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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: KI ist "zu gut" |
| Date | 2024-03-17 16:52 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <ut73jp$3jkr3$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (7 earlier) <9t65f34faci264f64n3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> <usvlu0$1q65o$2@dont-email.me> <3t65f616bei2ffcecn3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> <ut57db$34bu9$1@dont-email.me> <5t65f6a1fdi31d9e6n3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> |
Salve allerseits, Stefan Froehlich schrieb: > On Sat, 16 Mar 2024 23:44:58 Lars Gebauer wrote: >> Am 16.03.24 um 23:03 schrieb Stefan Froehlich: >>> On Thu, 14 Mar 2024 21:15:59 Lars Gebauer wrote: >>>> Am 14.03.2024 um 20:34 schrieb Stefan Froehlich: >>>> >>>>> Erst sehr spät kommt auch schöpferische *wissenschaftliche* >>>>> Leistung ins Spiel, aus naheliegenden Gründen. >>>>> Aber offenbar hat es ja nicht einmal dazu gereicht. >>>> >>>> Ganz im Gegenteil. Das Ergebnis war sogar "zu gut". >>> >>> ...es war eben nicht "zu gut", ganz und gar nicht. >> >> Wäre es nicht "zu gut" gewesen, wäre der Verdacht, es sei von >> einer KI erzeugt worden, gar nicht erst aufgekommen. > > Falsch. Hint: Du verwendest lediglich einen falschen Maßstab für "gut". > +--- <hier abknabbern> --- | Wer Kants Philosophie verstehen möchte, sollte mit einer seiner seltenen | autobiografischen Passagen anfangen: "Ich bin selbst aus Neigung ein | Forscher. [...] Es war eine Zeit da ich glaubte dieses allein könnte die | Ehre der Menschheit machen u. ich verachtete den Pöbel der von nichts | weiß. Rousseau hat mich zurechtgebracht. Dieser verblendende Vorzug | verschwindet, ich lerne die Menschen ehren u. ich würde mich unnützer | finden wie den gemeinen Arbeiter wenn ich nicht glaubete, daß die | Betrachtung allen übrigen einen Werth ertheilen könne, die Rechte der | Menschheit herzustellen." | | Falls Sie nach dieser Lektüre in einer seiner drei Kritiken stöbern, | werden Sie staunen. Wie konnte Kant glauben, dass seine akribische | Untersuchung der Grenzen unserer Erkenntnis irgendetwas zur Herstellung | der Menschenrechte beitragen könnte? Ist der Text also eine Bestätigung | der Tatsache, dass Selbstkenntnis die schwierigste aller | Vernunftaufgaben ist – wie Kant selbst einmal schrieb? | | Blickt man auf Kants Moralphilosophie, kann man verstehen, wie er sich | vorstellte, etwas zur Verbesserung der Menschheit beizutragen. Doch die | Menschheit zu verbessern ist überhaupt nicht dasselbe, wie ihre Rechte | herzustellen. Müssen wir schlussfolgern, dass der wichtigste Philosoph | der Neuzeit ein verblendeter, anmaßender Narr war? Um diesen Schluss zu | vermeiden, übersehen die meisten Kant-Forscher diesen Text – wie auch | Kants anderen autobiografischen Beitrag, in dem er Rousseau zum zweiten | Newton erklärt. | | Das Paradox lässt sich auflösen, wenn man den Blick von Kants | Epistemologie zu seiner Vernunfttheorie wendet. Letztere erlaubt uns, | die Verbindung zwischen seinen großen spekulativen Arbeiten und seinen | unermüdlichen praktischen Hoffnungen zu verstehen. Kants Leistungen | werden meist ungefähr so zusammengefasst: Vor Kant haben Rationalisten | und Empiristen darüber gestritten, ob unsere Erkenntnis aus der Vernunft | oder der Erfahrung kommt. Kant hat das Problem gelöst, indem er zeigte, | dass sowohl die Vernunft als auch die Erfahrung zur Erkenntnis | beitragen. Dabei hat er auch das Problem des Skeptizismus gelöst und | bewiesen, dass die Gegenstände unserer Erfahrung wirklich sind. | | Um an dieser Lesart festzuhalten, muss man mehrere Stellen in der | zweiten Vorrede der Kritik der reinen Vernunft von 1781übersehen, in | denen Kant zum Beispiel schreibt, dass "Idealism und Skeptizism [...] | mehr den Schulen gefährlich sind und schwerlich ins Publikum übergehen | können". Doch Textstellen zu übersehen ist bei Kant nicht schwer; er | schrieb ja viel und war alles andere als ein begnadeter Schriftsteller. | Dies ist einer der Gründe, warum die Erkenntnistheorie ins Zentrum | seines Werkes gestellt wird. Nach den Vorreden folgen fast 300 Seiten | schwere Prosa, bis er verrät, was die Pointe seiner Anstrengungen ist. | Ein Semester ist meist zu kurz, um die letzten 412 Seiten zu behandeln. | | Wer sie liest, wird merken, dass es Kant nicht um die Wirklichkeit der | Gegenstände, sondern um die Wirklichkeit der Vernunftideen ging, um | Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, die wir dringend brauchen, um | moralisch zu handeln. Diese Ideen waren schon im 18. Jahrhundert vom | aufkeimenden Nihilismus infrage gestellt worden. | | Die Fokussierung auf die Erkenntnistheorie ist aber nicht nur der Länge | der Kritik der reinen Vernunft geschuldet, sondern auch einer schlechten | Rezension. Bis 1781 war Kant Autor einer Reihe von kleineren Texten, die | nur deshalb in Erinnerung blieben, weil er sich von 1770 an | zurückgezogen hatte, um sich der Kritik der reinen Vernunft zu widmen. | Nach einem Jahrzehnt des Schweigens musste er noch anderthalb Jahre | warten, bis die erste Rezension erschien. Sie war ein Verriss, der seine | Thesen verzerrte, um aus Kant einen Solipsisten à la George Berkeley zu | machen. Jeder Autor kann seine Enttäuschung und wohl auch seine Wut | nachempfinden. So schrieb er hastig nicht nur die zweite Ausgabe der | Kritik, sondern, noch fataler, die Prolegomena zu einer jeden künftigen | Metaphysik, in denen es darum geht, Berkeley zu widerlegen. Weil das | Buch jedoch viel kürzer als das Hauptwerk ist, wird es in Kant-Kursen | oft vorgezogen. | | *Erfahrung ist ohne Moral denkbar* | | Wie soll man aber zeigen, dass Vernunftideen nicht nette Tagträume, | sondern wirklich sind? Ansätze gibt es in der ersten Kritik, doch | ausgearbeitet sind sie erst sieben Jahre später in der Kritik der | praktischen Vernunft. Dort lässt der Philosoph hoffen, dass es eine | transzendentale Deduktion der Moral gibt, einen Beweis, dass Erfahrung | ohne Moral nicht denkbar ist – so wie es auch keine kohärente Erfahrung | ohne Begriffe wie "Kausalität" und "Substanz" geben kann. | | Vielleicht träumte Kant selbst von einem solchen Beweis. Wer möchte | nicht zeigen, dass Erfahrung ohne Moral nicht vorstellbar ist? Kant war | aber kein Idealist. Wie jeder andere Sterbliche konnte er wahrnehmen, | dass Erfahrung ohne Moral denkbar ist: Wir erleben ständig, dass | Menschen bereit sind, die Moral zu ignorieren, wenn die eigenen | Neigungen dagegensprechen. | | Doch lässt sich wenigstens zeigen, dass moralische Handlungen möglich | sind? Genau das ist Kants Hauptziel in der Kritik der praktischen | Vernunft. Wo der Leser aber einen Beweis erhofft, bekommt er ein | Gedankenexperiment: Ein Mann meint, immer wenn er an einem gewissen | "Haus" – so nennt es Kant – vorbeikomme, überwältige ihn die Versuchung. | Sobald er das Bordell erreiche, müsse er es betreten. Er wäre gern klug, | er wäre gern treu, vielleicht glaubt er sogar, Sex sollte nicht käuflich | sein. Doch keiner seiner Vorsätze ist stärker als "seine wollüstige | Neigung". Können wir diesen Mann verstehen? Ohne Frage, meint Kant. Was | aber wäre, wenn der Mann, unmittelbar nachdem er aus dem Sündenpfuhl | auftaucht, gehängt würde – und vor dem Bordell ein Galgen errichtet | worden wäre, um ihn daran zu erinnern? Plötzlich entdeckt er, dass er | der Versuchung widerstehen kann. Alltägliche Begierden können noch so | verlockend erscheinen, sie alle verblassen vor dem Wunsch zu leben. | | *Gibt es etwas, das absolut richtig oder absolut falsch ist – und wie* | *können wir es wissen*? | | Denken wir uns denselben Mann nun, wie er vor einen Tyrannen gerufen und | vor eine Wahl gestellt wird. Der Fürst möchte einen unschuldigen | Untertan, der gegen sein Regime die Stimme erhoben hat, hinrichten | lassen. Noch gilt im Land formal das Recht, und das verlangt, den Schein | eines gerechten Verfahrens zu wahren. Jemand muss einen Brief schreiben | und den Unschuldigen denunzieren. Unserem Lüstling ist diese Aufgabe | zugedacht. Sollte er sich weigern, würde der Herrscher dafür sorgen, | dass er seinerseits hingerichtet wird. | | Wie im ersten Fall, so meint Kant, sei es leicht, sich in diesen | Burschen hineinzuversetzen. Doch anders als im ersten Fall zögern wir | plötzlich: Wir wissen nicht, was wir tun würden. | | Kant betont stets die Grenzen unseres Wissens, und zu dem, was wir nie | mit Gewissheit kennen können, gehört das Innerste unserer Seele. Niemand | ist moralisch so gefestigt, dass er sich sicher sein kann, angesichts | von Tod und Folter nicht einzuknicken. Meist knicken wir ein. Dennoch | wissen wir alle, was wir tun sollten: uns weigern, den Brief zu | schreiben, auch wenn es das Leben kostet. Und wir alle wissen, dass wir | genau dies tun könnten – ob wir schwanken oder nicht. | | In diesem Augenblick, sagt Kant, erkennen wir mit Ehrfurcht und Staunen | unsere Freiheit. Nicht Lust, wohl aber Gerechtigkeit vermag Menschen zu | Taten zu bewegen, die das stärkste Verlangen, die Liebe zum Leben, | überwinden. Dies zu betrachten ist so schwindelerregend, wie in den | Himmel zu schauen: Mit dieser Macht ausgestattet, sind wir so unendlich | wie er. | | *Die Moral am Beispiele von Helden erlernen* | | Worin liegt der Witz dieses Beispiels? Es ist die einzige Antwort, die | der größte Moralphilosoph der Neuzeit je auf die größte moralische Frage | gegeben hat, die Philosophen sich regelmäßig stellen: Gibt es | irgendetwas, das absolut richtig oder absolut falsch ist – und wenn ja, | wie können wir es wissen? | | Kant bringt das Beispiel an einer entscheidenden Stelle in der Kritik | der praktischen Vernunft, an der die Leser hoffen, nun werde er endlich | die Wahrheit des moralischen Gesetzes beweisen. Die Hoffnungen werden | enttäuscht, denn Moralprinzipien sind nie wahr: Wahrheit bezieht sich | darauf, wie die Welt ist, Moral darauf, wie sie sein sollte. | | Die Unterscheidung zwischen Sein und Sollen steht im Herzen von Kants | Philosophie. Nichts ist ihm wichtiger, als diesen Unterschied zu | erkennen. Wenn Moral nicht von empirischen Tatsachen abhängt, ist der | Versuch sinnlos, Moralskeptiker mit objektiven Beweisen zu überzeugen. | Schreibt Kant über die Fähigkeit, das eigene Leben für die Gerechtigkeit | aufs Spiel zu setzen, sei dies eben "kein empirisches, sondern das | einzige Factum der reinen Vernunft, die sich dadurch als ursprünglich | gesetzgebend ankündigt". | | Was antworten wir also dem Skeptiker, der fragt, warum er moralisch | handeln soll? Kant sagt, er soll dieses Gedankenexperiment anstellen und | daran denken, dass es Menschen gab, die sich weigerten, solche | Ungerechtigkeit hinzunehmen. Die Moral, so schreibt er, sei am | einfachsten gelernt, indem man Beispiele von Helden erzähle. | | Oft wird Kant als puritanischer Verteidiger einer Tugend dargestellt, | die so rein ist, dass man keine Freude an ihr habe. Tatsächlich will | Kant genauso wie jeder andere, dass Tugend zum Glück führt. Er schreibt | nur die Wahrheit: Oft tut sie es nicht. Gerade weil sie tragisch sind, | zeigen seine Geschichten etwas, das alltägliche Beispiele nie beweisen | können. In einem erschütternden Aufsatz von 1945 schreibt Hannah Arendt: | "Ob jemand in Deutschland ein Nazi oder Antinazi ist, wird nur noch der | ergründen können, der in das menschliche Herz, in das bekanntlich kein | menschlich Auge dringt, zu blicken vermag. Die Laufbahn eines | Organisators einer Untergrundbewegung, die es natürlich auch in | Deutschland gibt, würde ein sofortiges Ende nehmen, wenn er sich nicht | in Wort und Tat wie ein Nazi gebärden würde. [...] So hat selbst das | extremste Schlagwort, das dieser Krieg auf unserer Seite hervorgebracht, | dass nur ein ›toter Deutscher‹ ein guter Deutscher sei, noch eine | Grundlage in den wirklichen Verhältnissen: erst wenn die