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Re: "Monoatomisches Gold"

From "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: "Monoatomisches Gold"
Date 2021-11-09 10:19 +0100
Message-ID <smdee6$2r3$1@solani.org> (permalink)
References <5eee553c-58af-4937-965c-c1430bb3db4en@googlegroups.com> <smbdn2$h7j$1@solani.org> <smdbum.8f8.1@wxp-nb-pm.local> <smdhd4.6i0.1@privat.lahls.de>

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Am 09.11.21 um 10:09 schrieb Ruediger Lahl:
> *Andreas Bockelmann* schrieb:
> 
>> Dr. Joachim Neudert schrieb:
>>> Am 08.11.21 um 15:53 schrieb Herwig:
>>>> https://www.ormuspro.ch/
>>>>
>>> Die ESoteriker werden Dich bald haben. Nochmal 5 oder 10 Jahre, und Du
>>> glaubst daran...
>>
>> In dem Link las ich etwas von "kollodialem Gold" das kannte ich bisher nur
>> von Silber. Ich frage mich wann die Spinner bei Platin, Rhodium, Yttrium und
>> Palladium angelangt sind.
> 
> Für Dummenfang muss mindestens ein den Dummen bekannter Begriff drin
> sein und das ist eben "Gold". Wer den Begriff "Platin" kennt ist schon
> nicht mehr dumm genug für den Schwachsinn.
> 

Es ist nicht komplett abstrus. Gold wurde bis in die 90er Jahre 
empirisch als Rheuma-Basistherapie eingesetzt. OK, nicht von mir...

https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/basiswissen/gold-als-heilmittel-721063.html

"Gold beeinflusst das Immunsystem
Erst vor rund zehn Jahren fand eine schwedisch-amerikanische Studie 
he­­raus, warum Gold Rheumabeschwerden lindert. In winzigen Mengen wirkt 
es regulierend auf das Immunsystem. Goldsalze können in bestimmten 
Immunzel­len (Makrophagen) verhindern, dass entzündungsfördernde 
Proteine freigesetzt werden. "Nun, da wir den Wirkmechanis­­mus genauer 
kennen, können wir neue und bessere Medikamente gegen rheumatoide 
Arthritis entwickeln, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren", 
erklärte David Pisetsky von der Duke-Universität in Durham (USA) der 
Presse."

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-452006/wie-gold-bei-rheuma-wirkt/

"Amerikanische Wissenschaftler fanden erst dieses Jahr heraus, wie 
Goldverbindungen bei Rheuma wirken. Dabei war die Arbeitsgruppe um 
Stephen de Wall von der Harvard Medical School in Boston gar nicht auf 
der Suche nach dem Wirkmechanismus von Goldpräparaten, sondern einem 
Ansatzpunkt für neue Antirheumatika auf der Spur. Im Visier hatten die 
Wissenschaftler Makrophagen mit ihren charakteristischen 
Oberflächenmolekülen, die bei der körpereigenen Immunreaktion eine 
entscheidende Rolle spielen: Um andere Abwehrzellen wie T-Lymphozyten zu 
aktivieren, müssen winzige Bruchstücke eingedrungener Viren oder 
Bakterien an der Oberfläche der Makrophagen präsentiert werden. Dazu 
werden sie an sogenannte MHC-II-Moleküle (Major Histocompatibility 
Complex) gekoppelt, wo sie wie ein Fähnchen den T-Zellen die Infektion 
signalisieren.

Innerhalb des MHC-II-Komplexes werden die antigen wirkenden Bruchstücke 
in einer Mulde festgehalten. Landen dort jedoch statt Bakterienteile 
körpereigene Peptide, wird eine Autoimmunreaktion in Gang gesetzt.

Die Antigen-Präsentation verhindern

Genau das wollten die Wissenschaftler unterbinden. Dazu überprüften sie 
gut 28.000 unterschiedliche chemische Verbindungen und Naturextrakte. 
Ihr Erfolg war allerdings bescheiden: Nur vier Metallkomplexe mit Gold, 
Platin oder Palladium verdrängten die körpereigenen Peptide aus ihrer 
Nische.

De Wall und seine Kollegen gingen dieser Beobachtung nach und stellten 
fest, dass sich die Edelmetallionen an die MHC-II-Moleküle binden, 
jedoch an einer anderen Stelle als die Peptide. Offenbar verändern sie 
die räumliche Struktur des MHC-II-Komplexes, denn die 
Metallionen-vermittelte Peptid-Abspaltung verläuft deutlich schneller 
als die intrinsische. Die Metallkomplexe wirken also nicht einfach 
aufgrund kompetitiver Hemmung, sondern auf der Basis eines 
allosterischen Mechanismus.

