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| From | Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Weniger Schifffsschwefel, weniger Wolken, wärmere Meere |
| Date | 2023-08-21 05:07 +0000 |
| Message-ID | <uburf1$22n0$1@solani.org> (permalink) |
https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wissen/abgase-schiffe-wolken-erderwaermung-e752118/ Großer Artikel aus dem Magazin "Science", von der SZ übersetzt. "Bereits länger ist bekannt, dass Schwefelpartikel aus Schiffsabgasen in höhere Schichten der Atmosphäre getragen werden. Dabei kondensieren an ihnen Wassermoleküle, wodurch die Wolkenbildung stimuliert wird. Die Wolken reflektieren Sonnenlicht und tragen so zur Kühlung des Planeten bei. Seit 2020 sind neue Regeln der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen (IMO) in Kraft, die dazu geführt haben, dass sich die Schwefelverschmutzung durch Schiffe um mehr als 80 Prozent reduziert und die Luftqualität weltweit verbessert hat. Die Verminderung der Schwefelpartikel in der Luft beeinflusst allerdings auch die Wolkenbildung entlang der Schifffahrtsrouten; und damit auch, wie stark diese typischen niedrigen Wolken das Sonnenlicht reflektieren und helfen, den Planeten abzukühlen. Die IMO-Vorschrift von 2020 „ist ein großes natürliches Experiment", sagt Duncan Watson-Parris, Atmosphärenphysiker an der Scripps Institution of Oceanography. „Wir verändern die Wolken.“ Durch die drastische Verringerung der Wolken über den globalen Schifffahrtswegen hat sich der Planet schneller erwärmt, das zeigen inzwischen mehrere Studien. In den Schifffahrtskorridoren verstärkt das dort nun zusätzlich einfallende Licht den Erwärmungseffekt der menschlichen Kohlenstoffemissionen um schätzungsweise 50 Prozent. Das sei, als ob die Welt plötzlich die kühlende Wirkung eines ziemlich großen Vulkanausbruchs pro Jahr verlieren würde, sagt Michael Diamond, Atmosphärenforscher an der Florida State University. Das durch die IMO-Vorschriften geschaffene natürliche Experiment bietet Klimawissenschaftlern die seltene Gelegenheit, einen Geo-Engineering-Versuch zu beobachten – auch wenn er in diesem Fall in die falsche Richtung wirkt. Eine Idee zur Verlangsamung der globalen Erwärmung ist, dass Schiffe während ihrer Fahrt Salzpartikel in die Luft freisetzen, um die Bildung heller, reflektierender Wolken anzukurbeln. Für Diamond ist der dramatische Rückgang der Wolken über den Schiffsspuren ein klarer Beweis dafür, dass dies funktionieren könnte. „Es deutet ziemlich stark darauf hin, dass man es schaffen könnte, wenn man es absichtlich tun wollte.“ Der Einfluss der Umweltverschmutzung auf die Wolken sei nach wie vor eine der größten Unsicherheitsquellen, wenn es darum geht, wie schnell sich die Welt erwärmen wird, sagt Franziska Glassmeier, Atmosphärenforscherin an der Technischen Universität Delft. Fortschritte beim Verständnis dieser komplexen Wechselwirkungen seien nur langsam zu verzeichnen. „Wolken sind so variabel“, sagt Glassmeier. Einige der physikalischen Grundlagen sind recht gut verstanden. Sulfat- oder Salzpartikel setzen die Bildung von Wolken in Gang, indem sie als Kondensationskeime dienen, an denen sich Tröpfchen bilden können. Diese Keime hellen auch bestehende Wolken auf, indem sie dort mehr und kleinere Tröpfchen erzeugen. Laut Robert Wood, Atmosphärenforscher an der University of Washington, komme es zu weiteren Veränderungen. Er weist darauf hin, dass kleinere Tröpfchen weniger wahrscheinlich mit anderen verschmelzen und so möglicherweise ein Abregnen der Wolken unterdrücken. Das würde zu größeren Wolken führen und ihre aufhellende Wirkung