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| From | Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Pandemie bald vorbei? |
| Date | 2021-03-03 11:34 -0500 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <s1odri$4rh$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (8 earlier) <5t60362dfai1c63n3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> <s15b2f$576$1@solani.org> <i9pas9F6ruU1@mid.individual.net> <s17su3$2h5$2@solani.org> <ia9qj4F7vceU1@mid.individual.net> |
Salve allerseits, Hermann Riemann schrieb: > Am 25.02.21 um 11:08 schrieb Dr. Joachim Neudert: >> Am 25.02.21 um 11:01 schrieb Hermann Riemann: >> >>> auch an zukünftige software denkend, die nicht Steinzeit >>> optimiert ist. > >> "The stone age didn't end because we ran out of stones!" > > Mit https://de.wikipedia.org/wiki/CRISPR/Cas-Methode vermutend, dass > ohne geeignete KI Nebenwirkungen von Eingriffen zu wenige > vorhersehbar sind. > +--- <hier abknabbern> --- | Kaum eine Science-Fiction-Serie kommt ohne Ideen für die Medizin der | Zukunft aus: Da werden Patienten einfach gescannt, mit Hilfe von | Künstlicher Intelligenz (KI) erstellen die Ärzte in kürzester Zeit eine | Diagnose und entwickeln maßgeschneiderte Medikamente. | | Zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich sind besonders effektive, | personalisierte Therapien das große Versprechen der Zell- und | Gentherapien – insbesondere für Krankheiten, die wir heute nur schlecht | oder gar nicht heilen können. | | Der zentrale Ansatzpunkt: das menschliche Genom, der Bauplan unseres | Lebens. In jedem Zellkern befindet sich unsere DNA, die aus ungefähr 3,2 | Milliarden Basenpaaren besteht – eine enorme Menge an Daten! Wie | entstehen daraus die konkreten Eigenschaften eines Organismus? Die | Informationen bestimmter DNA-Abschnitte, der Gene, werden zunächst als | RNA-Abschrift kopiert. Die RNA wird aus dem Zellkern transportiert und | dient als Vorlage für die Synthese von Proteinen. Diese Proteine sind | die eigentlichen Bau- und Wirkstoffe der Zelle, ihre Menge und | Zusammensetzung bestimmen die Abläufe des Lebens. | | *Fortschritt durch Künstliche Intelligenz* | | Wir wissen seit langem, dass viele Krankheiten ihren Ursprung in | genetischen Fehlfunktionen haben. Und es ist ein bestechender Gedanke, | defekte Gene einfach zu korrigieren – wie Schreibfehler in einem | hochkomplexen Textverarbeitungsprogramm. | | Die Entwicklung solcher Therapien dauert jedoch länger als ursprünglich | erwartet. Die genaue Abfolge der genetischen Bausteine in der | menschlichen DNA ist zwar seit dem Jahr 2003 entschlüsselt, doch das | Zusammenspiel der verschiedenen Gene ist extrem komplex. Es ist ein | wenig so, als würden wir eine völlig neue Sprache lernen: Die Buchstaben | und einzelnen Vokabeln kennen wir schon. Bis wir alle sprachlichen | Feinheiten verstehen, werden allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Nicht | zuletzt sind es die Fortschritte in der KI und Rechnerleistung, die uns | auf diesem Weg voranbringen – schließlich geht es um die Auswertung | gigantischer Datenmengen. | | Auch dank der Bioinformatik gab es in den vergangenen Jahren wichtige | Erfolge in der Entwicklung neuer Therapien. Das gilt gerade für seltene | Krankheiten, die durch die Mutation eines einzelnen Gens verursacht | werden. Bisher lassen sich in solchen Fällen oft nur die Symptome | behandeln. Dank Gentherapien können wir tatsächlich die Ursachen von | Erbkrankheiten angehen. Eine einzige Behandlung kann dabei über lange | Zeit wirksam sein, im Idealfall ein Leben