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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: "dezent aufgefrischt" |
| Date | 2021-11-02 16:59 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <slrn8h$2bu$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (1 earlier) <slr83g$att$2@dont-email.me> <iucsqlF8onU1@mid.individual.net> <slrgrn$f6n$1@dont-email.me> <slri85$r2g$1@dont-email.me> <slrju4$dh1$1@solani.org> |
Salve allerseits, Dr. Joachim Neudert schrieb: > Am 02.11.21 um 15:33 schrieb Fidel Sebastián Hunrichse-Lara: > >> Schon mal daran gedacht, dass es schlicht daran liegt, dass es nicht >> für den westeuropäischen Geschmack designt wurde? Der asiatische Geschmack >> ist anders! Xander Zhou ist die neue Coco Chanel in CN und Longio Watch >> Co., Ltd. hat eine eigene chinesische Luxus-Uhrenmarke auf den Markt >> gebracht! Selbst die High-Fashion-Marken haben inzwischen speziell >> auf die asiatische Wünschen angepasste Modelle... ❃ႣᄎႣ❃ > > Lass es mich mal auf den Punkt bringen: statt Eleganz, Zeitlosigkeit > und Ästhetik bevorzugt der erfolgreiche Chinese Protz, Klunker, > Bling-Bling und Protz, und Chrom und Blink und fett und lang und > schwer, und hatten wir Protz schon, und das ganze nicht zu billig und > ein bisserl protzig aufgebretzelt. > +--- <hier abknabbern> --- | Im „Canton Disco“-Restaurant des neu eröffneten Luxushotels „Edition“ in | Schanghai trifft der alte Westen unvermittelt auf den Fernen Osten. Aus | den Boxen schallt Italo-Disco-Musik, die in dunklem Walnussholz | eingerichteten Séparées und privaten Dinner-Räume sind mit Möbeln der | feinsinnigen chinesischen Designer Neri & Hu ausgestattet, und auf die | Teller kommt kantonesische Küche mit westlichen Einflüssen, wie | beispielsweise Seeohren mit eingelegtem Ingwer, Spargel und Sellerie. | | Das hippe Restaurant ist ein gutes Sinnbild für das neue | Selbstbewusstsein und Selbstverständnis Asiens, das der Rest der Welt in | vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen spürt, besonders aber in der Mode. | | Denn Mode aus Asien behauptet sich nicht nur souverän neben der | westlichen, sondern überholt sie immer öfter, wenn es darum geht, Trends | zu setzen, neue Technologien zu nutzen und die Informationen darüber in | neuen Medien wie WeChat oder Weibo zu verbreiten. Dann ist der Westen | mitsamt seiner Modekultur nicht viel mehr als eine Quelle der | Inspiration, aus der die asiatischen Designer sich bedienen, um sie | selbstbewusst mit eigenen Traditionen zu vermischen. | | Dieses Selbstbewusstsein fußt auch auf handfesten ökonomischen Größen: | Von Wachstumsraten wie in dieser Region kann der Westen nur träumen. Der | Kontinent ist der größte Konsumentenmarkt der Welt. In China leben knapp | 1,4 Milliarden Menschen; zählt man Indien und alle kleineren | Nachbarländer hinzu, so ergibt sich für die Zukunft die Perspektive | einer umfassenden Dominanz. Droht der Mode des Westens die | Marginalisierung auf allen Ebenen? | | Diese Furcht sei unbegründet, sagt Kevin Lee, Gründer des „WestEast | Magazine“. Der gebürtige Taiwanese, der an der Modehochschule Esmod in | Paris studierte und sein Magazin 2001 in Hongkong gründete, glaubt, dass | der alte Westen und der neue Osten aufeinander angewiesen sind wie „Ying | und Yang“. Die Auswahl seiner Kleidung unterstreicht die Behauptung. Als | er sich auf eine der Bänke im „Canton Disco“- Restaurant setzt und die | weiße, seidene Bomberjacke der italienischen Marke Valentino abstreift, | kommt darunter ein T-Shirt des chinesischen Designers Xander Zhou zum | Vorschein. „Die Initialen von West und East ergeben das englische Wort | ,we‘“, sagt Kevin Lee. „Wir brauchen einander, davon bin ich überzeugt. | Mein Ziel war es, die regionale Kultur zu internationalisieren und die | globalen Standards zu individualisieren.