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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Ukraine - Wie weiter? |
| Date | 2023-03-28 01:13 +0200 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <tvt7um$3e2c1$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (12 earlier) <tgq9kd$3e9fl$1@dont-email.me> <usb1jhtcqi089bsdbfsiplek6m9q4nmstl@4ax.com> <tgsteo$3qa5d$1@dont-email.me> <2fefbab5-5801-42fd-803d-2adac0706b42n@googlegroups.com> <tgv6ab$3fom$1@dont-email.me> |
Salve allerseits, Martin Ebert schrieb: > Am 27.09.22 um 09:25 schrieb Peter Veith: >> Martin Ebert schrieb am Montag, 26. September 2022 um 21:10:17 UTC+2: >>> Am 26.09.22 um 00:58 schrieb Martin Gerdes: >>> >>>> Üben dort Leutnante die Funktion aus, die bei uns ein Unteroffizier oder >>>> ein Feldwebel hat? >>> >>> Exakt so. >> >> Nein und es ist lieber Martin schäbig, das zu behaupten, weil Du es besser weißt. > > Besser als Du auf alle Fälle. > +--- <hier abknabbern> --- | Bevor Gert Gawellek lernte, wie die Russen den Landkrieg führen, sass er | in der «Heldengalerie» im Festsaal der Militärakademie «M. W. Frunse» in | Moskau. Es war 1987, der sowjetische Akademiechef eröffnete das | Studienjahr. Gawellek war glücklich. Gemeinsam mit anderen Offizieren | der Nationalen Volksarmee der ehemaligen Deutschen Demokratischen | Republik (DDR) und Hunderten Soldaten der Roten Armee der Sowjetunion | war er bestimmt für höhere Aufgaben. | | Aus der Militärakademie «Frunse» sind Hunderte «Helden der Sowjetunion» | hervorgegangen. An erster Stelle Georgi Schukow, Stalins | Weltkriegsgeneral, der seine Soldaten zum Beispiel beim Angriff auf die | Seelower Höhen im April 1945 rücksichtslos in die Minenfelder der | Wehrmacht trieb. Ein Ehrfurcht einflössender Ort für einen 28-jährigen | Hauptmann aus Plauen im Vogtland, der zu diesem Zeitpunkt fest an den | Sieg des Sozialismus glaubte. | | Vor Gawellek lagen damals drei Jahre Studium in der Sowjetunion, eine | Zeit, die ihn noch heute, gut 35 Jahre später, beschäftigt. Das liegt an | Wladimir Putin, der Russland, den Rechtsnachfolger der Sowjetunion, zu | alter imperialer Stärke zurückführen will. Seit Putins Überfall auf die | Ukraine sucht Deutschland händeringend Fachleute, die sich mit | russischer Kriegsführung auskennen. | | Gert Gawellek wurde vor kurzem als Brigadegeneral der Bundeswehr | pensioniert, einer der höchsten Dienstgrade im deutschen Militär. Doch | statt seinen Ruhestand zu geniessen, arbeitet er nun als Berater der | deutschen Streitkräfte. Er soll ihnen erklären, womit sie sich seit drei | Jahrzehnten nicht mehr beschäftigt haben: Wie kämpft der Russe? | | «*Meine Uniform war immer der Kampfanzug*» | | Bei der Begrüssung entschuldigt er sich zunächst einmal für seine kalten | Hände. Er ist mit dem Fahrrad da, 20 Kilometer quer durch Berlin. | Gawellek war nach dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung fünf | Jahre lang Elitesoldat im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK). | Noch immer wirkt er drahtig und durchtrainiert. Er trägt Jeans und | Holzfällerhemd. «Meine Uniform war immer der Kampf- und nicht der | Ausgehanzug», sagt er. | | Gawellek ist kein Mensch, der die Öffentlichkeit sucht. In der DDR war | er Aufklärer und führte kleine Trupps, mit denen er im Kriegsfall an der | Frontlinie Informationen über den Gegner gesammelt hätte. Er gehörte zu | den ersten Soldaten, die im Herbst 2001 gemeinsam mit amerikanischen | Spezialkräften in Südafghanistan gegen al-Kaida kämpften. Kein Mann, der | grosse Worte macht. | | Er