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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: SZ: "Von Zombies lernen" |
| Date | 2021-04-16 08:41 -0400 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <s5c0md$dmj$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | <s5b5qs$19d$1@solani.org> |
Salve allerseits, Dr. Joachim Neudert schrieb: > > Kommt da jemand ran und kann den Text hier zitieren? > +--- <hier abknabbern> --- | Neulich stellte US-Präsident Joe Biden seinen Rettungsplan für Amerika | vor: „Shots in arms and money in pockets“. Impfungen in die Arme, Geld | in die Taschen. Spätestens da erreichte der transatlantische Impfneid | den Punkt, an dem all die Häme des letzten Sommers vergessen war, als | Bidens Vorgänger Trump seinen Bürgern noch empfahl, Bleichmittel zu | trinken, und sich nach seiner eigenen Krankheit röchelnd vor die Nation | stellte und so tat, als sei das alles nix. Und jetzt – über drei | Millionen Impfungen am Tag. Experten und Behörden rechnen damit, dass | bis Herbst, vielleicht schon im Juli siebzig bis achtzig Prozent der | US-Bevölkerung geimpft sind und damit die Herdenimmunität erreicht wird. | | Wer sich nun fragt, wie die das machen und wie die amerikanischen | Entscheider in solchen Krisensituationen denken, der kann sich im | Internet ein Dokument mit dem Aktenzeichen CONPLAN 8888-11 und dem Titel | „Counter-Zombie Dominance“ herunterladen. Das ist ein Notfallplan des | U. S. Strategic Command für die Zombie-Apokalypse. Als Journalisten der | Zeitschrift Foreign Policy das Papier 2014 erstmals veröffentlichten, | gab es weltweit Geschmunzel. Zombies! Wie lustig. Dabei steht gleich zu | Beginn des Dokuments der Hinweis: „Dieser Plan war nicht als Scherz | gedacht.“ Das Strategic Command mit Standpunkt in Nebraska ist auch | nicht für seinen Humor bekannt. Ihm unterstehen das Arsenal der | Nuklearwaffen, Teile der Kriegsflotte, der U. S. Marines und sämtliche | militärische Satelliten. | | *Dieser Plan war nicht als Scherz gedacht – man muss das dazusagen* | | Der Verteidigungsplan für den Ernstfall der Zombie-Apokalypse ist ein | Gedankenexperiment, das die Streitkräfte vor allem für jüngere Offiziere | als Schulungsmaterial für strategisches Denken verwenden. | Gedankenexperimente sind eine Methode, die sonst vor allem in der | Philosophie und in der Physik verwendet werden, um komplexe Probleme | darzustellen. Die bekanntesten Beispiele sind Schrödingers Katze als | Erklärungsmodell für die Quantenmechanik, der Weichenstellerfall als | Grundproblem der Moralphilosophie oder das Zwillingsparadoxon zur | Vereinfachung der Relativitätstheorie. Warum also nicht die | Zombie-Apokalypse als Blaupause für die Pandemiebekämpfung? Vor allem, | wenn Popkultur die Türen öffnet. Die Verfasser zitieren Max Brooks’ | „World War Z“, seine beiden „Zombie Survival Guides“ und George A. | Romeros „Crazies“. | | Prinzipiell verläuft die Abwehr einer Invasion der Untoten nach | denselben Mustern wie ein klassischer Verteidigungsfall in sechs Phasen. | Das beginnt mit der Sondierung, gefolgt von einer ersten Abschreckung, | um dann die Initiative zu ergreifen, zu dominieren, die Lage zu | stabilisieren und in der letzten Phase die zivile Autorität und | Infrastruktur wiederherzustellen. | | In den USA denkt man schon lange nicht mehr nur bei militärischen | Ernstfällen in solchen Mustern. Es gibt offiziell erklärte Kriege gegen | Drogen, Armut und Krebs. Die Bundesregierung investiert in solchen | Fällen viel Geld und Anstrengung. Seit Biden das Präsidentenamt | übernommen hat, auch in die Bekämpfung der Pandemie. | | Die erste Parallele zwischen Pandemie und Zombieabwehr findet man schon | in der ersten Phase. Da sollen die Aufklärungstruppen zunächst einmal | klären, um was für Zombies es sich überhaupt handelt, ähnlich wie die | Wissenschaft vorletzten Winter das Coronavirus in Höchstgeschwindigkeit | analysierte. Acht Typen hat das Central Command als mögliche Bedrohung | identifiziert. Dazu gehören zum Beispiel die pathogenen Zombies, | strahlenverseuchte, außerirdische und verhexte Zombies. Jeder Typus | bringt seine eigenen Gefahren mit sich und damit auch | Verteidigungsstrategien, die verhexten „Evil Magic Zombies“ | beispielsweise, kurz EMZs. Die Planer haben nicht nur an alles gedacht, | sondern formulieren das auch in wunderbar trockener Behördensprache: | „Das Seelsorgekorps ist möglicherweise das einzige brauchbare Mittel zur | Bekämpfung von EMZs. In der Folge könnten Atheisten besonders anfällig | für EMZs sein.