Nazis einen | gehängt haben, können wir wissen, ob er wirklich gegen sie war. Einen | anderen Beweis gibt es nicht." | | Das Galgenbeispiel ist ein Gedankenexperiment, das jeder durchführen | kann. Von der Allgemeingültigkeit des Experiments wird das moralische | Gesetz getragen, das hier formuliert wird. | | Seit Jahrtausenden argumentieren Konservative, die Masse der Menschen | werde von rohen Begierden angetrieben. Vielleicht handelten ein paar | große Seelen nach moralischen Prinzipien, doch die meisten hätten nichts | Edleres als Brot und Spiele im Sinn. Drehe sich unser Leben also um | Konsum und Unterhaltung, dann sei ein wohlwollender Despotismus, der | diese Leidenschaften lenke, die beste Regierungsform. Er sorge dafür, | dass wir möglichst viel Zeugs anhäufen und möglichst viel Schmerz | betäuben können. Wer könnte sich da beklagen? | | Mit solchen Argumenten kann man den Despotismus verteidigen. Damals wie | heute hängen sie von der Prämisse ab, dass Menschen nicht frei, sondern | glücklich sein wollen. Kants Gedankenexperiment jedoch zeigt, dass | Despotismus uns nicht befriedigen kann. Natürlich wollen wir glückselig | werden, aber wir wollen noch mehr: ein Bewusstsein unserer eigenen Würde | erlangen, das es uns ermöglicht, Lust zurückzuweisen, wenn sie etwas | verletzt, das für uns höher steht. | | *Der kategorische Imperativ* | | Nach Würde zu streben, heißt noch nicht, Würde zu haben; viele müßige | Träume von etwas Erhabenerem bleiben eben Träume. Aber wenn die meisten | sich vorstellen können, Kants Held zu sein, und sei es nur für einen | Augenblick, dann ist eine Regierung, die an unsere Freiheit appelliert, | auch erstrebenswert. Wenn jeder sich auch nur einen Moment lang wünscht, | seine Freiheit dadurch zu beweisen, dass er sich auf die Seite der | Gerechtigkeit stellt, sollte jeder von uns an einer Welt arbeiten, in | der Freiheit und Gerechtigkeit an erster Stelle stehen. Brot und Spiele | sorgen dann schon für sich selbst. | | Denn wir wollen die Welt bestimmen und nicht bloß von ihr bestimmt | werden, wir wollen über den Dingen stehen, die wir möglicherweise zu | konsumieren wünschen. Wir werden als Teil der Natur geboren und sterben | auch so, doch am lebendigsten fühlen wir uns, wenn wir über sie | hinausgehen. Bedeutung gewinnt menschliches Leben erst im Gegensatz zur | Erfahrung: Mensch sein heißt, sich zu weigern, das Gegebene als gegeben | hinzunehmen. | | Das führt uns zum kategorischen Imperativ, Kants Grundregel moralischer | Überlegungen. Es gibt sie in mehreren Formulierungen, am klarsten ist | diese: "Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als | in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals | bloß als Mittel brauchest." Damit schließt Kant die meisten Lügen, aber | auch die Sklaverei, den Kolonialismus und jede Form der Ausbeutung aus. | Es heißt aber auch, dass wir uns selbst als Zweck missbrauchen, sollten | wir das Primat der praktischen Vernunft nicht erkennen. | | Oft wird Kant vorgeworfen, der kategorische Imperativ sei zu rigide, um | auf die Vielschichtigkeit des moralischen Lebens zu reagieren. Wer | meint, er gebe uns nur unbeugsame Regeln, sollte wiederum die | Kurzfassung der Grundlegung beiseitelegen und die Metaphysik der Sitten | lesen. Darin lässt Kant einen Autor seinen Leser fragen: "Wie gefällt | Ihnen mein Werk?" Die Antwort, so Kant, "könnte nun zwar illusorisch | gegeben werden, da man über die Verfänglichkeit einer solchen Frage | spöttelte; aber wer hat den Witz immer bei der Hand? Das geringste | Zögern mit der Antwort ist schon Kränkung des Verfassers; darf er diesem | also zum Munde reden?" | | *Der kategorische Imperativ ist keine Maschine, die moralische Urteile* | *produziert* | | Statt zu erklären, dass Lügen immer verboten sind, fordert Kant den | Leser auf, darüber zu urteilen. Der kategorische Imperativ setzt sich | nicht über Nuancen hinweg, er will nur unbillige Ausnahmen verhindern. | Dies