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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: "Preisdeckel für russisches Öl" |
| Date | 2026-01-16 15:18 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <10kdhao$1n703$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (9 earlier) <10k2jfh$36bhf$1@solani.org> <10k2l9q$2947r$4@dont-email.me> <mskekaFcmbhU4@mid.individual.net> <10k37s8$2emm7$5@dont-email.me> <msn77jFr6rsU4@mid.individual.net> |
Salve allerseits, Walter Brill schrieb: > > Pff! Aristokraten zuerst;-) > +--- <hier abknabbern> --- | Es war harter Tobak, was US-Präsident Donald Trump in der vorigen Woche | auf seiner Plattform «Truth Social» von sich gab. Der Konzern liefere | dem Pentagon zu langsam, wolle seine Produktion nicht erhöhen und | verwöhne lieber seine Aktionäre mit Milliardenrückkäufen, statt in neue | Anlagen und Maschinen zu investieren. Wenn sich das nicht ändere, werde | das Unternehmen keine Geschäfte mehr mit dem US-Kriegsministerium | machen. Amerika stehe an erster Stelle, und das müssten sie auf die | harte Tour lernen. So schrieb es der Präsident. | | Adressat dieser öffentlichen Drohung war niemand Geringeres als der | US-Rüstungskonzern Raytheon, seit kurzem RTX genannt. Dieses Unternehmen | ist ein zentraler Pfeiler der amerikanischen Militärmacht. Es produziert | etwa das Flugabwehrsystem Patriot, Lenkflug- und Marschflugkörper, | Torpedos, Hyperschallwaffen, Radare und viele andere für die | amerikanische Sicherheit unabdingbare Waffensysteme und Ausrüstung. | | Ohne Raytheon wäre die US-Luftverteidigung kaum denkbar. Dass ein | amerikanischer Präsident ausgerechnet diesen Konzern öffentlich | attackiert, markiert einen Bruch mit der jahrzehntelangen politischen | Praxis. Bisher galten die Rüstungsriesen in den USA als strategische | Partner, als Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur, nicht als | politische Zielscheiben. | | *Neujustierung im amerikanischen Rüstungsverständnis* | | Was immer Trump an der Zusammenarbeit des Pentagons mit Raytheon so | erbost hat – der Vorgang ist mehr als nur eine Episode aus dem Kosmos | des US-Präsidenten. Er lässt vielmehr auf eine Neujustierung im | amerikanischen Verständnis von Rüstungsbeschaffung schliessen: Die USA | definieren Beschaffung künftig als Teil ihrer Kriegsführung. Das hat | auch für Deutschland und andere europäische Länder erhebliche Folgen. | | Die Neujustierung kommt nicht überraschend. Sie ist vielmehr die fast | logische Folge der sicherheitspolitischen Entwicklungen der vergangenen | Jahre. Da sind zum einen die Drohgebärden des Regimes in Moskau. | Wladimir Putin rasselt immer wieder mit dem nuklearen Säbel, sowohl | gegenüber der Ukraine als auch gegenüber ihren westlichen Partnern. | Zuletzt zeigte sich das im Abschuss einer atomar bestückbaren | Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik auf die Westukraine. | | Dieses Agieren zeigt, dass der Kreml offenkundig willens und in der Lage | ist, solche Waffen zu benutzen. Für die USA, die Trump unangreifbar | machen will, bedeutet das, sich umfassend zu schützen. Die massenhafte | Beschaffung von Lenkflugkörpern zur Flugabwehr dürfte Teil des «Golden | Dome» sein, dessen Aufbau Trump im Januar 2025 unter der Bezeichnung | «Iron Dome for America» verkündet hatte. | | Zum anderen blickt Trump auf die Pazifikregion. Die Drohungen Chinas | gegen Taiwan haben in der jüngeren Zeit an Schärfe zugenommen. Bei einem | militärischen Vorgehen Pekings gegen die Insel stünden die USA in ihrem | Versprechen, Taiwan zu schützen. Hierfür gäbe es kaum etwas Wichtigeres | als Flugabwehrsysteme einschliesslich Lenkflugkörper. | | *Produktionsgeschwindigkeit als strategisches Element* | | Bisher war der Kauf von Waffen nicht nur in Europa, sondern auch in den | USA überwiegend eine technokratische Verwaltungsaufgabe oder ein | industriepolitisches Förderinstrument. Die «Foreign Military Sales», der | Verkauf von Waffen ins Ausland, dienten darüber hinaus der Pflege | strategischer Partnerschaften. Seit Jahrzehnten profitieren Länder wie | Südkorea, Japan, Deutschland und auch die Schweiz davon, dass ihnen die | Amerikaner die von ihnen selbst genutzten Waffen verkaufen. Das | verbesserte die Interoperabilität, ermöglichte gemeinsame Verfahren und | gemeinsame Ausbildung. Es hatte durchaus seine Berechtigung. | | Das dürfte der Vergangenheit angehören. Trumps Post gegen Raytheon, im | Grunde sein gesamtes Agieren seit dem