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Groups > ger.ct > #241848 > unrolled thread
| Started by | Herwig Huener AQSR 5 <Herwig.Huener@t-online.de> |
|---|---|
| First post | 2016-02-03 22:36 +0100 |
| Last post | 2016-02-05 16:58 +0100 |
| Articles | 13 — 10 participants |
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Die Apokryphen - Gottes Unwort? Herwig Huener AQSR 5 <Herwig.Huener@t-online.de> - 2016-02-03 22:36 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Karsten Düsterloh <trash@tprac.de> - 2016-02-03 22:52 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2016-02-04 07:35 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Matthias Wendt <wendt2@schumann-ga.de> - 2016-02-04 18:07 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Hartmut Ott <hottm@arcor.de> - 2016-02-04 02:34 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2016-02-04 09:02 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Florian Maier <holeinone5@gmx.net> - 2016-02-04 09:27 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Gottfried Helms <helms@uni-kassel.de> - 2016-02-04 11:05 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Lars Gebauer <lars.gebauer@yahoo.de> - 2016-02-04 11:52 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Herwig Huener AQSR 5 <Herwig.Huener@t-online.de> - 2016-02-04 23:52 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Lars Gebauer <lars.gebauer@yahoo.de> - 2016-02-05 10:55 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Hartmut Ott <hottm@arcor.de> - 2016-02-05 16:34 +0100
Re: Die Apokryphen - Gottes Unwort? Sebastian Berndt <spamdelete@gmx.de> - 2016-02-05 16:58 +0100
| From | Herwig Huener AQSR 5 <Herwig.Huener@t-online.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-03 22:36 +0100 |
| Subject | Die Apokryphen - Gottes Unwort? |
| Message-ID | <n8trta$48t$1@news.albasani.net> |
2016-02-03 22:37:22 +0100 Nicht, dass es für mich grundsätzlich wichtig wäre. Aber unsereiner ist im Christentum aufgewachsen, und alle damit zusammenhängenden Informationen - egal, wie absurd vom StandPunkt der Logik oder der Wissenschaft oder der Philosophie - haben sich in das Bewusstwein eingegraben. Ein frühkindlicher intellektueller Krebs, gewissermassen. Dabei haben viele Religionen das ImmunSystem, das sie angreift, schon incorporiert. Im Falle des Christentums sind das die Apokryphen. Die sind nicht erst seit gestern bekannt. Aber hat es bislang irgendeinen Einfluss auf die "Mainstream-Gläubigkeit" gehabt? Youtube hat ein paar Beiträge, die man sich reinziehen kann: https://www.youtube.com/watch?v=fFUhKbUk6uo https://www.youtube.com/watch?v=Z1g_pQDmzho Und Wikipedia natürlich auch, nur zur Orientierung: https://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen Ich selber habe das Wort das erste Mal im Oktober 1990 auf Lanzarote gehört - das lag daran, dass ich und meine Ex Opfer eines AutoDiebStahls geworden waren, und als wir auf der PolizeiStation in Yaiza waren, tauchte ein PriesterStudent auf, der gerade von Leuten mit dem uns gerade geklauten Auto überfallen worden war. Der hiess auch noch "Peter Braun" - auf Ehre und Gewissen - und mit dem haben wir so nebenbei einige weltanschauliche GrundSatzDiskussionen geführt. Keine der beiden Seiten hat dabei die andere bekehrt, wie zu erwarten war. Aber danach war eine Inspektion der Apokryphen in meiner WarteSchlange. So richtig ging das natürlich erst mit Beginn des Google-ZeitAlters. Indizien für den fehlenden Einfluss auf die Mainstream- Gläubigkeit: Viele Leute, die sich selbst als Christen bezeichnen, wissen auf Befragen nichts von den Apokryphen. In den Kirchen aller Konfessionen sind sie auch nicht ausgelegt. Als ob eine allgemeine Strategie des TotSchweigens angeordnet wäre. Als ob die Aktivitäten des Vatikans in den ersten paar Jahrhunderten nach dem Jahr Null recht erfolgreich gewesen wären und die Verbindlichkeit für die ganze Welt damit festgeschrieben worden wäre - mind