Flüchtlingskrise bestärkt Trump nicht nur rechtspopulistische EU-Gegner in Westeuropa. Trumps Geringschätzung für die EU, die freie Presse und die Gewaltentrennung geben auch dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban und dem starken Mann in Polen, Jaroslaw Kaczynski, Auftrieb. Bisher hatten deren autoritäre Verstösse gegen rechtsstaatliche Prinzipien auch Mahnungen aus Washington zur Folge gehabt. Nun hoffen die beiden auf einen Verbündeten gegen die EU, von der sie Kohäsionsgelder und einen offenen Binnenmarkt erwarten, aber keinerlei politische Einmischung. --- </hier abknabbern> --- ©<https://www.nzz.ch/international/trump-nato-ld.140147> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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