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Groups > ger.ct > #456873 > unrolled thread
| Started by | Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> |
|---|---|
| First post | 2020-07-10 10:52 +0200 |
| Last post | 2020-07-14 13:37 +0200 |
| Articles | 16 — 8 participants |
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Schweden Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> - 2020-07-10 10:52 +0200
Re: Schweden "Ralph A. Schmid, dk5ras" <ralph@schmid.xxx> - 2020-07-10 14:03 +0200
Re: Schweden Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-07-10 14:06 +0200
Re: Schweden "Ralph A. Schmid, dk5ras" <ralph@schmid.xxx> - 2020-07-10 14:19 +0200
Re: Schweden Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-07-10 14:27 +0200
Re: Schweden Ulf.Kutzner@web.de - 2020-07-10 07:10 -0700
Re: Schweden Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> - 2020-07-10 14:20 +0200
Re: Schweden Jörg Tewes <jogi1964@gmx.net> - 2020-07-10 17:05 +0200
Re: Schweden "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2020-07-10 17:27 +0200
Re: Schweden Ulf.Kutzner@web.de - 2020-07-10 10:26 -0700
Re: Schweden Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2020-07-10 17:31 +0000
Re: Schweden Ulf.Kutzner@web.de - 2020-07-10 10:44 -0700
Re: Schweden Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> - 2020-07-14 12:10 +0200
Re: Schweden Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> - 2020-07-14 12:51 +0200
Re: Schweden "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2020-07-14 12:54 +0200
Re: Schweden Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> - 2020-07-14 13:37 +0200
| From | Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 10:52 +0200 |
| Subject | Schweden |
| Message-ID | <1bkzny4fwbgyl.e7ryakedqd19$.dlg@40tude.net> |
Hallo zusammen, hier mal ein differenzierter, lesenswerter Artikel zu Schweden: https://www.n-tv.de/panorama/Schweden-wird-falsch-verstanden-article21897834.html Die teilweise sehr hohe Sterblichkeit zu Beginn der Pandemit wird damit erklärt, daß man ältere Leute im April quasi überhaupt nicht intensivmedizinisch behandelt hat: "Die Studie muss noch unabhängig überprüft werden, aber sie deckt sich mit Meldungen, die bereits im Mai Aufsehen erregten. So sagte der Leiter eines schwedischen Gesundheitszentrums in Lappland, über 80-Jährige würden aussortiert, die Statistik spreche hier für sich. Tatsächlich wurden laut Tagesschau.de bis Anfang Mai von 5200 positiv getesteten Patienten in dieser Altersgruppe lediglich 50 medizinisch intensiv betreut." Danach habe man das Geschehen aber verhältnismäßig gut in den Griff bekommen. Aber lest selbst. Grüße, Frank
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| From | "Ralph A. Schmid, dk5ras" <ralph@schmid.xxx> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 14:03 +0200 |
| Message-ID | <75mggfhkjct974c5vv1c5m2mjddnc7dnf3@4ax.com> |
| In reply to | #456873 |
Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> wrote: >Die teilweise sehr hohe Sterblichkeit zu Beginn der Pandemit wird damit >erklärt, daß man ältere Leute im April quasi überhaupt nicht >intensivmedizinisch behandelt hat: So isses, das war ziemlich bitter, und das Personal in den Pflegeeinrichtungen war ob dieser Entscheidung ziemlich betroffen und hat gekämpft, drang aber nicht mit dem Flehen nach Behandlung durch. >Danach habe man das Geschehen aber verhältnismäßig gut in den Griff >bekommen. Ja, dennoch haben die Schweden den Ruf weg, die Pandemie sei ihnen entgleist - was so eben nicht stimmt. -ras -- Ralph A. Schmid +49-171-3631223 +49-911-21650056 http://www.schmid.xxx/ http://www.db0fue.de/ http://www.bclog.de/ http://www.kabuliyan.de/
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| From | Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 14:06 +0200 |
| Message-ID | <re9lkn$oa9$3@news.bawue.net> |
| In reply to | #456936 |
