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Re: SZ Kommentar "Zivilcourage"

From Stephan Bumberger <bumberger@gmx.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: SZ Kommentar "Zivilcourage"
Date 2021-07-20 10:17 +0200
Message-ID <sd60rh$73s$8@tota-refugium.de> (permalink)
References <sd5vjs$ojb$2@solani.org>

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Am 20.07.2021 um 09:56 schrieb Dr. Joachim Neudert:
> https://www.sueddeutsche.de/meinung/terroranschlag-axt-attacke-zivilcourage-wuerzburg-1.5355099
> 
> "Es war nicht die Vorratsdatenspeicherung, die den Somalier aufgehalten 
> hat, der in Würzburg vor zwei Wochen mit einem Messer auf Einkäuferinnen 
> und Passanten losgegangen ist. Nein, es war ein 42 Jahre alter 
> kurdischer Asylbewerber aus Iran, Chia Rabiei, der sich dem Täter 
> entgegenstellte, einen Rucksack auf ihn schleuderte, nach ihm trat, 
> kurz: sein Leben aufs Spiel setzte, um das Leben anderer zu schützen. 
> Gemeinsam mit anderen hat er den Täter umringt, ihn mit Flaschen 
> beworfen und so eine noch größere Bluttat verhindert.
> 
> Es war nicht ein Staatstrojaner, der vier Jahre zuvor den Palästinenser 
> gestoppt hat, der in einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek auf Passanten 
> einstach. Nein, es war Toufiq Arab, der 21 Jahre alte afghanische Azubi 
> im Supermarkt, der von seinem Platz aufsprang und dem Täter 
> hinterherrannte. Sein Mut hat dann andere angesteckt. Draußen auf der 
> Straße wuchs die Gruppe an, mit Café-Stühlen hielten sie den Täter in 
> Schach. Das war nicht der Mut der Verzweiflung. Das waren nicht 
> Menschen, die in die Enge getrieben waren. Sie sind bewusst auf einen 
> Mörder zugelaufen.
> 
> Ein Asylbewerber aus Iran stellte sich dem Angreifer in Würzburg 
> entgegen. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass bei der Messerattacke 
> nicht noch mehr Menschen starben. Nun fordern viele für ihn die deutsche 
> Staatsbürgerschaft. Geht das so einfach?   Von Dietrich Mittler und Lea 
> Weinmann
> Es war auch keine Rasterfahndung, die den Syrer aufgehalten hat, der in 
> Chemnitz vor fünf Jahren hochexplosiven Sprengstoff angerührt hatte. Es 
> waren Männer, die ebenfalls aus Syrien geflohen waren. Es waren der 
> damals 28 Jahre alte Maschinenbauer Ahmed E. und seine beiden Freunde 
> Mohamed A. und Sami M., die den Terroristen überwältigten und ihn als 
> quasi schon fertig verschnürtes Paket an die sächsische Polizei 
> übergaben. Danach mussten sie von der Polizei in einer "sicheren 
> Unterkunft" versteckt werden. Aus Angst vor der Rache der Islamisten.
> 
> Viele Retter haben selber ein schwieriges Leben gehabt
> 
> Die vergangenen fünf Jahre sind in Deutschland eine Zeit der Verletzung 
> gewesen, angefangen mit der Axt-Attacke eines 17 Jahre alten Pakistaners 
> in einer Regionalbahn bei Würzburg, die sich an diesem Sonntag jährt. 
> Aber es ist auch eine Zeit bewundernswerter Zivilcourage gewesen. Die 
> Gewalttäter gehen in die Geschichtsbücher ein. Die Menschen, die sich 
> ihnen in den Weg stellen, tun das zu selten. Viele von ihnen haben 
> selber ein schwieriges Leben gehabt, als Flüchtlinge oder als 
> Arbeitsmigranten mit unsicherem Status. Viele von ihnen haben das noch 
> heute.
> 
> In Frankreich wurden solche Akte der Zivilcourage großzügig belohnt. Der 
> Präsident lud in den Élysée-Palast ein, verlieh die Staatsbürgerschaft. 
> Wie kleinlich ist demgegenüber die offizielle deutsche Haltung in diesen 
> Fällen, die besagt: Pässe sind keine Belohnung, Aufenthaltstitel gibt es 
> nur streng nach Vorschrift? Deutschland ist ein Land, das auch 
> Spitzenforscher und sogar Spitzensportler bei der Einbürgerung 
> bevorzugt. Für Menschen, die ihr Leben riskieren, um sich schützend vor 
> Schwächere zu stellen, darf das ruhig auch gelten. Das sind Charaktere, 
> wie man sie gar nicht genug haben kann in einem Land.
> 
> Mindestens genauso wichtig ist: Das sind Menschen, die oft für den Rest 
> ihres Lebens einen Preis zahlen. Mal sind es Albträume, mal Traumata. 
> Der "Held von Nizza", Franck Terrier, der die Todesfahrt eines 
> Islamisten stoppte, indem er bei voller Fahrt ins Führerhäuschen des Lkw 
> kletterte und bremste, hat Monate später versucht, sich das Leben zu 
> nehmen. Er leide darunter, nicht "mehr Leben gerettet zu haben". Auch 
> deshalb ist es die Pflicht der Gesellschaft - auch in Deutschland -, die 
> Solidarität der Retter zu erwidern."
> 
> 
> Full ACK. 

Ja.

> Frankreich macht das weitaus besser.

Das war jetzt ein Scherz, oder? Frankreich pickt sich ausgewählte
Personen heraus und macht da Symbolpolitik. Der Rest ist denen völlig
Wurst. Die haben ja eine sehr lange Erfahrung mit den ganzen
Maghrebinern im Land.

Sarkozy wollte die schon mal "wegkärchern", da war er noch
Innenminister. Ansonsten werden die in Außenbezirken der Städte gehalten
und da sollen die bitteschön auch bleiben. Die Banlieues mögest Du bitte
meiden, insbesondere nachts. Polizei wird Dir keine helfen, die kommt
nur bei Tageslicht und auch nur in ganzen Hundertschaften. Mit weniger
trauen die sich da nicht rein.

Wieso die nun ausgerechnet ihr Nationalstadion da hin stellen, das werde
ich nie verstehen. Das geht auch nur, wenn man wie in Frankreich eine
Polizei hat, die erst zuschlägt und dann erst fragt, was überhaupt los ist.

Als leuchtendes Vorbild scheint mir das nicht zu taugen.

-- 
Stephan
Niemand schreibt ein Buch alleine.

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SZ Kommentar "Zivilcourage" "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2021-07-20 09:56 +0200
  Re: SZ Kommentar "Zivilcourage" Stephan Bumberger <bumberger@gmx.de> - 2021-07-20 10:17 +0200
    Re: SZ Kommentar "Zivilcourage" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-07-28 13:40 -0700
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    Re: SZ Kommentar "Zivilcourage" Thomas Hochstein <thh@thh.name> - 2021-07-20 20:44 +0200
      Re: SZ Kommentar "Zivilcourage" Goetz Schultz <ng.expire1221@goetz.co.uk> - 2021-07-21 08:54 +0100
      Re: SZ Kommentar "Zivilcourage" Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2021-07-21 12:12 +0200
        Re: SZ Kommentar "Zivilcourage" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-07-21 03:23 -0700
  Re: SZ Kommentar "Zivilcourage" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-07-20 01:30 -0700
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