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Groups > de.talk.tagesgeschehen > #788158
| From | "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> |
|---|---|
| Newsgroups | de.talk.tagesgeschehen, de.soc.politik.misc |
| Subject | Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? |
| Date | 2022-03-15 16:04 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <t0q9ub$5eq$1@dont-email.me> (permalink) |
Cross-posted to 2 groups.
Für die, die ihr Hirn hauptsächlich mit Russen-TV nähren:
"
Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"?
15. März 2022 Irene Adler
Geburtsklinik in Mariupol. Bild: Screenshot Telegram-Video
Was ist dran an Fälschungsvorwürfen? Moskau wirft Kiew vor, eine
Video-Reportage über die Bombardierung "arrangiert" zu haben. Auch
deutsche Blogger sind in den Reihen der Kritiker. Die Vorwürfe lassen
sich überprüfen
Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Thomas Röper vom Anti-Spiegel
beeilte sich so sehr, "die neue Brutkastenlüge" der Ukraine
bloßzustellen, dass er selbst vieles außer Acht ließ. Da gerade aber
Röpers dünne Analyse so viel Aufmerksamkeit bekam, lohnt es sich, die
komplexe Faktenlage rund um die bombardierte Geburtsklinik in Mariupol
nochmal zu checken.
Was ist geschehen? Am 9. März berichteten die ukrainischen Behörden,
dass russische Truppen die Entbindungsstation des Krankenhauses Nr. 3
(es war beides: ein Kinderkrankenhaus und eine Entbindungsstation) in
Mariupol beschossen hätten. Kiew teilte später mit, dass infolgedessen
drei Menschen getötet, darunter ein Kind, und 17 weitere verletzt
worden seien. Der Stadtrat von Mariupol betonte, russische
Luftstreitkräfte hätten "das Kinderkrankenhaus vorsätzlich bombardiert".
Die Mitteilung wurden mit Videos begleitet, die zerstörte Gebäude und
Autos zeigen. Der Autor eines Videos, wo ein Auto noch brennt, sagt:
"Artilleriebeschuss... Entbindungsheim". In diesem Video sieht man
zuerst einen Menschen auf einer Trage, dann zwei Männer eine offenbar
schwangere Frau führen.
Im Hintergrund verlassen zwei Dutzend Menschen ein dreistöckiges
Gebäude. Im Telegram-Kanal von Präsident Selenskyj erschien noch am
Nachmittag ein weiteres Video, das innerhalb des Gebäudes gefilmt
wurde. Man sieht zerstörte Räume, Glasscherben, Betten, Tische. Die
medizinischen Geräte werden kaum gezeigt und auch keine Verletzten.
Am Anfang war ein Telegram-Bericht
Am Abend erreichten die Fotos des Fotografen Evgeniy Maloletka die
Medien aus aller Welt. Maloletka nennt sich auf Instagram
Freelance-Fotograf, die Fotos verkaufte er an die Nachrichtenagentur
Associated Press. Auch eine Video-Reportage von Reporter Mstislaw
Tschernow für Associated Press gehört dazu.
Man hört in dem Video zuerst einen heftigen Knall, dann geht der
Kameramann zum Gebäude, das total beschädigt aussieht; im Innenhof ist
alles zerstört; dann sieht man wieder zwei Dutzend Menschen
unmittelbar vor dem Gebäude, darunter eine weinende Frau mit einem
Kind im Arm, eine schwangere Frau auf einer Trage, einen älteren
Jungen, der von einem Soldaten beschwichtigt wird, und eine junge Frau
mit einer Decke, die sich umschaut.
Am 10. März schrieb ein prorussicher Telegram-Kanal "СИГНАЛ" (Zu
Deutsch: Signal), dass die junge Schwangere im Bild, Marianna
Podgurskaja, ein Model und eine bekannte Beauty-Bloggerin in Mariupol
sei. Die junge Frau sei tatsächlich schwanger, steht im Beitrag
geschrieben, sie hätte aber nicht in der Entbindungsklinik "liegen"
können, die von "Asow-Neonazis (gemeint ist das ultranationalistische
Battalion "Asow") besetzt" worden sei.
Marianna sei engagiert worden, so die Botschaft. Auch die russischen
Behörden fingen diese Erzählung auf. Der Sprecher des
Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkow erklärte am 10. März, Kiew
habe den Luftangriff [auf das Krankenhaus] inszeniert, denn Moskau
hätte am Vortag eine Feuerpause für die sichere Evakuierung von
Zivilisten in der Stadt erklärt und die russische Luftfahrt habe an
dem Tag in Mariupol keine Ziele am Boden getroffen.
