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Groups > ger.ct > #505427 > unrolled thread

FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll

Started byHerwig <herwig.huener@t-online.de>
First post2021-06-15 13:35 -0700
Last post2021-06-16 17:22 +0200
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  FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2021-06-15 13:35 -0700
    Re: FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Bernd <very.strange.matter@inboxclean.com> - 2021-06-16 01:01 +0200
      Re: FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2021-06-16 00:12 -0700
        Re: FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Bernd <very.strange.matter@inboxclean.com> - 2021-06-16 10:42 +0200
          Re: FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2021-06-16 02:28 -0700
            Re: FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Bernd <very.strange.matter@inboxclean.com> - 2021-06-16 13:23 +0200
              Re: FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2021-06-16 07:25 -0700
                Re: FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll Bernd <very.strange.matter@inboxclean.com> - 2021-06-16 17:22 +0200

#505427 — FYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll

FromHerwig <herwig.huener@t-online.de>
Date2021-06-15 13:35 -0700
SubjectFYI: "Something Deeply Hidden" by Sean Carroll
Message-ID<a81f28f8-732c-4934-9260-cef128cfe4ecn@googlegroups.com>
2021-06-15 22:36:00 +0200

Es gibt schon begnadete Dozenten - Sean Carroll
ist einer von ihnen. Sein "Something Deeply Hidden"
(deutsch "Was ist die Welt und wenn ja, wie viele:
Wie die Quantenmechanik unser Weltbild verändert")
ist eine hervorragende und mathematik-arme
Einführung in die QuantenMechanik. Auf YT
redet er über den Inhalt, etwa hier:

https://www.youtube.com/watch?v=F6FR08VylO4

Wer von vornherein auf Interpretationen der QM
*ohne* die VielWeltenInterpretation fixiert ist,
sollte etwas anderes lesen - Grimms Märchen,
etwa.

Sean Carroll hat sogar Richard Feynman korrigiert,
der sagte: "Es gibt niemanden, der die QuantenMechanik
versteht". Wenn man mit diesem Vorurteil an die QM
herangeht, versteht man sie wirklich nicht.

Auf YT findet man noch mehr von SC. Ist auch gut
fürs Englisch lernen. Besser als der Slang
von Feynmann.

Mir kommt es so vor, als hätte ich dieses Buch
schon einmal empfohlen - kann das sein?

Herwig

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#505436

FromBernd <very.strange.matter@inboxclean.com>
Date2021-06-16 01:01 +0200
Message-ID<878s3a4ts7.fsf@inboxclean.com>
In reply to#505427
Herwig <herwig.huener@t-online.de> writes:

> Wer von vornherein auf Interpretationen der QM
> *ohne* die VielWeltenInterpretation fixiert ist,
> sollte etwas anderes lesen - Grimms Märchen,
> etwa.

Bevor man mit großen Interpretationskeulen des Messprozesses und der
Wellenfunktion des Universums rumgurkt sollte man erst einmal ne klare
Ahnung davon haben, was eine Wellenfunktion überhaupt ist.  Insbesondere
Bezüge zur klassischen Mechanik und davon gibt es verdammt viele.  Um
die aber zu verstehen muss man sich mit Trajektorien und Phasenräumen
auseinandersetzen.  QM ist viel "klassischer" als sie auf den ersten
Blick aussieht.  Und ja, sicherlich ist das anbinden der QM an die
makroskopische Realität spannend, aber dafür sollte man erst einmal
geklärt haben was man da eigentlich anbindet.  Und das ist mit
Welle-Teilchen-Dualismus einfach nicht getan.  Das ist für mich so ein
typischer Blinder Fleck von Popsci.

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#505458

FromHerwig <herwig.huener@t-online.de>
Date2021-06-16 00:12 -0700
Message-ID<33e23137-b237-47d2-9e90-c0c5894e63a6n@googlegroups.com>
In reply to#505436
2021-06-16 09:13:00 +0200

> ...

> ... Und das ist mit 
> Welle-Teilchen-Dualismus einfach nicht getan. ...