Die veränderten MHC-II-Moleküle können die Eiweißbruchstücke nicht mehr 
festhalten und somit werden auch keine T-Zellen alarmiert. Die 
Bindungsstelle der MHC-II-Moleküle, an die sich die Metallionen heften, 
war bisher nicht bekannt.

Gold (I) wirkt als Prodrug

Neue Wirkstoffe haben die Wissenschaftler bei ihrer Untersuchung also 
nicht gefunden, doch eine Erklärung, weshalb Goldpräparate, wie 
Auranofin oder Natriumaurothiomalat, bei Rheuma wirken. Allerdings 
zeigte sich, dass Gold-(I)-Komplexe bei In-vitro-Versuchen keine Peptide 
von MHC-II-Molekülen abspalten konnten; dies gelang nur 
Gold-(III)-Verbindungen. Vermutlich fungieren Gold-(I)-Verbindungen als 
Prodrugs, die im Körper zu aktiven Gold-(III)-Verbindungen oxidiert 
werden. Weitere Experimente zeigten, dass Phagozyten während eines 
Entzündungsprozesses Hypochlorit freisetzen, das den notwendigen 
Oxidationsprozess anstößt.

Goldtherapie mit Tradition

Gold wird seit langem in der Medizin eingesetzt. Robert Koch zeigte 
1890, dass Kaliumdicyanoaurat Tuberkelbazillen vernichtete. In den 
30er-Jahren des letzten Jahrhunderts behandelte der französische Arzt 
Jacques Forestier Rheumapatienten mit einer Goldverbindung. Seine 
Therapie basierte auf der weit verbreiteten, jedoch falschen Annahme, 
rheumatoide Arthritis sei eine atypische Form von Tuberkulose. In den 
folgenden Jahrzehnten wurden Aurumpräparate bei rheumatischen 
Erkrankungen, aber auch entzündlichen Autoimmunkrankheiten, wie Lupus 
erythematodes, breit eingesetzt. Sie begründeten die erste Generation 
von Basismedikamenten gegen Rheuma, später als Disease-modifying 
antirheumatic drugs (DMARD) bezeichnet.

Da Goldverbindungen jedoch erst nach einem halben Jahr wirken und häufig 
Haut und Blutbildung beeinträchtigen, werden heute moderne DMARDs wie 
Methotrexat oder Biologicals wie Etanercept und Infliximab vorgezogen. 
Doch in ihrer Wirksamkeit können Goldverbindungen mit den neueren 
Medikamenten durchaus mithalten.

So lag es nahe, die Goldtherapie bei rheumatoider Arthritis weiter zu 
entwickeln. Bisher scheiterte das jedoch daran, dass der Wirkmechanismus 
unklar war. Vielleicht lassen sich jetzt auf Basis dieser Untersuchung 
weniger toxische Substanzen entwickeln, die sich an die neue entdeckte 
Metallbindungsstelle anheften und so die weit verbreitete 
Autoimmunreaktion unterbinden.


Quelle: de Wall, S., et al., Noble metals strip peptides from class II 
MHC proteins. Nat Chem Biol. 2(4) (2006) 197-201."

-- 
Bitt um Vrzihung, di Tast " " klmmt manchmal...

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"Monoatomisches Gold" Herwig <herwig.huener@t-online.de> - 2021-11-08 06:53 -0800
  Re: "Monoatomisches Gold" "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2021-11-08 15:54 +0100
    Re: "Monoatomisches Gold" Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2021-11-09 08:36 +0100
      Re: "Monoatomisches Gold" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-11-09 00:50 -0800
      Re: "Monoatomisches Gold" Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2021-11-09 10:09 +0100
        Re: "Monoatomisches Gold" "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2021-11-09 10:19 +0100
          Re: "Monoatomisches Gold" Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2021-11-09 11:25 +0100
  Re: "Monoatomisches Gold" Johannes Leckebusch <jlnospam@johannes-leckebusch.de> - 2021-11-08 19:23 +0100
    Re: "Monoatomisches Gold" Stephan Elinghaus <290921.6.seli@spamgourmet.com> - 2021-11-11 08:15 +0100
      Re: "Monoatomisches Gold" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-11-11 00:35 -0800
        Re: "Monoatomisches Gold" Stephan Elinghaus <seli@spamgourmet.com> - 2021-11-11 19:11 +0000
          Re: "Monoatomisches Gold" Johannes Leckebusch <jlnospam@johannes-leckebusch.de> - 2021-11-11 20:15 +0100
          Re: "Monoatomisches Gold" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-11-12 02:33 -0800
  Re: "Monoatomisches Gold" Hartmut Ott <hottm@arcor.de> - 2021-11-09 14:01 +0100
  Re: "Monoatomisches Gold" Wolf gang P u f f e <remail@gmx.com> - 2021-11-09 21:51 +0100

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