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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Nord Stream 2: was dauert so lange? |
| Date | 2021-10-09 16:49 +0200 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <sjsa5i$atg$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (11 earlier) <isd3b5FnacpU1@mid.individual.net> <sjrog7$ds3$3@tota-refugium.de> <isdillFq51rU1@mid.individual.net> <sjs6hm$lcc$3@tota-refugium.de> <isdl6rFqhhlU1@mid.individual.net> |
Salve allerseits, Bernd Ullrich schrieb: > Am 09.10.2021 um 15:47 schrieb Stephan Bumberger: >> Am 09.10.2021 um 15:10 schrieb Bernd Ullrich: >>> Am 09.10.2021 um 11:47 schrieb Stephan Bumberger: >>> >>> Der Fall N. hat mit der MRK im konkreten Urteil nichts zu tun. >> >> Nawalny hatte sich an den EGMR gewandt und Recht bekommen. https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/egmr-nawalny-unverzuegliche-haftentlassung-einstweilige-massnahme-russland/ >> >>| Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Russland >>| aufgefordert, Oppositionsführer Alexej Nawalny unverzüglich aus der Haft >>| zu entlassen. Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, gab es damit einem >>| Antrag Nawalnys auf Erlass einstweiliger Maßnahmen statt. Diese >>| Entscheidung ist laut Gericht verbindlich, solche stattgebenden >>| Entscheidungen würden nur selten und bei unmittelbarer Gefahr eines >>| irreparablen Schaden getroffen (Art. 39 der Verfahrensordnung des EGMR). >>| Die Art und das Ausmaß der Gefahr für Nawalnys Leben seien in der >>| Entscheidung berücksichtigt worden, hieß es. >> >> Seither sitzt er völkerrechtswidrig in Haft und Putin ist persönlich >> verantwortlich dafür. >> > Du hast das mit der Politik verstanden...? > +--- <hier abknabbern> --- | Das oberste Gericht der EU, der EuGH, hält Polens Justizreform für | rechtswidrig und verlangt die Auflösung der umstrittenen | Disziplinarkammer. Nun hat Polens Verfassungstribunal entschieden, das | EuGH-Urteil sei nicht maßgeblich. Nationales Recht habe in dieser Frage | Vorrang vor EU-Recht. Zerstört Polen damit die Rechtseinheit der EU und | auf Dauer den Zusammenhalt der Union? Ein Pro und Contra aus der | Tagesspiegel-Redaktion: | | *Polen könnte die Auflösung der EU einläuten* | | Ein Pro von Albrecht Meier | | Europa im Jahr 2021: Die Ära Merkel geht zu Ende und damit der | moderierende Einfluss der Kanzlerin auf europäischer Ebene. Die EU | bewältigt immer noch ihr Post-Brexit-Trauma. Und jetzt kommt noch ein | neues Problem hinzu: Polen. Oder besser gesagt: Die nationalkonservative | Regierung in Warschau, die den Anfang vom Ende der EU besiegeln könnte. | | Es ist ein Trauerspiel, was derzeit in Warschau passiert. Die | Vorsitzende Richterin des Verfassungsgerichts, Julia Przylebska, hat ein | Urteil verkündet, an dem die EU noch lange zu knacken haben wird. | Przylebska, eine Gefolgsfrau der Warschauer Regierung, hat Teile der | EU-Verträge für verfassungswidrig erklärt. | | Im Kern besagt das Urteil des Verfassungsgerichts, dass die Organe der | EU nicht über nötige Kompetenz verfügen, um auf Änderungen der | polnischen Justizreform zu pochen. Im Streit um die Rechtsstaatlichkeit | spricht das oberste Warschauer Gericht dem Europäischen Gerichtshof in | Luxemburg schlicht das Recht ab, sich einzumischen. | | *Ein Rauswurf Polens ist nicht möglich* | | Angesichts des Urteils bekommt man das ungute Gefühl, das im Verhältnis | zwischen Polen und der EU endgültig etwas ins Rutschen gekommen ist. Die | Auseinandersetzung um die Rechtsstaatlichkeit zwischen Brüssel und | Warschau tobt schon seit Jahren – mit ständig neuen Eskalationsstufen. | Ähnlich war es auch beim Brexit. Der fing ebenfalls scheinbar harmlos | an: Erst kündigte der damalige Premierminister Cameron ein Referendum | über die EU an. Dann ließ er sich eine europäische Extrawurst bei den | Sozialleistungen für EU-Migranten braten. Geholfen hat es ihm dennoch | nichts – die Briten stimmten für den Brexit. | | So wie noch Anfang 2016 niemand den Brexit voraussah, sollte man sich | mit Prognosen über einen möglichen „Polexit“ zurückhalten. Zum Glück | lässt sich Großbritannien nicht mit Polen und seiner EU-freundlichen | Bevölkerung vergleichen. Und wer nicht wie die Briten aus freien Stücken | aus der Gemeinschaft austreten will, kann auch nicht hinausgeworfen | werden. So besagen es die Regeln der EU. | | *Angriff auf den EuGH als stärkste Bastion der EU* | | Wo liegt also die Gefahr, wenn