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Re: USA verstehen

From Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: USA verstehen
Date 2025-03-10 13:07 +0100
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <vqmkmo$1b4bu$1@dont-email.me> (permalink)
References (1 earlier) <3t67cd7bc5i14ffd8n3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> <vqk214$npbb$1@dont-email.me> <1t67cde3fbi18e66bn3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> <vqkqjp$t2ai$1@dont-email.me> <1t67ceb545i21a9a3n3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at>

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Salve allerseits,

Stefan Froehlich schrieb:
> On Sun, 09 Mar 2025 20:36:24 Fidel Sebastián Hunrichse-Lara wrote:
>> Stefan Froehlich schrieb:
>>
>>> Bislang war sich so ziemlich jeder von mir wahrgenommen
>>> Kommentator sicher, dass sich die USA mittel- und schon überhaupt
>>> langfristig in die Reihe der großen Verlierer ihrer eigenen
>>> Politik einreihen werden.  Das scheint mir plausibel. Russland
>>> und China, im Rahmen des Möglichen.  Dabei stellt sich dann
>>> allerdings die Frage, inwiefern das im Interesse der USA ist, die
>>> das alles losgetreten haben.
>> 
>> Lass mich mal kurz überlegen: Die Vereinigten Staaten haben uns
>> ihre Schwerpunktverlagerung nach Asien als eine grundlegende
>> Richtungsentscheidung für die Außenpolitik verkauft – und zwar
>> durch Barack Hussein Obama II! Und jetzt soll ausgerechnet THE
>> DONALD plötzlich auf Obamas Spuren wandeln?
> 
> Wie kommst Du auf *diese* Idee? Trump wandelt auf niemandes Spuren,
> und man sollte sich bei der Kritik an ihm auch nie auf einen einzelnen
> Aspekt konzentrieren. Zum einen ist das viel zu wenig, zum anderen
> ändert er seine Meinung mitunter auch im Stundentakt.
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Anfang Februar sass der japanische Ministerpräsident Shigeru Ishiba auf
| demselben gelben Stuhl im Oval Office wie Wolodimir Selenski bei seinem
| wüsten Streit mit Donald Trump. Ishiba geizte nicht mit Schmeicheleien –
| und reiste mit der Zusicherung des amerikanischen Präsidenten nach
| Hause, die Verteidigungsallianz mit Japan auszubauen. In Tokio wurde
| Ishiba, der zwei Tage für das Treffen mit Trump trainiert hatte, wie ein
| Goldmedaillengewinner gefeiert.
|
| *Forderungen an die «Geldmaschine Südkorea*»?
|
| Doch nur einen Monat später scheuchte Trump die Japaner mit einer
| süffisanten Bemerkung auf: «Wir haben einen interessanten Deal mit
| Japan. Wir müssen sie beschützen, sie aber uns nicht.» Der US-Präsident
| spielte auf das Verteidigungsabkommen von 1960 an.
|
| Tokio wies Trumps Darstellung irritiert zurück. Tatsächlich darf das
| japanische Militär trotz der pazifistischen Verfassung amerikanische
| Truppen unterstützen, wenn diese angegriffen werden. Derzeit sind in
| Japan 50 000 amerikanische Soldaten stationiert, deren Auftrag über die
| blosse Verteidigung Japans hinausgeht. Die siebte Flotte etwa deckt den
| ganzen Westpazifik ab.
|
| Von existenzieller Bedeutung ist das Bündnis mit den Vereinigten Staaten
| auch für Südkorea. 30 000 amerikanische Soldaten garantierten die
| Sicherheit des Allianzpartners. Bleibt das auch in Zukunft so? Während
| Regierungsstellen demonstrativ Zuversicht verbreiten, sind Experten
| skeptischer. Trump könnte mit den Südkoreanern ähnlich rabiat verfahren
| wie mit der Ukraine, zitierte die «Korea Times» Lim Eul Chul, den
| Forschungsleiter des Institute for Far Eastern Studies in Seoul.