Welle-Teilchen-Dualismus gibt es nicht. Der elementare
Baustein der Realität ist die WellenFunktion. Der MessProzess
ist derjenige Vorgang, wo ein Teil des WellenFunktion einem
anderen Teil der WellenFunktion etwas mitteilt. Bei diesem
Vorgang verschränken sie sich.

Mehr gibet es nicht.

Zugestanden: etwas konkret auszurechnen ist nervig.
Aus dem Handgelenk bringe ich das jetzt nicht mehr
zustande.

Aber das DreiKörperProblem klassisch auszurechnen
schaffe ich auch nicht mehr von jetzt auf gleich.

Herwig

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#505474

FromBernd <very.strange.matter@inboxclean.com>
Date2021-06-16 10:42 +0200
Message-ID<874kdy42w5.fsf@inboxclean.com>
In reply to#505458
Herwig <herwig.huener@t-online.de> writes:

>
> Welle-Teilchen-Dualismus gibt es nicht. Der elementare
> Baustein der Realität ist die WellenFunktion.

Die Kunst ist wie gesagt Wellenfunktionen besser zu verstehen.
"Blablabla Welle" ist ein schöner Anfang, wäre aber völlig unzureichend
da aufzuhören.  Wenn man sogar richtig fies und pedantisch wäre müsste
man eigentlich sogar sagen dass die Wellenfunktion völlig unerheblich
ist.  Die WF ist die Darstellung des korrespondierenden Zustands in
Ortseigenbasis.  Trotzdem kann man viel mehr aus der WF mitnehmen.  Mein
Punkt war, dass man erst einmal isolierte Quantensysteme verstanden
haben sollte bevor man das Interpretationsfass auf macht.  Andernfalls
endet das bei Timecube Diskussionen.

> Zugestanden: etwas konkret auszurechnen ist nervig.  Aus dem
> Handgelenk bringe ich das jetzt nicht mehr zustande.

Das Wasserstoffatom und den HO muss man auch höchstens einmal im Leben
von Hand integrieren.  Alles was auch nur ein wenig mehr Anspruch hat
kannste mit Stift und Papier vergessen.

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#505479

FromHerwig <herwig.huener@t-online.de>
Date2021-06-16 02:28 -0700
Message-ID<6c052ace-8a06-4d8e-853a-84cf47dcd36fn@googlegroups.com>
In reply to#505474
2021-06-16 11:29:00 +0200
Noch etwas Zeit bis zum
2021-06-21 05:32:00 +0200

> ...

> > Welle-Teilchen-Dualismus gibt es nicht. Der elementare 
> > Baustein der Realität ist die WellenFunktion.

> Die Kunst ist wie gesagt Wellenfunktionen besser zu verstehen.

Nein. Da ist nicht mehr zu verstehen. Die WellenFunktion ist alles,
was es gibt, und ihre Eigenschaften ergeben sich vollständig
aus der SchrödingerGleichung.

Das ist ja eben der Punkt, den SC hier vorführt: Verzicht auf
überflüssiges: Keine "Hidden Variables", kein Kollaps der
WellenFunktion, kein MessPostulat. Braucht man alles nicht.

Und "isolierte QuantenSysteme" - schön wäre es. Die WellenFunktion
eines isolierten QuantenSystems ist Teil der universellen
WellenFunktion. Deshalb gibt es auch keinen "HeisenBerg Cut":
Die Welt gehorche nur im Allerkleinsten der QM: So ist es nicht
- die Welt gehorcht auf *jeder* GrössenSkala der QM. Und damit ist
schon alles an Interpretation, was möglich ist, gesagt.

Die QM zu verstehen ist einfach einfach!

Wenn man als Kind schon mit den falschen Konzepten
indoktriniert ist (Kollaps, MessPostulat, Welle-Teilchen-Dualismus),
dann hat man für den Rest des Lebens VerständnisSchwierigkeiten.
So auch für mich: ich bat den Prof in theoretischer Physik, bei meiner
HauptDiplomPrüfung doch bitte mehr auf RelativitätsTheorie als
auf QuantenMechanik zu schwerpunkten. Hat er auch gemacht.