“ Ansonsten bleibt es bei der bewährten Methode aus Film | und Fernsehen: „Die einzige angenommene Möglichkeit, mit taktischen | Kräften effektive Verluste in den Rängen der Zombies zu verursachen, ist | die Konzentration aller Feuerkraft auf den Kopf, speziell das Gehirn.“ | Flammensperren und antibakterielle Seife seien ebenfalls gute Mittel. | | Nun gehören Viren wie das Covid-19-Coronavirus eindeutig in die Ränge | der Pathogene. Sie benehmen sich ja auch so, nur haben die Menschen noch | nicht so richtig Angst vor ihnen. Denn zum einen findet das Sterben im | Verborgenen der Intensivstationen statt. Zum anderen hat das Virus kein | Hirn, kein Rückgrat und keine Sinnesorgane und wird von unseren | Urzeitinstinkten deswegen nicht als Fressfeind wie Wolf, Löwe, Hai oder | eben Zombie respektiert. Das hat es mit der Klimakatastrophe gemein. | Wobei Corona im Vergleich dazu fast schon bescheidene Ambitionen hat, | denn das Virus will ja nur einen kleinen Teil der Menschheit auslöschen, | auch wenn Demokratie und Bürgerrechte dabei gerade Kollateralschäden | sind. Reagieren tut es aber. Auf zögerliche Maßnahmen, auf Impfstau, auf | Seuchenleugner. Dann wütet es noch heftiger, mutiert, oder wie es im | CONPLAN 8888-11 heißt: „Zombiestreitkräfte werden mit jedem menschlichen | Opfer stärker.“ | | Die rechtliche und völkerrechtliche Basis ist im Papier aber schon | ausgearbeitet: „Das US-amerikanische und internationale Recht regelt | militärische Operationen nur, soweit menschliches und tierisches Leben | betroffen ist. Es gibt fast keine Einschränkungen für feindliche | Handlungen, die defensiv oder offensiv gegen pathogene Lebensformen | unternommen werden dürfen.“ Für die Zombie-Apokalypse ist auch der | Einsatz von Atomwaffen eine Möglichkeit. Für den Kampf gegen pathogene | Lebensformen im mikroskopischen Bereich muss dann eben das entsprechende | Arsenal eingesetzt werden. Biontech statt Cruise Missiles, J&J statt | F-16s. Und zwar mit aller Macht. | | Nun scheinen die USA bei der Pandemiebekämpfung gerade auch auf eine | Strategie aus einem Konflikt der jüngeren Vergangenheit zurückzugreifen: | „Shock and Awe“. Ähnlich wie Husseins Truppen sol len Corona und die | Mutanten mit Überwältigungsstrategien bekämpft werden. Dazu gehören | Massenimpfungen auf den Parkplätzen von Fußballstadien, in Messehallen | und in Zentren, die die Katastrophenschutzbehörde Fema gemeinsam mit dem | Pionierkorps der Armee aufbaut. „Whatever it takes“, koste es, was es | wolle. Das war auch die Strategie beim Einkauf der Impfstoffe, weswegen | der Weltmarkt gerade ein wenig leer geräumt ist. Präsident Trump | unterband den Export von Impfstoffen – Biden hat das nicht geändert. | | Längst geht es da um mehr als um den bloßen Seuchenschutz. In einem | Essay über Impfnationalismus beschreibt die Historikerin und Publizistin | Anne Applebaum das Wettrennen zur Immunität wie einen neuen Kalten | Krieg. Vergessen sind die globalen Solidaritätsgedanken des vergangenen | Sommers, die Wissenschaftler und Impfexperten predigten. Die USA, | Russland und China betreiben längst schon eine Art | Soft-Power-Kolonialismus mit ihren Impfstoffen. Nicht umsonst nannten | die Russen ihr Vakzin Sputnik. Bei der Impfstoffentwicklung waren sie | Welterste. Auch wenn sie danach kläglich versagten. Trotz der | dramatischen Zahlen daheim beliefert Russland aber 22 andere Länder mit | Sputnik V. China exportierte bisher fast die Hälfte seiner Produktion in | rund zwei Dutzend Länder. Beide Autokratien machen kein Geheimnis | daraus, dass sie sich mit ihren Impfstoffen geopolitische Vorteile | erkaufen. Russische InternetTrolle schüren unterdessen zum Beispiel im | arabischen Raum