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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. |
| Date | 2023-08-02 18:16 +0200 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <uadvg9$5dqe$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (8 earlier) <uadlfo.26c.1@wxp-nb-pm.local> <uadpnp.dlo.1@privat.lahls.de> <uadjug$1225$1@solani.org> <uae01q.3g4.1@wxp-nb-pm.local> <1t64ca72b4i3eb4c2n3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> |
Salve allerseits, Stefan Froehlich schrieb: > On Wed, 02 Aug 2023 16:25:29 Andreas Bockelmann wrote: >> Dr. Joachim Neudert schrieb: >> >>> MIT Apple habe ich schon sehr viel mehr Geld gemacht, als FÜR >>> Apple auszugeben... >> >> Selbst als mittlerweile chronisch Kranker kann hc sagen: Ich habe >> an der Pharmaindustrie wesentlich mehr Geld verdient als die an >> mir :-) > > Das ist - im Kontext dieser Überlegungen - natürlich falsch: Du hast > nicht *an* der Pharmaindustrie Geld verdient, sondern Du *bist* als > Miteigentümer Teil der Pharmaindustrie. Sprich: Du hast Dein Geld, > je nach Zusammensetzung Deines Portfolios, unter Umständen durch > Ausbeutung anderer chronisch Kranker verdient. Besser? :-) > +--- <hier abknabbern> --- | *ZEIT ONLINE*: Herr Christophers, Sie schreiben, "unsere Leben" stecken | in "deren Portfolios". Wen meinen Sie damit? | | *Brett Christophers*: Unternehmen, die riesige Geldvermögen verwalten | und investieren, sogenannte Asset-Management-Gesellschaften. Es gibt ein | großes Spektrum, zum Beispiel Blackstone aus den USA, Brookfield Asset | Management aus Kanada oder Macquarie aus Australien. In Deutschland wäre | es die Allianz. Sie besitzen Wohnungen, Krankenhäuser, Mautstraßen, | Pflegeheime oder Elektrizitätsnetze. | | *ZEIT ONLINE*: Sie stellen Ihrem Buch ein Zitat von Bruce Flatt, dem | Chef von Brookfield Asset Management, voran. Er sagt: "Was wir tun, | geschieht hinter den Kulissen. Niemand weiß, dass wir da sind." Stimmt | das denn? | | *Christophers*: Viele Menschen wissen, dass es diese Firmen gibt. Man | glaubt, sie stecken das Geld in Anleihen oder Aktien. Aber | entscheidender sind ihre Beteiligungen an unserer Alltagsinfrastruktur. | Ein wachsender Teil der öffentlichen Güter gehört Finanzinstitutionen, | die nach bestimmten Anreizen handeln. Und das führt zu ziemlich | schlechten Ergebnissen für uns alle: Mieten steigen, während Wohnungen | schlechter instand gehalten werden. Energie wird teurer, Trinkwasser | dreckiger, Verkehrsinfrastruktur maroder. | | *ZEIT ONLINE*: Das Geschäft der Asset-Management-Firmen ist aber nicht | neu. Sie sammeln Geld von Menschen und Institutionen ein und legen es in | deren Auftrag an. | | *Christophers*: Das ist richtig, aber man muss ein paar Dinge dazu | wissen. Erstens: Sie zahlen sehr, sehr hohe Gehälter. Das | Durchschnittsgehalt bei Blackstone liegt bei etwa zwei Millionen Dollar | im Jahr. | | *ZEIT ONLINE*: Und zweitens? | | *Christophers*: Sie zahlen nicht nur sehr, sehr hohe Gehälter, sie | verlangen auch sehr, sehr hohe Gebühren von ihren Kunden. Und der | einzige Weg, wie man diese Gebühren rechtfertigen kann, ist, sehr, sehr | hohe Renditen zu liefern. | | *ZEIT ONLINE*: Ist das ein Problem? | | *Christophers*: Schauen wir uns doch mal die Strategie von Blackstone in | den vergangenen fünf, sechs Jahren an. Ein wichtiger Teil davon waren | Investments in Mietwohnungen in Berlin. Daraus müssen riesige Profite | entstehen, damit Sie von Ihren Kunden so hohe Gebühren verlangen können, | um Ihre Angestellten so gut zu bezahlen. Das geht nur, indem sie | unbarmherzig sind und so viele Mieteinnahmen aus diesen Wohnungen | pressen, wie nur irgendwie möglich, aber gleichzeitig nur minimale | Beträge in die Wartung, Instandhaltung und Verwaltung der Wohnungen | stecken. Schaffen sie das nicht, kollabiert ihr Geschäftsmodell. | | "*Schaut mal, wessen Geld wir hier vermehren*" | | *ZEIT ONLINE*: Wer sind denn die Kunden, die so hohe Renditen erwarten? | | *Christophers*: Weder Sie, noch ich und auch nicht Ihre Leserinnen und | Leser investieren direkt und aktiv Geld in diese großen | Asset-Management-Firmen. Die Fonds, die Blackstone oder die Allianz | auflegen, sind für normale Investoren nicht zugänglich. Je nach Fonds | müssen sie mindestens 25 Millionen Dollar anlegen. Das ist etwas für | institutionelle Investoren und vielleicht ein paar Superreiche. | | *ZEIT ONLINE*: Wir hängen also nicht mit drin? | | *Christophers*: Doch, wir investieren indirekt, zum Beispiel über | Pensionsfonds, die unsere Rentenansprüche verwalten und dort | investieren. Und das wissen die Asset-Management-Firmen auch sehr für | sich zu nutzen. | | *ZEIT ONLINE*: Inwiefern? | | *Christophers*: Wenn man sie kritisiert, ist ihre erste | Verteidigungsstrategie meistens diese: Schaut mal, wessen Geld wir hier | vermehren. Das sind ganz normale Krankenpfleger, Feuerwehrleute oder | Lehrerinnen. Und unser Fonds sorgt dafür, dass diese Menschen eine gute | Rente haben. Also, Brett Christophers, was haben Sie daran auszusetzen? | | *ZEIT ONLINE*: Und was antworten Sie? | | *Christophers*: Das ist ein Ablenkungsmanöver und ein ziemlich hohles | dazu. Klar, die ein oder andere Pflegerin könnte sich freuen, weil ihr | Pensionsfonds viel Rendite macht. Aber das tut er nur, weil bei vielen | anderen Menschen die Miete im vergangenen Jahr um 15 Prozent erhöht | wurde. Und wäre die Pflegerin dann immer noch froh? Vielleicht nicht. | Der Gewinn der einen Person basiert auf der Ausbeutung einer anderen. | | *ZEIT ONLINE*: Im Extremfall würde die Person in Berlin in einer von | Blackstone verwalteten Wohnung wohnen. | | *Christophers*: Wenn dann ihre Miete steigt, wäre das vielleicht gut für | ihre Rente. Aber sie wäre heute ärmer oder könnte sogar ihre Wohnung | verlieren, wenn sie sich die Miete nicht mehr leisten kann. Ihre | Altersvorsorge wächst, weil sie selbst ausgebeutet wird. Wir leben in | einer Welt unglaublicher Ungleichheit. Und diese Branche ändert das | nicht, sie reproduziert und verstärkt sie sogar. | | *ZEIT ONLINE*: Sind denn überhaupt so viele Pensionsfonds unter den | Kunden? | | *Christophers*: Es werden immer weniger. Wenn Sie auf die Daten schauen, | sehen Sie zwei Dinge. Zum einen, dass die Fonds, die in Wohnungen und | andere öffentliche Infrastruktur investieren, vor allem Geld von | Staatsfonds und Versicherungskonzernen verwalten. Blackstone zum | Beispiel hat vor ein paar Jahren einen Infrastrukturfonds aufgelegt, bei | dem der berüchtigte Staatsfonds von Saudi-Arabien die Hälfte des Geldes | beigesteuert hat. Damit kann man natürlich keine kuschlige PR-Geschichte | erzählen. Das klingt nicht so gut wie Feuerwehrleute und Lehrerinnen. | | *ZEIT ONLINE*: Und was sehen Sie noch in den Daten? | | *Christophers*: Dass Rentenansprüche sehr ungleich verteilt sind. Die | meisten Altersrücklagen halten diejenigen, die am meisten verdienen und | das sind eben nicht die normalen Arbeiterinnen und Arbeiter. Selbst wenn | also Pensionsfonds Geld investieren, spiegelt das die existierende | Vermögensungleichheit. Also ja, etwas Geld in den Fonds der | Asset-Manager dient der Altersvorsorge und ja, ein kleiner Teil davon | gehört auch normalen Arbeitern. Aber wenn jemand wirklich von diesem | Modell profitiert, dann sind es nicht diese Menschen. Die | Vermögensverwalter erzählen da eine sehr unaufrichtige, irreführende | Geschichte. | | *ZEIT ONLINE*: In welchen Bereichen macht sich der Einfluss der | Asset-Manager noch bemerkbar? | | *Christophers*: Beim Wohnen ist ihr Einfluss besonders offensichtlich. | Aber Wasser, Elektrizität oder Krankenhäuser braucht wirklich jeder. In | diesen Teilen der öffentlichen Infrastruktur ist das Prinzip gleich. | Wenn eine Asset-Management-Firma in einer Region das Wassernetz kauft, | haben sie die gleichen Anreize wie bei Mietwohnungen. Sie wollen, dass | diejenigen, die diese Infrastruktur nutzen, maximal viel dafür bezahlen | und sie wollen möglichst wenig in die Wartung stecken. | | *ZEIT ONLINE*: Warum ist die Infrastruktur offenbar so ein attraktives | Investment? | | *Christophers*: Weil sie sich als besonders lukrativ erwiesen hat. Wenn | Ihnen ein Wasser- oder Stromnetz gehört, dann bekommen Sie regelmäßig | feste Gebühren, die vielleicht sogar mit der Inflation steigen. Nach der | globalen Finanzkrise hat sich das makroökonomische