sagt: «Stellen Sie Ihre Fragen, ich habe kaum Erfahrungen mit | Journalisten und weiss ja nicht, was Sie wissen wollen.» | | Also stellt man Fragen und lernt einen Mann kennen, der gern von der | Zeit erzählt, als sich Ost und West schon einmal waffenstarrend | gegenüberstanden. Gawellek, geboren 1959, ist ein Kind des Kalten | Krieges, der Konfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA. | | *Kakerlaken beim Einzug in Moskau* | | Wer wie er an einer sowjetischen Militärakademie studierte, musste | «klassenbewusst» sein, wie es in der DDR hiess. Mit «Klasse» war die | «Arbeiterklasse» gemeint. Gawellek stammt aus einer Soldatenfamilie. Vor | seinem Offiziersstudium hat er extra eine Ausbildung zum | Betriebsschlosser gemacht. | | An «der Frunse», berichtet er, habe es für jeden Absolventen ein Fach in | einem Panzerschrank gegeben. Dort hätten sie alle Ausbildungsunterlagen | aufbewahren müssen, die als «Verschlusssache» eingestuft gewesen seien. | Bis auf die Bücher zur Geschichte der Kommunistischen Partei der | Sowjetunion und des Marxismus-Leninismus seien das so gut wie alle | Dokumente gewesen. «Die Russen waren schon immer Geheimniskrämer.» | | Nach dem ersten Studienjahr kamen Ehefrau und Sohn nach Moskau. Bis | dahin hatte Gawellek in der Novokonjuschenni-Gasse gelebt, das Wohnheim | für die DDR-Offiziere, zwei Mann auf einem Zimmer. Für Ordnung auf der | Etage sorgte die «Deschurnaja», eine attraktive Frau mittleren Alters, | wie er sich erinnert. Die Familie zog in eine Einraumwohnung an den | Stadtrand, beim Einzug hätten sie erst einmal die Kakerlaken beseitigen | müssen. Der Sohn schlief auf einem Klappbett in der Küche. | | Gawellek war einer von insgesamt gut 4800 DDR-Offizieren, die an einer | Militärakademie in der Sowjetunion studierten. Er lernte, wie ein | Regiment, eine Division und eine Armee zu führen ist, schon damals mit | massenhaft Artillerie und Panzern, eine Feuerwalze, die über den Gegner, | die Nato, hinweggehen sollte. Die Ausbilder, viele von ihnen Veteranen | des sowjetischen Krieges in Afghanistan (1979–1989), nannten das | «militärisches Handwerk». | | *Er musste darum bangen, weiter Soldat bleiben zu können* | | Als Gawellek Anfang September 1990 aus Moskau zurückkehrte, lag die DDR | in den letzten Zügen. Mit dem Abschluss an «der Frunse», benannt nach | einem der ersten Kommandeure der Akademie, wäre seine Karriere bis zum | General in der Volksarmee vorgezeichnet gewesen. Nun musste er darum | bangen, überhaupt in die Bundeswehr übernommen zu werden. «Ich habe | nicht geglaubt, dass meine Kenntnisse sowjetischer Kriegsführung noch | einmal gebraucht würden», sagt Gawellek. | | Dann kam der 24. Februar 2022, der Tag des russischen Überfalls auf die | Ukraine. Gawellek befand sich zu diesem Zeitpunkt in seinem letzten | Dienstjahr. Er hatte es inzwischen zum Brigadegeneral im deutschen | Heereskommando in Strausberg bei Berlin gebracht. Er ist einer von zwei | DDR-Offizieren, die es in der Bundeswehr so weit nach oben geschafft | haben. | | Gawellek sagte zu, als ihn die Heeresführung bat, nach seiner | Pensionierung als Berater weiterzuarbeiten. Seitdem verbringt er | durchschnittlich zwei bis drei Stunden am Tag in russischen | Telegram-Kanälen, auf Militär-Blogs und Internetseiten, liest russische | Einsatzberichte, Kriegsanalysen, Tagebücher, Befehle, Dienstvorschriften | und Militärdoktrinen. Wenn er etwas Wichtiges gefunden hat, leitet er es | zur weiteren Analyse an das Heereskommando weiter. | | Es gibt Menschen in Deutschland, die das