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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Enshittification |
| Date | 2026-01-31 18:41 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <10llerc$338s5$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | <10lkaue$1olv$1@solani.org> <10ll23j$2uuqi$1@dont-email.me> <10ll4if$29lm$1@solani.org> <mu6j6aFcm49U1@mid.individual.net> <10ll5ck$2a4t$1@solani.org> |
Salve allerseits, Dr. Joachim Neudert schrieb: > Michael Bode <m.g.bode@web.de> wrote: >> Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> writes: >> >>> Danke, probier ich aus. Obwohl das Risiko natürlich erneut besteht, alle >>> Karten einlesen, und dann wird’s irgendwann kommerziell. >> >> Ist kommerziell jetzt nicht gut? > > Wenn die Frage ist, wie man aus so einem kleinen Tool und seinen Usern nach > Jahren plötzlich Geld zieht, dann schon. Es gab ja auch mal diesen Public > Domain Gedanken und die Open Software Lizenzen. > +--- <hier abknabbern> --- | Ein Jahr ist es her, da erlebten die amerikanischen Tech-Firmen eine | öffentliche Demütigung. Gerade noch hatte die Welt über Stargate | gestaunt: ein Investitionsprojekt, um in den USA Datenzentren für | künstliche Intelligenz (KI) zu bauen, für die erstaunliche Summe von 500 | Milliarden Dollar. | | Dann kam Deepseek. Am 20. Januar 2025 wurde ein Chatbot veröffentlicht, | der es mit den besten Modellen des Branchenführers Open AI aufnehmen | konnte. Gemacht von einem kleinen Forschungslabor in China. | | Als Reaktion brach die amerikanische Börse um 1000 Milliarden Dollar | ein. Denn Deepseek hatte mit einem Schlag zwei Illusionen des Westens | zerstört. Erstens die Idee, dass Zensur und die kommunistisch gelenkte | Wirtschaft verhindern würden, dass China bei Sprach-KI mithalten kann. | Zweitens die Gewissheit, dass der Fortschritt bei KI grosse Mengen | leistungsstärkster Chips erfordert. | | Deepseek hatte echte Innovation geliefert. Sein Chatbot nutzte neue | Methoden für bessere Antworten und war um einiges effizienter als | vergleichbare Modelle aus dem Westen – gerade weil den chinesischen | Forschern viel weniger Hochleistungschips zur Verfügung standen. | | Und zu allem Unglück der Konkurrenz bot Deepseek sein Modell nicht nur | gratis als Chatbot an. Es veröffentlichte auch seine Forschungsmethoden. | Und es ermöglichte jedem, das Modell kostenlos für den Eigengebrauch | herunterzuladen. | | Kein Wunder, stürzten die Aktien des Chipherstellers Nvidia und anderer | KI-Titel ab. Was für die amerikanische Tech-Szene einen Schock | bedeutete, ist für Europa aber eine Chance. Für einmal kann es vom | Wettlauf zwischen China und den USA profitieren. Nun geht es darum, dass | europäische Firmen und Wissenschafter die Lage klug nutzen. | | *In den USA war unheimliche Marktmacht gewachsen* | | Was für ein Segen Deepseek für Europa ist, begreift man, wenn man die | Alternative durchdenkt. Vor eineinhalb Jahren steuerte die KI-Welt noch | auf eine dunkle Zukunft zu. Wenige KI-Anbieter aus den USA führten weit | vor der Konkurrenz. Sie rechneten damit, dank ihren überlegenen | Ressourcen den Markt langfristig unter sich aufteilen zu können. | | Open AI und Anthropic malten eine Zukunft, in der jede Firma der Welt | teure Abonnements bei ihnen würde abschliessen müssen, um in der | beschleunigten Welt mithalten zu können. Firmen, die KI ausprobieren | wollten, ob für einen Kundendienst-Chatbot oder um eigene Dokumente | besser zu durchsuchen, hatten kaum eine andere Wahl, als ihr Geld einem | der KI-Weltmeister zu schicken – und ihre Daten. | | Mit seiner Open-Source-Strategie hat Deepseek diesen Markt aufgemischt. | In den vergangenen zwölf Monaten hat es auch noch «Geschwister» | bekommen: andere KI-Modelle aus China, die ebenfalls frei nutzbar sind. | Die Qualität steigt stetig. Unternehmen können eine grosse Auswahl | modernster Sprachmodelle herunterladen, weiterentwickeln und für eigene | Produkte nutzen. | | In geopolitisch unsicheren Zeiten ist es besonders wichtig, dass Europas | Unternehmen resilient sind. Das bedeutet auch: nicht nur von einigen | wenigen Anbietern abhängig zu sein, die noch dazu alle im selben Land | sitzen. Die chinesischen Modelle sind hier eine wertvolle Chance. | | *Schlau genutzt, eröffnet die chinesische KI Auswege* | | Natürlich darf man beim Nutzen der chinesischen KI nicht naiv sein. Es | wäre eine Schnapsidee, seine Daten nach China zu schicken. Aber genau | das ist bei Open-Source-Modellen nicht nötig. Wenn man sie auf eigenen | Servern betreibt oder über einen lokalen Anbieter nutzt, bleiben die | Daten geschützt vor chinesischem Zugriff. | | Anwendern muss auch bewusst sein, dass China mit den offenen Modellen | eigene Interessen verfolgt. Es will die USA bremsen, den dortigen Firmen | Kunden abluchsen und die Preise drücken. Deshalb macht es aus dem | Prestigeprodukt KI Massenware. | | Die chinesische Regierung profitiert vom Imagegewinn Chinas als | innovatives und grosszügiges Land. Darüber hinaus exportieren | Sprachmodelle immer auch Kultur, Weltsicht und Ideologie. Schliesslich | entscheiden ihre Macher, welche Informationen in ihre Antworten | einfliessen. | | Es darf also nicht verwundern, dass chinesische KI-Modelle historische | und politische Fragen im Sinne der kommunistischen Regierung | beantworten. Für