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Re: Kein was aus russland...

From Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Kein was aus russland...
Date 2022-03-09 08:32 -0500
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <t0aa8r$rof$1@dont-email.me> (permalink)
References <j8q7fdFcea4U1@mid.individual.net> <t09g4u$ud3$1@dont-email.me>

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Salve allerseits,

Martin Ebert schrieb:
> Am 09.03.22 um 00:34 schrieb Bernd Ullrich:
>
>> S.J. will kein öl aus russland kaufen, er stirbt ungesalbt...
> 
> mal ganz im Vertrauen, ich habe ja Deine letzten Beiträge gelesen:
> Also wenn Russland auf Dich als 5. Kolonne zurückgreifen müsste,
> hat es direkt verloren:
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Wäre es ein Blitzkrieg geworden, gäbe es wahrscheinlich weniger
| Kollateralschäden. Aber je länger der Krieg in der Ukraine dauert, desto
| mehr Zerstörungen sind zu verzeichnen.
|
| Das hängt auch mit den eingesetzten Waffensystemen zusammen.
|
| *Was aus der Luft kommt*
|
| In der allerersten Phase des Krieges verfolgte der russische Angreifer
| offenbar das Ziel, die Lufthoheit zu erringen und mit einer
| Luftlandeoperation rasch ins Zentrum von Kiew vorzustoßen. Das erste
| Ziel wurde weitgehend erreicht, die russischen Aggressoren haben die
| Luftwaffe der ukrainischen Verteidiger bereits in den ersten beiden
| Tagen des Überfalls weitgehend ausgeschaltet. Dazu wurden laut
| westlichen Experten SS-26-"Iskander"-Boden-Boden-Raketen (Reichweite 70
| bis 280 Kilometer) sowie "Kalibr"-Marschflugkörper, die von einer MiG-31
| gestartet werden, eingesetzt. Auch wenn ein Großteil der
| Boden-Infrastruktur, die für einen geregelten Flugbetrieb einer
| Luftwaffe notwendig ist, zerstört ist, führten auch in dieser Woche
| einige ukrainische Suchoi Su-24 (Nato-Codename "Fencer") und Su-25
| "Frogfoot" erfolgreiche Angriffe auf russische Bodenziele durch.
|
| Der russische Militärkonvoi nordwestlich von Kiew, über den seit den
| ersten Kriegstagen berichtet wird, wäre eigentlich ein lohnendes Ziel
| für die Verteidiger – die ukrainische Luftwaffe hat aber keine Chance,
| ihn zu zerschlagen.
|
| *Verheerende Bombardements*
|
| Umgekehrt können sich russische Bomber weitgehend unbehelligt im
| ukrainischen Luftraum bewegen. Dies geschah in den ersten Tagen mit
| endphasengesteuerten Präzisionsbomben. Der österreichische
| Militärwissenschafter Oberst Markus Reisner weist im Gespräch mit dem
| STANDARD darauf hin, dass viele Angriffsverfahren der Russen bereits im
| Krieg in Syrien erprobt wurden – dass aber den Russen offenbar die
| präzise Hightech-Munition ausgehe.
|
| Jetzt würden daher mehr Freifallbomben vom Typ FAB 250 beziehungsweise
| die eine halbe Tonne schwere FAB 500 mit einer Sprengkraft von 300 Kilo
| TNT (das ist der militärische Sprengstoff Trinitrotoluol, dessen Wirkung
| als Referenzgröße herangezogen wird) abgeworfen. Um diese Bomben
| treffsicher ins Ziel zu bringen, müssen die Flugzeuge relativ tief
| fliegen, was sie wiederum zu leichteren Zielen der ukrainischen
| Luftabwehr macht. Fliegt der Angreifer höher, trifft er weniger genau,
| bleibt aber selbst sicherer.
|
| Hohe Kollateralschäden an zivilen Strukturen werden dabei billigend in
| Kauf genommen.
|
| Das betrifft auch den Einsatz von gar nicht auf Präzision abzielenden
| Clusterbomben – diese Munitionsart, die auch mit Artillerie verschossen
| werden kann, entlässt über dem Ziel eine Vielzahl kleiner Sprengkörper
| mit Splitterwirkung. Ihr Einsatz ist international geächtet und wird von
| russischer Seite bestritten. Die USA aber werfen Russland vor, diese
| Waffe einzusetzen. Zur unmittelbaren Wirkung – dutzende, wenn nicht
| hunderte kleine Explosionen – kommt die Gefahr, dass viele
| Munitionsteile nicht sofort zünden, sondern jahrzehntelang als
| gefährliche Kriegsrelikte im Boden bleiben.
|
| Als noch verheerender gelten die ebenfalls geächteten thermobarischen
| Bomben und Munitionsarten, die in den Medien meist als "Vakuumbombe"
| bezeichnet werden. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg vom österreichischen
| Ingenieur Mario Zippermayr erfunden und basieren auf dem Prinzip, dass
| ein entzündbares Aerosol im Zielgebiet ausgebracht und
| Sekundenbruchteile später gezündet wird. Es kann sich dabei um
| Flüssigkeiten (daher die englische Bezeichnung "Fuel-Air-Explosives", in
| denen Benzin oder Ethylenoxid eingesetzt wird) oder Stäube (Kohle,
| Aluminium) handeln. Dabei entsteht eine sehr heiße Explosion, danach
