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Re: Special relationship

From Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Special relationship
Date 2017-02-03 11:37 +0100
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <o71mde$o3u$1@dont-email.me> (permalink)
References <o6pvne$8jm$1@news.albasani.net> <o6q14m$7ic$1@dont-email.me> <o704k0$o8i$1@news.albasani.net> <o71jun$fc8$1@dont-email.me> <o71lit$1aq$1@news.albasani.net>

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Salve allerseits,

Dr. Joachim Neudert schrieb:
> Am 03.02.17 um 10:55 schrieb Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara:
>> Dr. Joachim Neudert schrieb:
>>> https://www.theguardian.com/world/2017/feb/02/european-union-trump-ambassador-ted-malloch-parliament
>>>
>>> Der Guardian hat es als erster exclusiv.
>>>
>>> Sehr gut... die EU will den auserkorenen US Botschafter nicht
>>> akkreditieren, sondern zur persona non grata erklären.
>>>
>> --- <hier abknabbern> ---
>> Im Europaparlament formiert sich Widerstand gegen den mutmaßlichen
>> Kandidaten von US-Präsident Donald Trump für den Posten des
>> US-Botschafters bei der EU. Die Fraktionschefs der Christdemokraten und
>> der Liberalen riefen in einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk und
>> EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker dazu auf, dem
>> Wirtschaftsprofessor und Unternehmer Ted Malloch die Akkreditierung zu
>> verweigern.
>> 
>> [...]
>> 
>> Damit ein Botschafter bei der Europäischen Union offiziell anerkannt
>> wird, sind mehrere Schritte nötig. Hat nur ein EU-Staat Vorbehalte,
>> scheitert der Kandidat. Im letzten Schritt wird der Kandidat vom
>> Ratspräsidenten eingeladen und schließlich offiziell akkreditiert.
>> --- </hier abknabbern> ---
>> 
>> ©<https://www.tagesschau.de/ausland/eu-botschafter-malloch-101.html>
>> 
>> Und Du glaubst ernsthaft, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionschef
>> Jean-Claude Juncker oder sonst ein EU-Staat wird sich trauen, gegen den
>> mutmaßlichen Kandidaten des US-Präsidenten zu votieren? Wovon träumst
>> Du nachts?
> 
> Absolutely werden sie das. Sonst können sie alle Selbstachtung abgegeben.
> 
Das glaube ich erst, wenn ich es schriftlich vor mir habe...

> Tusk hat in einem Brief an die EU-Staatschef offiziell vor Trump
> gewarnt, als eine der Gefahren für den Fortbestand der EU, gleichrangig
> mit der Ukraine-Krise.
> 
> Klarer kann man es nicht sagen.
> 
> 460 Millionen EU-Bürger nehmen das Hardball-Spiel nun auf.
> 
--- <hier abknabbern> ---
Ich möchte eine Wette abschließen. Auf diesen Kommentar hin wird es
mindestens eine Leserzuschrift geben, die folgendes Zitat enthält: "Der
Balkan ist mir nicht die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen
Grenadiers wert." Reichskanzler Otto von Bismarck sagte dies auf der
Berliner Balkan-Konferenz des Jahres 1878. Ist also schon lange her, den
Deutschen aber ist der Satz bis heute geläufig geblieben. Er kommt ihnen
leicht über die Lippen. Denn hinter der Autorität Bismarcks können sie
ihre eigene Bequemlichkeit leicht verbergen.

Balkan? Bitte nicht! Wir haben doch schon Trump und den Brexit, die
Flüchtlinge und die Populisten. Es reicht!

Nun, es reicht nicht. Der Balkan gehört auf die Tagesordnung der
Europäischen Union, und zwar weit nach oben. Das mag jetzt etwas seltsam
klingen angesichts der Tatsache, dass ein wütender, unberechenbarer Mann
das mächtigste Amt der Welt bekleidet, der es vermutlich darauf angelegt
hat, die Europäische Union zu zerlegen. Doch wenn Europas Welt
zerbricht, tut sie es dort, wo sie bereits äußerst fragil ist, und wo
mächtige Kräfte von außen auf sie einwirken. Das ist auf dem Balkan der
Fall.