Polen – zumindest nach bisherigem | Ermessen – Bestandteil der EU bleiben wird? Das Warschauer Urteil ist | deshalb so brisant, weil es die entscheidende Bastion der EU zu | schleifen droht – den Europäischen Gerichtshof. Wie kein anderes | EU-Organ setzt der EuGH den Willen der EU durch. Er verhängt Bußgelder | gegen Staaten, die den Auflagen beim Umweltschutz nicht nachkommen und | gegen Firmen, die illegale Preisabsprachen treffen. Oder er erklärt eben | wie im Fall Polens die Drangsalierung von Richtern und Staatsanwälten | als rechtswidrig. | | Dem Warschauer Urteil liegt ein großer Irrtum zugrunde. Die Regierung in | Warschau denkt offenbar, dass jedes EU-Land nach eigenem Belieben | Entscheidungen der Luxemburger Richter für null und nichtig erklären | kann. Wenn sich diese Einschätzung in der EU durchsetzt, käme das der | Auflösung der Gemeinschaft gleich. | | *Brüssel ruiniert die EU mit seiner Übergriffigkeit* | | Ein Contra von Christoph von Marschall | | Polen ruiniert die EU? Von wegen. Brüssel ruiniert die EU mit seiner | Übergriffigkeit. Genauer: die Kommission und das Europäische Parlament, | assistiert vom Europäischen Gerichtshof (EuGH). Sie verfolgen einen Weg, | der die Lähmung der EU nicht mindert, sondern verschärft. Das dritte | Machtzentrum, der Europäische Rat als Gremium der Staats- und | Regierungschefs, sucht zum Glück weiter Kompromisse, so schwer die oft | zu finden sind. | | Selbstverständlich ist das Verhalten der rechtspopulistischen | PiS-Regierung in Polen ein ernstes Problem. Die Unabhängigkeit der | Richter und die Freiheit der Medien sind bedroht. Doch: Wie lässt sich | dem effektiv begegnen? Die Brüsseler Institutionen kommen einer Lösung | nicht näher, wenn sie Rechte reklamieren, die sie nicht haben. Sie | behaupten, das EU-Recht habe generellen Vorrang vor nationalem Recht, | und ziehen dabei an einem Strang mit dem EuGH, der seine Macht ebenfalls | ausweiten möchte, auf Kosten der nationalen Justiz. | | *Der Vorrang für EU-Recht ist eine Wunschvorstellung* | | Der generelle Vorrang des EU-Rechts ist eine Wunschvorstellung und nicht | Realität. Vorrang hat es nur in den Bereichen, in denen die | Nationalstaaten die Zuständigkeit an die EU abgetreten haben. Die | Organisation der Gerichte gehört nicht dazu, der Grenzschutz auch nicht. | | Das Bundesverfassungsgericht urteilt EU-freundlicher als Polens | Verfassungstribunal. Es akzeptiert aber auch keinen generellen | Rechtsvorrang, nur einen Anwendungsvorrang europäischen Rechts in | Bereichen geteilter Zuständigkeit. Wo die EU hingegen weder allein noch | teilweise zuständig ist, besteht auch Karlsruhe auf dem Vorrang | nationalen Rechts. Im „Ultra Vires“-Urteil zu den Anleihekäufen der | Europäischen Zentralbank werfen die Karlsruher ihren Luxemburger | EuGH-Kollegen Kompetenzüberschreitung vor; deren Argumente seien „nicht | mehr nachvollziehbar“. | | Kommission, Parlament und EuGH tendieren zu einer bedenklichen | Selbstermächtigung. Mit ihrem Übereifer, sich Zuständigkeiten anzumaßen, | die ihnen die Nationalstaaten als eigentliche Quelle der Souveränität | nicht gegeben haben, unterminieren sie den Zusammenhalt der EU. | | *Der Weg zu mehr EU: Änderung der Verträge* | | Ja doch, die EU muss handlungsfähiger werden, um europäische Interessen | gegen China, Russland und die USA zu behaupten. Dies muss jedoch auf | rechtlich einwandfreiem Weg geschehen: mehr Macht für die EU und den | EuGH durch Änderung der Europäischen Verträge. Weil die erforderliche | Einstimmigkeit für diesen legalen Weg fehlt, greift Brüssel zum | illegalen Mittel der Selbstermächtigung. Das ist ein Irrweg. | | Die Kommission und das Parlament gewinnen nicht mehr Macht, wenn sie die | Kompetenzkonflikte mit den Mitgliedern eskalieren. Sie schwächen den | Zusammenhalt und stärken entgegen ihren Interessen den Rat der | Regierungschefs. Die werden den Streit, den Kommission, Parlament und | EuGH aus eigener Kraft nicht gewinnen können, befrieden müssen. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.tagesspiegel.de/politik/pro-und-contra-zum-rechtsstreit-ruiniert-polen-jetzt-die-eu/27690268.html> M.f.G. P.S.: Wieder im Flieger über den Atlantik! War ja klar, dass am letzten Tag die Sonne scheinen würde... (`∀´)ゝ” -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Re: Nord Stream 2: was dauert so lange? Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-10-08 11:28 +0200
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