Groups | Search | Server Info | Keyboard shortcuts | Login | Register [http] [https] [nntp] [nntps]


Groups > ger.ct > #669990

Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas

From Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas
Date 2026-07-31 21:21 +0200
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <114isk0$30kva$1@dont-email.me> (permalink)
References (2 earlier) <10vrakk$7rhk$1@dont-email.me> <n8cq68F9imkU2@mid.individual.net> <10vrd4h$8ip8$1@dont-email.me> <114heoe$2etgt$1@dont-email.me> <nd3tdpFkg76U3@mid.individual.net>

Show all headers | View raw


Salve allerseits,

Michael Bode schrieb:
> Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> writes:
> 
>> | *Die USA bleiben unersetzlich*
>> |
>> | Die Realität ist, dass die USA ihren Alliierten und Partnern auch
>> | weiterhin weitaus mehr bieten, als es selbst die Summe der
>> | gleichgesinnten Mittelmächte könnte: ihre einzigartige militärische
>> | Stärke, die Russland und China abschrecken kann; technologische Führung,
>> | von der Verbündete vielfach profitieren können; einen grossen und weiter
>> | wachsenden wirtschaftlichen Markt und auch weiterhin, wenn auch mit
>> | Abstrichen, die Rolle einer Weltordnungsmacht.
> 
> Wie weit es mit der einzigartigen militärischen Stärke der USA her ist, zeigt gerade
> der Iran. Und die technologische Führung hat China in ... drei ... zwei ... eins ...
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Washington
| eintrifft, deutet vieles darauf hin, dass er nicht länger nur versucht,
| die US-amerikanische Unterstützung für den Krieg gegen Russland
| auszuweiten. Vielmehr scheint er etwas weitaus Folgenreicheres
| anzustreben: die Verschmelzung des Ukrainekriegs mit dem Konflikt
| zwischen den USA und dem Iran zu einem einzigen strategischen Schauplatz.
|
| Dieser Unterschied ist entscheidend. Wenn die beiden Kriege zu einem
| werden, ist die Ukraine nicht länger nur Empfänger amerikanischer
| Militärhilfe, sondern wird zu einem direkten Akteur in Washingtons Krieg
| gegen Teheran. Umgekehrt wären die Vereinigten Staaten nicht mehr
| lediglich der wichtigste Waffenlieferant der Ukraine. Sie würden zu
| einer aktiven Kriegspartei gegen Russland in einem Konflikt, der sich
| vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer erstreckt.
|
| Für Kiew wäre dies der strategische Durchbruch, den es seit der
| russischen Invasion im Jahr 2022 anstrebt.
|
| Von Beginn des Krieges an drängten ukrainische Anführer die Nato
| konsequent dazu, über die Lieferung von Waffen und
| Geheimdienstinformationen hinauszugehen. Selenskyj forderte wiederholt
| eine von der Nato durchgesetzte Flugverbotszone und warnte, alles andere
| komme einer Duldung russischer Bombardierungen ukrainischer Städte gleich.
|
| Er setzte westliche Regierungen früh unter Druck, immer
| fortschrittlichere Waffensysteme zu liefern – lange bevor dies in
| Washington politisch akzeptabel war. Und er argumentierte, ein Sieg
| erfordere, dass der Westen das aufgebe, was er als selbst auferlegte
| Zurückhaltung bei der Eskalation betrachtete.
|
| Die Regierung unter Präsident Joe Biden zeigte Verständnis für die Lage
| der Ukraine, weigerte sich jedoch konsequent, mehrere rote Linien zu
| überschreiten. Präsident Joe Biden lehnte die Entsendung amerikanischer
| Bodentruppen ab, da direkte Kämpfe zwischen US- und russischen
| Streitkräften das Risiko eines größeren Krieges zwischen Atommächten
| bergen würden.
|
| Er schloss die Einrichtung einer Flugverbotszone wiederholt aus, da
| deren Durchsetzung bedeutet hätte, dass US-Piloten russische Flugzeuge
| abschießen müssten. Seine Regierung zögerte zunächst auch,
| F-16-Kampfjets, weitreichende ATACMS-Raketen und andere fortschrittliche
| Systeme bereitzustellen. Sie befürchtete eine unkontrollierte
| Eskalation. Erst nach langen internen Debatten wurden einige dieser
| Beschränkungen schrittweise gelockert.
|
| Bei all diesen Entscheidungen blieb das Leitprinzip Washingtons
| konstant: der Ukraine bei der Selbstverteidigung zu helfen, ohne dass
| die Vereinigten Staaten zu einer direkten Kriegspartei gegen Russland
| werden – und zugleich auf eine Diplomatie zu verzichten, die die Kämpfe
| hätte beenden können.
|
| *Trumps Schwäche als Chance für Kiew*
|
| Heute jedoch hat sich die strategische Lage verändert. Der Krieg der
| Trump-Regierung mit dem Iran hat genau das Dilemma hervorgebracht, das
| viele Kritiker vorhergesagt hatten. Washington verfügt zwar über eine