Vor mehr als 25 Jahren wurde dort der letzte einer Reihe von Kriegen
ausgefochten. Die Nato bombardierte Jugoslawien mit deutscher
Beteiligung. Seitdem schweigen die Waffen. Es begann in der Region das
lange Warten auf eine Mitgliedschaft in der EU. Kroatien und Slowenien
haben es geschafft. Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro,
Mazedonien, das Kosovo und Albanien stehen in der Schlange. Nach vielen
Jahren des Wartens werden ihnen langsam die Beine müde. Da das Ziel in
immer weitere Ferne rückt, breitet sich zunehmend Unruhe aus. Viele
beginnen sich zu fragen, ob sie denn nicht woanders hingehen sollten,
vielleicht gibt es ja bessere Möglichkeiten als die EU. An Angeboten
fehlt es nicht. Wladimir Putin aus Moskau lockt nach Kräften, Recep
Tayyip Erdoğan aus der Türkei ebenfalls, und die extremistischen
Islamisten aus den Golfstaaten, die in Europa gern einen Fuß in der Tür
hätten, pumpen kräftig Geld in die Region.

Es gehört zu den Lebenslügen der Europäischen Union, zu glauben, der
Balkan könne ihr nicht verloren gehen, weil diese Staaten keine
Alternative zur Mitgliedschaft in der EU hätten. Die Alternativen mögen
schrecklich sein, aber sie sind da, und sie gewinnen an Attraktivität.

Die Nationalisten des Balkans testen angesichts der Schwäche der EU
schon mal aus, wie weit sie gehen können. Am 14. Januar fuhr ein Zug von
Belgrad in den Kosovo. Das Ziel war die serbische Stadt Mitrovica. Der
Zug war mit Ikonen und Motiven der orthodoxen Klöster des Kosovos
ausgeschmückt. Er trug die in mehreren Sprachen angebrachte Aufschrift
"Kosovo ist Serbien". Die Albaner des Kosovos konnten das nur als
Provokation empfinden. Der Präsident des Kosovos schickte dem Zug
Grenzschützer mit gepanzerten Fahrzeugen entgegen, bewaffnete Serben des
Kosovos machten sich auf zur Grenzstation. Die serbische Regierung
stoppte den Zug im letzten Moment. Wäre das nicht geschehen, es wäre zum
gewaltsamen Konflikt gekommen.

Und wer soll so etwas eigentlich verhindern können? Die paar Tausend
Soldaten der multinationalen KFor-Mission? Das kann man sich derzeit
kaum vorstellen. Selbst wenn sie militärisch dazu in der Lage wären, es
fehlt ihnen die entschlossene Führung. Es fehlt der politische Wille der
Europäischen Union. Niemand glaubt, dass sie entschieden dazwischengehen
würde. Sie scheut den Konflikt. Das gilt für die schleichende Abspaltung
der Teilrepublik Republika Srpska von Bosnien-Herzegowina, das gilt für
den gefährlichen Stillstand in Mazedonien, das gilt für Montenegro und
seinen undurchsichtigen Kampf zwischen prorussischen Serben und
prowestlichen Montenegrinern.

Nicht Amerika, nicht Russland und nicht die Türkei – die Europäische
Union ist die Ordnungsmacht auf dem Balkan. Ob sie es will oder nicht.
Die EU muss diese Rolle ausfüllen, sonst nimmt sie in der Region niemand
mehr ernst. Sonst öffnen sich die Einfallstore für Putin, Erdoğan, die
Golfstaaten und nun auch für Trump wie von selbst.
--- </hier abknabbern> ---

©<http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-02/balkan-europaeische-union-konflikte-5vor8>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
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              Re: Special relationship "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2017-02-02 20:15 +0100
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                Re: Special relationship Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2017-02-03 16:05 +0100
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