lang. | | *Gegen Hämophilie und Krebs* | | Beispiel Hämophilie: In einer Gentherapie-Studie kamen Patienten, bei | denen die natürliche Blutgerinnung gestört war, über Jahre hinweg ohne | zusätzliche Blutgerinnungsfaktoren aus. Ein weiteres Beispiel ist eine | Therapie, die in den Vereinigten Staaten gegen eine erbliche Form der | Netzhautdegeneration zugelassen ist und die den Verlust der Sehkraft | verhindern kann. | | Auch für die Behandlung von Krebs bieten Gen- und Zelltherapien | faszinierende Möglichkeiten. Krebszellen umgehen das körpereigene | Immunsystem, indem sie die Signale gesunder Zellen imitieren. Im Labor | können T-Zellen des Immunsystems so „umprogrammiert“ werden, dass sie | als sogenannte CAR-T-Zellen Krebszellen erkennen und effizient bekämpfen | können. | | Auftrieb erfuhr die Entwicklung von Gen- und Zelltherapien durch die | Entdeckung der CRISPR/Cas9-Technik im Jahr 2012, landläufig als | „Gen-Schere“ bekannt. Sie basiert auf natürlichen Mechanismen, mit denen | sich Bakterien gegen eindringende Viren wehren. Dank dieser Technik ist | es möglich, eine ganz bestimmte Region im enorm langen Genstrang | anzusteuern und die DNA präzise an einer bestimmten Stelle zu | zerschneiden. Das macht die Forschung an Genen deutlich schneller und | günstiger. Außerdem ermöglicht die CRISPR-Technik eine relativ | zielgenaue Reparatur defekter Gene. Erste klinische Studien dazu gibt es | schon, zum Beispiel für die Therapierung der Bluterkrankung | Beta-Thalassämie. | | *Fokus auf RNA* | | Ein weiteres spannendes Forschungsfeld sind Therapien auf der Basis von | RNA. Damit lässt sich beispielsweise die Synthese krankmachender | Proteine unterdrücken. Die Herstellung von RNA ist vergleichsweise | einfach. Im Gegensatz zu DNA-basierten Methoden sind die Risiken durch | unbeabsichtigte Veränderungen außerdem deutlich geringer, da die RNA | rasch abgebaut wird. | | Darüber hinaus arbeiten Forscher an Möglichkeiten, RNA-basierte | Behandlungen zu regulieren und den Prozess im Fall von unerwünschten | Nebenwirkungen einfach anzuhalten. Mit den Impfstoffen gegen Covid-19 | kommen jenseits der Gen- und Zelltherapien erstmals RNA-basierte | Wirkstoffe der breiten Gesellschaft zugute; diese konnten schneller als | „traditionelle“ Impfstoffe entwickelt werden und erweisen sich als | äußerst effektiv. | | Und wie kommen wir in der Entwicklung und Anwendung von Gen- und | Zelltherapien voran? Ein wichtiger Aspekt ist die Herstellung der | Therapien. Da sie in der Regel auf einen bestimmten Patienten | zugeschnitten sind, ist die Produktion extrem aufwendig. Viele | Arbeitsschritte werden noch von Hand ausgeführt. Die Bemühungen zur | Automatisierung und zur Skalierung auf größere Mengen stecken noch in | den Anfängen. | | Das gilt nicht zuletzt für die Transportmechanismen, welche die | Erbinformation in die Zellen bringen. Diese sind notwendig, da die | therapeutischen Moleküle im Vergleich zu traditionellen Wirkstoffen sehr | groß sind. Als Vehikel kommen Lipidnanopartikel in Frage. Häufig werden | außerdem virale Vektoren eingesetzt. | | Ein Virus als „Gentaxi“? Diese Vorstellung ist zunächst vielleicht | gewöhnungsbedürftig. Allerdings sind Viren überaus effektiv darin, | Erbgut in Zellen einzuschleusen. Für Therapien wird das natürliche | Erbgut der Viren entnommen, so dass sie nicht mehr krankheitserregend | sind. Anschließend wird das therapeutische Gen eingesetzt. Das klingt | kompliziert – und ist es auch. Tatsächlich gehören virale Vektoren zu | den komplexesten Therapeutika, die wir heute herstellen