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Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse

From Michael Bode <m.g.bode@web.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse
Date 2023-08-04 22:32 +0200
Message-ID <kj55jfFu19sU2@mid.individual.net> (permalink)
References <uaiebh$160gg$1@dont-email.me> <kj4j8pFr7igU1@mid.individual.net> <uaj7an$1amd2$5@dont-email.me>

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Fidel Sebastián Hunrichse-Lara
<Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> writes:

> Salve allerseits,
>
> Michael Bode schrieb:
>> Lars Gebauer <lgebauer@live.de> writes:
>> 
>>> | Zeitgleich mit Hitze- und Gewitterrekorden knackte der Flughafen
>>> | Zürich zu Beginn der Reisesaison neue Passagierrekorde. Waren Sie
>>> | vielleicht mittendrin? Und hatten Sie dabei ein bisschen ein
>>> | schlechtes Gewissen? Sie wissen schon: Stichwort Flugscham.
>> 
>> Da sitzt sich die Letzte Generation seit einem Jahr den Arsch auf
>> Deutschlands Straßen wund und ihr habt die Botschaft immer noch nicht
>> kapiert? Das individuelle Verhalten hat keine Auswirkung auf die
>> Klimakrise. Deshalb ist ein Bali- (oder Thailand-) Urlaub kein
>> Problem.
>>
> +--- <hier abknabbern> ---
> | An manchen Tagen, wenn er den Verkehr stoppt, sucht Max Voegtli die
> | mediale Aufmerksamkeit. Aber an einem Donnerstag im Juni kommt sie
> | unerwartet. Er sitzt in der Abflughalle des Flughafens Zürich, den
> | Blick auf seinen Laptop gerichtet. Ein anderer Reisender erkennt und
> | fotografiert ihn heimlich – und schickt das Foto an «Züri Today» und
> | den «Blick». Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer.
> |
> | Die Parole lautet: Empörung. Denn Max Voegtli engagiert sich als
> | Aktivist bei der Klimabewegung Renovate Switzerland. Er dürfte, so
> | die Meinung vieler, nicht von Zürich über Paris nach Mexiko fliegen.
> |
> | Der «Blick» schreibt: «Schweizer Klimakleber auf Flug nach Mexiko
> | erwischt». Und ein Journalist des Schweizer Fernsehens teilt eine
> | Collage von alten Tweets Voegtlis. Sie zeugen von einer früheren
> | Reise in die USA, einer Autofahrt nach München und dem Besuch eines
> | Formel-1-Rennens. Voegtli versucht sich in einem Interview zu
> | erklären.  Vergeblich. Für viele Blätter bleibt er der
> | Klimaaktivist, der die eigenen Ideale verraten hat.
> |
> | Wenige verteidigen ihn. So argumentiert die «WoZ», die Debatte um
> | seine Person lenke vom eigentlichen Thema ab, der
> | «Klimakatastrophe». Und die «Republik» findet, es sei okay, wenn
> | auch Klimaaktivisten mal flögen.  Die Schweizer Medien debattieren,
> | von Max Voegtli selbst ist fortan wenig zu hören.
> |
> | Wer ist der Mann, der das Land diskutieren lässt, ob Klimaschützer
> | frei von Klima-Sünden sein müssen?
> |
> | «*Kind der Globalisierung*»
> |
> | Einen guten Monat nach seinem Mexiko-Flug hält Max Voegtli sich in
> | Guatemala auf. Die Videocall-Qualität ist schlecht, das Zimmer
> | dunkel.  Auf das, was im Juni geschah, blickt er differenziert: «Ich
> | bin mir von meinem Engagement bei Renovate gewöhnt, dass Leute
> | hässig sind und wir Ärger bekommen. Diesmal war es aber anders, weil
> | sich die Kritik direkt gegen mich als Person richtete», sagt
> | Voegtli. «Ich hatte selbst Schwierigkeiten mit meiner Reise, und die
> | Kommentare haben natürlich nicht ganz unrecht. Wir müssen Flüge
> | reduzieren.»
> |
> | Einzelne Twitter-Nutzer hätten sich wütend und angriffig
> | geäussert. Aus der Klimabewegung seien die Rückmeldungen
> | unterschiedlich, aber stets anständig gewesen.
> |
> | Während des Interviews spricht Voegtli hastig, fährt sich immer
> | wieder durch die Locken. Er wechselt häufig vom Basler Dialekt ins
> | Hochdeutsche. Ganz fehlerfrei spricht er dabei nie. Denn seine
> | Muttersprache ist Englisch. Die ersten zwei Lebensjahre verbrachte
> | Voegtli zwar in der Schweiz, doch anschliessend zog die Familie nach
> | Schanghai. Voegtli wurde an der Schule englisch unterrichtet, auch
> | die Eltern sprachen so mit ihm.
> |
> | Entsprechend nennt er sich selbst ein «Kind der Globalisierung». Er
> | lebte in England, in Deutschland, mittlerweile in Zürich. Er
> | studierte Politikwissenschaften, hatte lange Zeit ein normales