| eine extreme Druckwelle. Da sehr viel Luftsauerstoff in der explosiven
| Reaktion verbraucht wird, entsteht eine starke Sogwirkung (daher
| "Vakuum"-Bombe), die die Lungen von Menschen in der Umgebung zerstören
| kann.
|
| Diese thermobarischen Waffen können von der Größe sehr kleiner
| Infanteriesysteme bis hin zu Bomben, die in der Wirkung einer taktischen
| Atombombe gleichkommen, skaliert werden. Russland verfügt über solche
| Systeme, bestreitet aber deren Einsatz.
|
| *Artillerie, Panzer und Infanterie*
|
| Russland bereitet seine Angriffe – wie schon im Zweiten Weltkrieg –
| zunächst mit massivem Artilleriefeuer vor. Dieses kommt ziemlich genau
| gezielt aus Haubitzen, zusätzlich aber auch aus Raketenwerfern vom Typ
| "Grad" und "Smerch". Eine solche Salve kann eine Zielfläche von etwa
| drei Hektar (das entspricht der Größe von vier Fußballfeldern) verwüsten
| – und die Wirkung in bewohnten Gebieten ist besonders verheerend. Bei
| früheren Einsätzen haben russische Truppen solche Zerstörungen bewusst
| herbeigeführt – die Folgen in Grosny und Aleppo sind bekannt.
|
| Erst nach heftigem Artilleriebeschuss werden Panzer in die betreffende
| Kampfzone geführt. Den ukrainischen Verteidigern ist es – wie von der
| Website Oryx dokumentiert – im Verlauf der ersten beiden Kriegswochen
| gelungen, mehr als 900 militärische Geräte zu zerstören oder sogar zu
| erobern. Darunter fallen mehr als 140 Kampfpanzer, 90 gepanzerte
| Gefechtsfeldfahrzeuge und 130 Mannschaftstransportpanzer.
|
| *Chancen der Ukraine*
|
| Was dem österreichischen Militärexperten Reisner auffällt: Die
| russischen Truppen haben offenbar Nachschubprobleme. Wenn einzelne
| Kampffahrzeuge bei den Vorstößen – vor allem im Südwesten der Ukraine
| werden ja bedeutende Gebietsgewinne gemacht – liegenbleiben, dann müssen
| sie oftmals aufgegeben werden, weil die Instandhaltungstrupps nicht
| nachkommen. Und rollen sie doch an, dann werden sie zu leichten Zielen
| von ukrainischen Jagdkämpfern, die im Sinn einer Nadelstichtaktik das
| russisch besetzte Territorium unsicher machen.
|
| So gelingt es ukrainischen Kämpfern auch immer wieder, einzelne
| russische Fahrzeuge und Waffen zu erbeuten – eine besondere Ausbildung
| brauchen sie meist nicht, weil ein großer Teil der ukrainischen
| Bewaffnung aus Beständen der Sowjetarmee stammt oder (ebenso wie auf
| russischer Seite) auf deren Basis weiterentwickelt wurde. Auch sind die
| bei Oryx dokumentierten Verluste auf russischer Seite wesentlich höher
| als auf ukrainischer, was wiederum von den Russen ganz anders
| dargestellt wird.
|
| *Internet und Mobilfunk*
|
| Auffallend ist auch, dass der erwartete Cyberwar – noch – nicht zu einem
| Totalausfall der elektronischen Infrastruktur der Ukraine geführt hat.
| Amerikanische Analysten vermuten, dass die Russen etwa das ukrainische
| Mobilfunknetz auch für eigene Kommunikation nutzen.
|
| Das ändert aber wenig an der generellen Überlegenheit der Russen. Nicht
| nur müssen die Ukrainer einen hohen zivilen Blutzoll tragen (dem keine
| zivilen Opfer auf russischer Seite gegenüberstehen), sie sind auch in
| den Bereichen elektronische Aufklärung (Satellitenbilder) und
| elektronische Kriegsführung (Störung der Kommunikation des Gegners)
| unterlegen.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.derstandard.at/story/2000133924905/so-verheerend-wirken-die-waffen-die-in-der-ukraine-eingesetzt?ref=rss>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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Kein was aus russland... Bernd Ullrich <ullrich_bernd@hotmail.com> - 2022-03-09 00:34 +0100
  Re: Kein was aus russland... Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2022-03-09 07:06 +0100
    Re: Kein was aus russland... Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-03-08 22:15 -0800
    Re: Kein was aus russland... Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2022-03-09 08:32 -0500
      Re: Kein was aus russland... Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-03-09 05:53 -0800
    Re: Kein was aus russland... spamfalle2@arcor.de (Marc Stibane) - 2022-03-10 19:03 +0100
      Re: Kein was aus russland... Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2022-03-10 20:08 +0100
      Re: Kein was aus russland... Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2022-03-11 00:59 +0100
        Re: Kein was aus russland... Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-03-10 22:56 -0800
        Re: Kein was aus russland... Gunter Kühne <kuehne-g@freenet.de> - 2022-03-11 18:45 +0100

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