Groups | Search | Server Info | Keyboard shortcuts | Login | Register [http] [https] [nntp] [nntps]


Groups > ger.ct > #649101

Re: OT: Soli zahlen für Boomer

From Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: OT: Soli zahlen für Boomer
Date 2025-10-20 19:24 +0200
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <10d5r92$3c61e$1@dont-email.me> (permalink)
References (7 earlier) <mhourkF2op3U3@mid.individual.net> <1098rqt$10ptp$1@dont-email.me> <mi05gcF7fdgU5@mid.individual.net> <10d52up$34gnr$1@dont-email.me> <mlmnhlFc3quU5@mid.individual.net>

Show all headers | View raw


Salve allerseits,

Walter Brill schrieb:
> Am 20.10.25 um 12:29 schrieb Fidel Sebastián Hunrichse-Lara:
>> Walter Brill schrieb:
>>> Am 03.09.25 um 09:47 schrieb Fidel Sebastián Hunrichse-Lara:
>>>> 
>>>>> Ja, sehr schön. Ich nehme an die russischen Soldaten, die auf ukrainischem
>>>>> Territorium terminiert wurden, waren nicht auf einem Sofa unterwegs?
>>>>>
>>>> Nope! Aber dafür haben sie während der Sommeroffensive satte 1.600 km²
>>>> erobert! Und die Rubikon-Piloten operieren wirklich vom eigenen Sofa aus
>>>> und der Grund dafür ist, dass in RU bereits zu UdSSR-Zeiten die Telefonkabel
>>>> durch Glasfaser ausgetauscht wurden...
>>>
>>> Das ist ein Märchen!
>> 
>> | Die russische Drohnenformation „Rubicon“ hat sich schnell zu einer der
>> | effektivsten Streitkräfte an der Front entwickelt, die dazu beiträgt,
>> | die Killzone zu vergrößern und die ukrainische Logistik erheblich zu
>> | erschweren.
>> |
>> | Ein ukrainischer Soldat namens Andrii (der aus Sorge um die Sicherheit
>> | seiner Familie anonym bleiben möchte) mit dem Rufzeichen „Murphy“ vom
>> | 419. Bataillon für unbemannte Systeme erzählte mir in einem Interview,
>> | dass er kürzlich nur knapp einem Angriff durch Rubicon entkommen sei.
>> | Sein Team konnte sich gerade noch rechtzeitig aus ihrem Fahrzeug retten,
>> | als eine Drohne mit First-Person-View-Funktion auf ihr Fahrzeug zielte.
>> | Der Angriff zerstörte das Auto und ihre gesamte Ausrüstung, und danach
>> | entdeckten sie feindliche Glasfaserkabel in der Gegend. Über die
>> | Rubicon-Einheit sagte Andrii: „Ihr Ziel ist es, die ukrainische Logistik
>> | anzugreifen.”
> 
> Jaja...
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Russlands Krieg gegen die Ukraine ist in eine Phase eingetreten, die
| weniger von spektakulären Offensiven als von einem zermürbenden
| Dauerdruck entlang der gesamten Front geprägt ist. Der Kreml setzt dabei
| auf die Taktik des permanenten Druckes – militärisch, diplomatisch und
| psychologisch.
|
| Während Wladimir Putin aktuell große Worte bemüht, so zuletzt mit dem
| plakativen Satz: „Wo der russische Soldat seinen Fuß setzt, ist
| Russland“, bleiben die tatsächlichen Geländegewinne begrenzt, schwer
| erkauft und von operativer Fragilität. Moskau setzt dabei nicht auf
| operative Durchbrüche unter enormem Ressourcenaufwand, sondern agiert
| geschickt im Rahmen begrenzter personeller, ausrüstungstechnischer und
| politischer Möglichkeiten. Denn der entscheidende Part des
| machtpolitischen Kalküls Russlands liegt jenseits des Militärischen
| begründet – in diplomatischen Manövern, bewusst verzögerten
| Verhandlungen, politischer Zermürbung der Opponenten und einem
| taktischen Spiel auf Zeit.
|
| Die Taktik des langen Atems umfasst nicht nur den fortlaufenden
| militärischen Druck, sondern auch den Versuch, die westliche
| Unterstützung in einem langsamen, aber stetigen Prozess zu zermürben.
| Der Kreml hofft auf die mangelnde Belastbarkeit des Westens und
| erwartet, dass fortgesetzte Operationen und ständige Eskalationen den
| politischen Willen zur Unterstützung der Ukraine schrittweise untergraben.
|
| *Die Logik des schrittweisen Vorrückens*
|
| Im Grenzgebiet zur ukrainischen Region Sumy, einem derzeit viel
| diskutierten Operationsfeld, zeigen sich die strukturellen Grenzen der
| russischen Vorstöße exemplarisch. Russische Truppen konnten in den
| letzten Wochen einige Kilometer vordringen, kleinere Ortschaften