|
| In seiner ersten Amtszeit hatte Trump damit gedroht, die amerikanischen
| Truppen aus Südkorea abzuziehen. Vor seiner Wiederwahl sagte Trump, die
| «Geldmaschine Südkorea» solle 10 Milliarden Dollar jährlich für das
| amerikanische Truppenkontingent bezahlen. Derzeit ist es bloss ein
| Zehntel davon.
|
| Seoul muss sich also auf Verhandlungen über die Kostenbeteiligung
| einstellen. Auch befürchtet Südkorea, Trump könnte erneut versuchen, mit
| Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ins Geschäft zu kommen, und dabei links
| liegen gelassen zu werden. Seit dem Putschversuch im Dezember amtiert
| lediglich eine Übergangsregierung.
|
| Sollte sich Südkorea von Amerika schlecht behandelt fühlen, wird die
| Diskussion über eigene Atomwaffen an Fahrt gewinnen. Konservative
| Stimmen mahnen, nur der Besitz von Massenvernichtungswaffen schaffe eine
| wirksame Abschreckung. Sie zweifeln, ob das nukleare
| Beistandsversprechen der USA gilt, sollte Kim Jong Un mit Atomwaffen
| angreifen. Würde Washington sein Nukleararsenal für einen
| Vergeltungsschlag gegen Pjongjang einsetzen und damit Millionen von
| Menschen in den USA gefährden?
|
| Trump scheiterte 2018 und 2019 daran, Nordkoreas Despoten zur Aufgabe
| des Atomprogramms zu bewegen. Angesichts von Trumps Selbstüberschätzung
| ist ein erneuter Versuch jedoch nicht ausgeschlossen. Dagegen spricht,
| dass der Machthaber in Pjongjang keine Bereitschaft mehr für eine
| Annäherung an die USA zeigt. Als Kriegspartner Russlands hat Kim Jong Un
| einen neuen Freund gefunden. China wird sich ebenfalls nicht vom
| kommunistischen Bruderstaat abwenden.
|
| *Mittel von Europa nach Asien verschieben*
|
| Sosehr man die Unsicherheiten der asiatischen Alliierten nachvollziehen
| kann: Sie befinden sich in einer vorteilhafteren Lage als die Europäer.
| Der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte an,
| Ressourcen von Europa nach Asien zu verschieben, um China abzuschrecken.
| Details nannte er nicht.
|
| Washington wird seine asiatischen Alliierten drängen, selber mehr zu
| zahlen. Dies machte vor wenigen Tagen Elbridge Colby deutlich, der für
| Verteidigungspolitik nominierte Unterstaatssekretär im Pentagon. Er
| forderte Südkorea bei seiner Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des
| Senats auf, mehr gegen die nordkoreanische Bedrohung zu tun – sprich:
| mehr Geld für das Militär bereitzustellen.
|
| Dieselbe Botschaft erging an Tokio. Japan hatte 2022 beschlossen, die
| Verteidigungsausgaben innerhalb von fünf Jahren von 1 auf 2 Prozent zu
| verdoppeln. Colby verlangt «mindestens 3 Prozent». Trumps jüngste
| Aussagen zum bilateralen Sicherheitsvertrag illustrieren, dass selbst
| ein warmer Empfang im Oval Office noch keine verlässlichen Beziehungen
| garantiert.
|
| *Manila sichert sich breiter ab*
|
| Für die Philippinen kommt die Bedrohung aus China. Die beiden Nachbarn
| liegen wegen territorialer Streitigkeiten über Kreuz, wobei die Chinesen
| ihre Machtansprüche im Südchinesischen Meer immer aggressiver
| durchsetzen. Ein internationales Schiedsgericht hat Pekings Forderungen
| als unhaltbar qualifiziert. Dass die Philippinen den Mut aufbringen,
| sich China und seinen Einschüchterungsversuchen zu widersetzen, liegt
| daran, dass die USA ihrem Alliierten die nötige Rückversicherung bieten.
