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Das Ende einer langen Westreise

From Manfred <harakiri.sanktionen@mail1a.de>
Newsgroups de.soc.politik.misc, de.alt.folklore.ddr, ger.ct
Subject Das Ende einer langen Westreise
Date 2022-10-03 08:07 +0200
Organization Aioe.org NNTP Server
Message-ID <thdu72$39t$1@gioia.aioe.org> (permalink)

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Peter Grimm

Das Ende einer langen Westreise

3. Oktober 2022. Für so manchen in der ehemaligen DDR aufgewach-
senen, mutet das Leben an wie eine jahrzehntelange kollektive
Westreise, die sich nun ihrem Ende zuneigt. Die Freiheiten
schwinden, Grundrechte werden immer mal wieder außer Kraft
gesetzt und plötzlich kehren sogar die alten Gespenster
der Mangelwirtschaft wieder.

Wir verabschieden uns vom alten Westen und mir als Ostler fällt
dieser Abschied schwer. Also der Abschied von einem Westen, in
dem es selbst Deutsche schaffen konnten, nach dem Motto zu le-
ben, dass alles erlaubt sein sollte, was nicht ausdrücklich
verboten war.

Von dem Westen, in dem man als Journalist, Autoroder Publizist
vor allem dann etwas galt, wenn man zeigte, wie regierungs- und
systemkritisch man war und furchtlos gegenüber Regierenden und
Autoritäten. Als ein scharfer Geist und eine scharfe Zunge noch
begehrt und nicht "umstritten" waren.

Es war ein Westen, in dem die Bürger wie selbstverständlich
Grundrechte genossen, egal ob Meinungsfreiheit, Freizügigkeit
oder Pressefreiheit.

Der Staat kassierte seine Steuern und ließ Unternehmen so wirt-
schaften, dass sie diese auch zahlen konnten. Es war wichtig,
dass möglichst jeder etwas vom erwirtschafteten Wohlstand hatte,
doch auch den meisten Umverteilungs-Predigern im Politik-Betrieb
war klar, dass alle Wohltaten vor ihrer Verteilung erst einmal
erarbeitet werden müssen. Deshalb genoss staatliche Rücksicht
und Unterstützung, wer zur Wertschöpfung beitrug.

Der Staat sah es als seine selbstverständliche Aufgabe an, für
die vielen Steuergelder, die er kassierte, eine gute Infrastruk-
tur zu bieten. Energie- und Wasserversorgung hatten sich selbst-
verständlich an den Ansprüchen und Bedürfnissen der Bürger und
Verbraucher zu orientieren. Dass sich stattdessen die Bürger
im Verbrauch nach den begrenzten Produktionskapazitäten richten
müssen, galt als überwundener Missstand alter Notstandswirt-
schaft oder Kennzeichen östlicher Planwirtschaften.

In diesem Westen gelang auch, dass Brücken und Straßen gebaut
und erhalten wurden, Züge fuhren weitgehend zuverlässig und
pünktlich, die Währung war relativ stabil und die Inflation
nur ganz selten beunruhigend. (....)

Jetzt mutet es an wie eine jahrzehntelange kollektive Westreise,
die sich nun ihrem Ende zuneigt. Die Freiheiten schwinden, Grund-
rechte werden immer mal wieder außer Kraft gesetzt und plötzlich
kehren sogar die alten Gespenster der Mangelwirtschaft wieder.

Nein, hier soll jetzt keiner der billigen DDR-Vergleiche bemüht
werden. Es soll auch nicht ansatzweise mit dem Eindruck gespielt
werden, in der heutigen Bundesrepublik gehe es zu wie in der der
SED-Diktatur. Was wir jetzt erleben ist keine Wiederkehr der
alten Ordnung.

Aber wenn die Regierenden erst in einem ohne Sachgrundlage dekla-
rierten Notstand und dann in einem realen aber großteils selbst
verursachten Notstand ihr Heil in Grundrechtseinschränkungen,
vormundschaftlichen Regeln und planwirtschaftlichen Ideen
suchen, wenn sie es nicht mehr schaffen, die Qualität der
Infrastruktur zu erhalten, aber hinreichend Zeit für
vormundschaftliche volkserzieherische Debatten finden,
dann entwickelt sich immer stärker so ein stechender Geruch.
(....)
mehr davon: https://www.achgut.com/artikel/das_ende_einer_langen_westreise

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Das Ende einer langen Westreise Manfred <harakiri.sanktionen@mail1a.de> - 2022-10-03 08:07 +0200
  Re: Das Ende einer langen Westreise "Fupp-Eliminator" <fupp-eliminator@tipota.de> - 2022-10-03 15:48 +0200

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