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Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild

From "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Newsgroups ger.ct
Subject Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild
Date 2021-10-31 09:09 +0100
Message-ID <sllj05$6rj$1@solani.org> (permalink)

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"Es wäre interessant zu erfahren, wie man sich zum Beispiel beim 
„Spiegel“ die ideale „Bild“ vorstellt. Auf Seite eins: „Was wir Europa 
zu verdanken haben“. Auf Seite zwei dann das große Plädoyer, warum 
Robert Habeck unbedingt Finanzminister werden muss. Und im Sportteil die 
endgültige Abrechnung mit Impfskeptiker Joshua Kimmich und weshalb er 
uns alle betrogen hat. Vermutlich so.

Wer eine Büroaffäre beginnt, muss heiraten

Mich stimmt es auch skeptisch, wenn der Zeigefinger pfeilgerade in eine 
Richtung zeigt, ohne dass bedacht wird, dass drei Finger auf einen 
zurückweisen. Ich will hier nicht ins Detail gehen, Indiskretion im 
Privaten ist meine Sache nicht. Aber der Ressortleiter, der 
Sekretärinnen ins Hotel einlädt? Der Korrespondent, der der Assistentin 
nachstellt? Der Chefredakteur, der sich in eine Redakteurin verliebt? 
Der „zügellose Boys Club“, um bei der Formulierung zu bleiben, kennt 
mehr als eine Heimat.
Treue „Spiegel“-Leser werden sich die Augen reiben, wenn ab kommenden 
Samstag das Impressum um den Namen Rudolf Augstein bereinigt ist, aber 
daran führt jetzt wohl kein Weg mehr vorbei. Ein Mann, der zum 
Vorstellungsgespräch im Bademantel empfing? Der die Bewerberin fragte, 
ob sie nicht auch ficken wolle, ficken mit langem i gesprochen? Außerdem 
war Augstein nach den heutigen Maßstäben ein schlimmer Nationalist. Das 
allein müsste reichen, den Namen des Herausgebers aus der ersten Zeile 
des Impressums zu tilgen.
Zu Augsteins Verteidigung muss man sagen: Wenn die Bewerberin ablehnte, 
machte er den Bademantel wieder zu. Aber, bitt’ schön, wir haben schon 
aus geringerem Anlass Statuen geköpft, Universitäten umbenannt und 
Seminare gesprengt: Und da soll sich ein fortschrittlich gesinntes 
Magazin wie der „Spiegel“ nicht von einem Herausgeber trennen können, 
der für alles steht, was man heute verachtet? Das kann ich mir beim 
besten Willen nicht vorstellen.
Auch für die Gegenwart ergeben sich Fragen. Was machen wir mit dem 
Chefredakteur, der eine Affäre mit einer Kollegin aus dem 
Auslandsressort hat? Sehen wir darüber hinweg? Muss er seinen Posten 
niederlegen? Im Fall des Chefredakteurs, den ich vor Augen habe, mündete 
das Ganze in einer Ehe. Vielleicht ist das die Lösung: Wer eine 
Büroaffäre beginnt, muss heiraten. Damit hätten wir den Kreis zu den 
50er Jahren endgültig geschlossen.

Chef von McDonald’s erhielt Kündigung, weil er sich in Mitarbeiterin 
verliebt hatte

In den USA sind sie schon weiter. Da werden ja auch vor Ausstellungen, 
die die Besucher verstören könnten, Warnhinweise verteilt. Der Redakteur 
der „New York Times“, der den Stein bei Springer ins Rollen brachte, 
empfiehlt die Versetzung eines der beiden Partner, sobald einer dem 
anderen vorgesetzt ist. Das klingt vernünftig. Aber je höher jemand 
aufgestiegen ist, desto schwerer wird es, sich an den Grundsatz zu 
halten. Im Zweifel muss dann einer der beiden die Firma verlassen. Im 
Zweifel ist es die Frau.
Wollen wir amerikanische Verhältnisse? Das sollten wir uns fragen. Der 
Chef von McDonald’s erhielt die Kündigung, als herauskam, dass er sich 
in eine Mitarbeiterin verliebt hatte. Mit der Beziehung habe er ein 
„schlechtes Urteilsvermögen“ an den Tag gelegt und gegen Vorschriften 
der Firma verstoßen, erklärte der Aufsichtsrat. Eine Liebesbeziehung als 
Verstoß gegen den Verhaltenskodex: Der Weg der Moral ist abschüssig. Man 
rutscht auf ihm schneller aus, als mancher denkt.
Die Kolumnistin Bettina Gaus hat vergangene Woche daran erinnert, dass 
es noch nicht so lange her ist, dass man es als unzulässige Einmischung 
des Arbeitgebers empfunden hätte, wenn der einen gefragt hätte, mit wem 
man was angefangen habe. Gaus war viele Jahre bei der „taz“, bevor sie 
im April zum „Spiegel“ wechselte. Sie gehört einer Generation an, die 
gegen den Muff der 50er Jahre kämpfte. Diese Generation hätte, im 
Gegensatz zu den Vertretern der neuen Sexualmoral, auch nichts gegen 
Aktbilder an der Wand einzuwenden gehabt."


https://www.focus.de/politik/deutschland/schwarzer-kanal/die-focus-kolumne-von-jan-fleischhauer-grenzen-des-erlaubten_id_24375570.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter_SCHWARZER_KANAL

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Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2021-10-31 09:09 +0100
  Re: Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild Gerald Gruner <gerald314@yahoo.de> - 2021-10-31 22:57 +0100
  Re: Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2021-11-01 01:39 +0100
    Re: Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2021-11-01 06:08 +0000
      Re: Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2021-11-01 14:40 +0100
        Re: Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2021-11-01 13:51 +0000
      Re: Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-11-02 06:26 -0700
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    Re: Fleischhauer über Doppelmoral Spiegel-Bild Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2021-11-01 11:39 +0100
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