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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Wie RAND die Szenarien sieht |
| Date | 2024-02-20 13:50 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <ur276t$2gmn5$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | <uqnle6$6u6q$1@solani.org> <uqpuao$b6ae$2@dont-email.me> <uqq9q5$8942$1@solani.org> <l3hbpnFabcU9@mid.individual.net> |
Salve allerseits, Walter Brill schrieb: > Am 17.02.24 um 13:45 schrieb Dr. Joachim Neudert: >> Peter Veith <veith@snafu.de> wrote: >> >>> Deutschland und Frankreich, könnten dagegen Schritte unternehmen, >>> um ihre Investitionen in die kollektive Verteidigung zu verringern, als >>> Reaktion auf Meinungsverschiedenheiten über die Nachkriegsstrategie." >> >> In der Realität schaut es im Gegenteil so aus, daß Deutschland zur >> Atommacht werden muss. Das wird wenige im Osten wie im Westen erfreuen, >> aber es ist wohl notwendig wenn wir den US Atomschirm verlieren. > > Das wurde heute Vormittag im DLF auch live diskutiert: > *Müssen Europa und Deutschland kriegstüchtig werden* > +--- <hier abknabbern> --- | *SPIEGEL*: Herr Maitra, Donald Trump hat vergangene Woche erklärt, dass | er nicht bereit sei, europäische Nato-Partner gegen Russland zu | verteidigen, solange die nicht ihre »Rechnungen« bezahlen. Können wir | davon ausgehen, dass die Nato tot ist, sollte Trump wiedergewählt werden? | | *Maitra*: Das ist eher unwahrscheinlich. Kein Präsident kann allein den | Nato-Vertrag ändern. Trump sagt viel und seine Worte mögen vor allem an | seine Bewunderer gerichtet gewesen sein. Aber sein Instinkt ist richtig, | dass insbesondere die westeuropäischen Länder mehr für die Nato leisten | müssen und dass sich die Nato selbst auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren | sollte: die Verteidigung Europas. Der eigentliche Schock für die | Europäer wird kommen, wenn sich die USA vollkommen auf Asien fokussieren | – etwa dann, wenn es zu einem Krieg um Taiwan kommt. Wir alle sollten | hoffen, dass es bis dahin einen vernünftigen Kompromiss für eine neue | Sicherheitsarchitektur in Europa gibt. | | *SPIEGEL*: Was Trump macht, ist neu: Er knüpft die Bereitschaft der USA, | einzelne Nato-Länder zu verteidigen, direkt an deren | Verteidigungsausgaben. | | *Maitra*: Es ist richtig, dass das Beistandsversprechen der Nato nicht | ausgehöhlt werden sollte. Aber dafür muss Europa seine | Verteidigungsausgaben erhöhen. Viele Europäer widersprechen gar nicht, | wenn Trump beklagt, dass die Vereinigten Staaten ausgenutzt werden. Sie | sehen, dass die Amerikaner eine überproportional große Last tragen. Mein | Vorschlag einer »ruhenden Nato« ist deshalb ein fairer Kompromiss. | | *SPIEGEL*: Inwiefern? | | *Maitra*: In meinem Konzept würden die USA die Rolle einer | ausgleichenden Macht von außen spielen. Sie würden garantieren, dass | Europa nicht von der See her angegriffen wird. Und sie würden weiterhin | ihren Nuklearschirm über die europäischen Nato-Staaten spannen – aber | nur über diese. Die Europäer müssten sich um Infanterie, Logistik und | all diejenigen Dinge kümmern, für die sie ohnehin zuständig wären. | Deutschland müsste einfach zurückgehen zum Zustand im Jahr 1988, als die | Bundeswehr über zwölf aktive Divisionen mit knapp 500.000 Mann und 2000 | Leopard-2-Kampfpanzer verfügte. Die Briten müssten ihre Navy so | ausbauen, dass sie wieder auf dem Stand vor dem Ende des Kalten Kriegs | wäre. | | *SPIEGEL*: Ihr Plan wäre keine Neuverteilung der Lasten innerhalb der | Nato, sondern die fast vollständige Abwälzung der Lasten auf Europa. | | *Maitra*: Ich kann nicht erkennen, was daran so kontrovers sein soll. | Wie kann ein amerikanischer Präsident einen bettelarmen Wähler in Ohio | oder West Virginia davon überzeugen, dass es im vitalen Interesse der | USA ist, Belgien zu verteidigen – einen Staat, der vergleichsweise hohe | Sozial- und mit die niedrigsten Verteidigungsausgaben innerhalb der Nato | hat? Warum sollte er es überhaupt versuchen? Ich kann die Hysterie nicht | verstehen. Haben die Europäer wirklich geglaubt, dass die