| überwältigende militärische Überlegenheit, hat jedoch eine strategische
| Niederlage durch Teheran erlitten.
|
| Der Iran hat gezeigt, dass er das Schlachtfeld horizontal ausweiten,
| Kosten über mehrere Schauplätze hinweg auferlegen und die Vereinigten
| Staaten zwingen kann, Verbündete und Ressourcen weit entfernt von den
| ursprünglichen Frontlinien zu verteidigen. Der Iran hat die
| Eskalationsdominanz, während Trump keine gute militärische Option hat
| und ihm die Geduld fehlt, diplomatische Wege diszipliniert zu verfolgen.
|
| Trumps Verwundbarkeit eröffnet Kiew eine historische Chance. Anstatt als
| von US-Hilfe abhängiges Land zu erscheinen, kann sich die Ukraine nun
| als strategischer Vorteil präsentieren, der Washington dabei helfen
| kann, ein militärisches Fiasko in einen glänzenden Sieg zu verwandeln.
| Die ukrainische Drohnenkriegsführung hat sich in den vergangenen drei
| Jahren schneller entwickelt als nahezu jede andere militärische
| Innovation. Ihre Erfahrung bei der Integration kostengünstiger autonomer
| Systeme in die konventionelle Kriegsführung ist einzigartig.
|
| Ebenso wichtig ist, dass die Ukraine etwas bieten könnte, das Washington
| derzeit fehlt: die Möglichkeit, den Konflikt auf einen völlig neuen
| geografischen Schauplatz auszudehnen und somit die horizontale
| Eskalation gegen den Iran zu nutzen.
|
| Das Kaspische Meer stellt in der ukrainischen Argumentation eine solche
| Option dar. Druck auf den Iran aus dem Norden würde Teherans
| militärische Planung verkomplizieren, es zwingen, knappe Ressourcen
| umzuverteilen und seine Fähigkeit verringern, zu bestimmen, wo der
| Konflikt ausgetragen wird.
|
| Aus Kiews Sicht würde dieses Angebot die Ukraine vom Nutznießer
| amerikanischer Hilfe zu deren Retter machen.
|
| *Verschmelzung von Iran und Ukraine-Krieg*
|
| Ein noch größerer strategischer Gewinn für Kiew wäre jedoch die
| Verschmelzung der beiden Konflikte zu einem Einzigen. Eine solche
| Zusammenführung würde die politische Logik beider Kriege grundlegend
| verändern.
|
| Amerikanisches Personal, Geheimdienstressourcen, Logistik und operative
| Planung wären zunehmend über beide Schauplätze hinweg verflochten. Auch
| die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran würde
| Washington dazu bewegen, beide als Teile eines einzigen Konflikts und
| nicht als getrennte Krisen zu betrachten.
|
| Sobald diese Schwelle überschritten ist, wird die Unterscheidung
| zwischen der Unterstützung der Ukraine und dem Kampf gegen Russland
| immer schwieriger.
|
| Diese Dynamik würde auch Israel entgegenkommen. Erstens würde sie dem
| Krieg gegen den Iran neues Leben einhauchen. Zweitens würde sie den
| Konflikt weiter internationalisieren, indem europäische Regierungen
| aufgrund ihrer tiefen Verpflichtungen gegenüber der Ukraine in den
| Iran-Schauplatz hineingezogen würden. Und drittens, vielleicht am
| bedeutendsten, würde sich die politische Erzählung verändern. Eine
| Niederlage des Iran würde dann nicht mehr als notwendig zur Verteidigung
| Israels, sondern zur Verteidigung der Ukraine dargestellt werden.
|
| Angesichts der breiten Unterstützung, die die Ukraine sowohl in
| Elitenkreisen als auch in der Öffentlichkeit genießt – schließlich war
| sie Opfer einer illegalen Invasion –, ist eine solche Darstellung
| politisch deutlich leichter vermittelbar als eine Fokussierung auf
| Israel. Dessen Ansehen im Westen ist aufgrund seines Vorgehens in Gaza
| und seiner entscheidenden Rolle beim Beginn des illegalen Krieges mit
| dem Iran stark gesunken.
|
| All dies bedeutet jedoch nicht, dass das Wagnis der Ukraine erfolgreich
| sein wird. Doch angesichts seiner selbstverschuldeten Lage in der Straße
| von Hormus könnte Trump dafür empfänglich sein.
|
| Auch wenn Bidens Ukrainepolitik viel Kritik verdient, widersetzt er sich
| einer solchen Eskalation, da das Risiko einer direkten Konfrontation
| zwischen der Nato und Russland zu einem weitaus größeren und
| katastrophaleren Krieg führen könnte. Diese Bedenken sind nicht
| verschwunden, nur weil sich die Besetzung des Weißen Hauses geändert hat
| oder weil Trump sich in einen unklugen Krieg manövriert hat.
|
| Versuche, ein strategisches Problem durch die Ausweitung eines Konflikts
| zu lösen, haben oft beide Probleme schwerer lösbar gemacht.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.telepolis.de/article/Neue-Strategie-der-Ukraine-Warum-Kiew-zwei-Konflikte-verknuepfen-will-11385168.html>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