Fähigkeiten wie Zusammenfassen oder Programmieren ist | das weniger relevant. Sie funktionieren weitgehend unabhängig von | Ideologie. Aber wer chinesische Modelle in einen Kundenservice-Bot oder | in sprechendes Spielzeug einbaut, läuft Gefahr, eine Propagandaschleuder | anzubieten. | | Es braucht also durchaus Fachwissen, um auf chinesischen Modellen | aufzubauen. Man muss sie prüfen, anpassen, weiterentwickeln. Es gibt | kein fertiges Werkzeug mit Liefervertrag und Haftungsregelung wie bei | amerikanischen Herstellern. Wer Open-Source-KI verwendet, ist nicht | Nutzer, sondern Mitentwickler. Das verursacht Kosten. Es ist aber auch | eine Gelegenheit, sich KI-Wissen anzueignen. Dies wird in den kommenden | Jahren nötig sein. | | *Rezept für Europa: starke Forschung und Stars in der Nische* | | Denn das ist vielleicht die wichtigste Einsicht aus dem Deepseek-Moment | für Europa: Das Rennen um die Zukunft ist noch nicht gemacht. Auch | Wettbewerber mit weniger Ressourcen können mithalten. Das sollte Europa | antreiben. | | Dabei kann es sich auf die eigenen Stärken besinnen. So viel Geld wie | Tech-Firmen im Silicon Valley haben, wird sich hierzulande nicht finden. | Das ist ein Problem, wenn man eine eigene Version von Chat-GPT von Grund | auf bauen will. Denn das Training grosser KI-Modelle verbraucht Unmengen | an Ressourcen. | | Doch es wäre sowieso keine schöne Aussicht, an so einer Alternative zu | arbeiten, um mit Google und Open AI um Privatkonsumenten zu buhlen. | Dieser Markt ist selbst für die grossen Player schwierig – sie haben | extrem viel investiert und können trotzdem nicht einmal die laufenden | Kosten decken. China subventioniert die KI-Anbieter, zudem profitieren | sie von einem riesigen nationalen Markt. | | Für Europa ist es vielversprechender, KI weiterzuentwickeln, zu | spezialisieren, den Verwendungszwecken und Anforderungen verschiedener | Branchen anzupassen. Dabei gibt es durchaus Stärken, auf die man setzen | kann: starke Firmen in komplexen, zukunftsträchtigen Branchen, von | Robotik über Präzisionsmaschinen und grüne Technologien bis zu | Pharmazeutik und Biotechnologie, der breite Dienstleistungssektor. | | *Europa hat viele hochspezialisierte Firmen* | | KI-Firmen wie Open AI verbreiten gerne das Narrativ, dass sie AGI mehr | oder weniger schon entwickelt haben: eine allgemeine künstliche | Intelligenz, die flexibel alle Probleme lösen kann. Mit so einer | Technologie könnte man quasi auf einen Schlag in allen Nischen | mitspielen, von medizinischen Fragen bis zu Cybersicherheit. Bis jetzt | bleibt das jedoch eine Phantasie. | | Tiefgehendes Wissen und Verständnis für eine Branche zahlen sich immer | noch aus. Das beweisen auch erfolgreiche Startups, wie die ETH-Spin-offs | Lakera und Deepjudge. Sie sind führend an den Schnittstellen zwischen KI | und Cybersicherheit und KI und Recht. Das polnische Startup Neptune.ai | machte sich für das KI-Training grosser Firmen so unabdingbar, dass Open | AI es kaufte. | | Etablierte europäische Firmen müssen sich damit befassen, wie künstliche | Intelligenz ihr Geschäftsfeld ändert. Sie sollten die Konkurrenz | beobachten, sich bei ihren Mitarbeitern umhören und selbst Dinge | ausprobieren. | | Dank Open-Source-Modellen heisst Innovation mehr, als Chat-GPT in seine | täglichen Abläufe zu integrieren und so neue Abhängigkeiten zu schaffen. | Mit offenen KI-Modellen im Hintergrund kann man eigene, unabhängige | KI-Produkte bauen. | | *Von Deepseek hat auch das Apertus-Projekt profitiert* | | Natürlich darf sich Europa nicht langfristig von der chinesischen | Open-Source-Strategie abhängig machen. Nicht nur wegen der Bedenken über | die politische Schlagseite der Modelle. Es ist auch nicht garantiert, | dass die dortigen Tech-Firmen ihre KI-Forschung in Zukunft kostenlos | hergeben. | | Europa muss also aufholen und selbst ausreichend Fachwissen im Bereich | des Trainings grosser KI-Modelle sammeln. Und das, obwohl es sich | ökonomisch nicht lohnt. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.nzz.ch/meinung/ein-jahr-deepseek-ausgerechnet-aus-china-kommt-die-ki-die-europa-unabhaengiger-macht-ld.1921513> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Enshittification "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2026-01-31 08:28 +0100
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Re: Enshittification Rick Szabo <rickszabo@web.de> - 2026-01-31 08:32 +0000
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Re: Enshittification Ulf Kutzner <user2991@newsgrouper.org.invalid> - 2026-02-10 17:08 +0000
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Re: Enshittification Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2026-02-10 20:35 +0100
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Re: Enshittification Ulf Kutzner <user2991@newsgrouper.org.invalid> - 2026-02-12 13:07 +0000
Re: Enshittification Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2026-02-12 13:25 +0000
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Re: Enshittification Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2026-02-12 11:02 +0000
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Re: Enshittification Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2026-02-18 15:09 +0100
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