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| From | Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | SZ Interview zu Sex |
| Date | 2021-09-09 07:16 +0000 |
| Message-ID | <shccd7$bth$1@solani.org> (permalink) |
Es geht auch um Sexroboter, die hier schon öfter thematisiert wurden, Partnerlosigkeit bei schwer vermittelbaren Männern . Ziemlich einseitige Darstellung der Dame. Zeitweise geht einem schon etwas die Hutschnur hoch, aber einiges scheint mir schon zu stimmen. Diese komplett unvermittelbaren Männer gibt es einfach. Sie sollen halt mal über Homosexualität zur Triebbefriedigung nachdenken, empfiehlt Frau Stoverock. Oder Sexspielzeug und Sexroboter anschaffen. Recht provokant, aber davon lebt sie ja offenbar als Autorin. https://sz-magazin.sueddeutsche.de/liebe-und-partnerschaft/meike-stoverock-interview-90556 »Wie viel Sex stattfindet, bestimmt meistens die Frau« Barbara Vorsamer Foto: istock/Adene Sanchez »Zu jedem Topf passt ein Deckel«, heißt ein Sprichwort. Sie halten das für falsch. Warum? Meike Stoverock: Das Sprichwort behauptet, dass es für jeden Mann eine Partnerin und für jede Frau einen Partner gibt. Aber das ist nicht so. Weibchen wählen nur ganz bestimmte Männchen aus, die Mehrheit kommt nie zum Zug. Female Choice heißt dieses Prinzip, wir sehen es bei den meisten Tierarten - und beim Menschen. Erklären Sie doch bitte kurz, wie Female Choice funktioniert. Weibchen investieren mehr in die Fortpflanzung als Männchen. Sie haben nur eine begrenzte Zahl an Eizellen, Männchen können ihr Leben lang Unmengen an Samenzellen produzieren. Nach der Befruchtung muss der Körper der Mutter einen hohen Energieaufwand betreiben, um den Nachwuchs zur Welt zu bringen. Für das Männchen ist die Fortpflanzung nach dem Geschlechtsverkehr im Prinzip erledigt. Wenn sich also ein Männchen mit einem unpassenden Weibchen paart, ist nicht viel verloren. Für Weibchen ist das Risiko ungleich größer. Deswegen wurden sie im Laufe der Evolution immer wählerischer. Und das wollen Sie wirklich auf die Menschen übertragen? Die Frau, die sich ziert, und der Mann, der wahllos alles begattet – klingt nach Klischees, die wir längst überwunden haben. Haben wir eben nicht. Politik, Kirche und Gesellschaft haben zwar über Jahrtausende das Modell der monogamen Ehe propagiert und den Frauen sämtliche Rechte entzogen. Trotzdem hatten die Männer weiter das Gefühl, dass zumindest sexuell die Frau weiter das Sagen hat. Und damit haben sie auch Recht! Welcher und wie viel Sex stattfindet, bestimmt meistens die Frau. Das sind keine Klischees, das ist Biologie. Meike Stoverock ist promovierte Biologin, sie lebt und arbeitet als Autorin in Berlin. 2021 erschien ihr Sachbuch Female Choice - Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation im Tropen Verlag. Außerdem betreibt sie unter www.fraumeike.de ein Blog. Foto: Annette Hauschild/Ostkreuz Wann und warum haben die Menschen dann die Ehe erfunden, wenn sie doch so gar nicht zu unserer Natur passt? Entscheidend waren der Beginn der Sesshaftigkeit und die Erfindung des Landbesitzes. Durch Schwangerschaften und Stilltätigkeit waren Frauen nicht im selben Maße wie Männer in der Lage, sich diese Ressourcen zu erarbeiten, zudem haben Männer es ihnen sehr schnell verboten. Von da an gab es für Frauen nur noch eine Möglichkeit, einen gewissen Status zu erhalten: die Verbindung mit einem Mann. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen sehen wir bis heute und sie ist menschengemacht. Männergemacht. Welchen Vorteil hatte das für Männer? So hat jeder eine abgekriegt. Weil eine Frau einen Mann brauchte, um etwas wert zu sein und in Frieden leben zu können, gleichzeitig aber jeder Mann nur eine Frau haben durfte, wurden am Ende auch jene Männer erwählt, die natürlicherweise leer ausgegangen wären. »Sehr viele Männer können bei Frauen einfach nicht landen und das ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden« Warum gehen Männer leer aus? Das Verhältnis ist ungefähr 1:1, egal, wer auswählt. So funktioniert Evolution. Nur die Männchen mit den besten Überlebenschancen, nur starke, geschickte, gesunde Männchen können ihre Gene weitergeben, das macht eine Art erfolgreich und widerstandfähig. Einige der anderen Männchen finden Alternativstrategien, sind so lange ein hilfsbereiter Freund, bis sie auch mal ran dürfen, oder tauschen begehrte Güter gegen Sex, aber generell haben die Weibchen eben sehr hohe Ansprüche. Und wie wird man zum Alphamännchen? Keine Frage stellen mir Männer öfter. Aber da gibt es keine gute Antwort, zudem vermischen sich beim Menschen biologische, wirtschaftliche, kulturelle Faktoren. Ein gut belegter Faktor ist die Körpergröße, große Männer haben bessere Chancen bei Frauen als kleine. Aber natürlich gibt es auch große Singles und kleine Womanizer. Fest steht nur: Sehr viele Männer können bei Frauen einfach nicht landen und das ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden. Warum? Männchen, die allein sind, machen immer Probleme, auch im Tierreich. Sie sind frustriert, werden aggressiv, lassen ihren Ärger an schwächeren Tieren oder anderen Arten aus. Die Entsprechung beim Menschen sind die Incels. Was sind Incels? Das ist eine Abkürzung für »involuntary celibates«, also Männer, die unfreiwillig zölibatär leben. Die haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt im Internet zusammengeschlossen und radikalisiert. Diese sogenannte Manosphere ist ein riesiges Problem für eine freie Gesellschaft, nicht nur weil es in diesem Umfeld immer häufiger zu Gewalttaten kommt. Auch die Gefolgschaft von rechtsextremen Parteien speist sich aus diesem Pool von unbefriedigten Männern. Wollen Sie damit sagen, dass es rechten Parteien um Sex geht? Ja! Schauen Sie sich die Parteiprogramme mal an. Im Kern geht es darum, die Kontrolle über das Gebärverhalten der Frauen wieder zu erlangen, Verhütung, Ehe und Abtreibung sind immer Thema. Rechtspopulistische Parteien propagieren ein konservatives Weltbild, halten wenig von sexueller Selbstbestimmung, wollen Ehe und Familie stärken und Einwanderung begrenzen. Für Incels ist das ein Versprechen auf Sex. Sex, von dem sie glauben, dass er ihnen zusteht. Wie könnte man das lösen? Auf keinen Fall, indem man die gerade neu erwachende sexuelle Freiheit von Frauen wieder einschränkt. Stattdessen muss man künftigen Generationen von Männern beibringen, was das für sie bedeutet: Nämlich, dass viele von ihnen alleine bleiben werden. Es gibt nette Männer, hübsche Männer, erfolgreiche Männer, die trotzdem nie oder nur selten von Frauen erwählt werden. »Es könnte viel individuelles Leid verhindern, wenn wir schon unseren Kindern beibringen, dass eine lebenslange, monogame Beziehung nicht der Schlüssel zum Glück ist« Was könnten diese Männer tun, um doch erwählt zu werden? Nichts! Genau darum geht es mir. Ein Mann kann ein Super-Typ sein und trotzdem Single, das ist normal, das ist die Biologie. Das Narrativ, dass mit jemandem ohne Partnerin irgendwas nicht ganz stimmen kann, muss weg. Alleinstehende Männer werden nicht direkt zu frauenhassenden Sonderlingen. Die Gesellschaft macht sie dazu, wenn wir ihnen andauernd das kulturalistische »Jeder Topf findet seinen Deckel«-Märchen erzählen. Dann beginnen sie, an ihrer Männlichkeit und ihrem Selbstwert zu zweifeln und eine