On 7/10/20 2:03 PM, Ralph A. Schmid, dk5ras wrote: > Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> wrote: > >> Die teilweise sehr hohe Sterblichkeit zu Beginn der Pandemit wird damit >> erklärt, daß man ältere Leute im April quasi überhaupt nicht >> intensivmedizinisch behandelt hat: > > So isses, das war ziemlich bitter, und das Personal in den > Pflegeeinrichtungen war ob dieser Entscheidung ziemlich betroffen und > hat gekämpft, drang aber nicht mit dem Flehen nach Behandlung durch. > >> Danach habe man das Geschehen aber verhältnismäßig gut in den Griff >> bekommen. > > Ja, dennoch haben die Schweden den Ruf weg, die Pandemie sei ihnen > entgleist - was so eben nicht stimmt. Vorgestern hatten so 704 neue Fälle. Auf Deutschland umgerechnet wären das ca. 5600. Das würde ich jetzt nicht als 'gut im Griff' bezeichnen. Gerrit
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| From | "Ralph A. Schmid, dk5ras" <ralph@schmid.xxx> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 14:19 +0200 |
| Message-ID | <a5nggf5bj9cgs8loo649jd0vvhuvq1ldnt@4ax.com> |
| In reply to | #456941 |
Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> wrote: >Vorgestern hatten so 704 neue Fälle. Auf Deutschland umgerechnet wären >das ca. 5600. Das würde ich jetzt nicht als 'gut im Griff' bezeichnen. Kneipen, Versammlungen, Großveranstaltungen vermutlich. All das, was gerade eine blöde Idee ist. -ras -- Ralph A. Schmid +49-171-3631223 +49-911-21650056 http://www.schmid.xxx/ http://www.db0fue.de/ http://www.bclog.de/ http://www.kabuliyan.de/
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| From | Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 14:27 +0200 |
| Message-ID | <re9mrv$onl$3@news.bawue.net> |
| In reply to | #456956 |
On 7/10/20 2:19 PM, Ralph A. Schmid, dk5ras wrote: > Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> wrote: > >> Vorgestern hatten so 704 neue Fälle. Auf Deutschland umgerechnet wären >> das ca. 5600. Das würde ich jetzt nicht als 'gut im Griff' bezeichnen. > > Kneipen, Versammlungen, Großveranstaltungen vermutlich. All das, was > gerade eine blöde Idee ist. Und sie tun es trotzdem... Soviel zu 'gut im Griff'. Gerrit
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| From | Ulf.Kutzner@web.de |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 07:10 -0700 |
| Message-ID | <1b4c3554-ceb9-480a-9b6a-ec770e182192o@googlegroups.com> |
| In reply to | #456956 |
Am Freitag, 10. Juli 2020 14:19:21 UTC+2 schrieb Ralph A. Schmid, dk5ras: > >Vorgestern hatten so 704 neue Fälle. Auf Deutschland umgerechnet wären > >das ca. 5600. Das würde ich jetzt nicht als 'gut im Griff' bezeichnen. > > Kneipen, Versammlungen, Großveranstaltungen vermutlich. All das, was > gerade eine blöde Idee ist. Vor einem Monat hattest Du noch sinngemäß geschrieben, Zurückhaltung gegenüber der Gastro sei vor allem zerstörerisch. Ralph A. Schmid, dk5ras 9. Juni Ulf.K...@web.de wrote: >Ich denke, es ist gut, daß da nur halbes Remmidemmi läuft. Ja, wenn man will, daß die, die es überhaupt noch gibt, dann eben erst in den nächsten Monaten in die Pleiten steuern, dann ist das natürlich alles ganz super :(
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| From | Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 14:20 +0200 |
| Message-ID | <slrnrggn7r.16mv.t-usenet@ID-685.user.individual.de> |
| In reply to | #456936 |
On Fri, 10 Jul 2020 14:03:54 +0200, Ralph A. Schmid, dk5ras wrote: > Ja, dennoch haben die Schweden den Ruf weg, die Pandemie sei ihnen > entgleist - was so eben nicht stimmt. Schweden nähert sich kontinuierlich den Todeszahl von Italien an. Wer das für wünschenswert hält... Ich ziehe die deutsche Kurve deutlich vor. <https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3d/COVID-19_deaths_per_100%2C000_population.png>
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| From | Jörg Tewes <jogi1964@gmx.net> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 17:05 +0200 |
| Message-ID | <f3de62bc-1d26-76dc-b267-262cbffd7166@jtewes.my-fqdn.de> |
| In reply to | #456873 |
Frank Hucklenbroich schrieb:
> Hallo zusammen,
>
> hier mal ein differenzierter, lesenswerter Artikel zu Schweden:
>
> https://www.n-tv.de/panorama/Schweden-wird-falsch-verstanden-article21897834.html
>
> Die teilweise sehr hohe Sterblichkeit zu Beginn der Pandemit wird damit
> erklärt, daß man ältere Leute im April quasi überhaupt nicht
> intensivmedizinisch behandelt hat:
Ja eben, wie ich imho schon mal schrieb, sie handelten nach dem Motto
"Wir lassen die Alten sterben, damit die Jungen Spaß haben können".