“ | | Kevin Lee war mit diesem Gedanken und seinem Magazin seiner Zeit voraus. | Denn bis vor wenigen Jahren gab es nur eine Sichtweise: Der Westen mit | seinen Modemetropolen Paris, Mailand, London und New York setzte | international die Trends durch, deren Anregungen vornehmlich aus dem | eigenen Kulturkreis stammten. Alles, was andere Kulturen zitierte oder | sich auf andere berief, wurde auf den Seiten der internationalen | Modemagazine nur als „Ethno-Mode“ klassifiziert. Ging es um wichtige | Absatzmärkte, so zählte Asien bis vor kurzem meist geringschätzig zum | „ROW“ – „Rest of the World“, Rest der Welt. Diese koloniale Arroganz | hatte Tradition. Die Mode-Defilees, auf denen die französische Haute | Couture seit 1911 ihre neuesten Entwürfe vorführte und die sich zu den | heutigen internationalen Modewochen entwickelten, exportierte der Westen | erfolgreich bis nach Asien. Genauso wie sein europäisches | Schönheitsideal, was dazu führte, dass auch in Asien lange nur als schön | galt, wer möglichst helle Haut und eine schmale spitze Nase hatte; und | Haare, die bestenfalls blond oder brünett, aber bitte nicht schwarz | waren. Asiatische Models waren – nicht nur im Westen – eine exotische | Ausnahmeerscheinung. | | Die Ignoranz des Westens war profund: Chinesische Mode assoziierte man | lange lediglich mit drachenbestickten Seidengewändern, aus Korea war | bestenfalls die traditionelle Hanbok-Tracht bekannt, Indien wurde auf | den üppigen Stil Bollywoods reduziert, und allein Japan befreite sich | dank der Pionierarbeit, die Modeschöpferinnen wie Rei Kawakubo in den | 1980er Jahren leisteten, von den Klischees anmutig gekleideter Geishas | und säbelschwingender Samurais. | | Das ist vorbei. Korea exportiert nicht nur erfolgreich den K-Pop, | sondern auch die K-Beauty. Trendbewusste Frauen – und Männer – in den | Metropolen des Westens orientieren sich jetzt an den aufwendigen | Schönheitsritualen der Koreanerinnen und beherrschen neue Wendungen wie | „chok chok“ – koreanisch für sauber glänzende Haut – im Schlaf. In der | Streetwear, einst das Hoheitsgebiet westlicher Unternehmen wie Supreme, | geben jetzt Marken wie Ader Error aus Südkorea den Ton an. In | Deutschland findet man sie an geschmackssicheren Orten wie dem Berliner | Laden von Andreas Murkudis, und kürzlich hat Puma eine eigene Kollektion | mit den Südkoreanern lanciert. | | Aus China stammen viele der heute als richtungsweisend gehandelten | Designer: Xander Zhou beispielsweise entwirft futuristisch anmutende | Kleidung für Männer und bezieht seine Inspiration aus traditionellen | chinesischen Gewändern ebenso sehr wie aus westlicher Sportswear. Die | Designerin Angel Chen hat am Londoner Central Saint Martins studiert und | in New York bei Alexander Wang gearbeitet. Inzwischen ist die in Shenzen | lebende Designerin mit ihrer farbenfrohen Ästhetik, die sich ebenfalls | Inspiration aus beiden Welten holt, im Westen wie im Fernen Osten | erfolgreich. Dass zwei Asiaten, Carol Lim und Humberto Leon, die in New | York leben, das Design des japanischen Hauses Kenzo gestalten, wäre bis | vor wenigen Jahren schlicht undenkbar gewesen. Auch das minimalistische | Design der Inderin Ruchika Sachdeva mit ihrem Label Bodice oder die | farbenprächtigen Entwürfe von Amesh Wijesekera, der in Sri Lanka lebt | und seine Mode in London zeigt, hätten bis vor kurzem im Westen keine | große Aufmerksamkeit gefunden. | | Der Wandel ist umfassend, er hat auch das Schönheitsideal der | Modebranche weltweit nachhaltig verändert. Dominierten bisher weiße | Mädchen und Jungen die Laufstege, so zählt jetzt, endlich, ethnische | Diversität. Auf der New York Fashion Week im vergangenen September waren | mehr Ethnien vertreten als je zuvor. Im indischen Bombay bestätigen | Gunita Stobe und Mark Luburic von der Modelagentur Anima Creatives die | Entwicklung: „Indien war extrem fixiert auf den kaukasischen Look. Jetzt | fragen die asiatischen Kunden nach Models, deren Aussehen dem der | Zielgruppe entspricht, und wir können endlich die Vielfalt der | unterschiedlichen Hauttöne und Körpertypen zeigen, die es hier gibt.