| besetzen und ihre operative Reichweite geringfügig ausweiten. Doch
| selbst optimistische russische Schätzungen sehen kaum mehr als vier bis
| fünf Kilometer weiteres Vordringen als realistisch an. Ein Vorstoß in
| Richtung der Regionalhauptstadt Sumy bleibt militärisch außer Reichweite.
|
| Russische Drohnen mit Glasfaserkabeln und einer Reichweite von angeblich
| 50 Kilometern mögen auf dem Papier eine Bedrohung für die ukrainischen
| Nachschublinien darstellen. In der Praxis jedoch scheitern diese
| Konzepte an den logistischen Gegebenheiten. Wie der Militäranalyst
| Ruslan Lewijew, Gründer des Conflict Intelligence Team – einer
| russischen Plattform für investigativen Journalismus mit Fokus auf die
| russischen Streitkräfte –, treffend feststellt, erfordert die effektive
| Überwachung und Kontrolle eines so großen Gebiets eine Drohnendichte,
| die sowohl operativ als auch personell weit über die russischen
| Kapazitäten hinausgeht. Obwohl die Drohnentechnologie Russlands aktuell
| in ihren Möglichkeiten begrenzt ist, könnte eine verstärkte Entwicklung
| in diesem Bereich die Dynamik der Kriegsführung weiter verändern. Die
| Herausforderung für die Ukraine besteht weniger in der Blockade ihrer
| Nachschublinien als in der kontinuierlichen Anpassung ihrer
| Verteidigungsstrategien an neue Technologien. Die Vorstellung, Russland
| könne durch einzelne technologische Fortschritte die ukrainische
| Logistik entscheidend blockieren, entpuppt sich bei genauerer Analyse
| als illusorisch, so Lewijew.
|
| In der Region Pokrowsk, einem der zentralen Kampfgebiete im Donbass,
| wird die russische Kriegsführung durch ähnliche operative Probleme
| geprägt. In diesem Bereich konzentriert sich Russland auf eine Mischung
| aus Artilleriefeuer, Luftangriffen und sporadischen Infanterievorstößen.
| Die Region hat strategische Bedeutung, da sie eine wichtige Versorgungs-
| und Kommunikationsachse zwischen westlich und östlich gelegenen
| ukrainischen Frontlinien darstellt. Russische Truppen versuchen, durch
| stetigen Druck auf die Verteidigungsstellungen in dieser Region,
| insbesondere auf die wichtigen Städte wie Pokrowsk, die ukrainischen
| Linien zu zerschlagen und einen weiteren Vorstoß in Richtung der
| Agglomeration von Slowjansk und Kramatorsk zu ermöglichen.
|
| Ähnliche strukturelle Begrenzungen prägen auch die russischen
| Operationen an anderen Frontabschnitten. Im Raum Charkiw, bei Kupjansk
| oder Torezk, folgen die russischen Angriffe einem bekannten Muster:
| kleine Vorstöße, häufig mit leichten Kräften, unterstützt von
| vereinzelten Panzern oder improvisierten Kolonnen aus Zivilfahrzeugen.
| Der spektakulär gescheiterte Angriff einer russischen Panzerkolonne auf
| Torezk illustriert die qualitativen Schwächen der russischen Taktik und
| legt zugleich ihren Kern offen. Gänzlich unabhängig von operativen
| Erfolgen zielt die russische Armee auf kontinuierlichen Druckaufbau und
| kalkuliert hohe Verluste ein. Das zeigt sich auch in der zunehmenden
| Bereitschaft, statt auf großangelegte Panzeroperationen auf
| Infanterieangriffe mit geringer Panzerdeckung zu setzen. Diese Taktik
| ist allerdings keineswegs Ausdruck eines strategischen Umdenkens,
| sondern vielmehr das Resultat eines schlichten Mangels an gepanzerter
| Technik.
|
| *Russlands Rüstungsindustrie zwischen Mythos und Realität*
|
| Die russische Propaganda spricht von Produktionskapazitäten, die
| angeblich bis zu 1500 neue Panzer pro Quartal erreichen. Eine
| unabhängige, monatelang erarbeitete Untersuchung von Conflict
| Intelligence Team kommt jedoch zu einem deutlich realistischeren Wert.
| Demnach kann Russland derzeit etwa 250 bis 300 neue Panzer pro Jahr
| produzieren.
|
| Diese Zahl ist für die langfristige Kriegsführung von entscheidender
| Bedeutung, denn die sowjetischen Reserven sind weitgehend aufgebraucht
| oder irreparabel beschädigt. Doch Russlands Kriegsführung hat sich
| längst an diese strukturelle Schwäche angepasst. Die Armee ersetzt
| verlorene Schlagkraft nicht mehr primär durch Technik, sondern durch