> "Die Studie muss noch unabhängig überprüft werden, aber sie deckt sich mit
> Meldungen, die bereits im Mai Aufsehen erregten. So sagte der Leiter eines
> schwedischen Gesundheitszentrums in Lappland, über 80-Jährige würden
> aussortiert, die Statistik spreche hier für sich. Tatsächlich wurden laut
> Tagesschau.de bis Anfang Mai von 5200 positiv getesteten Patienten in
> dieser Altersgruppe lediglich 50 medizinisch intensiv betreut."
> Danach habe man das Geschehen aber verhältnismäßig gut in den Griff
> bekommen.
Die Aussage ist ziemlich zynisch vor dem Hintergrund das man mal eben
5000 MEnschen sterben läßt.
Bye Jörg
--
Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche
Dummheit. Aber beim Universum bin ich nicht ganz sicher.
(Albert Einstein)
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| From | "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 17:27 +0200 |
| Message-ID | <rea1cf$46p$1@solani.org> |
| In reply to | #457002 |
Am 10.07.20 um 17:05 schrieb Jörg Tewes: > Frank Hucklenbroich schrieb: >> Hallo zusammen, >> >> hier mal ein differenzierter, lesenswerter Artikel zu Schweden: >> >> https://www.n-tv.de/panorama/Schweden-wird-falsch-verstanden-article21897834.html >> >> Die teilweise sehr hohe Sterblichkeit zu Beginn der Pandemit wird damit >> erklärt, daß man ältere Leute im April quasi überhaupt nicht >> intensivmedizinisch behandelt hat: > > Ja eben, wie ich imho schon mal schrieb, sie handelten nach dem Motto > "Wir lassen die Alten sterben, damit die Jungen Spaß haben können". Zumindest in den Konsequenzen ist das so auf den Punkt gebracht, ja. Wie das rauswerfen der Weihnachtsbäume in der Ikeawerbung zu "Knut". Komplett unsentimental und pragmatisch. Skandinavisch spröde. Das verwundert die Leute bei uns jetzt stark, aber wer das schwedische Gesundheitssystem kennt und weiß, daß auf lebenswichtige Facharzttermine und Operationen auch sonst mal leicht ein halbes Jahr gewartet werden mußte, der versteht das besser. Da haben es aber nur einzelne gemerkt. Jetzt merkt es die ganze Welt. Deutsche Ärzte werden in Schweden gesucht und gut bezahlt: sie haben wirklich Lücken in der Facharzt-Versorgung. Und die Arbeitsbedingungen sind für Ärzte paradiesisch: 9-to-5 und gut bezahlt. https://schweden.pl7.de/das-schwedische-gesundheitssystem/ "Das schwedische Gesundheitssystem ist staatlich und entwickelt sich zu einer Katastrophe Für viele Einwanderer aus Deutschland ist der erste Kontakt mit dem schwedischen Gesundheitsystem oft ein Schock, da sich der Patient nicht einfach mal so einen Arzt anrufen kann, um sich mal gründlich untersuchen zu lassen, wenn er sich nicht ganz wohl fühlt. Kein Thema wird unter deutschen Einwanderern kontroverser diskutiert als das schwedische Gesundheitssystem." https://www.heise.de/tp/features/Als-Patient-in-Schweden-Bitte-warten-3644929.html?seite=all ============================================== Ein Eindruck vom schwedischen Gesundheitssystem Es gibt viel Gutes über Schweden zu sagen. Die schöne, aber nicht unberührte Natur. Die netten, aber distanzierten Menschen. Die offene, jetzt zunehmend restriktive Flüchtlingspolitik. Sogar die freundliche, aber unnachgiebige Steuerbehörde. Nur krank werden sollte man hier besser nicht. Schon gar nicht psychisch. Knochenbruch? Nicht in Schweden Um die medizinische Versorgung ist es beim nördlichen Nachbarn Deutschlands eigentlich gut bestellt. Moderne Einrichtungen, Universitätskliniken, medizinische Forschung finden sich hier. Beliebt ist das Land als Auswanderungsziel für