you: Es ist nicht nur ein Betrug an allen Christen, sondern auch an alle andersgläubige, selektiv einige Bestandteile der Botschaft zu unterdrücken. Weiss jemand, ob der Islam in ähnlicher Weise "Leichen im Keller" hat? Relevanz für heute? Ich weiss nicht. Um zu belegen, dass die Offiziellen einer ReligionsGemeinschaft nicht die lauteren, wahrheitsliebenden Charaktere sind, die sie zu sein vorgeben, ist das ganz nützlich. Aber sonst - inhaltlich - reisst mich da nichts vom Stuhl. Wenn jemand eine alternative Version von "RotKäppchen" veröffentlichen würde, würde das meinen SeelenFrieden und mein WeltBild auch nicht weiter stören. Apropos "RotKäppchen": Wenn ihr den SuchBegriff in die SuchMasken bekannter Porno-WebSites eingebt, habt ihr mehr davon - bei dem Begriff "Apokryphen" hingegen sind diese WebSites begriffsstutzig. Wer hätte das gedacht ... Herwig
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| From | Karsten Düsterloh <trash@tprac.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-03 22:52 +0100 |
| Message-ID | <56B27681.1090400@mid.tprac.de> |
| In reply to | #241848 |
Herwig Huener AQSR 5 aber hob an zu reden und schrieb:
> Viele Leute, die sich selbst als Christen bezeichnen, wissen auf
> Befragen nichts von den Apokryphen. In den Kirchen aller Konfessionen
> sind sie auch nicht ausgelegt.
Da wäre ich nicht so sicher.
Wir wurden bei der Konfirmation mit totem Baum in Gestalt von
„Die Bibel
in heutigem Deutsch
Die Gute Nachricht
des Alten und Neuen Testaments
mit den Spätschriften des Alten Testaments
(Deuterokanonische Schriften/Apokryphen)“
beglückt — wobei „heutig“ das der 80er Jahre meint. ;-)
Der Leser des Buches Jesus Sirach dürften aber wenige sein. ^_^
Karsten
--
Freiheit stirbt | Fsayannes SF&F-Bibliothek:
Mit Sicherheit | http://fsayanne.tprac.de/
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| From | Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-04 07:35 +0100 |
| Message-ID | <m28bocxj6i.ln2@diedrich.ehlerding.dialin.t-online.de> |
| In reply to | #241850 |
Karsten Düsterloh meinte: > Die Gute Nachricht > des Alten und Neuen Testaments > mit den Spätschriften des Alten Testaments > (Deuterokanonische Schriften/Apokryphen)“ Aha, also keine Apokryphen zum Neuen Testament. Die Wikipedia sagt mehr zu den diversen nichtkanonischen Schriften, derer es offenbar eine Vielzahl (nur fragmentarisch ehrhaltener) gegeben zu haben scheint. Diedrich, der beim Lesen des Subjects anfangs die ernste Befürchtung hatte, der de-usenetweit berüchtigte 2Fauklschlamm" habe nun auch ger.ct entdeckt -- pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3 HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.
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| From | Matthias Wendt <wendt2@schumann-ga.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-04 18:07 +0100 |
| Message-ID | <0717bbd4qv6q14lidfs74i8k1rto0m80iq@4ax.com> |
| In reply to | #241850 |
On Wed, 3 Feb 2016 22:52:01 +0100, Karsten Düsterloh <trash@tprac.de> wrote: >Der Leser des Buches Jesus Sirach dürften aber wenige sein. ^_^ Das ist aber gerade noch das bekannteste davon. Der Vater eines Schulfreunds las das sehr viel und Robert Schumann empfahl explizit dies Buch seinen Kindern zur Lektüre. Die anderen Apokryphen kennen vermutlich wirklich nur sehr wenige Leute. Gruß Matthias
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| From | Hartmut Ott <hottm@arcor.de> |
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| Date | 2016-02-04 02:34 +0100 |
| Message-ID | <dhfqimFclbcU1@mid.individual.net> |
| In reply to | #241848 |