Meine Vermutung: Die physikalische Realität folgt deshalb der
QuantenMechanik, weil mit allen anderen mathematischen Paradigmen
eine konsistente Welt nicht möglich ist.

Herwig

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#505503

FromBernd <very.strange.matter@inboxclean.com>
Date2021-06-16 13:23 +0200
Message-ID<87sg1i2gty.fsf@inboxclean.com>
In reply to#505479
Herwig <herwig.huener@t-online.de> writes:

>
> Nein. Da ist nicht mehr zu verstehen. Die WellenFunktion ist alles,
> was es gibt, und ihre Eigenschaften ergeben sich vollständig
> aus der SchrödingerGleichung.
>
> Das ist ja eben der Punkt, den SC hier vorführt: Verzicht auf
> überflüssiges: Keine "Hidden Variables", kein Kollaps der
> WellenFunktion, kein MessPostulat. Braucht man alles nicht.
>
Ich rede nicht von "hidden variables" und ähnlichem Käse.  Ich rede von
ganz primitivem Handwerk und physikalischen Bildern.  Ich rede von
Näherungen.  Die Wellenfunktion/Quantenzustände kann man auf vielerlei
Weise im alltäglichen wissenschaftlichen Umgang auslegen und verstehen.
Als phasenbehaftete Summe über Trajektorien zum Beispiel.  Ich meine
allein in dem ganzen quasiklassischen Zeug steckt viel interessantes zu
lernen drin.

> Und "isolierte QuantenSysteme" - schön wäre es. Die WellenFunktion
> eines isolierten QuantenSystems ist Teil der universellen
> WellenFunktion. Deshalb gibt es auch keinen "HeisenBerg Cut":
> Die Welt gehorche nur im Allerkleinsten der QM: So ist es nicht
> - die Welt gehorcht auf *jeder* GrössenSkala der QM. Und damit ist
> schon alles an Interpretation, was möglich ist, gesagt.

Du übersiehst den Punkt den ich machen will.  Ich widerspreche nicht der
Tatsache das QM nicht einfach magisch auf ner Größenskala aufhört.
"Isolierte Quantensysteme" wie das H-artige Atom, den QHO oder
Einzelmoleküle im Vakuum "existieren" nicht "in der Realität".
Natürlich wirfst du was weg.  Du lernst aber in der Physik sehr viel
gerade *weil* du was weg näherst.

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#505532

FromHerwig <herwig.huener@t-online.de>
Date2021-06-16 07:25 -0700
Message-ID<b160ef82-51f9-4f8e-bb7a-f07d979d2634n@googlegroups.com>
In reply to#505503
2021-06-16 16:25:00 +0200

> ...

> Ich rede nicht von "hidden variables" und ähnlichem Käse. Ich rede von 
> ganz primitivem Handwerk und physikalischen Bildern. Ich rede von 
> Näherungen. Die Wellenfunktion/Quantenzustände kann man auf vielerlei 
> Weise im alltäglichen wissenschaftlichen Umgang auslegen und verstehen. 
> Als phasenbehaftete Summe über Trajektorien zum Beispiel.

Redest Du an der Stelle von PfadIntegralen? Die sind eine andere
mathematische Formulierung der WellenFunktion. Hängt vom
vorliegenden Problem ab, was am geschicktesten anzuwenden
ist.

> ...

> Du übersiehst den Punkt den ich machen will. Ich widerspreche nicht der 
> Tatsache das QM nicht einfach magisch auf ner Größenskala aufhört. 
> "Isolierte Quantensysteme" wie das H-artige Atom, den QHO oder 
> Einzelmoleküle im Vakuum "existieren" nicht "in der Realität". 
> Natürlich wirfst du was weg. Du lernst aber in der Physik sehr viel 
> gerade *weil* du was weg näherst.

An der Stelle reden wir aber doch über LernPhysiologie. Wenn Du
die SchrödingerGleichung das erste Mal als Übung lösen willst,
dann kannst Du ein zweidimensionales TopfPotential nehmen,
oder ein WasserStoffAtom, oder ein UranAtom, oder eine Katze.
Die letzten beiden Beispiele schafft man vor dem BerufsEnde
nicht mehr.