deutsche Ärzte wegen seiner ausgezeichneten Arbeitsbedingungen, so ist beispielsweise Dienstschluss nach Plan keine Seltenheit. Die Unterschiede beschränken sich allerdings nicht allein auf die Ärzteschaft. Auch als Patient ist vieles anders. Im Krankheitsfall ruft man bei der örtlichen "Vårdcentral", einer Art Polyklinik, an. Bereits dies kann eine Herausforderung darstellen: In manchen Kliniken beginnen die Telefonzeiten um 8 Uhr, und zehn Minuten später sind bereits alle Zeiten ausgebucht. Zumal längst nicht jeder auch einen Termin bekommt. Der Anruf wird von einer Krankenschwester entgegengenommen, die den Zustand des Anrufers abfragt. Erst dann entscheidet sie, ob sie einen Arzt hinzuzieht oder den Anrufer mit einigen Ratschlägen vertröstet. Selbst bei Verdacht auf Knochenriss seitens des Anrufers erhält dieser mit etwas Glück einen Termin bei einem Allgemeinarzt in der Vårdcentral. Ab Mai soll in mindestens einem Regierungsbezirk eine Strafzahlung von umgerechnet etwa 20 Euro verlangt werden, wenn man einen solchen Termin innerhalb von 24 Stunden absagt. Nimmt man den Termin wahr, so wird der Arzt bzw. die Ärztin dann, wenn er oder sie es für notwendig erachtet, eine Überweisung ins nächste Krankenhaus ausstellen, das den Patienten dann beispielsweise röntgen und weiter versorgen kann. Handelt es sich um eine aufwändigere Operation, so ist es durchaus nicht unüblich, dass die Verletzung erst einmal provisorisch zwischenversorgt wird, bis ein Operationstermin in einigen Monaten gefunden werden kann. Zwar ist es möglich, direkt online einen Antrag bei einer Spezialklinik zu stellen, aber auch dort werden Bearbeitungszeiten von bis zu zwei Wochen angegeben. Übrigens wird eine Patientengebühr ab etwa 15 Euro schon beim Vorsprechen beim Allgemeinarzt verlangt und kann für Besuche bei Fachärzten auf über 40 Euro ansteigen. Kinder allerdings bezahlen nichts. Nach einer Therapie liegen die Dinge nicht unbedingt besser. Selbst nach Behandlungen wegen Bandscheibenvorfall bis hin zu schwerwiegenden Eingriffen wie Krebsoperationen wird zudem äußerst sparsam mit Rehabilitationsmaßnahmen umgegangen. Den Patienten werden einige Hinweise gegeben, welche Übungen sie machen sollen, und dann werden sie nach Hause entlassen. Das fördert zweifellos die Eigenverantwortung, ist jedoch in einem mit Kuren und Reha-Maßnahmen reichlich versorgten Land kaum vorstellbar. Zumal den Ärzten zwar durchaus nicht Kompetenz abgesprochen werden kann. Nur inwieweit sie diese zugunsten des Patienten zur Anwendung bringen, steht auf einem anderen Blatt. Nicht umsonst ist das allzeit ärztlich empfohlene und häuslich als Universalheilmittelchen angewendete Präparat das Schmerzmittel Alvedon. Auf der anderen Seite wird durch dieses System dem deutschen Standard der schonungslosen Ausbeutung von Klinikärzten mit 48-Stunden-Schichten und Wochenendarbeit vorgebeugt. Manch ein deutscher Arzt dürfte sich im Paradies wähnen, wenn er an ein schwedisches Krankenhaus mit seinem pünktlichen Arbeitsschluss wechselt. Die Gründe für diese Zustände sind zum einen sicherlich strukturell bedingt und in einem gewissen Maße in der Mentalität begründet, zum anderen mangelt es aber ganz schlicht an Ärzten. Und das nicht nur im dünn besiedelten Norden des Landes, sondern auch im vergleichsweise dichtbevölkerten Süden. Ein "Ärzteschaulaufen", wie es aus Deutschland bekannt ist, wird durch dieses System effektiv unterbunden - eine schnelle Behandlung jedoch unter Umständen auch. Die Psychiatrie: Man fühlt sich an an Stieg