Gerüchte, dass amerikanische Impfstoffe unfruchtbar | machen. Das erschüttert in einer strategisch immer noch wichtigen Region | das Vertrauen in die USA. | | *Wir brauchen etwas wie die pandemischen Vereinten Nationen* | | Die wiederum sind nicht ganz so offensiv. Vor allem weil sie nicht den | Luxus haben, den Ärger ihrer Bürger ignorieren zu können. Dabei sind sie | wie kaum eine andere Nation für Kraftakte wie die Bekämpfung einer | Pandemie gerüstet. Die Staatsbeamtin für verschiedene außenpolitische | Behörden Julia Taft war es, die in den Achtzigerjahren dafür sorgte, | dass die US-Streitkräfte als weltgrößte Logistik-Struktur für den | zivilen Einsatz bei Katastrophen und Notfällen im In- und Ausland | geschult und eingesetzt werden können. | | Immerhin schickt Washington schon Millionen Astra-Zeneca-Dosen nach | Mexiko und Kanada. Weil das Zeug aus Oxford noch gar nicht genehmigt | wurde. Die anderen Vakzine bleiben aber im Land. Trump hatte das | beschlossen und Biden blieb dabei. Sollte die Herdenimmunität in Amerika | noch dieses Jahr erreicht werden, kann es aber gut sein, dass die USA | ihre Welt machtstellung mit einem globalen Feldzug gegen Corona | zementieren. Worum es für Amerika und die freie Welt bei dieser | Katastrophe geht, steht ja auch schon im CON-PLAN 8888-11: | „Zombie-Infektionen haben das Potenzial, die nationale Sicherheit und | wirtschaftliche Aktivitäten, die unsere Lebensweise aufrechterhalten, | ernsthaft zu untergraben.“ Man könnte den Begriff der Zombie-Infektionen | von Terrorismus über chinesische Territorialansprüche bis hin zu | Pandemien mit allem Möglichen ersetzen. So beginnen Kriegserklärungen. | | Wie bei vielen Feldzügen der USA hat das militärische Denken allerdings | auch bei der Pandemiebekämpfung seine Grenzen. In der Klimadebatte kam | schon das Problem auf, dass militärisches Denken nur für unmittelbare | Bedrohungen taugt, nicht für langfristige Krisen und komplexe | Katastrophen. Das sogenannte Nation Building, das der Plan für die | Zombie-Apokalypse immerhin noch in der Phase VI bedenkt, fehlt bisher in | den Corona-Plänen. Denn nationale Herdenimmunität kann nur ein Übergang | sein. Lernen Amerika und die Welt aus der Corona-Katastrophe, wäre so | etwas wie die pandemischen Vereinten Nationen ein erster Schritt, um die | gerade so vernachlässigte internationale Impfsolidarität zu etablieren. | | Eines ist allerdings schon klar. Europa hat seine Chance mal wieder | verpasst. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.sueddeutsche.de/kultur/covid-19-usa-bekaempfung-corona-1.5265573> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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SZ: "Von Zombies lernen" Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2021-04-16 05:03 +0000
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Peter Veith <veith@snafu.de> - 2021-04-16 03:08 -0700
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Peter Veith <veith@snafu.de> - 2021-04-16 03:53 -0700
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-04-16 04:31 -0700
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-04-16 04:28 -0700
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Hanno Foest <hurga-news2@tigress.com> - 2021-04-16 12:16 +0200
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Bernd Ohm <invalid@invalid.invalid> - 2021-04-16 12:26 +0200
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Bernd Ohm <invalid@invalid.invalid> - 2021-04-16 12:32 +0200
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-04-16 08:41 -0400
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2021-04-16 13:35 +0000
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-04-16 09:43 -0400
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Bernd Ohm <invalid@invalid.invalid> - 2021-04-16 21:21 +0200
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2021-04-16 19:50 +0000
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-04-16 13:09 -0700
Re: SZ: "Von Zombies lernen" Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-04-17 09:39 -0400
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