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| From | Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Das war Putins Plan: |
| Date | 2022-02-28 12:43 +0000 |
| Message-ID | <svig1b$1tapv$1@solani.org> (permalink) |
https://www.faz.net/aktuell/politik/russische-nachrichtenagentur-feiert-irrtuemlich-sieg-17840071.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 Bevor der Artikel Text hinter einer PayPal der FAZ wieder verschwindet zitiere ich ihn hier vollständig. Lars, du hast doch immer gefragt woher wir wüssten was Putins Plan ist? Nun, hier steht er: Auch was sie erwartet haben an westlicher Gegenreaktionen steht da. ——————————— Kommentar in Staatsmedium: Russische Nachrichtenagentur feiert irrtümlich Sieg vor 13 Minuten Immer mehr deutet darauf hin, dass Moskau von einem raschen Sieg ausging und dass auch die Staatsmedien darauf vorbereitet worden sind. Das zeigt ein Vorfall bei der staatlichen Nachrichtenagentur Ria. Die veröffentlichte einen vorbereiteten Kommentar, in dem der Autor den Sieg Russlands über die Ukraine feierte. Der Kommentar wurde am Samstagmorgen – der Nacht nach dem gescheiterten ersten Großangriff auf Kiew – offenbar irrtümlich veröffentlicht, rasch wieder vom Netz genommen, aber im Webarchiv gespeichert. Solche Vorgänge kommen vor, denn Medien bereiten für erwartete Ereignisse Artikel vor, um schnell ihre Leser erreichen zu können. Erst vor Kurzem hatte Moskau viel Häme über den amerikanischen Mediendienst „Bloomberg“ geäußert, der einige Tage vor der russischen Invasion schon kontrafaktisch den Beginn der russischen Invasion vermeldet hatte, ehe der entsprechende Artikel zurückgezogen wurde. Nun geht Rias Text, eine Paraphrase von Aussagen Putins zur Rolle der Ukraine und dem Ringen mit dem Westen, schon von einem Sieg aus. Die Überschrift des Kommentars kann man übersetzen mit „Anbruch Russlands und der neuen Welt“ oder „Angriff Russlands und der neuen Welt“. Der Ria-Kolumnist Pjotr Akopow feiert darin, dass „Russlands Militäroperation in der Ukraine eine neue Ära eröffnet hat“. Er geht von einem Sieg in der gesamten Ukraine aus. Dieser hätte die Russen zu Beginn des vergangenen Wochenendes positiv überrascht, waren sie doch von Putin und den Staatsmedien und auf eine begrenzte „Operation“ im Donbass vorbereitet worden. Kommentator schreibt von Sammlung der russischen Welt „Russland stellt seine Einheit wieder her“, schreibt Akopow mit Blick auf die Sowjetunion, deren Grenzen Putin mehrfach als „historisches Russland“ bezeichnet hat. Die „Tragödie des Jahres 1991“, des Auseinanderfallens der Sowjetunion, sei „überwunden. Ja, um einen hohen Preis, ja, über tragische Ereignisse eines faktischen Bürgerkriegs, weil jetzt noch Brüder aufeinander schießen“, schreibt Akopow, offenbar als Absicherung für den Fall, dass einzelne Ukrainer noch Widerstand leisten sollten. „Aber die Ukraine als Anti-Russland wird es nicht mehr geben“, heißt es in Anwendung eines Putin-Zitats, das in Moskaus Elite oft angebracht wird. Ein Screenshot zeigt den am 26. Februar von der staatlichen Nachrichtenagentur Ria veröffentlichten russischen Siegeskommentar. „Russland stellt seine historische Fülle wieder her, sammelt die russische Welt, das russische Volk gemeinsam, in seiner Gesamtheit der Großrussen, Belarussen und Kleinrussen“; mit Letzteren sind die Ukrainer gemeint. Hätte Russland das nicht getan, sondern erlaubt, „dass sich die zeitweise Trennung auf Jahrhunderte verfestigt, hätten wir nicht nur das Andenken unserer Vorfahren