> | Berufsleben in der IT-Branche und der Prozessoptimierung. «Ich
> | wusste damals, dass die Klimakrise da ist, ich wusste, dass es ernst
> | ist, aber ich habe damals geglaubt, dass die Regierung sie im Griff
> | hat und das Pariser Klimaabkommen umsetzen würde», sagt er.
> |
> | Bis 2020 habe er seinen Alltag kaum eingeschränkt, während der
> | Pandemie aber gemerkt, dass etwas nicht mehr stimme. Er habe sich
> | stärker mit dem Klimawandel auseinandergesetzt, begonnen, sich vegan
> | zu ernähren, weniger zu kaufen und den eigenen CO2-Abdruck zu
> | reduzieren.
> |
> | Im April 2022 trat Voegtli Renovate Switzerland bei. Die
> | Klimaschutz-Gruppe fordert von der Regierung, den Klimanotstand
> | auszurufen, einen Notfallplan zu erarbeiten und bis 2030 alle
> | Gebäude in der Schweiz zu sanieren. Dafür nutzen sie auch
> | umstrittene Aktionen wie Strassenblockaden oder das Festkleben an
> | Kunstwerken. Das überzeugte Voegtli. Er habe, sagt er, in der
> | Bewegung die Möglichkeit gesehen, eine wirkliche Veränderung in der
> | Klimapolitik herbeizuführen. Er kündigte seinen Job, fokussierte
> | sich völlig auf sein politisches Engagement, lebte von Erspartem.
> |
> | «Mir fiel auf, dass die individuellen Massnahmen nicht weit genug
> | gehen.  Ich konnte zwar stolz auf mich selber sein, aber was hilft
> | das, wenn wir ein strukturelles Problem haben?»
> |
> | Ob die Strassenblockaden oder Simonetta Sommarugas Rede zum
> | 1. August, die Voegtli mit Plakaten störte, sein Widerstand beschert
> | ihm Feinde. So sagte ein Anrufer während einer «Talk
> | Täglich»-Sendung, man solle dem Aktivisten «links und rechts a paar
> | ad Ohra haua.» Voegtli reagierte darauf mit einem Lächeln und winkte
> | in die Kamera.
> |
> | Max Voegtli debattierte damals, kurz vor seiner Abreise, mit der
> | Stadtzürcher SVP-Präsidentin Camille Lothe. Später schrieb Lothe in
> | einem Kommentar, der auf der SVP-Website zu finden ist: «Für den
> | Klimaschutz bleibt zu hoffen, dass Max Voegtli und seinen Kollegen
> | konsequent die Rechnung für den verursachten Polizeieinsatz in
> | Rechnung gestellt wird. Dann bleibt hoffentlich nicht mehr genug
> | Budget für Ferien in Mexiko.»
> |
> | Voegtli ist nicht der einzige Klimaaktivist, der kritisiert wurde.
> | Bereits im Februar dieses Jahres ereignete sich Ähnliches in
> | Deutschland. Eine Aktivistin und ein Aktivist der «Letzten
> | Generation» flogen nach Bali. Die Entrüstung liess nicht lange auf
> | sich warten. Und als kurz nach Bekanntwerden des Fluges Aktivisten
> | eine Rede des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz störten, witzelte
> | dieser: «Grüssen Sie Ihre Freunde, wenn die aus Bali zurückkommen.»
> |
> | «*Hand aufs Herz: Es ist widersprüchlich*»
> |
> | Konfrontiert werden Klimaaktivisten mit ihren Reisen bereits seit
> | Jahren. Als die schwedische Aktivistin Greta Thunberg im Sommer 2019
> | für den UN-Klimagipfel vom englischen Plymouth nach New York
> | segelte, hiess es, die Reise sei nicht klimaneutral. Gar
> | schädlicher, als wenn Thunberg einzig mit ihrem Vater geflogen
> | wäre. Denn so müssten nun mehrere Crewmitglieder Thunbergs zurück
> | nach Europa fliegen.
> |
> | Luisa Neubauer, das Gesicht der deutschen
> | Fridays-for-Future-Bewegung, sagte 2019 in einem Interview mit der
> | «Welt», dass der private Einsatz für den Klimaschutz nur ein
> | «kleiner Aspekt von grossen strukturellen Veränderungen» sei. «Ich
> | möchte niemandem vorschreiben, wie er sich nach irgendeiner
> | Flugreise fühlen soll, und finde es beunruhigend, dass das gerade zu
> | unserer Debatte wird.» Auch Neubauer wurden frühere Flugreisen in
> | den asiatischen Raum vorgehalten.
> |
> | Die Argumentation, dass der Klimawandel als strukturelles Problem
> | verstanden werden müsse und nicht auf Individuen übertragbar sei,
> | erwähnt auch Voegtli. Er sagt: «Wir fordern nicht, dass alle perfekt
> | leben. Wir fordern, dass die Regierung handelt.»
> |
> | Dass dennoch Privatpersonen gestört werden, etwa durch die
> | Karfreitags-Blockade am Gotthard, an der auch Voegtli beteiligt war,
> | sieht er als nötiges Mittel zum Zweck, um der Klima-Thematik
> | Aufmerksamkeit zu geben. Damals setzten sich sechs