| Masse an Menschen.
|
| *Die Ressource Mensch als Kriegstaktik*
|
| Russland rekrutiert nach wie vor monatlich zwischen 30.000 und 40.000
| neue Soldaten. Ein repressives innenpolitisches Klima und finanzielle
| Anreize von bis zu zwei Millionen Rubel Prämie bei Vertragsabschluss
| sorgen dafür, dass der Zustrom an Rekruten, vor allem aus wirtschaftlich
| depressiven Regionen, stabil bleibt. Für viele junge Männer aus
| strukturschwachen Gebieten ist der Militärdienst die einzige Chance auf
| sozialen Aufstieg oder Entschuldung. Die Hoffnung, durch einen
| kurzfristigen Kriegseinsatz schnelles Geld zu verdienen, hält den
| Personalfluss aufrecht. Auch wenn die Produktion neuer Panzer nicht
| ausreicht, um die Verluste auch nur annähernd auszugleichen, kann es
| sich der Kreml leisten, Soldaten zu verschleißen. Das ist die
| eigentliche Tragik dieses Krieges: Der menschliche Faktor ist in der
| russischen Kriegsführung zunehmend zur statistischen Größe degradiert
| worden.
|
| Die Kombination aus technologischem Mangel und personellem Überfluss hat
| zu einer schleichenden Transformation der russischen Kriegsführung
| geführt. Das russische Kommando setzt nicht so sehr auf eine
| entscheidende Sommeroffensive, sondern vielmehr auf ein permanentes,
| zermürbendes Vorrücken.
|
| *Die Schwächen der ukrainischen Verteidigung*
|
| Während Russland auf Masse setzt, zeigen sich auf ukrainischer Seite
| strukturelle Schwächen, so insbesondere bei der Verteidigung von
| peripheren Frontabschnitten. Die Maxime, Verteidigung möglichst lange
| aufrechtzuerhalten, führt immer wieder zu überhöhten Verlusten und
| erschwert geordnete Rückzüge. Selbst ukrainische Frontberichte und
| Analysen kritisieren dieses Vorgehen des Kommandos. Ein taktischer
| Rückzug auf vorbereitete Verteidigungspositionen wäre in vielen Fällen
| militärisch sinnvoller als symbolhaftes Durchhalten, die den
| ukrainischen Kräften die Abwehrmaßnahmen erschwert. Hinzu kommt, dass an
| der nördlichen Grenze der Ukraine, insbesondere im Raum Sumy und
| Charkiw, Verteidigungsanlagen in den vergangenen Monaten nicht in
| ausreichendem Maße ausgebaut wurden – ein Versäumnis, das Russland
| überhaupt erst die schnellen Vorstöße ermöglichte.
|
| *Die Zeit ist auf Putins Seite*
|
| Putins Strategie ist keine der schnellen Siege. Es ist eine Strategie
| des Aushungerns, des Zermürbens, des politischen und militärischen
| Dauerbeschusses. Putins Krieg hat solcherart keine zeitliche Begrenzung
| und soll bis zur Ermüdung des Westens und dem Zusammenbruch der
| ukrainischen Verteidigung unter der schieren Last der Dauerangriffe
| dauern.
|
| Russlands Schwäche liegt dabei weniger in den Rüstungszahlen als in der
| technologischen Stagnation und operativen Trägheit. Doch die westliche
| Hoffnung, der Kreml werde aus materieller Erschöpfung heraus zum
| Einlenken gezwungen, könnte sich als trügerisch erweisen. Die russische
| Kriegsführung hat sich längst auf diesen Zustand der mittleren
| Intensität eingestellt und sie kann ihn, so scheint es, noch lange
| aufrechterhalten. Ein Zustand der militärischen Pattsituation könnte
| nicht nur den Ukraine-Konflikt in die Länge ziehen, sondern auch
| geopolitische und ökonomische Belastungen für die westlichen
| Unterstützer mit sich bringen.
|
| Die zentrale strategische Frage bleibt: Wird es der Ukraine gelingen,
| sich gegen die russische Strategie des langen Atems nachhaltig zu
| behaupten oder wird die Kombination aus militärischem Dauerdruck,
| personeller Auszehrung und ökonomischer Erschöpfung das Kräfteverhältnis
| schleichend zu Moskaus Gunsten verschieben?
|
| Solange die westliche Unterstützung nicht substanziell ausgeweitet wird
| – insbesondere im Bereich Luftverteidigung, Munitionsversorgung und
| strategischer Resilienz – droht der Krieg in eine zermürbende
| Pattstellung zu gleiten, die langfristig Moskau in die Karten spielt.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/russlands-strategie-im-ukrainekrieg-die-ressource-mensch-als-kriegstaktik-li.2337335>