verraten, sondern wären auch von unseren Nachfahren verflucht worden dafür, dass wir das Auseinanderfallen der Russischen (sic) Erde zugelassen hätten“. Putin habe „historische Verantwortung“ übernommen, indem er entschied, „die Lösung der ukrainischen Frage nicht künftigen Generationen zu überlassen“. Das sei nötig gewesen, damit aus der Ukraine kein „Anti-Russland und kein Vorposten des Westens zum Druck auf uns“ werde. Inszenierte patriotische Aufwallung Diesen Umstand hat Putin immer wieder hervorgehoben und so einen Präventivkrieg begründet, der künftigen Risiken nach einem NATO-Beitritt der Ukraine vorbeugen solle. Wohl, weil geplant war, nach einem hypothetischen raschen Sieg eine patriotische Aufwallung zu inszenieren, schreibt Akopow, dieser Faktor sei nur sekundär, „der erste ist immer der Komplex des getrennten Volkes gewesen, der Komplex nationaler Erniedrigung“. Die Ukraine „zurück zu Russland zu bringen“ wäre „mit jedem Jahrzehnt schwieriger“ geworden, aufgrund einer „Umkodierung“ und „Entrussifizierung“ der Ukrainer; auch das hat Putin beklagt. Hätte, so Akopow, „der Westen die völlige geopolitische und militärische Kontrolle“ über die Ukraine „verfestigt, wäre ihre Rückkehr zu Russland vollkommen unmöglich geworden – man hätte dafür mit dem atlantischen Block kämpfen müssen“. Doch nun, so der Siegeskommentar, „gibt es dieses Problem nicht – die Ukraine ist zu Russland zurückgekehrt“. Das heiße nicht, dass „ihre Staatlichkeit aufgelöst“ werde, aber die Ukraine werde „umgebaut, neu gegründet und zurück zu ihrem natürlichen Zustand als Teil der russischen Welt gebracht“. Bild: Adobe Stock Krieg in der Ukraine Wie genau, ob über Moskaus Verteidigungsbündnis ODKB, die Eurasische Union oder den Unionsstaat Russlands mit Belarus, werde noch entschieden. Jedenfalls würden die drei Staaten jetzt schon „geopolitisch als ein Ganzes“ auftreten. Der Westen werde empört sein, aber „in der Tiefe der Seele anerkennen müssen, dass es anders nicht sein konnte“. Habe man in Paris und Berlin wirklich geglaubt, dass Moskau auf Kiew verzichten werden, fragt der Kommentator, der außer acht lässt, dass Putin zwar die Eigenständigkeit und Staatlichkeit der Ukraine immer wieder mit historischen Ausführungen angezweifelt hat, aber bis in die vergangene Woche dem Minsker Prozess verpflichtet blieb, der eine ukrainische Souveränität voraussetzt. Hätten die Russen „auf immer ein getrenntes Volk“ bleiben sollen, obwohl sie doch den Deutschen aus „gutem (wenn auch nicht sehr klugen) Willen“ die Wiedervereinigung ermöglicht hätten, fragt Akopow, wiederum Äußerungen Putins aufgreifend. Mit Blick auf Sanktionen – für die man auch für den Fall eines schnellen Sieges rechnen musste – schreibt Akopow, der Westen versuche nun, Russland dafür zu bestrafen, dass es „zurückgekehrt“ sei und es nicht zugelassen habe, dass sich der Westen „auf Kosten“ Russlands nach Osten ausdehne. Doch Druck werde nichts ausrichten, „Verluste“ werde es auf beiden Seiten geben, „aber Russland ist moralisch und geopolitisch dazu bereit“. Europa müsse sich nun, nach der „Rückkehr“ Russlands, von „angelsächsischer Kontrolle“ freimachen, denn die „Angelsachsen“ zögen es in eine Konfrontation mit Russland hinein. Akopow frohlockt mit Blick auf ein anderes, häufiges Putin-Wort, das der Präsident der vermeintlichen amerikanischen Hegemonie gegenüberstellt: „Die multipolare Welt ist endlich Realität geworden.