> | Renovate-Mitglieder auf die Autobahn und verzögerten zusätzlich zum
> | bereits bestehenden Stau ein Fortkommen Richtung Tessin.
> |
> | Voegtli bezeichnet sich als jemanden «ohne Macht, der Alarm
> | schlägt».  Eine Vorbildfunktion sieht er bei sich nicht und nimmt
> | sich entsprechend die Freiheit, «für zwei Monate ein normaler
> | Mensch» zu sein. Seine Mexiko-Reise plante er schon länger. «Es
> | ergab sich die Gelegenheit, dass meine Partnerin und ich uns zwei
> | Monate freinehmen konnten. Das wollte ich nutzen.» Über Paris flog
> | er, weil es deutlich günstiger gewesen sei als ein Direktflug nach
> | Mexiko. Und das wenige zusätzliche Kerosin, das dabei verbraucht
> | wurde, hält er für vernachlässigbar.
> |
> | Dass Voegtli inmitten des Klimanotstandes sich eine Auszeit nimmt,
> | wirkt inkonsequent. Doch das sieht er selbstkritisch: «Hand aufs
> | Herz: Es ist widersprüchlich. Ich habe mir auch lange Gedanken
> | gemacht, ob ich es machen will. Es gibt Leute in unserer Bewegung,
> | die so etwas nie machen würden und die ich sehr bewundere.»
> |
> | Max Voegtli nimmt Widersprüche in Kauf. Das unterscheidet ihn von
> | anderen Aktivistinnen und Aktivisten. Er ist niemand, der absolut
> | handelt. Sondern jemand, den die eigenen Ideale genug überzeugen, um
> | sich auf eine befahrene Strasse zu setzen, der aber auch mit ihnen
> | bricht.
> |
> | Voegtli entspricht so gar nicht dem von vielen Medien beschworenen
> | Bild des von Spass befreiten Klimaschützers mit erhobenem
> | Zeigefinger. Viel eher geht es ihm beim Klimaschutz um die Frage:
> | «Wie können wir uns selbst schützen und unser Leben auch zukünftig
> | geniessen?» Dabei bleibt er optimistisch. «Wenn ich pessimistisch
> | wäre, würde ich nicht mehr zurück nach Hause kommen. Dann bliebe ich
> | hier, eröffnete ein Hostel», sagt er scherzhaft und schwenkt sein
> | Smartphone. Hinter ihm liegt ein weiter, blauer See. «Denn das ist
> | zurzeit mein Ausblick», sagt er und grinst.
> |
> | In wenigen Tagen plant er, Richtung Honduras zu reisen. Nach seiner
> | Rückkehr in die Schweiz wird er wieder zivilen Ungehorsam für den
> | Klimaschutz leisten.
> +--- </hier abknabbern> ---
>
> ©<https://www.nzz.ch/zuerich/klimaaktivist-max-voegtli-flog-nach-mexiko-und-erntete-einen-shitstorm-jetzt-sagt-er-ld.1747662>
>
> 	M.f.G.

So, Full Quote aus Prinzip.

Sag ich doch. Man kann für den Klimaschutz sein und gleichzeitig
Flugmeilen sammeln. Man muss es nur im richtigen Bewusstsein machen und
gesellschaftliches Engagement und Freizeit streng trennen. Vielleicht
setze ich mich auch mal auf die Straße (kennt jemand einen Sponsor
dafür?), wenn ich aus dem Türkei Urlaub zurück bin. Singapur hebe ich
mir für nächstes Jahr auf.

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Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2023-08-04 10:54 +0200
  Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-04 11:05 +0200
    Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-04 17:52 +0200
      Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-04 23:26 -0700
  Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2023-08-04 03:18 -0700
  Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2023-08-04 17:19 +0200
    Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-08-04 17:40 +0200
      Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-04 18:05 +0200
        Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2023-08-04 17:59 +0000
    Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-04 18:00 +0200
      Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2023-08-04 22:32 +0200
        Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-08-05 03:13 +0200
          Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-05 08:09 +0200
            Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-04 23:27 -0700
            Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2023-08-05 14:55 +0200
              Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-07 03:18 -0700
          Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2023-08-05 09:10 +0200
    Re: Fliegen in Zeiten der Klimaapokalypse Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-04 23:25 -0700

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