gilt von alltäglichen Handlungen bis zur internationalen Politik. | Verstößt ein Land etwa gegen die Menschenrechte, muss es dafür Gründe | vorweisen. "Ich bin größer als du und kann damit durchkommen" gehört | nicht zu den erlaubten Rechtfertigungen. | | Der kategorische Imperativ wird oft wie eine Maschine betrachtet, die | uns das moralische Überlegen abnimmt und die richtigen Antworten | ausspuckt. Tatsächlich zieht Kant ganz andere Vergleiche heran. Wer | moralische Überlegungen anstellt, verfährt wie der Richter in einem | Prozess oder wie ein Kind im Verlauf seiner Reifung. Das sind keine | Randgestalten: Die eine ist eine zentrale Figur im bürgerlichen, die | andere im privaten Leben. Das heißt: In den Bereichen menschlicher | Erfahrung, die am meisten zählen, gibt es weder Gewissheit noch Wissen, | weder Vorhersagen noch Regeln. Denn es gibt keine Regel für die | Anwendung von Regeln. Gäbe es sie, bräuchte man eine Regel, die uns | sagte, wie sie anzuwenden ist, und immer so fort. Das ist ein Regress, | aus dem niemand herauskommt. Wir müssen es aber nicht. Denn stellen wir | uns die Alternative vor: Wären Regeln nicht offen, gäbe es überhaupt | kein Recht, denn es gäbe keine Verallgemeinerung, nur eine Reihe von | Anordnungen bezüglich einzelner Fälle. | | Wenn wir überlegen, wie Rechtsfälle tatsächlich entschieden werden, | können wir das falsche Dilemma abweisen: Entweder gibt es absolute | Regeln, die wie Algorithmen funktionieren, oder man könnte genauso gut | eine Münze werfen. So formuliert, stiehlt man sich aus der Mischung von | harter Arbeit und Risiko heraus, die moralisches Urteilen verlangt. Wir | weigern uns nicht, auf Ärzte zu hören, weil deren Urteile ungewiss sind, | sondern wir suchen nach einem Arzt, dessen Urteil wir vertrauen. Wir | können ein richterliches Urteil anfechten, doch die wenigsten von uns | glauben, Anarchie sei eine Lösung für die Probleme, mit denen uns die | Unbestimmtheit des Rechts konfrontiert. | | Moralische Klarheit fordert nicht mehr und nicht weniger Anstrengung und | Urteilsvermögen, als wir auch sonst im Leben akzeptieren müssen. Nach | Kants Menschenbild zu leben, ist alles andere als einfach. Aber wie der | junge Walter Benjamin schrieb: Kant war nie bereit, aus der Ehrlichkeit | des Dualismus zu fliehen. Das Sollen ist nicht weniger wirklich als das | Sein. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2024/01/moralphilosophie-immanuel-kant-kategorischer-imperativ/komplettansicht> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-05 15:27 +0100
Re: KI ist "zu gut" nobody@nowhere.invalid (Marc Olschok) - 2024-03-05 21:51 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-06 00:15 +0100
Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-06 15:46 +0100
Re: KI ist "zu gut" nobody@nowhere.invalid (Marc Olschok) - 2024-03-09 22:35 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-10 10:26 +0100
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-10 12:23 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-10 14:12 +0100
Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-10 14:39 +0100
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-10 16:25 +0100
Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-10 17:37 +0100
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-10 17:52 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-10 19:52 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-10 20:50 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-10 23:03 +0100
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-11 00:17 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-17 07:58 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-17 12:03 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2024-03-17 16:52 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-17 12:09 +0100
Re: KI ist "zu gut" Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-03-17 12:15 +0000