Larssons Millennium-Trilogie erinnert Das schwedische Psychiatriesystem erweckt den Eindruck, als wolle es die Vorliebe dieses Landes für besonders harte Kriminalliteratur erklären wollen. Ja, es erscheint wie bittere Realsatire auf das Land der Wallanders und Blomquists. Die Zeitung Aftonbladet schreibt, dass 10% der Männer, die einen Mord an nächsten Angehörigen begingen, in den Wochen zuvor Kontakt mit der Psychiatrie gehabt hatten, und 5% baten sogar unmittelbar vor der Bluttat dort um Hilfe. Beispiele finden sich reichlich: Eine kommunale Pflegehilfe erkannte, dass ein Klient extreme psychische Störungen entwickelte, jedoch war dafür die Psychiatrie zuständig. Als diese untätig blieb, wurde der Betroffene zum Mörder. Ein Hilfesuchender wurde von einer Stockholmer Psychiatrie mit Medikamenten abgespeist, legte daraufhin Feuer in seiner Wohnung und griff die eintreffende Polizei mit einer Machete an. Und eine Betroffene schreibt in ihrem Blog, die Psychiatrie habe ihr sinngemäß geantwortet: "Ja, es geht dir schlecht, aber nicht schlecht genug, um bei uns Hilfe zu bekommen." Eine andere suizidgefährdete Person konnte zwar von ihrem Betreuer rechtzeitig in die Psychiatrie gebracht werden, wurde aber abgewiesen, da sie noch keinen Suizidversuch unternommen hätte. Den unternahm sie danach und musste schließlich doch eingeliefert werden. Das schalenartig gestaffelte Gesundheitssystem ist eines der Gründe. Das Vorgehen ist für Betroffene das gleiche wie für physisch Kranke. Hier überlegt sich die Krankenschwester am Telefon, ob sie den Anrufer abwimmeln oder einen "Kurator" hinzuziehen möchte; dies ist oft ein Sozialarbeiter, kein Arzt. Wenn dieser Kurator glaubt, dass der Fall schwerwiegend genug ist, sendet er einen "Remiss" an die Psychiatrie, wo eine Remissgruppe darüber berät. Eventuell wird mit dem Betroffenen danach ein Termin vereinbart, durchaus auch erst in einem Vierteljahr. Da wird dann bestimmt, ob eine Kontaktperson abgestellt wird oder ob eine Einweisung in die Akutpsychiatrie erfolgt. Die Akutpsychiatrie ist aber keine Lösung: Hier erfolgt zumeist medikamentöse Einstellung statt Therapie. Bestenfalls wird ausgelotet, ob der Hilfesuchende daheim einen ständigen Betreuer oder Medikamente bekommt. Wer selbst in die psychiatrische Notaufnahme geht, wird auch mal vier Stunden im Wartezimmer hingehalten; dass der Hilfesuchende irgendwann heimgeht und sich umzubringen versucht, ist nicht ungewöhnlich. Selbst in einem Suizidbrennpunkt ist dieses Vorgehen Alltag. Mit potenziell fatalen Folgen: Kürzlich wurden bei dem Klienten eines Betreuers deutliche Anzeichen für "Leaking" entdeckt. Dies ist die bei Anschlägen wie in Columbine, Erfurt oder Emsdetten dokumentierte Anhäufung von Andeutungen, dass ein Amoklauf geplant wird. Zudem stand ein großes Straßenfest mit einigen tausend Besuchern vor der Tür. Der Sozialarbeiter rief in der Psychiatrie an. Auch er bekam zunächst nur eine Krankenschwester ans Telefon. Anstatt ihn aber schnellstmöglich an einen Facharzt weiterzuleiten, wollte oder konnte sie nicht verstehen: Der Klient solle doch selber anrufen und einen Termin machen. Erst auf wiederholtes Drängen hin ließ sie sich dazu überreden, die Information weiterzugeben. Was zunächst misslang, da der Facharzt gerade Mittag machte. Als er dann aber zurückrief, gab er sich verwundert, sei es doch um die Organisation eines Krankentransports gegangen — nicht etwa um einen angekündigten Amoklauf. Während die Betreuer des Drohenden bereits in Alarmbereitschaft, aber handlungsunfähig