Umfeld stark | verändert. Es gab kaum noch lukrative Zinsen auf Anleihen von Staaten | und Unternehmen, die regelmäßige Erträge brachten. Deshalb legten die | Asset-Manager nach der Finanzkrise den Turbogang bei der Infrastruktur | ein. | | *ZEIT ONLINE*: Woher kam überhaupt der Druck, so große Teile der | öffentlichen Infrastruktur zu verkaufen? | | *Christophers*: Das ist die million dollar question. Das Wort | Neoliberalismus wird oft falsch verwendet, aber ich glaube, hier passt | es tatsächlich. Dinge wurden verkauft wegen einer Ideologie, deren Kern | es ist, dass der Staat so wenig wie möglich besitzen sollte, weil er von | Natur aus ein zu ineffizienter und bürokratischer Eigentümer dieser | Vermögenswerte ist. Private Besitzer seien dagegen produktiver und | würden den Wohlstand vermehren. Politiker glauben, dass Kapital aus dem | Privatsektor dann dazu führen könnte, das Angebot für die Menschen zu | verbessern. Und das ist natürlich der größte Unsinn von allem. | | *ZEIT ONLINE*: Wieso? | | *Christophers*: Glauben Sie wirklich, dass Vermögensverwalter ein | Interesse daran haben, in einem Wohnungsmarkt mit so wenig Angebot wie | in Berlin Zehntausende neue Wohnungen zu bauen? Das Letzte, was diese | Firmen wollen, ist, mehr Wohnraum zu schaffen. Der Mangel hält die | Mieten hoch. Deshalb investieren sie doch auch genau dort, wo großer | Mangel herrscht, weil sie wissen, dass sie dort hohe Gewinne machen. | Sobald sie sehen, dass im Umkreis viele Neubauten entstehen könnten, | verkaufen sie. Aber aus irgendeinem bescheuerten Grund glauben Politiker | ihnen, wenn sie sagen, sie seien Teil der Lösung in der Wohnungskrise. | | *ZEIT ONLINE*: Was können Sparerinnen und Sparer tun, wenn sie ihr Geld | nicht diesen Firmen überlassen wollen? | | *Christophers*: Ehrlicherweise nicht viel. Wenn Sie eine Betriebsrente | haben, haben Sie keine Kontrolle darüber, wo Ihre Pension bis zum | Ruhestand investiert wird. Ich glaube auch nicht, dass es bessere oder | schlechtere Unternehmen unter den Asset-Management-Gesellschaften gibt. | Sie haben alle das mehr oder weniger gleiche Geschäftsmodell. Wir sind | also fest verankert in dieser Gesellschaft der Vermögensverwalter. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.zeit.de/geld/2023-07/brett-christophers-vermoegensverwalter-soziale-ungleichheit/komplettansicht> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2023-08-01 23:39 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2023-08-02 06:28 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-02 07:56 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2023-08-02 10:24 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-02 10:52 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2023-08-02 10:58 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2023-08-02 11:08 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2023-08-02 11:06 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2023-08-02 11:42 +0000
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2023-08-02 15:34 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2023-08-02 16:58 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2023-08-02 13:25 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2023-08-02 14:37 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2023-08-02 14:58 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2023-08-02 16:25 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2023-08-02 15:15 +0000
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-02 08:20 -0700
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2023-08-02 18:38 +0000
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2023-08-02 20:51 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2023-08-04 07:34 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-03 23:24 -0700
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-08-02 18:16 +0200
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2023-08-02 18:37 +0000
Re: Amazon/LBB Berlin kündigen ihre Kooperation. 3% Rabatt entfällt. Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-08-02 07:28 -0700
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