	M.f.G.


P.S.: Die ukrainischen Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland sind
zwar schmerzhafte Nadelstiche, aber daran geht ein Bär nicht ein! Ich
muss es als Jäger wissen! Um eine Bärenattacke zu stoppen,
braucht man nämlich mindestens die Durchschlagskraft
einer .30-06 Springfield...							(=^・ェ・^=)
-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

Back to ger.ct | Previous | NextPrevious in thread | Next in thread | Find similar | Unroll thread


Thread

Re: OT: Soli zahlen für Boomer Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-10-20 12:29 +0200
  Re: OT: Soli zahlen für Boomer Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-10-20 14:16 +0200
    Re: OT: Soli zahlen für Boomer Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-10-20 19:24 +0200
      Re: OT: Soli zahlen für Boomer Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-10-20 21:58 +0200
        Re: OT: Soli zahlen für Boomer Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-10-27 22:15 +0100
          Re: OT: Soli zahlen für Boomer Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-10-30 09:09 +0100
            Re: OT: Soli zahlen für Boomer Peter Veith <veith@snafu.de> - 2025-10-30 09:13 +0100
              Re: OT: Soli zahlen für Boomer "DER GELAeUTERTE" <dergelaeuterte@web.de> - 2025-10-30 21:35 +0100
            Rechenkünstler gesucht (was:Re: OT: Soli zahlen für Boomer) Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-10-30 12:56 +0100
              Re: Rechenkünstler gesucht Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-10-30 14:38 +0100

csiph-web