Hej, Am 03.02.2016 um 22:36 schrieb Herwig Huener AQSR 5: > Dabei haben viele Religionen das ImmunSystem, das sie > angreift, schon incorporiert. Im Falle des Christentums > sind das die Apokryphen. Die sind nicht erst seit - > Ich selber habe das Wort das erste Mal im Oktober > 1990 auf Lanzarote gehört - das lag daran, dass ich - > Indizien für den fehlenden Einfluss auf die Mainstream- > Gläubigkeit: Viele Leute, die sich selbst als Christen > bezeichnen, wissen auf Befragen nichts von den > Apokryphen. In den Kirchen aller Konfessionen sind sie > auch nicht ausgelegt. Als ob eine allgemeine Strategie > des TotSchweigens angeordnet wäre. Als ob die Dabei stehen die als Anhang des AT in der Bibel. Und zumindest als Konfirmand sollte man davon mal gehört haben. > Aktivitäten des Vatikans in den ersten paar Jahrhunderten > nach dem Jahr Null recht erfolgreich gewesen wären und > die Verbindlichkeit für die ganze Welt damit festgeschrieben > worden wäre - mind you: Es ist nicht nur ein Betrug an > allen Christen, sondern auch an alle andersgläubige, > selektiv einige Bestandteile der Botschaft zu unterdrücken. Janun, natürlich waren die damals recht erfolgreich in der Auswahl, was denn sonst? Ansonsten Wie wäre es mit dem Thomasevangelium? Oder gar mit 'Die andere Bibel' aus dem Eichborn Verlag? > Apropos "RotKäppchen": Wenn ihr den SuchBegriff in die > SuchMasken bekannter Porno-WebSites eingebt, habt ihr > mehr davon - bei dem Begriff "Apokryphen" hingegen > sind diese WebSites begriffsstutzig. Wer hätte das > gedacht ... Ich vermute mal, das ist selbst diesen Webseiten zu abartig. ,-) mfg Hartmut Ott *Wir alle tragen den Heiligenschein des gewöhnlichen Wahnsinns* -- Trage es lachend
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| From | Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> |
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| Date | 2016-02-04 09:02 +0100 |
| Message-ID | <n8v0e3$vqb$1@dont-email.me> |
| In reply to | #241848 |
Am 03.02.2016 um 22:36 schrieb Herwig Huener AQSR 5: > 2016-02-03 22:37:22 +0100 > > Nicht, dass es für mich grundsätzlich wichtig wäre. Aber > unsereiner ist im Christentum aufgewachsen, und alle > damit zusammenhängenden Informationen - egal, wie > absurd vom StandPunkt der Logik oder der Wissenschaft > oder der Philosophie - haben sich in das Bewusstwein > eingegraben. Ein frühkindlicher intellektueller Krebs, > gewissermassen. > > Dabei haben viele Religionen das ImmunSystem, das sie > angreift, schon incorporiert. Im Falle des Christentums > sind das die Apokryphen. Die sind nicht erst seit > gestern bekannt. Aber hat es bislang irgendeinen > Einfluss auf die "Mainstream-Gläubigkeit" gehabt? Wir hatten (um 1960) in der Schule gelernt, dass die heutige Bibel nur ein Zehntel des ursprünglichen Textes ist, die Kürzung fand um 300 statt. Die Apokryphen sind also im einstelligen Prozentbereich des gesamten Textes. Vermutlich die harmlosesten. Man könnte auch aus "Mein Kampf" einen 10-Prozent-Auszug erstellen, nein zwei: einen 'rechten' durch Frauke Petry und einen 'linken' durch Claudia Roth. Dann würden A.H. bald zwei Denkmäler erstellt. Gruss Walter -- wenn's hoite regnet, werden die schue billiger
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| From | Florian Maier <holeinone5@gmx.net> |
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| Date | 2016-02-04 09:27 +0100 |
| Message-ID | <n8v22f$1dt$1@news.albasani.net> |
| In reply to | #241848 |
On 03.02.2016 22:36, Herwig Huener AQSR 5 wrote: > > Apropos "RotKäppchen": Wenn ihr den SuchBegriff in die > SuchMasken bekannter Porno-WebSites eingebt, habt ihr > mehr davon - bei dem Begriff "Apokryphen" hingegen > sind diese WebSites begriffsstutzig. Wer hätte das > gedacht ... Naja, Text ist halt heutzutage nicht mehr das Medium der Wahl für solche Veröffentlichungen. Sobald die Apokryphen verfilmt wurden (Was macht Peter Jackson eigentlich zur Zeit so?), steht einer einschlägigen Umdeutung nichts mehr im Weg. Ich seh's förmlich vor mir: "Sinful Confessions - Das geheime Liebesleben des Herrn" mit Jesus St.Croix und Maria-Magdalena. "Der drei(b)einige Gott im Garten der Lüste" - Vater, Sohn und heiliger Geist betören Eva im Garten Eden. "2 Holy Girls, 1 Cup" mit dem Klassiker-Zitat: "Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen."