“ | | Welche Rolle kommt dem Westen in Zukunft zu? Wird er jetzt aus | asiatischer Perspektive zum „Rest of the World“? Dient er mit seinen | führenden Universitäten und Schulen nur noch als Ausbildungsstätte für | asiatische Designer, die dann in Asien ihre eigenen Marken gründen? | Möglich ist es. „Selbst wenn man hier nur eine Nischenmarke aufzieht, | ist allein der chinesische Markt so groß, dass man gut davon leben | kann“, sagt der Magazin-Macher Kevin Lee. Klar ist: Die Zeit der | Arroganz ist vorbei. Die Abhängigkeiten kehren sich um. Gerade im | Bereich der Luxusmarken. | | Das zeigte der Ärger, den Dolce & Gabbana neulich bekam: Im November des | vergangenen Jahres veröffentlichte das italienische Modehaus einen | Videoclip mit einem asiatischen Model, das erst Pizza, dann Cannelloni, | schließlich Spaghetti mit Stäbchen zu essen versucht. Chinesische Kunden | empfanden den Clip als rassistisch und riefen zum Boykott auf. Als Folge | davon musste die italienische Marke nicht nur ihre Modenschau in | Schanghai absagen, sondern wurde auch von chinesischen Onlinehändlern | wie Tmall und JD.com abgestraft; die nahmen Dolce & Gabbana aus ihrem | Angebot. Um den Schaden zu begrenzen, entschuldigten sich die Modemacher | mit einer Videonachricht bei ihren chinesischen Kunden. Die sind für | dreißig Prozent des weltweiten Luxusgüterabsatzes verantwortlich und | kaufen einen immer größeren Teil davon nicht etwa auf Reisen, sondern im | eigenen Land. | | Der Westen muss also radikal umdenken: Wer das Geld der Asiaten will, | muss deren Empfindlichkeiten zur Kenntnis nehmen. Nimmt man aber | Schanghai als Beispiel, dann könnte die Zukunft trotzdem ganz gut | aussehen. Man sagt, dass sich die Kreativen hier auf Augenhöhe begegnen | – egal, woher sie stammen. Dass sie offen und interessiert daran sind, | sich auszutauschen und das Beste aus beiden Welten zu kombinieren; dass | es kaum Konkurrenz gibt, weil der Markt hier noch nicht übersättigt ist. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/ist-die-zeit-des-westens-in-der-mode-vorbei-16097012.html> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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"dezent aufgefrischt" Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2021-11-02 09:43 +0100
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Re: "dezent aufgefrischt" Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2021-11-02 14:29 +0100
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Re: "dezent aufgefrischt" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-11-02 10:33 -0400
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Re: "dezent aufgefrischt" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-11-02 16:59 +0100
Re: "dezent aufgefrischt" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-11-02 13:00 -0400
Re: "dezent aufgefrischt" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-11-02 10:13 -0400
Re: "dezent aufgefrischt" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-11-02 09:27 -0400
Re: "dezent aufgefrischt" Stephan Bumberger <bumberger@gmail.com> - 2021-11-02 14:50 +0100
Re: "dezent aufgefrischt" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-11-02 10:16 -0400
Re: "dezent aufgefrischt" Frank Hucklenbroich <hucklenbroich@gmx.net> - 2021-11-02 14:45 +0100
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