Inzwischen analysierte der Inhaber des russischen Faktencheck-Portals
"Проверено" (Zu Deutsch: Gecheckt) Ilja Ber für die
regierungskritische Zeitung Meduza mit Sitz in Riga (in Russland zum
"ausländischen Agenten" erklärt) die Argumente derjenigen, die "die
Echtheit des Beschusses bezweifeln". Ber hinterfragt also vor allem
das offizielle russische Narrativ, das sich jedoch ähnlich etwa bei
Röper findet. Die neuen Infomationen, die Mängel der Analyse von
Thomas Röper sowie die eigene Recherche der Autorin dieses Textes für
Telepolis lassen folgende Schlüsse ziehen.
Stolperstein Marianna
Die junge Frau, die auf den Fotos von Maloletka sowie in der
Video-Reportage mit der Decke zu sehen ist, heißt tatsächlich Marianna
Podgurskaja, sie ist Beauty-Bloggerin auf Instagram (aktuell rund
100.000 Follower). Ukrainischen Journalisten zufolge brachte sie am
10. März ein Mädchen zur Welt, was heißt, sie war bereits
hochschwanger und hätte in einer Geburtenklinik ganz natürlich
"landen" können, ohne "Arrangements".
Ihre Tätigkeit als Bloggerin spielt dabei keine Rolle. Ein Argument
einiger Befürworter der Fälschungsthese wie Röper ist, dass Marianna
einmal gehend, einmal auf einer Trage in anderer Kleidung zu sehen
sei. Dabei kann man vor allem auf dem Video klar erkennen, dass die
Frau auf der Bahre nicht "dieselbe" Marianna ist, sondern älter ist
und andere Gesichtszüge hat. Vor allem hier stolpern die
"Entlarvungsversuche" von Röper und anderen.
Geburtsklinik längst von "Asow" eingenommen?
Im Telegram-Beitrag von Signal wird unter anderem auf einen Artikel
vom 8. März in der regierungsloyalen Onlinezeitung Lenta hingewiesen,
wo ein gewisser Igor zitiert wird:
Igor sagte, dass in den letzten Februartagen Menschen in Uniform
in die Entbindungsklinik kamen, in der seine Mutter arbeitet. Er weiß
nicht, ob es sich um Kämpfer der ukrainischen Streitkräfte oder des
nationalistischen Bataillons "Azow" handelte. Das Militär brach alle
Schlösser ein, jagte das Personal des Entbindungsheims auseinander und
richtete im Gebäude Schusspunkte ein, um, wie sie den Ärzten
erklärten, die "Festung Mariupol" für die Verteidigung vorzubereiten.
Lenta
Die Nummer des Krankenhauses wird dabei nicht erwähnt.
Mariupol hat aber allerdings nicht nur eine Entbindungsstation. Auch
wenn das Gesagte stimmt: Igor hätte auch die Geburtsklinik Nr. 1
meinen können. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums
Konaschnenkow berichtete zwar am 5. März, die Bataillone "Asow" und
"Aidar" würden auf die Einheiten der Volksmiliz der Rebellen von
Positionen schießen, die sie in Schulen, Krankenhäusern,
Entbindungskliniken und Kindergärten eingerichtet hätten.
Aber er nannte keine Nummern dieser Einrichtungen. Man sollte das von
ihm wie von anderen Politikern auch nicht erwarten. Der russische
UN-Botschafter Wassili Nebensja erwähnte jedoch am 7. März in seiner
UN-Rede gerade die Geburtsklinik Nr. 1, die die ukrainischen Soldaten
angeblich eingenommen und dort eine Stellung aufgebaut hätten.
Auch wenn das stimmen sollte: Es lässt sich daraus nicht
schlussfolgern, dass es auch für die Geburtsklinik Nr. 3 stimmt, die
in einem anderen Bezirk der Grosstadt liegt. Interessanterweise
bestritt Außenminister Sergei Lawrow am 10. März auch nicht, dass das
Gebäude der Geburtsklinik Nr. 3 beschossen wurde – er sprach lediglich
von deren angeblichen Einnahme durch "Asow".
Die Autorin dieses Textes versuchte, für die unabhängige Überprüfung
dieser Informationen ihre Kontakte in Mariupol zu erreichen, darunter
eine Direktorin eines Hilfsfonds – vergebens. Sie ist seit zehn Tagen
telefonisch nicht erreichbar, und ihren letzten Social-Media-Posts vom
4. März ist zu entnehmen, dass sie vor allem kleine Kinder in Kellern
unterbringt und sie da auch schlafen. Andere Ukrainer berichteten
parallel über massive Probleme mit Strom und Mobilfunk in Mariupol.
Zweifel an der Echtheit der Video-Reportage
Wir haben schon festgestellt, dass bei Marianna aus dem Video die
Entbindung kurz bevorstand und sie einen Termin ganz natürlich
wahrnehmen konnte. Das Argument, es sei für die "Inszenierung" eine
Frau "arrangiert" worden, scheitert zweimal, auch weil neben Marianna
viele andere Menschen und auch Frauen im Bild sind. Am Ende des Videos
werden Bilder innerhalb des massiv beschädigten Gebäudes gezeigt, wo
man auch Reste der medizinsichen Technik zu sehen sind.