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| From | Gottfried Helms <helms@uni-kassel.de> |
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| Date | 2016-02-04 11:05 +0100 |
| Message-ID | <n8v7ot$bos$1@news.albasani.net> |
| In reply to | #241848 |
Am 03.02.2016 um 22:36 schrieb Herwig Huener AQSR 5: > 2016-02-03 22:37:22 +0100 > > sind das die Apokryphen. Die sind nicht erst seit > gestern bekannt. Aber hat es bislang irgendeinen > Einfluss auf die "Mainstream-Gläubigkeit" gehabt? Wenn man sich länger und unaufgeregt mit diesem Thema auseinandersetzt ist es nicht mehr so überraschend, daß es von wesentlichen Ereignissen (ob sie nun stattgefunden haben oder nicht; wesentlich im Sinne, ob deren Legende/ Überlieferung eine gesellschaftliche Rolle spielt) verschiedene konkurrierende und auch widersprechende Geschichten gibt - Fakes und Verschwörungstheorieen ausdrücklich eingeschlossen. Man vergegenwärtige sich nur die Verschwörungstheorieen um die Mondlandung - und haben wir heute nicht viel bessere Informations- medien als vor 2000 Jahren? Zu den Vorgängen um den Kosovo gibt es nach meinem Eindruck eine selten zu beobachtende Parallelität zweier Geschichtsschreibungen - und während man i.allg. ja die Tendenz hat, in solchen Fällen aus beiden Seiten eine "wirkliche" Wahrheit herauszukristallisieren, gibt es eben (und leider!) auch die simple Erfindung von "Fakten"... und wieviel mehr in einer Zeit vor 2000 Jahren ohne tägliches Schriftgut und Live-Interviews? Insbesondere der (hellenistische) Gnostizismus war ein Produzent exorbitanter Mengen an Literatur mit Eigeninterpretationen der Weltentstehung, der Götter- existenz, später der christlichen Saga - wohl meist aus spiritueller, mystischer Insich-Schau gewonnen und dann in eine Textform gegossen, die großspurigerweise durchgehend "Faktizität" als Stilmittel verwendet. Mit anderen Worten - es gab damals einen Brei an wahren, halbwahren und frei erfundenen Geschichten über diese Gründungszeit der Christenanhänger und deren besonderer Interpretation des Weltgeschehens und der Weltentstehung, Ich finde es deswegen überhaupt nicht überraschend - und auch nicht illegitim - daß Christen hergegangen sind und versucht haben, die unmittelbar wahren/noch bezeugbaren und die seriöseren Berichte zu fixieren und zur kanonischen Überlieferung zu machen und Texte und orale Geschichte die dem eigenen historischen Korpus widersprechen oder aber simpel spekulative Darstellungen enthalten auszusondern. Daß (Teile) dieser ausgesonderten Materialien später zu einem eigenen Korpus zusammengestellt, dabei "Apokryphen" genannt wurden und dies dann dazu führt zu fragen "warum man gerade die Apokryphen ausgesondert hat?" ist dann seinerseits Teil der oft sehr seltsamen menschlichen Texte-Historien... P.S. ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit dem Buddhismus, und - finde ein ähnliches Problem der "apokryphen" Texte, die dem Buddha Worte in den Mund legen die offensichtlich aus späterer Zeit stammen und es dennoch zu einem eigenen Korpus gebracht haben, der in der "Liturgie" großer Schulen durchaus eine Rolle spielt. Die kanonisierende Instanz im Buddhismus ist aber ungleich weniger formal und einheitlich als im Christentum - daher spielt in der Diskussion im Buddhismus ein Begriff "Apokryphen" außer