Amtsantritt vor einem Jahr, lässt | darauf schliessen, dass Rüstungsbeschaffung für ihn vor allem eines ist: | integraler Bestandteil militärischer Einsatzfähigkeit, und zwar der | eigenen. Dabei ist nicht entscheidend, welche Systeme existieren oder | auf dem Papier bestellt sind. Vielmehr geht es darum, wie schnell sie | verfügbar sind, in welcher Stückzahl und – ganz massgeblich – wie | zuverlässig sie im Kriegsfall nachproduziert werden können. | | Die Geschwindigkeit der Rüstungsproduktion wird zum strategischen | Element. Ein Waffensystem, das erst in fünf oder sieben Jahren | einsatzbereit ist, entfaltet heute kaum Abschreckungswirkung. Wer | hingegen schnell liefern kann, signalisiert Handlungsfähigkeit – | gegenüber potenziellen Gegnern ebenso wie gegenüber Verbündeten. | | Im Prinzip handelt es sich dabei nicht um eine revolutionäre neue | Erkenntnis. Kriege gewinnen meist jene, die über die meisten Reserven | verfügen. Neben dem Personal spielt dabei vor allem die Produktion von | Waffen und Munition eine Rolle. Das zeigt sich gerade wieder in der | Ukraine. Den Russen gelingt es nach wie vor, die hohen Verluste mit | neuen Soldaten und Gerät auszugleichen. | | *Der Massstab militärischer Stärke verschiebt sich* | | Auch der Nato dürfte das bewusst sein. Doch sie hat sich diese Gedanken | dreissig Jahre lang nicht machen müssen. Ein grosser konventioneller | Krieg galt als unwahrscheinlich. Die Nato-Staaten riskierten erhebliche | Fähigkeitslücken, insbesondere auch bei der bodengestützten | Luftverteidigung. Nun steigt die Bedrohung – und damit verschiebt sich | auch der Massstab militärischer Stärke. Die Abschreckung bemisst sich | nicht mehr nur an technologischer Überlegenheit, sondern an | industrieller Reaktionsfähigkeit. In dieser Logik reicht es nicht, | modern zu sein. Man muss auch schnell und skalierbar sein, also zügig | wachsen können. | | Hier setzt der zweite Pfeiler der amerikanischen Neujustierung an. Es | geht darum, die Produktion im Krisenfall rasch hochfahren zu können. Das | hat massive Folgen. Produktionslinien, qualifiziertes Personal, | Vorprodukte, Zulieferer, Test- und Abnahmefenster gelten nicht länger | als industriepolitische Randbedingungen. Sie sind eine militärische | Ressource wie etwa Personal, Ausrüstung, Munition und Logistik. | | Die Kapazität der Industrie wird Teil der Einsatzplanung. Wer die | Kapazitäten nicht vorhält oder nicht bereit ist, frühzeitig zu | investieren, gefährdet in der Logik der Regierung Trump die eigene | Kriegstüchtigkeit. Gut möglich, dass der wütende Post gegen Raytheon als | eine Warnung des US-Präsidenten an alle Rüstungsunternehmen im Land zu | verstehen ist. Er will, dass die USA auch an dieser «Front» | verteidigungsfähig sind. | | *Was sind die Folgen für Deutschland und die Schweiz*? | | Was für Amerika gilt, gilt auch für Europa, für Deutschland und für die | Schweiz. In den USA wirkt ein Trump-Post dieser Art wie ein Befehl an | die Industrie, weil das Pentagon als wichtigster Kunde mit gigantischem | Budget den Takt vorgibt. In Europa ist das anders: viele Staaten, viele | Haushalte, viele Vergaberegeln. Während Trump im Stile einer | «Frontansprache» Forderungen stellt, entstehen in Europa Initiativen für | eine effizientere Waffenbeschaffung durch Strategien, Programme und | Fördermechanismen. Das dauert mitunter Jahre. | | In Deutschland haben die Politiker inzwischen zumindest auf dem Papier | erkannt, dass die Rüstungsindustrie integraler Teil der eigenen | Verteidigungsfähigkeit ist. Seit Dezember 2024 gibt es eine Strategie | für die nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Sie zielt | darauf ab, eine «dynamische, skalierbare» Industrie aufzubauen, die den | Bedarf «schnell und verlässlich deckt». | | Der Staat sagt damit offen, dass er nicht nur einkaufen, sondern | Kapazität und Resilienz absichern will. Was im US-Stil noch fehlt, ist | vor allem der harte Hebel: In Deutschland und auch in Europa gibt es | weniger Bereitschaft und Instrumente, Konzerne öffentlich zu | «disziplinieren». Europas Achillesferse ist nicht der Wille, sondern die | Governance – viele Besteller, viele Prioritäten, viele Vergabekulturen. | | In der Schweiz gibt es keine vergleichbare «Kriegswirtschaft»-Rhetorik, | aber eine Bewegung hin zu einer umfassenderen Strategie für die | Rüstungspolitik, die der Bundesrat im August 2025 verabschiedet hat. | Darin wird explizit von Schlüsselkompetenzen und industriellen | Kapazitäten gesprochen, inklusive Produktion ausgewählter Systeme, | bestimmter Munitionstypen, resilienter Lieferketten und verlässlicherer | Planung. Das passt zur Schweizer Realität: kleiner Markt, | Neutralitätsstatus, dafür Fokus auf Kernfähigkeiten, | Beschaffungsprozesse und Versorgungssicherheit. Die Fähigkeit, die | Produktion schnell hochfahren zu können, scheint weniger wichtig zu sein. | | *Begrenzte Kapazitäten bei Schlüsselkomponenten* | | Die massive Kritik von Trump an Raytheon zeigt, dass Lieferfähigkeit und | Produktionserhöhung inzwischen stärker gewichtet werden als Börsenwert, | Gewinnmargen oder technologische Führungspositionen. Ein Konzern kann | marktbeherrschend sein und dennoch politisch unter Druck geraten, wenn | er nicht so schnell liefern kann, wie das Militär oder die nationale | Sicherheit verlangt. | | Eine weitere logische Folge dieser Neujustierung ist eine Priorisierung | der nationalen Bedarfe. Bei Engpassgütern wie Munition, Lenkflugkörpern, | Flugabwehrsystemen oder kritischer Elektronik konkurrieren selbst enge | Verbündete um dieselben Produktionslinien. Das liegt nicht an | politischem Affront oder mangelnder Bündnistreue, wie man sie den USA | unter Trump nun vielleicht vorwerfen könnte. Es liegt vielmehr an den | begrenzten Kapazitäten. So gesehen könnte die Ermahnung Trumps an | Raytheon auch den Europäern nützen. Länder wie Deutschland und die | Schweiz, zumal die Ukraine, warten händeringend auf neue | Patriot-Lieferungen oder andere Waffen für ihre Verteidigung. | | *Strategisches Risiko für Deutschland* | | Die amerikanische Neujustierung der Rüstungsbeschaffung ist daher ein | strategisches Risiko, nicht zuletzt für Deutschland. Denn ausgerechnet | jetzt erlebt die Bundesrepublik den grössten militärischen Aufwuchs seit | dem Ende des Kalten Krieges. Die Zahl der Beschaffungen ist beispiellos | seit der Wiederbewaffnung. Die Bundeswehr soll durchhaltefähig werden, | geschützt, massenfähig, nicht mehr nur symbolisch verteidigungsbereit | sein, sondern real kriegstüchtig. | | Im Zentrum der Wiederaufrüstung steht die Flugabwehr: Arrow für die | obere Schicht, Patriot mit den Abfangflugkörpern für die mittlere | Schicht und Iris-T für den Nah- und Nächstbereich. Hinzu kommen | Lenkwaffen wie Meteor (Eurofighter-Bewaffnung) und in mittlerer Sicht | eine neue Version des Marschflugkörpers Taurus (Taurus Neo). Ohne | wirksame Flugabwehr sind Truppenverlegungen, Logistik, kritische | Infrastruktur und die eigene Bevölkerung hochgradig verwundbar. | Abschreckung beginnt nicht mit Angriffsfähigkeit, sondern mit Schutz. | | Doch hier liegt das strategische Paradox der deutschen Wiederaufrüstung. | Die Bundesrepublik investiert massiv in jene Fähigkeiten, die im Westen | absolute Mangelressourcen sind. Flugabwehr und Lenkflugkörper gehören zu | den komplexesten Produkten moderner Rüstungsindustrie. Ihre Lieferketten | sind lang, Komponenten hochspezialisiert und ihre Produktionsraten | begrenzt. | | Gleichzeitig sind es genau diese Fähigkeiten, die auch die USA im | Ernstfall zuerst für sich selbst sichern müssen. Trumps Kritik an | Raytheon macht diese Spannung sichtbar. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.nzz.ch/pro/trump-diszipliniert-amerikanischen-ruestungsriesen-und-fuer-deutschland-wird-es-gefaehrlich-ld.1920000> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2026-01-13 19:45 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Heinz Brückner <Ha-He-Brueck@t-online.de> - 2026-01-13 20:29 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Peter Veith <veith@snafu.de> - 2026-01-12 19:02 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Ulf Kutzner <user2991@newsgrouper.org.invalid> - 2026-01-13 09:33 +0000
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2026-01-13 11:16 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Peter Veith <veith@snafu.de> - 2026-01-13 18:56 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Bernd Ohm <invalid@invalid.invalid> - 2026-01-12 11:56 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-01-10 12:39 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2026-01-10 10:45 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-01-10 12:24 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Peter Veith <veith@snafu.de> - 2026-01-10 10:11 +0100
Re: "Preisdeckel für russisches Öl" Peter Veith <veith@snafu.de> - 2026-01-10 10:38 +0100
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