Anspruchshaltung zu entwickeln, die im Extremfall zu sexueller Gewalt führt. Es könnte viel individuelles Leid verhindern, wenn wir schon unseren Kindern beibringen, dass eine lebenslange, monogame Beziehung nicht der Schlüssel zum Glück ist. Für die einsamen Männer, die es schon gibt, kommt diese Botschaft zu spät. Wie müsste die Gesellschaft mit ihnen umgehen? Zuerst mal anerkennen, dass Sexualität ein Grundbedürfnis ist. Man kann von diesen Männern nicht verlangen, mit ihrer Einsamkeit einfach mal klarzukommen. Stattdessen müssen wir Wege finden, wie sich deren sexuelle Bedürfnisse erfüllen lassen, ohne die Freiheit irgendeiner Frau dafür einzuschränken. Und wie soll das gehen? Eine Möglichkeit ist die Entstigmatisierung homosexueller Handlungen. Das sieht man tatsächlich auch im Tierreich, dass unterlegene Männchen ihren Trieb aneinander befriedigen. Außerdem sehe ich Potential in Sexpuppen und Sexrobotern. Schon jetzt gibt es eine kleine Community von Männern, die mit diesen Gegenständen zusammenleben, als wären es Menschen. Umfragen zufolge kann sich jeder vierte Mann Sex mit einem Roboter vorstellen, immerhin sechs Prozent halten es für möglich, sich in ein Gerät zu verlieben. Gibt es auch Frauen, die mit männlichen Sexrobotern zusammenleben? Sicher, es gibt alles. Auch der Begriff »Incel« wurde ursprünglich von einer Frau erfunden, die ein Forum für unfreiwillige Singles ins Leben gerufen hat. Dieses Forum wurde aber innerhalb kürzester Zeit von Männern geflutet, weil die Verteilung bei Menschen ohne Sexpartner nun mal so ungleich ist. Eine Frau, die unbedingt Sex haben möchte, findet einen Partner dafür, egal wie alt sie ist, egal wie sie aussieht. Kann sein, dass sie nicht den Mann bekommt, den sie gerne hätte, aber wenn es ihr einfach nur darum geht, mit irgendjemandem ihren Trieb zu befriedigen, dann wird ihr das gelingen. Bei Männern ist das nicht so. Es gibt immer viel mehr unbefriedigte Männer als unbefriedigte Frauen, das sieht man auch in der Prostitution. Der Mann muss zahlen. Es gibt auch männliche Sexarbeiter und Freierinnen. Jaja, das ist das Problem bei diesem Thema. Man kann keine Debatte führen, ohne dass jemand schreit: Aber es gibt auch Frauen, die...! Nicht alle Männer... ! Dank des Feminismus hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Frauen in vielen Bereichen dasselbe können und machen und wissen wie die Männer. Dabei ist leider aus dem Blick geraten, dass es in der Häufigkeit dieser Phänomene mitunter riesige Unterschiede gibt. Sie glauben, dass die Female Choice gerade zurückkommt. Woran machen Sie das fest? Zum Beispiel an den Scheidungsstatistiken. Es sind mehrheitlich die Frauen, die Beziehungen beenden, am häufigsten nach sechs, sieben Jahren. Da vermischen sich das biologische und das gesellschaftliche Skript. Bevor die Menschen sesshaft wurden, haben sich Frauen nach jedem Kind einen neuen Partner gesucht. Heute hält man noch ein bisschen durch, wenn die Frau das sexuelle Interesse an ihrem Partner verliert. Doch der Zeitpunkt ist noch recht nah am natürlichen Rhythmus. Noch deutlicher ist Female Choice auf Datingplattformen zu sehen. Auf Tinder muss ein Mann im Schnitt 115 Mal nach rechts wischen, bis er ein Match bekommt. Männer finden durch die Bank die Fotos von Frauen attraktiver als andersherum. Die Unterschiede sind so drastisch, dass man sie meiner Meinung nach nicht allein mit gesellschaftlicher Stereotypisierung erklären kann. Das ist unser evolutionäres Erbe. Was passiert, wenn Frauen die Wahlfreiheit zurückbekommen, zeigen auch Geburtsstatistiken aus Norwegen. Norwegen ist ein sehr fortschrittliches Land, die Kinderbetreuung ist