bei scholastischer/Religionswissenschaftlicher Betrachtung praktisch keine Rolle. > worden wäre - mind you: Es ist nicht nur ein Betrug an > allen Christen, sondern auch an alle andersgläubige, > selektiv einige Bestandteile der Botschaft zu unterdrücken. Das ist natürlich immer richtig. Unrichtig wird das, wenn man daraus ableitet, keine frei erfundene oder desinformierende Information ablehnen zu dürfen, bzw. wenn man aus einer ent- sprechenden organisatorischen/kanonisierenden Maßnahme ein Konstrukt der "Unterdrückung freier Meinung" ins Leben ruft. > > Weiss jemand, ob der Islam in ähnlicher Weise "Leichen > im Keller" hat? Habe leider vom Islam und der Religionsgeschichte dort noch nicht so viel Ahnung- vielleicht, bis sich jemand kompetenteres äußert, nur mal ein Vorschlag: mal beim Sufismus nachsuchen. Die Interpretationen des Allah, genauer des Gottes, als Beziehung zu einem "Geliebten", wie wir sie bei Rumi so wunderbar literarisch und lyrisch ausgestaltet und besungen finden, war -soviel ich verstanden habe- durchaus riskant seinerzeit. Ich könnte mir also vorstellen, daß man hier was ähnliches findet wie beim Konflikt "Meister Eckhart" vs. kath. Kirche. Möglicherweise wird man bei der Analyse des Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten fündig, die eine unterschiedliche (auch religiöse) Geschichtsschreibung im Hinblick auf die Familie des Propheten Mohammed und der Stellung der nach- folgenden Patriarchen haben. > > Relevanz für heute? Ich weiss nicht. Um zu belegen, dass > die Offiziellen einer ReligionsGemeinschaft nicht die > lauteren, wahrheitsliebenden Charaktere sind, die sie > zu sein vorgeben, ist das ganz nützlich. Aber sonst - > inhaltlich - reisst mich da nichts vom Stuhl. > > Wenn jemand eine alternative Version von "RotKäppchen" > veröffentlichen würde, würde das meinen SeelenFrieden > und mein WeltBild auch nicht weiter stören. > Es sei denn, man finge an, mit erfundenen solchen Märchen die Geschichte der Brüder Grimm zu verfälschen, um ihnen - was weiß ich- irgendwas weltanschaulich ganz furchtbar Böses oder aber ganz beinahgöttlich überirdisches anzudichten. Nun wirst du sagen: was geht mich die Meinung über die Grimm-Brüder an. In Bezug auf die Christus-Geschichte ist sowas aber durchaus wirkmächtiger (-gewesen, weiß nicht ob das heute noch wirklich als relevant empfunden wird) Denk mal über die Edit-wars in der Wikipedia nach und wie sich im Laufe der wenigen Jahre ihrer Existenz eine Tendenz und auch eine Praxis der "Kanonisierung" ent- standen ist. Würde man das Herauslöschern des ganzen Mists von Spammern und Trollen in den Frühzeiten der WP als "Unterdrückung von Meinungen" bezeichnen? Heute scheint dieses allerprimitivste Problem einiger- maßen eingedämmt zu sein, aber es ist mittlerweile auf viel weniger primitiver Weise neuentstanden als "War" um die seriöse/nicht-tendenziöse Darstellung gesellschaftlicher Vorgänge und Fakten u.a. unter der Flagge des Persönlichkeitsschutzes von -nun ja- Prominenten und der Interpretation ihrer Vita ... Zurück zu den "Apokryphen". Als "Apokryph" werden Texte genannt, die aus dem allgemeinen Rauschen der schriftlichen und oralen Überlieferung immerhin durch eine gewisse Relevanz herausragen, aber nicht in den Kanon übernommen worden sind, und daher unter diesem