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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Russlands Auschluss aus der UNO |
| Date | 2022-12-27 07:24 -0500 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <toeo6p$3k9un$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (11 earlier) <k0u5qdFrgc7U3@mid.individual.net> <k0u97fFrrkaU1@mid.individual.net> <k0ub5vFscbnU1@mid.individual.net> <G7cv$98jnYB@tipota.de> <k0ugstFt6h0U1@mid.individual.net> |
Salve allerseits, Hermann Riemann schrieb: > Am 26.12.22 um 21:44 schrieb Siegfrid Breuer: >> nospam.ng@hermann-riemann.de (Hermann Riemann) schrieb: >> >>> Hälst Du eine Vorherrschaft von Putin für besser? >> >> Und eine Existenz anders als UNTER jemanden ist > > Wenn 2 Wesen zusammen sind, gibt es ständig über und unter. Die Frage > ist dann wie weit das geht, und unter welchen Bedingungen. > +--- <hier abknabbern> --- | Kaum jemand wird 2022 vermissen. Das Jahr war bestimmt von einer | hartnäckigen Pandemie, dem Fortschreiten des Klimawandels, von | galoppierender Inflation, einem sich verlangsamenden Wirtschaftswachstum | und vor allem dem Ausbruch eines kostspieligen Krieges in Europa und der | Sorge über womöglich bald in Asien ausbrechende gewaltsame Konflikte. | Einiges davon war zu erwarten, vieles jedoch nicht. Und alles legt | Lehren nahe, die zu ignorieren gefährlich wäre. | | Erstens gibt es den Krieg zwischen Ländern, den eine ganze Reihe von | Wissenschaftern für ein Ding der Vergangenheit hielt, nach wie vor. Was | wir derzeit in Europa erleben, ist ein altmodischer imperialer Krieg, in | dem der russische Präsident Wladimir Putin versucht, die Ukraine als | souveränen, unabhängigen Staat auszutilgen. Putin will sicherstellen, | dass ein demokratisches, marktorientiertes, an engen Beziehungen zum | Westen interessiertes Land entlang Russlands Grenzen nicht erfolgreich | bestehen kann. Es würde zu einem Modell werden, das sich für die Russen | als attraktiv erweisen könnte. | | *Verlust der Illusionen* | | Freilich hat Putin den schnellen und einfachen Sieg, den er erwartet | hatte, nicht erreicht. Vielmehr musste er feststellen, dass seine eigene | Armee weniger stark ist und seine Gegner deutlich entschlossener sind, | als er und viele im Westen erwartet hatten. Nach zehn Monaten Krieg ist | noch immer kein Ende absehbar. | | Zweitens ist die Vorstellung, dass wechselseitige wirtschaftliche | Abhängigkeit ein Bollwerk gegen den Krieg darstelle, weil niemand | Interesse daran haben könne, für alle Seiten vorteilhafte Handels- und | Investitionsbeziehungen zu destabilisieren, nicht länger haltbar. | Politische Erwägungen haben Vorrang. Tatsächlich dürfte die starke | Abhängigkeit der Europäischen Union von russischen Energielieferungen | Putins Entscheidung zur Invasion sogar beeinflusst haben, indem sie ihn | zu dem Schluss verleitete, dass Europa klein beigeben würde. | | Drittens ist auch der Wille zur Integration, der jahrzehntelang die | westliche Politik gegenüber China beseelte, gescheitert. Auch diese | Strategie beruhte auf der Vorstellung, dass Wirtschaftsbeziehungen – | zusammen mit dem Austausch auf kultureller, wissenschaftlicher und | sonstiger Ebene – die politische Entwicklung bestimmen würden und nicht | umgekehrt und dass dies zur Entstehung eines offeneren, stärker | marktorientierten China führen würde, das auch eine gemässigte | Aussenpolitik verfolgen würde. | | Nichts davon hat sich bewahrheitet, obwohl man darüber debattieren kann | und sollte, ob der Fehler im Konzept der Integration liegt oder in der | Art seiner Umsetzung. Klar ist jedoch, dass Chinas politisches System | zunehmend repressiver wird, seine Wirtschaft sich immer stärker in | Richtung Staatsdirigismus bewegt und seine Aussenpolitik an | Aggressivität zunimmt. | | Viertens führen Wirtschaftssanktionen selten zu nennenswerten | Verhaltensänderungen, auch wenn sie vielfach das bevorzugte Instrument | des Westens und seiner Partner bei Menschenrechtsverstössen oder der | Aggression gegen andere Länder sind. Selbst ein so eindeutiger und | brutaler Angriff wie Russlands Krieg gegen die Ukraine hat die meisten | Regierungen weltweit nicht dazu gebracht, Russland diplomatisch oder | wirtschaftlich zu isolieren. Auch wenn die vom Westen ausgehenden | Sanktionen Russlands wirtschaftliche Basis untergraben könnten, haben | sie Putin nicht einmal im Ansatz zu einer Änderung seiner Politik bewegt. | | *Wie weiter mit dem Multilateralismus*? | | Fünftens sollte man den Begriff der «internationalen Gemeinschaft» | entsorgen. Eine derartige Gemeinschaft besteht schlichtweg nicht. | Russlands Vetomacht im Sicherheitsrat hat die Vereinten Nationen zur | Ohnmacht verdammt, während die jüngste Klimakonferenz in Ägypten ein | kläglicher Misserfolg war. | | Es gab bisher zudem kaum so etwas wie eine globale Reaktion auf Covid-19 | und kaum Vorbereitungen für den Umgang mit der nächsten Pandemie. Der | Multilateralismus bleibt wichtig, doch seine Wirksamkeit wird vom | Abschluss enger gefasster Vereinbarungen zwischen gleichgesinnten | Regierungen abhängen. Ein Multilateralismus nach dem Motto «Alles oder | nichts» wird überwiegend nichts bringen. | | Sechstens