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-17 19:51 +0000
Re: KI ist "zu gut" nobody@nowhere.invalid (Marc Olschok) - 2024-03-15 19:17 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-15 22:33 +0100
Re: KI ist "zu gut" nobody@nowhere.invalid (Marc Olschok) - 2024-04-15 23:03 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-06 11:40 +0100
Re: KI ist "zu gut" "F. W." <me@home.invalid> - 2024-03-06 11:55 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-06 13:00 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-06 15:10 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-07 18:19 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-08 08:54 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-08 12:30 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-08 17:40 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-09 09:41 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-08 17:34 +0100
Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-08 18:17 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-08 19:26 +0100
Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-09 09:42 +0100
Re: KI ist "zu gut" Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-03-08 07:40 +0000
Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-12 16:56 +0000
Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-06 15:50 +0100
Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-06 15:50 +0000
Re: KI ist "zu gut" Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-03-07 08:44 +0000
Re: KI ist "zu gut" Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-06 15:49 +0100
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-06 19:19 +0000
Re: KI ist "zu gut" "Wendelin Uez" <wuez@online.de> - 2024-03-06 15:21 +0100
Re: KI ist "zu gut" Andreas Fecht <forum@aftec.de> - 2024-03-06 09:43 +0100
Re: KI ist "zu gut" Frank Hucklenbroich <hucklenbroich@gmx.net> - 2024-03-07 17:52 +0100
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-07 18:18 +0100
Re: KI ist "zu gut" Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2024-03-08 17:46 +0100
Re: KI ist "zu gut" Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2024-03-08 19:46 +0100
Re: KI ist "zu gut" Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2024-03-10 10:08 +0100
Re: KI ist "zu gut" Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2024-03-11 09:40 +0100
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-11 10:23 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-11 11:38 +0100
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-11 10:49 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-11 12:06 +0100
Re: KI ist "zu gut" Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2024-03-11 12:30 +0100
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-11 13:07 +0100
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-11 12:50 +0000
Re: KI ist "zu gut" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-11 14:58 +0100
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-11 15:29 +0000
Re: KI ist "zu gut" Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2024-03-11 18:19 +0100
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Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-11 11:02 +0000
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Re: KI ist "zu gut" Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-03-13 09:25 +0000
Re: KI ist "zu gut" Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2024-03-13 11:07 +0000
Re: KI ist "zu gut" Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2024-03-11 21:35 +0100
Re: KI ist "zu gut" nobody@nowhere.invalid (Marc Olschok) - 2024-03-15 19:32 +0000
Re: KI ist "zu gut" Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2024-03-15 21:25 +0100
Re: KI ist "zu gut" Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2024-03-07 18:25 +0000
Re: KI ist "zu gut" Ulrich D i e z <ud.usenetcorrespondence@web.de> - 2024-03-08 14:51 +0100
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