Sammelbegriff zusammen bezeichnet werden. Die Frage, was "kanonisch" werden darf, ist dabei wohl (historisch) nicht komplett fixiert, für die kath. Kirche kann man hier deren Kriterien online finden - und einiges kann ich zumindest vorbehaltlich nachvollziehen, anderes entzieht sich völlig meiner Kompetenz als Gelegenheits- Evangele. Einige der Texte im offiziellen "Apokryphen" korpus fand ich immerhin bemerkens- und sogar bedenkenswert, z.B. das Thomas-Evangelium. Was ich interessant fand war, daß es bereits im jüdischen Apparat -also noch weit vor irgendeiner katholischen Papst- kirche- dasselbe Problem der apokryphen (=nicht-kanonischen) Texte gab. "Enoch"-Buch, "Testament-des Salomon" haben es nicht in den Kanon des Tanach geschafft, der Text "Kohelet" war anscheinend (irgendwann um 300 v.C.) strittig, fand dann aber in den Kanon. Wie gesagt, die "Gnosis", eine locker verbundene Escheinung von sozusagen Gemeinschaften des "Geheimwissens" zumindest seit etwa der hellenistischen Epoche, hat eine Menge Dokumente erzeugt - ich habe da ein wenig versucht 'reinzulesen, aber in meinen Augen ist das in der absoluten Überzahl ein dermaßen abgedrehtes (und synthetisches) Zeug daß seitdem der simple Vorwurf der "Kanonisierung" einer bedeutsamen historischen Überlieferung mein Vokstribunenherz kaum noch aufzuregen vermag. Gottfried
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| From | Lars Gebauer <lars.gebauer@yahoo.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-04 11:52 +0100 |
| Message-ID | <n8vab8$300$1@dont-email.me> |
| In reply to | #241848 |
Herwig Huener AQSR 5 schrieb: > Indizien für den fehlenden Einfluss auf die Mainstream- > Gläubigkeit: Viele Leute, die sich selbst als Christen > bezeichnen, wissen auf Befragen nichts von den > Apokryphen. Na sowas. Sie hätten sich aber leicht darüber informieren können. > In den Kirchen aller Konfessionen sind sie > auch nicht ausgelegt. Das ist /so/ nicht ganz richtig: Der Kanon der Evangelien ist nicht bei allen Konfessionen exakt gleich. > Als ob eine allgemeine Strategie > des TotSchweigens angeordnet wäre. Welchen Skandal!!!!11111elf Du wieder aufgedeckt hast! > Als ob die > Aktivitäten des Vatikans in den ersten paar Jahrhunderten > nach dem Jahr Null recht erfolgreich gewesen wären und > die Verbindlichkeit für die ganze Welt damit festgeschrieben > worden wäre Daß die Bibel mehrfach redaktionell übverarbeitet wurde ist nun wirklich kein Geheimnis. Jedenfalls nicht für den, der nicht mit einem Sack über dem Kopf herumläuft. Ebenso können Übersetzungen der Bibel durchaus auch zu Bedeutungsverschiebeungen geführt haben. > - mind you: Es ist nicht nur ein Betrug an > allen Christen, sondern auch an alle andersgläubige, > selektiv einige Bestandteile der Botschaft zu unterdrücken. Nonsens. > Weiss jemand, ob der Islam in ähnlicher Weise "Leichen > im Keller" hat? Klar. Auch vom (Ur-)Koran existieren mehrere Fassungen. Ebenfalls ist die Authentizität mancher Hadithe /etwas/ umstritten. > Relevanz für heute? Ich weiss nicht. Um zu belegen, dass > die Offiziellen einer ReligionsGemeinschaft nicht die > lauteren, wahrheitsliebenden Charaktere sind, die sie > zu sein vorgeben, ist das ganz nützlich. Ist ganz nützlich, wenn man sich mit derartigen "Weisheiten" mal gründlich zum Eimer machen will.