“ China, Indien, Lateinamerika und Afrika, die islamische Welt und Südostasien glaubten alle nicht, dass der Westen die Weltordnung anführe und die Spielregeln bestimme. „Russland hat nicht einfach den Westen herausgefordert, es hat gezeigt, dass man die Ära westlicher globaler Herrschaft vollkommen und endgültig für beendet halten kann.“ Jetzt würden „alle Zivilisationen und Kraftzentren natürlich zusammen mit dem (geeinten oder nicht) Westen die neue Welt bauen“, doch nicht zu westlichen Bedingungen und Regeln, vermutet der Kommentator. Zum neuen Sachstand äußerte er sich bis Montagmittag nicht. Der wirkliche Sachstand Am Sonntagabend gab das russische Verteidigungsministerium erstmals zu, in der Ukraine Verluste zu haben: „Leider gibt es getötete und verwundete Kameraden. Aber unsere Verluste sind um ein Vielfaches geringer als die der vernichteten Nationalisten und die Verluste unter den Soldaten der ukrainischen Streitkräfte“, hob ein Ministeriumssprecher hervor. Mehr zum Thema 1/2 Offenbar ist entschieden worden, die Russen behutsam darauf vorzubereiten, dass die „militärische Spezialoperation“, von der die Bevölkerung weiterhin glauben soll, dass der Schwerpunkt im Donbass und auf „Gegenangriffen“ der dortigen „Volksrepubliken“ liege, nicht nach Plan läuft. Der irrtümlich veröffentlichte Kommentar ist nur einer von vielen Hinweisen, die dafür sprechen, dass man glaubte, einen schnellen Sieg zu erringen, in einer Blitzaktion die ukrainische Führung in Kiew ausschalten und ein moskautreues Regime installieren zu können – fußend auf dem von in Moskau verbreiteten Irrglauben, dass die Ukrainer nur darauf warteten, „befreit“ zu werden oder wenigstens keine große Gegenwehr zu leisten. Dafür spricht ferner, dass die ukrainischen Streitkräfte neben russischen Soldaten auch Sonderpolizisten gefangen nahmen, wie sie in Russland etwa gegen Demonstranten eingesetzt werden. Solche Sicherheitskräfte wären unter einem Besatzungsregime dafür zuständig, die „Ordnung“ aufrechtzuerhalten. Laut einem Bericht des Newsportals „Tayga.info“ fiel unter anderen der Leiter einer SOBR-Sonderpolizeieinheit aus dem sibirischen Gebiet Kemerowo in der Ukraine. Eine Quelle des Portals sagte, eine Kolonne von Sonderpolizisten aus den sibirischen Städten Nowosibirsk und Krasnojarsk sei unter Beschuss geraten. —————————— Soweit also Putins Plan und seine medial vorbereitete Darstellung. Stimmt recht genau mit unseren Vermutungen über seine Vorstellungen überein, Lars. -- please forgive my iPhone typos
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Das war Putins Plan: Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2022-02-28 12:43 +0000
Re: Das war Putins Plan: Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2022-02-28 14:08 +0100
Re: Das war Putins Plan: Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2022-02-28 14:15 +0100
Re: Das war Putins Plan: Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2022-02-28 18:23 +0100
Re: Das war Putins Plan: Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2022-02-28 19:11 +0100
Re: Das war Putins Plan: Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2022-02-28 19:40 +0100
Re: Das war Putins Plan: Wilhelm Ernst <newstrap@t-online.de> - 2022-02-28 18:36 +0100
Re: Das war Putins Plan: "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2022-02-28 18:41 +0100
Re: Das war Putins Plan: Frank Hucklenbroich <hucklenbroich@gmx.net> - 2022-02-28 21:36 +0100
Re: Das war Putins Plan: Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2022-02-28 12:53 -0800
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