super, Frauen werden fair bezahlt, sind mehrheitlich berufstätig. Dort hat die Zahl der kinderlosen Männer in den vergangenen 30 Jahren von 13 auf heute 23 Prozent zugenommen. Im selben Zeitraum hat sich der Anteil der kinderlosen Frauen kaum verändert. Gleichberechtigung führt also gar nicht dazu, dass Frauen keine Kinder mehr kriegen - sondern dazu, dass mehr Männer keine Väter werden? Die Zahlen zeigen das, ja. Wie kommt es dazu? Wenn Frauen frei entscheiden können, suchen sie sich häufig Männer aus, die schon mit einer anderen Frau Kinder bekommen haben. So werden manche Männer mehrfach »recycelt«, während andere nie drankommen. Immer öfter ziehen Frauen ihre Kinder dann alleine groß, und sie tun das trotz der immensen finanziellen Benachteiligung und des gesellschaftlichen Stigmas, unter dem Alleinerziehende immer noch leiden. Hätten wir echte Gerechtigkeit, gäbe es noch viel mehr Männer ohne Partnerin. Kann unser gesellschaftliches Ideal der lebenslangen, monogamen Liebesbeziehung mit freien Frauen überhaupt funktionieren? Ich halte es für sehr schwierig. Natürlich können alle nach ihrer Fasson glücklich werden, aber jede Frau sollte sich vor Augen führen, warum dieses Ideal überhaupt existiert, und hinterfragen, warum sie den Wunsch danach hat. Und wenn sie in einer Langzeitbeziehung ist und sexuelle Probleme auftreten, sollte sie sich klarmachen, dass das nicht ihr individuelles Scheitern ist, sondern vollkommen normal. Viele Frauen begehren nicht jahrelang denselben Mann. »Es sollte endlich okay sein, wenn eine Frau vier Kinder von vier Männern hat. Oder gar kein Kind, aber eine Affäre nach der anderen« Und Männer schon? Ich dachte, gerade Männer haben das Interesse daran, ihren Samen weit zu streuen, um auch mal ein Klischee aus der Biologie einzuwerfen. Männer wollen vor allem Sex haben. Solange sie ihren Trieb regelmäßig befriedigen können, ist alles in Ordnung und sie bleiben ihrer Partnerin treu. Es sind die Frauen, die das Interesse verlieren. Dann schläft das Sexleben sein, der Mann geht fremd, sie regt Paartherapie an, kauft sich sexy Lingerie und nimmt womöglich Medikamente, um ihre Libido wieder anzukurbeln – anstatt einfach zu ihrem Partner zu sagen: Ich habe keine Lust mehr auf dich. Und dann? Geht man auseinander! Sucht sich jemand anderen. Oder man öffnet die Partnerschaft, sucht sich Geliebte oder geht zu Prostituierten. Wie es eben passt. Es sollte endlich okay sein, wenn eine Frau vier Kinder von vier Männern hat. Oder gar kein Kind, aber eine Affäre nach der anderen. Aber es gibt Paare, die jahrzehntelang glücklich miteinander sind. Wie machen die das? Ich bezweifle, dass alle, die lange zusammen sind, auch ein lebendiges Sexualleben haben. Manche machen nicht mehr als durchhalten. Vielleicht ist ihnen auch der Sex nicht so wichtig und sie legen mehr Wert auf gemeinsame Interessen, gute Gespräche, Humor. Wunderbar, solange alle damit glücklich sind. Meine Beobachtung ist aber, dass die romantische Liebe ein derart mächtiges Ideal ist, dass gerade Frauen lieber an sich selbst zweifeln als an ihrer Vorstellung von Partnerschaft. Ihnen möchte ich sagen: Es ist normal, irgendwann kaum mehr Sex zu wollen. Du musst nicht »an der Beziehung arbeiten«, du kannst dir auch einen neuen Mann suchen. Der Mensch ist ein sexuelles Wesen. Die Frau auch. Es wird Zeit, dass sie es sein darf." Irgendjemand hier den es anbegeht? Sexroboter, anyone? -- please forgive my iPhone typos
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SZ Interview zu Sex Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2021-09-09 07:16 +0000
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