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| From | Herwig Huener AQSR 5 <Herwig.Huener@t-online.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-04 23:52 +0100 |
| Message-ID | <n90kmr$uh8$1@news.albasani.net> |
| In reply to | #241911 |
2016-02-04 23:53:00 +0100 Lars Gebauer wrote: > ... >> Als ob eine allgemeine Strategie >> des TotSchweigens angeordnet wäre. > > Welchen Skandal!!!!11111elf Du wieder aufgedeckt hast! Ein Skandal ist das noch lange nicht. Interessant ist, in wie weit Mechanismen existieren, die das TotSchweigen unvermeidlich machen. Gibt es ja auch in anderen historischen Kontexten. Einen bösen Willen zu unterstellen geht schon deshalb nicht, weil wir es hier mit einem historischen Vorgang zu tun haben, der sich über Jahrhunderte erstreckt, und der von vielen Menschen mit völlig unterschiedlichem WeltBild und unterschiedlichem WissensStand angetrieben wurde. > ... > Daß die Bibel mehrfach redaktionell übverarbeitet wurde ist nun wirklich > kein Geheimnis. Jedenfalls nicht für den, der nicht mit einem Sack über > dem Kopf herumläuft. ... Ich kenne überzeugte Christen - oder solche, die sich dafür halten - denen das durchaus nicht bekannt ist. Manche hinterfragen manche Dinge eben nicht. > ... >> - mind you: Es ist nicht nur ein Betrug an >> allen Christen, sondern auch an alle andersgläubige, >> selektiv einige Bestandteile der Botschaft zu unterdrücken. > > Nonsens. ... Wenn es vorsätzlich geschieht, hätte ich dazusagen müssen. > ... >> Relevanz für heute? Ich weiss nicht. Um zu belegen, dass >> die Offiziellen einer ReligionsGemeinschaft nicht die >> lauteren, wahrheitsliebenden Charaktere sind, die sie >> zu sein vorgeben, ist das ganz nützlich. > > Ist ganz nützlich, wenn man sich mit derartigen "Weisheiten" mal > gründlich zum Eimer machen will. Nix Eimer. Um eine Ideologie in die Pfanne zu hauen sind die Dogmen und die inneren WiderSprüche gerade dieser Ideologie immer noch am nützlichsten. Je nach rhetorischen Fähigkeiten der Gegenseite ist das InDiePfanneHauen aber ein anstrengender Job. Herwig
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| From | Lars Gebauer <lars.gebauer@yahoo.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-05 10:55 +0100 |
| Message-ID | <n91rd5$oel$1@dont-email.me> |
| In reply to | #242013 |
Herwig Huener AQSR 5 schrieb: > Lars Gebauer wrote: >>> Als ob eine allgemeine Strategie >>> des TotSchweigens angeordnet wäre. >> >> Welchen Skandal!!!!11111elf Du wieder aufgedeckt hast! > > Ein Skandal ist das noch lange nicht. Ich bin beruhigt. >> Daß die Bibel mehrfach redaktionell übverarbeitet wurde ist nun wirklich >> kein Geheimnis. Jedenfalls nicht für den, der nicht mit einem Sack über >> dem Kopf herumläuft. ... > > Ich kenne überzeugte Christen - oder solche, die sich dafür > halten - denen das durchaus nicht bekannt ist. Es gibt auch Christen, die mit einem Sack über dem Kopf herumlaufen. >>> Relevanz für heute? Ich weiss nicht. Um zu belegen, dass >>> die Offiziellen einer ReligionsGemeinschaft nicht die >>> lauteren, wahrheitsliebenden Charaktere sind, die sie >>> zu sein vorgeben, ist das ganz nützlich. >> >> Ist ganz nützlich, wenn man sich mit derartigen "Weisheiten" mal >> gründlich zum Eimer machen will. > > Nix Eimer. Um eine Ideologie in die Pfanne zu hauen sind die > Dogmen und die inneren WiderSprüche gerade dieser Ideologie > immer noch am nützlichsten. Nein. Eine gute Ideologie kann mit ihren (scheinbaren) inneren Widersprüchen umgehen.