Im großen Stil der Verschwörungstheoretiker weist Röper darauf hin,
dass Kinder in dem Video angeblich nicht rechtzeitig oder gar nicht
heulen oder dass die Soldaten, von denen es in dem Video viele zu
sehen gibt, Frauen "unprofessionell" den Kopf verbinden würden.
Die Autorin dieses Textes bat vor diesem Hintergrund einen
langjährigen technischen Direktor und Videoproduzenten aus Berlin, das
Video auszuwerten. Ihm seien andere "Merkwürdigkeiten" aufgefallen:
dass das gesamte Video nicht mit einem Handy, sondern offenbar mir
einer sehr guten Kamera und einem Stabilisator aufgenommen worden sei,
die man in Situationen wie einem Beschuss normalerweise nicht gleich
zur Hand habe.
Das ist aus seiner Sicht zwar auffällig, spricht aber nicht gleich für
eine Inszenierung. Viel interessanter findet er eher die Frage, ob es
nur ein Knall war, der die Gebäude so unterschiedlich beschädigt habe,
oder mehrere.
Fazit
Über die Feuerpause, die Moskau für Mittwoch ankündigte, hatte die
russische Nachrichtenagentur Interfax schon am Dienstagabend
geschrieben. Es lässt sich aber nicht unabhängig bestätigen, dass
Moskau an diesem Tag, wie Konaschenkow sagt, "keine Ziele am Boden
getroffen" habe, denn beide Seiten werfen eineinder die
Nicht-Einhaltung von Waffenpausen vor.
Es bleibt noch die Frage: Wenn in der Video-Reportage bei der
Evakuierung von Menschen aus dem massiv beschädigten Gebäude gleich so
viele ukrainische Soldaten in Uniform zu sehen sind, kann es sein,
dass ihre Schussposition sich in der unmittelbaren Nähe von der
Geburtsstation befunden haben, während sie weiter funktionierte?
Es ist nur schwer vorstellbar, dass in einer belagerten und unter
ständigem Beschuss stehenden Stadt solch eine komplexe Inszenierung
organisiert werden konnte, auch wenn sie nicht zu 100 Prozent
ausgeschlossen werden kann.
Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums ist die schwangere
Frau im Video auf der Bahre zwischenzeitlich als Opfer des Angriffs
verstorben. Ebenso das Kind in ihrem Mutterleib. Die mit ihr
fälschlicherweise identifizierte Marianna ist mit Kind wohlauf. (Irene
Adler) "
(telepolis, heise)
--
“Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muß die Gegend verlassen, wo
sie gelten.” (Johann Wolfgang von Goethe)
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Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> - 2022-03-15 16:04 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-03-15 16:25 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> - 2022-03-15 16:55 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-03-15 17:01 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> - 2022-03-15 17:06 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-03-15 17:27 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Markus Schaaf <mschaaf@elaboris.de> - 2022-03-15 17:44 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Lupenreiner Theokrat <88-Karat@Alles-Ketzer-ausser-Vati-in-Rom.de> - 2022-03-15 23:15 +0200
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Peter Veith <veith@snafu.de> - 2022-03-15 22:20 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Der Putinversteher <ichhabeverstanden@sogetthis.com> - 2022-03-15 22:27 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Dr. theol. Werner-Walter Putin" <wwputin@web.de> - 2022-03-15 23:28 +0200
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-03-15 23:10 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Peter Heirich" <talk.usenet@info21.heirich.name> - 2022-03-16 06:27 +0000
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Markus Schaaf <mschaaf@elaboris.de> - 2022-03-16 11:11 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-03-15 23:10 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> - 2022-03-16 07:28 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Peter Heirich" <talk.usenet@info21.heirich.name> - 2022-03-16 07:32 +0000
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-03-16 15:30 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-03-16 15:30 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> - 2022-03-16 16:28 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-03-16 18:53 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Der Habakuk." <habakuk@linuxmail.org> - 2022-03-16 19:14 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-03-16 19:20 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Peter Heirich" <talk.usenet@info21.heirich.name> - 2022-03-17 01:51 +0000
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Volker Neurath <neanderix@gmx.de> - 2022-03-16 20:22 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? Markus Schaaf <mschaaf@elaboris.de> - 2022-03-16 20:27 +0100
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "Peter Heirich" <talk.usenet@info21.heirich.name> - 2022-03-17 02:29 +0000
Re: Reportage über Geburtsklinik-Angriff in Mariupol "gefälscht"? "F. W." <me@home.com> - 2022-03-16 07:36 +0100
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