| Die Grundlage bildet der Verteidigungspakt von 1951. Demnach wird eine
| Aggression gegen Schiffe einer Partei als Angriff auf beide gewertet.
|
| Amerika und die Philippinen versichern sich zwar gegenseitig, die
| Allianz sei unerschütterlich. Das philippinische Militär sieht es
| nüchterner. «Letztlich verlassen wir uns auf uns selber», stellte
| General Mike Logico kürzlich fest. Er verantwortet auf der
| philippinischen Seite die Militärmanöver mit den Amerikanern.
|
| Die Philippinen bemühen sich derweil, zusätzliche Partner zu finden. Im
| Vordergrund stehen Japan und Indien, die für die Machtbalance mit China
| in der Region zentral sind. Japan unterstützt seinen Nachbarn mit
| Radaranlagen und Patrouillenbooten für die Küstenwache. 2024
| unterzeichneten die philippinische und die japanische Regierung ein
| Abkommen über den gegenseitigen militärischen Zugang. Es erleichtert
| gemeinsame Manöver und die Unterstützung im Krisenfall.
|
| Insgesamt sieht es nicht danach aus, dass die USA ihren Verbündeten in
| Asien die Unterstützung entziehen. Aber Washington wird womöglich mehr
| dafür verlangen. Zudem werden immer wieder Zweifel an der
| Verlässlichkeit amerikanischer Zusagen aufkommen. Elbridge Colby, die
| künftige Nummer drei im Pentagon, liess vor dem Senatsausschuss mit
| einer Aussage zu Taiwan aufhorchen: Die Inselrepublik zu verlieren, wäre
| eine Katastrophe für Amerikas Interessen, meinte Colby zunächst. Dann
| relativierte der verteidigungspolitische Vordenker: «Taiwan ist nicht
| von existenziellem Interesse für die USA.»
|
| Damit öffnet er Raum für Spekulationen, inwiefern Amerika bereit wäre,
| den Taiwanern im Falle eines chinesischen Angriffs militärisch
| beizustehen.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.nzz.ch/international/amerikas-asiatische-alliierte-sind-nervoes-und-stehen-doch-besser-da-als-europa-ld.1873805>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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Re: USA verstehen Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2025-03-09 11:34 +0000
  Re: USA verstehen Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-03-09 13:36 +0100
    Re: USA verstehen Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2025-03-09 18:57 +0000
      Re: USA verstehen Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-03-09 20:36 +0100
        Re: USA verstehen Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2025-03-09 21:51 +0100
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        Re: USA verstehen Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2025-03-10 09:52 +0000
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          Re: USA verstehen Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-03-10 13:07 +0100
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      Re: USA verstehen Ulf_Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2025-03-10 10:20 +0000
        Re: USA verstehen Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2025-03-11 09:16 +0000
          Re: USA verstehen Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-03-11 13:32 +0100
            Re: USA verstehen gunter-kuehne <gunter-kuehne@mail.de> - 2025-03-11 14:09 +0100
              Re: USA verstehen Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-03-11 15:19 +0100
                Re: USA verstehen gunter-kuehne <gunter-kuehne@mail.de> - 2025-03-11 16:49 +0100
                Re: USA verstehen Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-03-11 17:11 +0100
                Re: USA verstehen gunter-kuehne <gunter-kuehne@mail.de> - 2025-03-12 00:43 +0100
              Re: USA verstehen Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-03-11 18:15 +0100
  Re: USA verstehen Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2025-03-09 22:52 +0100
    Re: USA verstehen Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2025-03-10 08:26 +0100
    Re: USA verstehen Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2025-03-10 09:42 +0100
      Re: USA verstehen Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-03-10 11:40 +0100

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