"Was weg nähern" gibt es aber schon in der klassischen Physik,
nämlich in der ThermoDynamik. Der Verzicht darauf, was die
einzelnen Teilchen machen, bringt Konzepte wie Temperatur
und Entropie an das Licht der Welt - Konzepte, die es für
ein einzelnes Teilchen nicht gibt.

Apropos "Katze". SC verwendet die modifizierte Katze
(wach, schlafend), nicht das Original (lebendig, tot). Dass
aber auch jeder hinter der politischen Korrektheit
hinterherdackeln muss. Insbesondere auch deshalb,
weil die Implementation einer hypothetischen QuantenRente
(lebendig, tot) erfordert - mit wachen oder schlafenden
Katzen funktioniert das ganze nicht.

Herwig

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#505540

FromBernd <very.strange.matter@inboxclean.com>
Date2021-06-16 17:22 +0200
Message-ID<87mtrp3kcw.fsf@inboxclean.com>
In reply to#505532
Herwig <herwig.huener@t-online.de> writes:

> 2021-06-16 16:25:00 +0200
>
>
> Redest Du an der Stelle von PfadIntegralen? Die sind eine andere
> mathematische Formulierung der WellenFunktion. Hängt vom
> vorliegenden Problem ab, was am geschicktesten anzuwenden
> ist.

Pfadintegrale, genau.  Alternative mathematische Formulierungen sind ein
essentieller Teil des Verständnisses von QM, meiner Meinung nach.
Besetzungszahldarstellung, auch irre nützlich für verschiedenerlei
Einsichten.  Aber bei exakten Darstellungen hört's auch nicht auf, denk
an Näherungen.  Adiabatische Näherung, WKB, Fermi's Golden Rule, alles
wunderschöne Dinge die aus der Schrödingergleichung raus fallen können.

>> Du übersiehst den Punkt den ich machen will. Ich widerspreche nicht der
>> Tatsache das QM nicht einfach magisch auf ner Größenskala aufhört.
>> "Isolierte Quantensysteme" wie das H-artige Atom, den QHO oder
>> Einzelmoleküle im Vakuum "existieren" nicht "in der Realität".
>> Natürlich wirfst du was weg. Du lernst aber in der Physik sehr viel
>> gerade *weil* du was weg näherst.
>
> An der Stelle reden wir aber doch über LernPhysiologie. Wenn Du
> die SchrödingerGleichung das erste Mal als Übung lösen willst,
> dann kannst Du ein zweidimensionales TopfPotential nehmen,
> oder ein WasserStoffAtom, oder ein UranAtom, oder eine Katze.

Exakt, aber je mehr desto besser.

> "Was weg nähern" gibt es aber schon in der klassischen Physik,
> nämlich in der ThermoDynamik. Der Verzicht darauf, was die
> einzelnen Teilchen machen, bringt Konzepte wie Temperatur
> und Entropie an das Licht der Welt - Konzepte, die es für
> ein einzelnes Teilchen nicht gibt.

Ja klar.  Und diese Dinge empfinde ich als absolut unerlässlich zum
Verstehen klassischer Mechanik.  Wie will man komplexe mechanische
Systeme verstehen ohne Wissen über statistische Mechanik?  Das wäre ja
höllisch.  Analoges Wissen braucht man selbstverständlicherweise zum
verstehen komplexerer Quantenmechanischer Prozesse, was für mich zum
verstehen von QM dazu gehört.

> Apropos "Katze". SC verwendet die modifizierte Katze
> (wach, schlafend), nicht das Original (lebendig, tot). Dass
> aber auch jeder hinter der politischen Korrektheit
> hinterherdackeln muss. Insbesondere auch deshalb,
> weil die Implementation einer hypothetischen QuantenRente
> (lebendig, tot) erfordert - mit wachen oder schlafenden
> Katzen funktioniert das ganze nicht.

Da sind wir uns einig ;)

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