können. Das | macht sie aktuell noch zu einem limitierenden Faktor bei der Produktion | von Gen- und Zelltherapien. Auch bei Merck arbeiten wir intensiv daran, | unsere Kapazitäten in diesem Bereich auszubauen. | | Ein weiterer Knackpunkt ist die Erprobung und Zulassung von genbasierten | Therapien. Da sie vielfach bei seltenen Krankheiten Anwendung finden, | sind klinische Studien im üblichen Umfang nicht möglich. Hinzu kommt, | dass eine solche Therapie nicht an einer gesunden Vergleichsgruppe | getestet werden kann. All das stellt Unternehmen und Zulassungsbehörden | vor spezielle Herausforderungen. Dazu gehört auch, dass die Wirksamkeit | und Sicherheit der Behandlung über viele Jahre nachgeprüft werden müssen. | | Bei der Preisfindung für die Therapien gibt es ebenfalls Besonderheiten. | Ihre aufwendige Entwicklung und Herstellung macht sie sehr teuer. Kann | eine Gen- oder Zelltherapie allerdings eine lebenslange Behandlung | ersetzen, ist das nicht selten auf lange Sicht die günstigere Alternative. | | *Brillante Forschung in Europa* | | Nicht zuletzt bringen neue Behandlungsmethoden auch neue ethische Fragen | mit sich. Dass Veränderungen der menschlichen Keimbahn nicht vertretbar | sind, darüber besteht in der medizinischen Forschungsgemeinschaft ein | breiter Konsens. | | Damit sind jedoch noch nicht alle relevanten Fragen beantwortet: Wo | verläuft die Grenze zwischen der Bekämpfung einer Krankheit und der | Optimierung von Menschen? Welche Risiken wollen wir in Kauf nehmen, um | eine tödliche Krankheit zu heilen? Zu solchen Fragestellungen brauchen | wir gesellschaftlichen Diskurs über den medizinischen Bereich hinaus. | Bei Merck haben wir deshalb schon vor zehn Jahren ein | interdisziplinäres, internationales Beratungsgremium einberufen, das uns | berät. | | Unterm Strich steht fest: Die Herausforderungen rund um die Gen- und | Zelltherapien sind nach wie vor groß. Die Chancen sind es allerdings | auch. Deshalb sollten wir dieses Feld nicht nur anderen überlassen. | Aktuell findet der größte Teil der klinischen Studien in diesem Bereich | in Amerika und China statt. +--- </hier abknabbern> --- ©<https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/merck-ceo-oschmann-mehr-neuartige-therapien-wagen-17205413.html?printPagedArticle=true> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Re: Pandemie bald vorbei? Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-03-03 11:34 -0500
Re: Pandemie bald vorbei? "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2021-03-03 18:25 +0100
Re: Pandemie bald vorbei? Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-03-03 12:38 -0500
Re: Pandemie bald vorbei? "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2021-03-03 18:41 +0100
Re: Pandemie bald vorbei? Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2021-03-03 12:47 -0500
Re: Pandemie bald vorbei? Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2021-03-03 18:52 +0100
Re: Pandemie bald vorbei? Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2021-03-03 20:19 +0100
Re: Pandemie bald vorbei? Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-03-03 11:48 -0800
Re: Pandemie bald vorbei? Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2021-03-04 10:49 +0100
Re: Pandemie bald vorbei? Martin Ebert <mx300@gmx.net> - 2021-03-03 20:21 +0100
Re: Pandemie bald vorbei? Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-03-03 11:39 -0800
Re: Pandemie bald vorbei? Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-03-03 10:37 -0800
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