stehen die Demokratien offensichtlich vor erheblichen | Herausforderungen, doch die Probleme autoritärer Systeme sind womöglich | noch grösser. Ideologie und Überleben eines Regimes bestimmen in | derartigen Systemen häufig die Entscheidungsfindung, und autoritäre | Führer sträuben sich oft, eine fehlgeschlagene Politik aufzugeben oder | Fehler einzugestehen, weil dies als Zeichen der Schwäche angesehen | werden und öffentliche Forderungen nach grösseren Veränderungen befeuern | könnte. Diese Regime müssen ständig vor der latenten Gefahr von | Massenprotesten wie in Russland oder tatsächlichen Protesten wie jüngst | in China und derzeit in Iran auf der Hut sein. | | Siebtens ist das Potenzial des Internets, Menschen zur kritischen | Infragestellung der Regierung zu befähigen, in Demokratien viel grösser | als in geschlossenen Systemen. Autoritäre Regime wie in China, Russland | und Nordkorea können ihre Gesellschaften abschotten, Inhalte überwachen | und zensieren oder beides. | | Inzwischen ist auf der Welt eine Art «Splinternet» entstanden, sprich: | mehrere separate Internets. Zugleich haben sich in den Demokratien die | sozialen Netzwerke als anfällig für die Verbreitung von Lügen und | Falschinformationen erwiesen, was die Polarisierung verstärkt und das | Regieren deutlich erschwert. | | Achtens gibt es noch immer einen «Westen» (ein Begriff, der mehr auf | gemeinsamen Werten beruht als auf der Geografie), und Bündnisse bleiben | ein wichtiges Ordnungsinstrument. Die USA und ihre transatlantischen | Partner in der Nato haben wirkungsvoll auf die russische Aggression | gegen die Ukraine reagiert. Die USA haben zudem stärkere Beziehungen im | indopazifischen Raum aufgebaut, um der wachsenden Bedrohung durch China | zu begegnen. Dies geschah in erster Linie durch die Stärkung von Quad | (Australien, Indien, Japan und die USA), Aukus (Australien, | Grossbritannien und die USA) und die verstärkte trilaterale | Zusammenarbeit mit Japan und Südkorea. | | *Ohne die USA geht es nicht* | | Neuntens bleiben die Vereinigten Staaten von Amerika als Führungsmacht | unentbehrlich. Die USA können in der Welt nicht einseitig handeln, wenn | sie Einfluss haben wollen, doch wird die Welt gemeinsamen Sicherheits- | und sonstigen Herausforderungen nicht geeint begegnen, wenn die USA | passiv bleiben oder an den Rand geschoben werden. Häufig bedarf es der | amerikanischen Bereitschaft, mit gutem Beispiel voranzugehen, statt aus | dem Hintergrund zu agieren. | | Und schliesslich müssen wir bescheiden sein, was die Dinge angeht, die | wir zu können vermeinen. Es ist eine demütigende Erfahrung, | festzustellen, dass nur wenige der obigen Lehren vor einem Jahr | vorhersehbar waren. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.nzz.ch/meinung/richard-haass-zehn-lehren-aus-der-rueckkehr-der-geschichte-ld.1717833> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Re: Ukraine - Wie weiter? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-11-06 12:17 +0100
Re: Ukraine - Wie weiter? Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-11-06 05:17 -0800
Re: Ukraine - Wie weiter? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-11-06 14:52 +0100
Russlands Auschluss aus der UNO (was: Ukraine - Wie weiter?) Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-15 06:50 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO (was: Ukraine - Wie weiter?) Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-12-15 23:26 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO (was: Ukraine - Wie weiter?) Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-16 00:03 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-18 09:35 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-26 18:21 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2022-12-26 19:00 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO klaus reile <klaus.reile@no-more-mail-to.zr> - 2022-12-26 19:58 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2022-12-26 20:32 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO klaus reile <klaus.reile@no-more-mail-to.zr> - 2022-12-26 20:52 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-12-26 21:44 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2022-12-26 22:09 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-12-26 22:18 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2022-12-27 06:56 +0100
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2022-12-27 07:24 -0500
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-27 04:59 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-26 23:23 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-27 01:27 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-12-27 02:15 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-27 02:24 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-12-27 03:07 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-27 07:11 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-12-27 07:25 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-27 23:12 -0800
Re: Russlands Auschluss aus der UNO Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-12-27 02:20 -0800
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