als Verrat bezeichnen. Bei den | meisten von ihnen handelt es sich um ehemalige DDR-Offiziere, so wie | Gawellek einer ist. Auch er, so sagt Gawellek, war in der DDR gern | Soldat. Die sowjetischen Kameraden nannte er «Waffenbrüder». Das war im | Militär des sozialistischen deutschen Staates so üblich. Die | DDR-Propaganda bezeichnete die Sowjets als «Freunde». | | *Heute ist Russland für ihn «der Feind*» | | Für Gawellek aber ist Russland heute «der Feind», auch wenn er es nicht | für möglich gehalten hätte, dass es einmal dazu kommen könnte. «Ich war | überzeugt, dass von dort nie ein Krieg wie in der Ukraine ausgehen | würde», sagt er. Er frage sich, ob er etwas übersehen, ob er nicht genau | hingeschaut habe, damals in Moskau. | | Da sei zum Beispiel die alltägliche Gewalt gewesen, die er ignoriert | habe, die ihm heute aber in einem anderen Licht erscheine. «Ich war | immer wieder überrascht, mit welcher Härte, Rücksichtslosigkeit und | Brutalität die sich geprügelt und wie schnell die dabei Messer gezückt | haben», sagt er. Er habe damals aber nicht weiter darüber nachgedacht. | | Inzwischen wisse er, dass Brutalität ein dunkler Teil der «russischen | Seele» sei. Soldaten und Söldner, die ukrainische Kriegsgefangene | kastrieren, ihnen Finger abschneiden, die Halsschlagader durchtrennen – | Gawellek kennt die Videos, auf denen das zu sehen ist. Es gehört zu | seinem Job, sich das anzuschauen. | | Nach seiner Zeit als Offizier im Kommando Spezialkräfte hat Gawellek | Karriere gemacht. Er war Kommandeur einer Luftlandebrigade und | stellvertretender Kommandeur einer Division. Einen Posten im | Verteidigungsministerium hatte er auch, aber nur kurz, und er habe sich | «da nie wohlgefühlt». «Das ist ein Riesenapparat mit allzu oft nur | geringem Output», sagt er. | | *Der Krieg in der Ukraine nur als Lackmustest* | | Vor knapp acht Jahren erinnerte sich die Bundeswehr seiner | Sprachkenntnisse. Damals wurde ein neuer Militärattaché in Moskau | gesucht. Doch Russland führte schon Krieg im Donbass, die deutsche | Regierung hatte das Regime mit Sanktionen belegt. Als Retourkutsche | verweigerte Moskau Gawellek das Visum. | | Seitdem beobachtet er den Krieg in der Ukraine. «Rückblickend wären | schon 2014 eine sofortige umfangreiche Auswertung und eine Überleitung | in praktisches Handeln in Ausbildungen und Übungen als schnelle und | adäquate Reaktion notwendig gewesen», sagt er in etwas sperrigem | Militärdeutsch. | | Doch dann wird er wieder klar. «Was ist, wenn Russlands Krieg in der | Ukraine nur der Lackmustest ist für etwas viel Grösseres? Noch können | wir uns vorbereiten. Wenn aber russische Divisionen an die Grenze zum | Baltikum verlegen, ist es zu spät.» | | Nun also, Herr Gawellek, wie kämpft der Russe? | | Wieder entschuldigt er sich, diesmal dafür, dass er nicht sehr viel | sagen könne, da seine Erkenntnisse eingestuft seien. Aber ein paar | Aspekte, die dürfe er schon nennen, kurz und bündig, aber immerhin. Da | seien also, und die Worte fallen stakkatoartig, das Klandestine, | Täuschende, Gerissene, Niederträchtige der russischen Kriegsführung. Man | dürfe ihnen nicht trauen, sie lögen wie gedruckt. | | *Russland: Es bleibt eine Armee aus Artillerie mit Panzern* | | Dann die Rücksichtslosigkeit, mit der sie ihr Personal verheizten, die | Menschenverachtung im Umgang mit den eigenen Soldaten. Und schliesslich | der massenhafte Einsatz von Artillerie, Panzern, Drohnen, Raketen, | Minen, Streubomben und anderen furchtbaren Waffen wie Aerosolbomben, | worauf sich die Bundeswehr einstellen