Back to ger.ct | Previous | NextPrevious in thread | Next in thread | Find similar | Unroll thread


Thread

Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2026-06-04 08:30 +0200
  Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2026-06-04 09:35 +0200
    Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-04 09:48 +0200
      Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2026-06-04 10:09 +0200
        Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-04 10:31 +0200
          Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2026-06-04 11:07 +0200
            Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-04 19:14 +0200
          Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2026-06-04 12:43 +0200
            Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-04 19:23 +0200
          Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-07-31 08:18 +0200
            Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2026-07-31 17:31 +0200
              Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Peter Veith <veith@snafu.de> - 2026-07-31 17:40 +0200
              Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-07-31 21:21 +0200
      Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2026-06-05 13:26 +0200
    Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Alfred <Juni.2026@anon.invalid> - 2026-06-04 11:18 +0200
    Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2026-06-04 12:41 +0200
      Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Goetz Schultz <ng.expire1230@goetz.co.uk> - 2026-06-04 11:48 +0100
      Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2026-06-04 12:54 +0200
        Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2026-06-04 11:45 +0000
          Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2026-06-04 13:55 +0200
            Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2026-06-04 12:03 +0000
            Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2026-06-04 15:16 +0200
      Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-04 19:31 +0200
    Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2026-06-04 17:55 +0000
      Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-04 21:01 +0200
        Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2026-06-04 19:31 +0000
          Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-04 22:36 +0200
  Re: Österreich und Portugal im Sicherheitsrat als Vertreter Europas Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2026-06-04 17:42 +0200

csiph-web