verstärken. Modellrechnungen deuten allerdings auch darauf hin, dass sich größere Wolken eher mit trockener Luft vermischen, was ihr Reflexionsvermögen verringern würde. Schon vor den neuen IMO-Vorschriften haben sich Wissenschaftler für die Schiffsspuren in den Wolken interessiert. Wegen ihres auffälligen Aussehens waren diese lang gestreckten Wolken prädestiniert für eine auf künstlicher Intelligenz basierende Bilderkennung, sagt Nasa-Forscher Tianle Yuan. Mit Hilfe der KI und kalibrierter Bilder der Nasa-Satelliten Terra und Aqua aus zwei Jahrzehnten entdeckten Yuan und sein Team zehnmal mehr Schiffsspuren als zuvor mit manuellen Verfahren. In ihrer Studie, die in Science Advances veröffentlicht wurde, stellten sie außerdem fest, dass die Wolkenspuren entlang der wichtigsten Schifffahrtskorridore nach den IMO-Vorschriften um mehr als 50 Prozent zurückgegangen sind. In einer neueren Arbeit berechnen sie die Abkühlung, die mit der aufhellenden Wirkung der Bahnen und der Verlängerung der Lebensdauer der Wolken durch die Schwefelverschmutzung verbunden ist. Die neuen Umweltschutzvorschriften der IMO haben den Planeten demnach um 0,1 Watt pro Quadratmeter erwärmt – das ist doppelt so viel wie die Erwärmung, die durch die von Flugzeugen ausgelösten Wolkenveränderungen verursacht wird, so die Schlussfolgerung der Forscher in einem Aufsatz, der derzeit von Gutachtern geprüft wird. Die Auswirkungen würden in Regionen mit viel Schiffsverkehr wie dem Nordatlantik noch verstärkt. Dort stellen die verschwindenden Wolken einen „Schock für das System“ dar, so Yuan. Die Zunahme der Sonneneinstrahlung, die durch weniger reflektierenden Saharastaub über dem Ozean in diesem Jahr noch verschlimmert wurde, „kann für den größten Teil der in diesem Sommer im Atlantik beobachteten Erwärmung verantwortlich sein“, sagt er. Anstatt sich auf die sichtbaren Spuren zu konzentrieren, begannen Duncan Watson-Parris und seine Kollegen damit Standortdaten der Schiffe mit Wetteraufzeichnungen zu kombinieren, um zu ermitteln, wohin die Abgase der Schiffe reisten. Sie verglichen die Wolken in diesen Regionen mit Wolken benachbarter Regionen, die frei von jeglicher Verschmutzung durch Schiffe waren. In Nature berichteten sie im vergangenen Jahr, dass diese „unsichtbaren“ Schiffsspuren nicht nur, wie üblich, tief liegende Meereswolken verstärkten, sondern auch das Volumen bauschiger Kumuluswolken weiter oben in der Atmosphäre deutlich erhöhten, von denen man bisher annahm, dass sie unabhängig vom Einfluss der Schiffsverschmutzung seien." Der Artikel geht noch weiter. Immer wieder interessant, wie sich gut gemeinte Eingriffe in die Systeme ganz unerwartet anders auswirken können als erhofft. -- please forgive my iPhone typos
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Weniger Schifffsschwefel, weniger Wolken, wärmere Meere Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2023-08-21 05:07 +0000
Re: Weniger Schifffsschwefel, weniger Wolken, wärmere Meere Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2023-08-21 08:40 +0200
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Re: Weniger Schifffsschwefel, weniger Wolken, wärmere Meere Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2023-08-21 18:38 +0200
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Re: Weniger Schifffsschwefel, weniger Wolken, wärmere Meere Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2023-08-22 02:02 +0200
Re: Weniger Schifffsschwefel, weniger Wolken, wärmere Meere Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2023-08-22 07:54 +0200
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