müsse. «Alles in allem sind und | bleiben die russischen Landstreitkräfte im Kern eine Armee aus | Artillerie mit Panzern», sagt Gawellek. | | Was heisst das nun für die deutschen Streitkräfte? | | Noch ein Aspekt, zu dem er nicht allzu viel sagen dürfe. Satelliten, | Drohnen und andere Aufklärungsmittel machten das Gefechtsfeld «gläsern», | erklärt Gawellek. Panzer, Waffen, Fahrzeuge und Soldaten seien nicht | mehr zu verstecken. | | Das künftige Erfolgsrezept im Kampf gegen die Russen bestehe daher nicht | nur im Kampf zwischen Panzerverbänden, sondern auch im geschickten | Einsatz von kleinen, beweglichen Trupps, Aufklärung in Echtzeit und | präzisem Feuer. «Klar ist, dass dieser Krieg unsere Strukturen, | Ausrüstung und Ausbildung infrage stellen kann.» | | Damit wäre Gawellek beim Kern des Problems: Hat die deutsche Armee | überhaupt die erforderlichen Waffen und die nötige Munition, um im | Kriegsfall gegen die Russen bestehen zu können? Er schüttelt den Kopf, | und es ist nicht ganz klar, ob er das tut, weil er die Frage verneint | oder weil er sie nicht beantworten will. «Meine Aufgabe ist es, die | russische Kriegsführung in der Ukraine zu analysieren», sagt er | ausweichend. | | *Gefallene und Verwundete: «Heute reden wir von Massen*» | | Aber eine Antwort gibt er dann doch noch. Es ist die Antwort auf die | Frage, worauf sich Soldaten in einem Krieg mit Russland mental | einzustellen hätten. Da gebe es zwei Punkte, sagt Gawellek. Der eine: | auf einen harten, skrupellosen Gegner. Die Ukrainer wüssten, wofür sie | kämpfen. «Wissen wir das auch?», fragt Gawellek. | | Für den anderen Punkt fährt er seinen Computer hoch und fragt, ob man | sich das antun wolle. Dann zeigt er Bilder von Leichenfeldern, von | verbrannten, verkohlten, verstümmelten, zerfetzten Leibern. «Tod und | Verwundung waren auch in Afghanistan ein Thema für uns», sagt er. Aber | das seien einzelne Fälle gewesen. «Bei einem Krieg gegen Russland reden | wir von Massen.» | | Dann setzt er seine Mütze wieder auf, zieht Jacke und Handschuhe über | und löst das Schloss an seinem Fahrrad. Bevor er sich verabschiedet, | sagt er noch drei Sätze, die sich für friedensgewöhnte deutsche Ohren | verstörend anhören könnten. | | «Wir müssen lernen, hohe Verluste hinzunehmen und ein Gefecht zu | verlieren.» Das ist der erste Satz. Der zweite: «Wir müssen aufhören mit | unseren Schönwetterübungen, Soldaten müssen wissen, was Krieg bedeutet.» +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.nzz.ch/international/ukraine-gert-gawellek-erklaert-den-deutschen-wie-russen-kaempfen-ld.1731654> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Re: Ukraine - Wie weiter? Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2023-03-28 01:13 +0200
Re: Ukraine - Wie weiter? Bernd Ohm <invalid@invalid.invalid> - 2023-03-28 02:05 +0200
Re: Ukraine - Wie weiter? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-03-27 23:37 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-03-28 00:37 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-03-28 01:04 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-03-28 01:19 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-03-28 01:23 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-03-28 01:44 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2023-03-28 04:29 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2023-03-28 04:44 -0700
Re: Ukraine - Wie weiter? Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2023-03-28 11:20 +0200
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