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| From | ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Wenn sogar ein lebender Papst zuricktritt |
| Date | 2024-07-03 10:45 +0000 |
| Organization | Stefan Ram |
| Message-ID | <Biden-20240703113850@ram.dialup.fu-berlin.de> (permalink) |
| References | (3 earlier) <6683F593.34F4A259@proton.me> <Abkommen-20240702145319@ram.dialup.fu-berlin.de> <6684300F.50401695@proton.me> <Umsetzung-20240702175716@ram.dialup.fu-berlin.de> <66848427.DF866A54@proton.me> |
Carla Schneider <carla_schn@proton.me> schrieb oder zitierte:
>Stefan Ram wrote:
>>Ich verstehe, daß Biden etwaige Fehler von Trump nicht
>>ungeschehen machen kann. Er hat(te) es lediglich in der
>>Hand, zu verhindern, eigene Fehler darauf zu häufen.
>So ist es. Was waren seine Fehler ?
Bevor ich Bidens Fehler aufliste, möchte ich noch einmal an die
gebrochenen Versprechen und geschädigten Personen erinnern.
Biden versprach ausdrücklich, die US-Truppen in Afghanistan zu
lassen, bis alle Amerikaner, die das Land verlassen möchten,
evakuiert seien. In einem Interview mit ABC News am 18. August
2021 erklärte er: "Wenn es noch amerikanische Staatsbürger gibt,
werden wir so lange bleiben, bis wir sie alle rausgeholt haben."
Dieses Versprechen wurde jedoch gebrochen. Als die letzten US-
Truppen am 30. August 2021 abzogen, blieben über 800 amerikanische
Staatsbürger in Afghanistan zurück. Zehntausende von Afghanen,
die sich mit den USA verbündet hatten und denen Zuflucht in den
Vereinigten Staaten versprochen worden war, wurden ebenfalls
zurückgelassen.
Zu den Opfern:
Am 26. August 2021 wurden 13 US-Soldaten bei einem
Selbstmordattentat auf dem Flughafen von Kabul getötet.
Auch viele afghanische Zivilisten wurden bei der
chaotischen Evakuierung getötet oder verletzt. Bei einem
US-Drohnenangriff wurden versehentlich zehn afghanische
Zivilisten getötet, darunter sieben Kinder. Über 7 Milliarden
Dollar an US-Militärgütern fielen in die Hände der Taliban.
Die rasche Machtübernahme durch die Taliban nach dem Abzug der
USA führte zu weit verbreiteter Angst und Unsicherheit in der
afghanischen Bevölkerung, insbesondere bei Frauen und Personen,
die mit westlichen Organisationen zusammengearbeitet hatten.
US-Veteranen, die in Afghanistan gedient hatten, erlebten den
chaotischen Abzug mit emotionalem Streß und Gefühlen von Frustration
oder Verrat. Diejenigen, denen die Evakuierung gelang, litten häufig
unter den gefährlichen und chaotischen Bedingungen auf dem Flughafen
von Kabul während der Evakuierungsbemühungen. Die Auswirkungen des
Abzugs gingen über die unmittelbaren Opfer hinaus und verursachten
bei vielen Betroffenen ein lang anhaltendes Trauma und Traurigkeit.
Nachdem ich nun an gebrochene Versprechen und geschädigte
Personen erinnert habe, komme ich nun zu Bidens Fehlern
(in Reihenfolge abnehmender Schwere):
- Verspäteter Beginn der Evakuierung (entgegen der
Empfehlungen des Militärs). Führte zu einer überstürzten
und chaotischen Evakuierung, als die Taliban dann rasch
vorrückten.
- Biden schien Geheimdienstberichte über das Potential
einer schnellen Übernahme Kabuls durch die Taliban
ignoriert zu haben und dann davon überrascht worden
zu sein.
Er schien die mit der von ihm gewünschten Art des Abzugs
verbundenen Sicherheitsrisiken zu unterschätzen, wie das
tragische Selbstmordattentat auf dem Flughafen von Kabul
zeigte.
Es fehlten anscheinend auch Absicherungsplanungen für den
Fall, daß beim Abzug etwas anders läuft als gewünscht.
(Wenn es so ist, daß Biden - wie Du schriebst - schon früh
wußte, daß die Afghanische Armee bereits in Auflösung war,
ist diese Fehleinschätzung ja sogar noch schwerwiegender.)
- Unzureichende Truppenpräsenz: Biden entschied sich für
eine Truppe von nur 650 Mann zur Sicherheit von
Botschaften, während das Militär 2500 Mann empfohlen
hatte. So konnten die USA die Stabilität nicht
aufrechterhalten und wichtige Einrichtungen nicht sichern.
- Spannungen und Meinungsverschiedenheiten zwischen dem
Außen- und dem Verteidigungsminister in Bezug auf die
Planung und Durchführung von Evakuierungen führten zu
Verzögerungen und Verwirrung.
Als Präsident war Biden für die Koordinierung dieser
unterschiedlichen Minister zuständig (laut Buch "The
Internationalists" war sich Biden der Probleme bewußt,
ging sie aber nicht an). Er fällte wichtige Entschei-
dungen auch zu langsam (laut Generälen), was das
Militär in schwierige Situationen brachte.
- Biden machte Versprechungen über die Evakuierung aller
Amerikaner und afghanischen Verbündeten, von denen er
wußte, daß er sie nicht einhalten konnten, und ließ
Hunderte von amerikanischen Bürgern und Tausende von
afghanischen Partnern zurück. (Wie oben schon einmal
geschrieben.)
- Das Militär hatte ausreichende Ressourcen zur Durchführung
der Evakuierung. Aufgrund schlechter Planung und verzögerter
Entscheidungsfindung wurden diese aber nicht effektiv genutzt.
- Die Entscheidung, den Luftwaffenstützpunkt Bagram schon
früh im Abzugsprozeß aufzugeben, schränkte die Evakuierungs-
möglichkeiten und die strategischen Optionen ein.
- Biden glaubte Berichten zufolge nicht, daß irgendjemand in
seiner Verwaltung Fehler gemacht hatte, was eine gründliche
Überprüfung und das Ziehen von Lehren behindert haben könnte.
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