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| From | Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | "Kultur des Todes" |
| Date | 2024-04-06 08:31 +0000 |
| Message-ID | <uur199$6rbm$1@solani.org> (permalink) |
"Es ist ein trauriges Ritual, und das schon seit anderthalb Jahrzehnten: Die italienische Statistikbehörde veröffentlicht ihren Jahresbericht zur Bevölkerungsentwicklung und meldet einen Negativrekord. Im vergangenen Jahr wurden in Italien rund 379.000 Kinder geboren, so wenige wie noch nie seit der nationalen Einheit von 1861. Selbst zu Krisen- und Kriegszeiten war es nicht so dramatisch. 1918 wüteten in Europa der Erste Weltkrieg und die Spanische Grippe, Italien verzeichnete 640.000 Geburten. In den 1960er-Jahren überstieg die Zahl der jährlichen Geburten die Millionen- grenze. Schon die Hälfte dieses Spitzenwerts würde heute als großer Erfolg im Kampf gegen die Schrumpfung der Bevölkerung gefeiert. Päpste sind als Bischöfe von Rom in besonderer Weise geistliche Oberhirten der Italiener. Franziskus beklagt regelmäßig den „demographischen Winter" im Land. Bei einem Treffen mit Wirtschaftsführern im Vatikan hat er kürzlich den Italienern das Kinderkriegen als „patriotische Aufgabe" in das nationale Gewissen geredet. Das hat den Unternehmern, die um den Nachschub an Arbeitskräften bangen, ebenso gefallen wie der konservativen Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Die versucht mit Zuschüssen und Steuerermäßigungen ihren Landsleuten - auch den zugewanderten - Mut zur Familiengründung und -vergrößerung zu machen. Ahnlich schlecht wie Italien geht es weiteren Ländern im Süden Europas wie Spanien und Portugal. In der Mitte ist es kaum besser. Die Skandinavier stehen noch am besten da. Viel wird darüber gestritten, ob Fördermaßnahmen die Bevölkerungsentwicklung nachhaltig beeinflussen können. In den USA gibt es nur kargen staatlichen Mutterschutz und schon gar kein Elterngeld, und doch bekommen dort Frauen - auch berufstätige - durchschnittlich mehr Kinder als in Europa. Und den vergreisenden Kontinentaleuropäern beweisen ausgerechnet die Briten sowie die Schweizer, dass es außerhalb der EU ein Leben gibt, eines mit wachsender Bevölkerung dazu. Papst Johannes Paul II. hat schon vor drei Jahrzehnten prophetisch über den Umgang mit dem Gottesgeschenk des Lebens im vorgeblich christlichen Abendland gesprochen. In seiner Enzyklika „Evangelium vitae" (Evangelium des Lebens) von 1995 beklagte er eine „Kultur des Todes", die dann um sich greife, wenn sich „das einzelne Individuum zum Absoluten erhebt" Und wenn dieses Individuum auf der Grundlage vermeintlich wissenschaftlicher Prognosen glaubt, die Zahl der „zulässigen" Leben auf der Welt begrenzen zu müssen. 1968 war das Buch „Die Bevölkerungsbombe"berschienen, in welchem der amerikanische Biologe Paul R. Ehrlich vor Hungersnöten biblischen Ausmaßes warnte, sollte die explosive Zunahme der Weltbevölkerung nicht bald gestoppt werden. Vier Jahre später zeigte der Club of Rome der Menschheit ihre „Grenzen des Wachstums" auf und malte den Teufel eines „superexponentiellen" Bevölkerungswachstums und eines dramatischen Wohlstandsverlusts an die Wand, der nur mit „perfekter" globaler Geburtenkontrolle wieder ausgetrieben werden könne. Heute leben acht Milliarden Menschen auf der Welt, die meisten von ihnen wohlhabender als je zuvor. Mutter Erde hat sich, in Tateinheit mit dem vernunftbegabten und erfindungsreichen Menschen, resilienter erwiesen als von den Untergangspropheten vorausgesagt. Längst ist die Angst vor einer Übervölkerung der Erde der Sorge vor der Überalterung der Gesellschaften gewichen. Sogar der kommunistische Kaiser von China ermuntert sein Milliardenvolk wieder zum Kinderkriegen - nach Jahrzehnten mörderischer Einkindpolitik, also der millionenfachen Abtreibung weiblicher Föten, weil das einzige erlaubte Kind ein Sohn sein sollte. Die wirksamsten Mittel der Geburtenkontrolle, so hat das letzte halbe Jahrhundert gezeigt, sind neben der Verfügbarkeit einschlägiger Verhütungsmittel wachsender Wohlstand, technologischer Fortschritt und die volle Gleichberechtigung der Frau. Und dazu Zukunftshoffnung und Gottvertrauen. Wenn aber diese beiden letzten fehlen, schwingt das Pendel zurück - auf die Seite der „Kultur des Todes". Dieser öffnen Menschen und Gemeinschaften Tür und Tor, wenn ihnen das religiöse Verständnis für das „Geschenk des Lebens" und das natürliche Gefühl für die Gemeinschaft abhandenkommen. Es ist kein Zufall, dass es säkularisierte Staaten des christlichen „Abendlandes" sind, in welchen der Rückgang der Bevölkerung inzwischen als reale Gefahr für das Überleben - vorab des Wohlfahrtsstaates - begriffen wird. In der vom Islam geprägten Welt des „Morgenlandes" kennen selbst die inzwischen zu Wohlstand gelangten Länder die Sorge vor dem Bevölkerungsrückgang nicht, weil es genug Kinder und junge Menschen gibt." FAZ Kommentar vom 6.4.2024 von Matthias Rüb. -- please forgive my iPhone typos
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"Kultur des Todes" Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2024-04-06 08:31 +0000
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Re: "Kultur des Todes" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-04-07 11:21 +0200
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