waren, wäre der Facharzt ohne Hartnäckigkeit also nicht einmal über den Fall informiert worden. Es hätte sich inmitten einer idyllischen Kleinstadt allzu leicht eine Bluttat wie in München wiederholen können. Immerhin werden solche Zustände gelegentlich kritisiert. So spricht der Psychologe Lennart Lundin in Dagens Nyheter von einem eklatanten Systemfehler. Dies schlägt sich in der mangelhaften Kommunikation zwischen Kliniken und kommunalen Betreuungseinrichtungen nieder, was gelegentlich am arrogant oder inkompetent anmutendem kooperativen Desinteresse sei es der vorgeschalteten Krankenschwestern und Pfleger, sei es der psychiatrischen Ärzte liegen mag. Lundin kritisiert, dass psychisch Kranke vom System hin- und hergeschoben würden. Ob es an Wurstigkeit, Selbstzufriedenheit, Bequemlichkeit oder Naivität liegt, manch einem Betroffenen mag der direkte Weg in einen Eissee allemal als der einfachere erscheinen. Da wird er wenigstens nicht von Telefonisten abgewiesen. > >> "Die Studie muss noch unabhängig überprüft werden, aber sie deckt sich mit >> Meldungen, die bereits im Mai Aufsehen erregten. So sagte der Leiter eines >> schwedischen Gesundheitszentrums in Lappland, über 80-Jährige würden >> aussortiert, die Statistik spreche hier für sich. Tatsächlich wurden laut >> Tagesschau.de bis Anfang Mai von 5200 positiv getesteten Patienten in >> dieser Altersgruppe lediglich 50 medizinisch intensiv betreut." > >> Danach habe man das Geschehen aber verhältnismäßig gut in den Griff >> bekommen. > > Die Aussage ist ziemlich zynisch vor dem Hintergrund das man mal eben > 5000 MEnschen sterben läßt. > Ja. > > Bye Jörg >
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| From | Ulf.Kutzner@web.de |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 10:26 -0700 |
| Message-ID | <71c35faa-18e4-404d-83d1-28df820a504eo@googlegroups.com> |
| In reply to | #457006 |
Am Freitag, 10. Juli 2020 17:27:13 UTC+2 schrieb Dr. Joachim Neudert: > Wer selbst in die psychiatrische Notaufnahme geht, wird auch > mal vier Stunden im Wartezimmer hingehalten; Kann einem hier in der Hämatologie zu einem vereinbarten Kontrolltermin, nicht akut, auch passieren.
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| From | Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 17:31 +0000 |
| Message-ID | <rea8m3$aqq$1@solani.org> |
| In reply to | #457022 |
<Ulf.Kutzner@web.de> wrote: > Am Freitag, 10. Juli 2020 17:27:13 UTC+2 schrieb Dr. Joachim Neudert: > >> Wer selbst in die psychiatrische Notaufnahme geht, wird auch >> mal vier Stunden im Wartezimmer hingehalten; > > Kann einem hier in der Hämatologie zu einem vereinbarten > Kontrolltermin, nicht akut, auch passieren. > Willst Du darüber sprechen? -- please forgive my iPhone typos
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| From | Ulf.Kutzner@web.de |
|---|---|
| Date | 2020-07-10 10:44 -0700 |
| Message-ID | <de6b88ea-5a52-416e-a56d-4787e6d2e0f3o@googlegroups.com> |
| In reply to | #457024 |
Am Freitag, 10. Juli 2020 19:31:48 UTC+2 schrieb Dr. Joachim Neudert: > >> Wer selbst in die psychiatrische Notaufnahme geht, wird auch > >> mal vier Stunden im Wartezimmer hingehalten; > > > > Kann einem hier in der Hämatologie zu einem vereinbarten > > Kontrolltermin, nicht akut, auch passieren. > > > > Willst Du darüber sprechen? War Patientenbegleiter. Pat zu 8 Uhr einbestellt, Blutentnahme ging noch recht zügig. Ohne weitere Zwischennachricht erfolgte bereits gegen 12h15 der Aufruf vom Arzt; er habe vormittags noch anderes zuz tun gehabt.