alte | Sicherheitsarchitektur der Nato auf ewig Bestand haben wird? Trotz der | Warnung des damaligen US-Verteidigungsministers Robert Gates, der schon | im Jahr 2011 gesagt hat, es sei inakzeptabel, dass einige Nato-Länder | alle Vorzüge der Allianz genießen, ohne die Kosten zu tragen? Selbst | Barack Obama hat gesagt, der Tag werde kommen, an dem sich die Nato | ändern muss. Dieser Tag ist jetzt da. Meine Befürchtung ist: Wenn sich | mein Vorschlag einer ruhenden Nato nicht durchsetzt, werden viel | radikalere Kräfte zum Zug kommen. | | *SPIEGEL*: Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton sagt, Trump | werde sich in einer zweiten Amtszeit nicht mehr davon abhalten lassen, | ganz aus der Nato auszutreten. | | *Maitra*: Natürlich sollten die Europäer besorgt sein. Niemand kann in | Trumps Kopf hineinschauen. Aber gerade diejenigen, die einen | Nato-Austritt der USA fürchten, sollten sich darum bemühen, Europas | Verteidigungsfähigkeit zu stärken. | | *SPIEGEL*: Die USA haben derzeit rund 100.000 Soldaten in Europa | stationiert. Wie soll sich Europa ohne diese Truppen gegen ein | revanchistisches Russland zur Wehr setzen? | | *Maitra*: Ich sage nicht, dass sich die USA völlig aus Europa | zurückziehen sollten. Die Luftwaffenstützpunkte würden bleiben, auch die | Kooperation der Geheimdienste. Aber es wäre lächerlich anzunehmen, dass | die Europäer nicht in der Lage wären, das Baltikum, das Wladimir Putin | zweifellos als seine Einflusszone betrachtet, allein zu verteidigen. Die | Europäische Union hat zusammen fast 500 Millionen Einwohner und eine | Wirtschaftsleistung von rund 18 Billionen Dollar. Russland hat 143 | Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von rund 1,8 Billionen | Dollar. Selbst wenn Putin versuchen würde, einen baltischen Staat zu | destabilisieren, haben die Europäer alle Möglichkeiten, dies zu stoppen: | mit Polizeimaßnahmen, mit Truppenverlegungen, mit Spionageabwehr. Alles | Dinge, für die es die Vereinigten Staaten nicht braucht. | | *SPIEGEL*: Selbst wenn man anerkennt, dass die USA entlastet werden | müssen – viele Europäer empfinden die Worte Trumps nicht als harte | Debatte unter Freunden, sondern als versuchte Schutzgelderpressung. | | *Maitra*: Es gibt einen einfachen Weg, nicht wie ein Protektorat | behandelt zu werden: sich nicht so zu verhalten, als sei man ein | Protektorat. Die Nato ist kein Sozialverein. Sie ist auch keine | Universität, wo es eine spezielle Förderung für Studenten aus | benachteiligten Gruppen gibt. Die Nato wird definiert von engen | nationalen Interessen. Das gilt für die USA, aber auch für die | europäischen Nato-Länder. Die Europäer tun so, als würden sie die | gleichen Interessen verfolgen. Das stimmt nicht. Deutschland hat andere | Interessen als Polen, Griechenland andere Interessen als die Türkei. Der | einfachste Weg, diese Inkohärenz zu überwinden, ist, sich auf das | kleinste gemeinsame Sicherheitsinteresse zu einigen. Dazu gehört auch, | dass wir aufhören, den Klub ständig zu erweitern. Eine ständig wachsende | Allianz hat kein stabiles Interesse. | | *SPIEGEL*: War die Nato-Osterweiterung aus ihrer Sicht ein Fehler? | | *Maitra*: Es war richtig, Länder wie Polen, Ungarn oder Tschechien in | die Nato aufzunehmen. Aber dann lief die Erweiterung wie auf Autopilot, | weil Russland so schwach war. Mit jeder Erweiterungsrunde wurden die | Russen ärgerlicher. Es gab ernst zu nehmende Stimmen in den USA, die | gewarnt haben. George Kennan etwa, der ehemalige US-Botschafter in der | Sowjetunion. Er sagte, die Osterweiterung würde antiwestliche und | nationalistische Stimmungen schüren. Verstehen Sie mich richtig: Ich | rechtfertige nicht, was Russland getan hat und tut, insbesondere in der | Ukraine. Aber ich bin Realist und sehe die Welt durch die Brille von | Interessen. Und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Putin durch | das Heranrücken des Bündnisses russische Interessen bedroht sah. | | *SPIEGEL*: Wenn die Europäer nicht länger ein Protektorat der USA sein | wollen: Müssen sie dann nicht eine nukleare Abschreckung aufbauen, die | unabhängig von den USA funktioniert? | | *Maitra*: Natürlich können die Europäer über einen gemeinsamen | Nuklearschirm nachdenken. Die Frage ist, wie realistisch das ist. | Frankreich und Großbritannien haben eigene Atomwaffen. Aber können sie | abgestimmt aufeinander eingesetzt werden? Nein. Liefern sie den gleichen | Schutz wie die US-Atomwaffen? Nein. Gibt es die Chance, dass Europa | einen Nuklearschirm aufbaut und sich darauf einigt, wie er eingesetzt | werden kann? Ganz sicher nicht. Mein Rat wäre also: Kümmert euch um | Dinge, die lösbar sind: den Aufbau einer effektiven Rüstungsindustrie | oder die Abstimmung der verschiedenen Waffensysteme. Ein Beispiel: Die | USA haben ein zentrales Kampfpanzermodell, die Europäer Dutzende. Es | geht nicht nur darum, dass europäische Nato-Länder mehr Geld für Rüstung | ausgeben. Es muss auch sinnvoll ausgegeben werden. | | *SPIEGEL*: Sollte Trump wiedergewählt werden: Wie sollen die Demokratien | der Welt einem Mann vertrauen, der nicht einmal bereit war, seine eigene | Wahlniederlage gegen Joe Biden zu akzeptieren? | | *Maitra*: Ich hoffe, sie tun es nicht! Sie sollten sich nicht auf Worte | verlassen, sondern ihren Interessen folgen. Damit wäre allen am besten | gedient. | | *SPIEGEL*: Sie und andere versuchen, eine zweite Präsidentschaft Trumps | inhaltlich vorzubereiten. Aber viele, die mit ihm gearbeitet haben, | sagen, Trump kenne nur ein Programm: sich selbst. | | *Maitra*: Ich glaube, dass das falsch ist. Trump hat gute Instinkte. Er | möchte eine gut geschützte Grenze. Er will nicht von Staaten ausgenutzt | werden, die er als Trittbrettfahrer betrachtet. Er hat eine sehr | merkantilistische Sicht auf die Welt. In den Achtzigerjahren hat er sehr | kritisch auf Japan geblickt, weil es damals hinter den USA die | zweitgrößte Wirtschaftsnation war. Was die Außenpolitik betrifft: Trump | würde niemals in die Welt ziehen, um Bösewichte zu bekämpfen. Aber | manchmal ist es notwendig, einen Krieg zu führen, um die Interessen der | USA zu schützen. Die Vereinigten Staaten würden es niemals zulassen, | dass sich in Europa ein Hegemon bildet, der den ganzen Kontinent | beherrscht. | | *SPIEGEL*: Warum ist es Trump in seiner ersten Amtszeit so | schwergefallen, sein Programm umzusetzen? | | *Maitra*: Der Grund war, dass einige Leute mit der Überzeugung in die | Regierung eingezogen sind, dass sie Trump stoppen müssen. Sie verstanden | sich als eine Art Opposition in der Regierung, und da war der Konflikt | vorprogrammiert. Es kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn an | entscheidenden Stellen der Regierung Leute sitzen, die die Überzeugungen | des Präsidenten nicht teilen. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.spiegel.de/ausland/donald-trumps-plaene-fuer-eine-zweite-amtszeit-der-rechte-stratege-sumantra-maitra-ueber-die-usa-und-europa-a-5e748b6b-0b7c-4823-bee0-bef213a369bc> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-17 10:14 +0100
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Re: Wie RAND die Szenarien sieht Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2024-02-17 12:45 +0000
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Re: Wie RAND die Szenarien sieht "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2024-02-17 15:21 +0100
Re: Wie RAND die Szenarien sieht Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-02-17 15:34 +0100
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Re: Wie RAND die Szenarien sieht Ulf.Kutzner@web.de (Ulf_Kutzner) - 2024-02-17 15:34 +0000
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Re: Wie RAND die Szenarien sieht Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-02-23 00:02 +0100
Re: Wie RAND die Szenarien sieht Peter Veith <veith@snafu.de> - 2024-02-23 15:29 +0100
Re: Wie RAND die Szenarien sieht Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2024-02-23 16:57 +0100
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Re: Wie RAND die Szenarien sieht Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-27 11:57 +0100
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