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| From | Hartmut Ott <hottm@arcor.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-05 16:34 +0100 |
| Message-ID | <dhk8phFgat7U3@mid.individual.net> |
| In reply to | #242013 |
Hej, Am 04.02.2016 um 23:52 schrieb Herwig Huener AQSR 5: >> Daß die Bibel mehrfach redaktionell übverarbeitet wurde ist nun wirklich >> kein Geheimnis. Jedenfalls nicht für den, der nicht mit einem Sack über >> dem Kopf herumläuft. ... > > Ich kenne überzeugte Christen - oder solche, die sich dafür > halten - denen das durchaus nicht bekannt ist. Manche > hinterfragen manche Dinge eben nicht. Steht denn heutzutage nicht mehr Neu durchgesehen nach dem vom deutschen evangelischen Kirchenauschuß genehmigten Text oder ähnliches auf dem Titelblatt? mfg Hartmut Ott *Wir alle tragen den Heiligenschein des gewöhnlichen Wahnsinns* -- Trage es lachend
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| From | Sebastian Berndt <spamdelete@gmx.de> |
|---|---|
| Date | 2016-02-05 16:58 +0100 |
| Message-ID | <dhjv55Fdrb0U1@mid.individual.net> |
| In reply to | #241848 |
Am 03.02.2016 um 22:36 schrieb Herwig Huener AQSR 5: > 2016-02-03 22:37:22 +0100 > Dabei haben viele Religionen das ImmunSystem, das sie > angreift, schon incorporiert. Im Falle des Christentums > sind das die Apokryphen. Die sind nicht erst seit Definiere Apokryphen. Katholiken und Protestanten verstehen Unterschiedliches darunter. So unterschiedlich, daß die protestantischen Apokryphen in der katholischen Bibel stehen und -- oh Schreck, oh Graus! -- sogar im Gottesdienst gelesen werden. > gestern bekannt. Aber hat es bislang irgendeinen > Einfluss auf die "Mainstream-Gläubigkeit" gehabt? Aber hallo! Mach Dich mal schlau, auf welcher Quellenlage z.B. Anna und Joachim als die Namen der Eltern Mariens basieren. > https://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_%28Heilige%29 https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_%28Heiliger%29 Wahrscheinlich werden dieselben Leute, die noch nie was von den Apokryphen gehört zu haben meinen, ganz genau wissen, daß die Eltern Mariens Joachim und Anna hießen. > der Apokryphen in meiner WarteSchlange. So richtig > ging das natürlich erst mit Beginn des Google-ZeitAlters. Eine Buchhandlung oder eine Bibliothek wären keine Option gewesen? > Indizien für den fehlenden Einfluss auf die Mainstream- > Gläubigkeit: Viele Leute, die sich selbst als Christen > bezeichnen, wissen auf Befragen nichts von den > Apokryphen. In den Kirchen aller Konfessionen sind sie Viele Leute, die sich selbst als Christen bezeichnen, wissen auf Befragen auch nichts von Ignatius von Antiochien, Irenäus von Lyon oder Johannes Chrysostomos. Dabei hätte es die (zumindest katholische) Kirche so gerne, daß die Gläubigen deren Schriften kennen würden, daß ein Teil dieser Schriften in der kirchlichen Liturgie (Lesehore) gelesen werden. Daß in Deutschland (und weiten Teilen der sog. westlichen Welt) das Christentum auf dem Sterbebett liegt, ist jetzt keine so überraschende Information. > auch nicht ausgelegt. Als ob eine allgemeine Strategie > des TotSchweigens angeordnet wäre. In den meisten Kirchen, die ich so besuche, liegen eigentlich nur Gesangbücher und Flyer für allen möglich Kram aus. Schon Bibeln eher selten, warum dann die Apokryphen? > Als ob die > Aktivitäten des Vatikans in den ersten paar Jahrhunderten > nach dem Jahr Null recht erfolgreich gewesen wären und > die Verbindlichkeit für die ganze Welt damit festgeschrieben > worden wäre - mind you: Es ist nicht nur ein Betrug an > allen Christen, sondern auch an alle andersgläubige, > selektiv einige Bestandteile der Botschaft zu unterdrücken. Das ist ungefähr so, als ob Du in einem Apple Store erwarten würdest, gleich am Eingang den Herrn der Ringe in die Hand gedrückt zu bekommen. > Relevanz für heute? Ich weiss nicht. Um zu belegen, dass > die Offiziellen einer ReligionsGemeinschaft nicht die > lauteren, wahrheitsliebenden Charaktere sind, die sie > zu sein vorgeben, ist das ganz nützlich. Aber sonst - > inhaltlich - reisst mich da nichts vom Stuhl. Die Apokryphen standen nicht mal auf dem Index der verbotenen Bücher: <http://www.cvm.qc.ca/gconti/905/BABEL/Index%20Librorum%20Prohibitorum-1948.htm>. Grüßle Seb. -- Meine Doktorarbeit: <http://metal-und-christentum.de/home/> Gott haßt die Jünger der Lüge. Ein Versuch über Metal und Christentum: Metal als gesellschaftliches Zeitphänomen mit ethischen und religiösen Implikationen; Hamburg 2012 (Print und E-Book).
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