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| From | Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> |
|---|---|
| Date | 2020-07-14 12:10 +0200 |
| Message-ID | <slrnrgr14a.1dpo.t-usenet@ID-685.user.individual.de> |
| In reply to | #456873 |
Was hat sich in Schweden verändert, dass die aktiven Fallzahlen so stark zurückgehen? United States ist übrigens auf dem besten Weg, die offiziellen Zahlen von Brasilien zu überflügeln. <https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1d/COVID-19_Active_Cases_per_100_000_population.png> Oder werden einfach keine Zahlen mehr aktualisiert? <https://www.arcgis.com/apps/webappviewer/index.html?id=64a541c1e99e4100b6017f64bd10c98f&extent=-817447.5465%2C7356122.0028%2C4387608.3316%2C10350007.5267%2C102100> nennt als Datum 2020-07-03. https://www.socialstyrelsen.se/statistik-och-data/statistik/statistik-om-covid-19/statistik-over-antal-avlidna-i-covid-19/ sieht auch nicht besonders aktuell aus. https://www.socialstyrelsen.se/globalassets/1-globalt/covid-19-statistik/statistik-over-antal-avlidna-i-covid-19/statistik-covid19-avlidna.xlsx kann ich nicht lesen. <https://experience.arcgis.com/experience/09f821667ce64bf7be6f9f87457ed9aa> zeigt noch aktuelle Daten - aber da passiert auch nicht mehr viel. Selbst wenn dort nur erfasst wird, was im Krankenhaus landet, anscheinend klingen die Zahlen deutlich ab?
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| From | Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> |
|---|---|
| Date | 2020-07-14 12:51 +0200 |
| Message-ID | <slrnrgr3gp.1dpo.t-usenet@ID-685.user.individual.de> |
| In reply to | #457608 |
On Tue, 14 Jul 2020 12:10:17 +0200, Martin Τrautmann wrote: > Was hat sich in Schweden verändert, dass die aktiven Fallzahlen so stark > zurückgehen? > Oder werden einfach keine Zahlen mehr aktualisiert? Naja, auch Baden-Württemberg war über das Wochenende "coronafrei" - da wurden schlicht keine Fälle gemeldet. Dafür waren es gestern dann 70 neue Fälle, vor allem in Stuttgart. Das RKI schafft es heute schon den ganzen Tag nicht, aktuelle Zahlen auf https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4/page/page_1/ bereitzustellen!?
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| From | "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Date | 2020-07-14 12:54 +0200 |
| Message-ID | <rek2tb$7dm$1@solani.org> |
| In reply to | #457608 |
Am 14.07.20 um 12:10 schrieb Martin Τrautmann: > Was hat sich in Schweden verändert, dass die aktiven Fallzahlen so stark > zurückgehen? Die berichten sehr saltatorisch. Vorgestern 0, gestern 950...
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| From | Martin Τrautmann <t-usenet@gmx.net> |
|---|---|
| Date | 2020-07-14 13:37 +0200 |
| Message-ID | <slrnrgr67h.1dpo.t-usenet@ID-685.user.individual.de> |
| In reply to | #457630 |
On Tue, 14 Jul 2020 12:54:35 +0200, Dr. Joachim Neudert wrote: > Am 14.07.20 um 12:10 schrieb Martin Τrautmann: >> Was hat sich in Schweden verändert, dass die aktiven Fallzahlen so stark >> zurückgehen? > > Die berichten sehr saltatorisch. Vorgestern 0, gestern 950... Ja, Montags sind immer die dreifache Menge, weil Samstag und Sonntag bei 0 bleiben. Aber die letzten Montage waren es 1642, 2530, 2889,...
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