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Re: Schnupfen überstanden

From Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Schnupfen überstanden
Date 2020-10-06 18:34 -0400
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <rlirdb$9vc$1@dont-email.me> (permalink)
References <hu18ihFp7anU7@mid.individual.net> <1t5f7c23cai3e7bn3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> <71421d5d-e445-4e3e-b817-2f5eb546047fo@googlegroups.com>

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Salve allerseits,

Lothar Frings schrieb:
> Stefan Froehlich tat kund:
>> On Mon, 05 Oct 2020 20:56:17 Michael Bode wrote:
>>
>> > Typische Freitagskrankheit. Wenn man mal ein langes Wochenende braucht,
>> > nimmt man halt mal nen Schnupfen. Wer sich damit wochenlang ins
>> > Krankenhaus legt, ist einfach nur ein Weichei und Simulant.
>> > 
>> > Drehbuch jetzt klar?
>> 
>> Fragt sich, ob die Realität hält, was das Drehbuch verspricht.
>> 
>> So gut wie alle Ärzte, die ich (in anderen Medien lese) sind
>> entsetzt und sind sich einig, dass noch gar nichts überstanden und
>> der Zustand Trumps so richtig schlecht ist.
> 
> Ihr müsst euch jetzt mal einigen, ob der Böse wirklich Corona hat(te)
> und jetzt die Umwelt gefährdet oder ob er nur einen Schnupfen hatte
> und Fake News verbreitete.
> 
> Ich muß immer schmunzeln, wenn die Verschwörungstheoretiker, die
> sonst sofort "Aluhut" schreien, sich bei den Unbeliebten zu
> überbieten versuchen.
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Der Commander-in-Chief ist handlungsfähig – diese Botschaft unterstützen
| die Statements und Videos, die US-Präsident Donald Trump nach seiner
| Coronavirus-Erkrankung in die Welt sendet. Während die Administration
| über ihre Kanäle und Getreuen für positive Schlagzeilen sorgt,
| kritisiert die liberale Presse ein Superspreading-Event im Garten des
| Weißen Hauses und lässt medizinische Experten mit Warnungen vor den
| Folgen von Covid-19 zu Wort kommen.
|
| Bilder, die einen kranken Herrscher zeigen, aber dem Publikum
| Handlungsfähigkeit suggerieren sollen, sind uns eher aus Autokratien
| geläufig, wo es freilich keine freie Presse gibt, die sie früh
| hinterfragt. Auch hier können sie aber als Reaktion auf einen
| öffentlichen Druck oder zumindest eine Verunsicherung gelesen werden,
| und nicht immer kommt die beabsichtigte Botschaft auch an: Kurz vor
| seinem durch Massenproteste erzwungenen Rücktritt im Frühjahr 2019 war
| der greise algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika im Rollstuhl in der
| Öffentlichkeit zu sehen, offenbar verwirrt und nicht mehr im Besitz
| seiner Kräfte. Bouteflika hatte 2013 einen Schlaganfall erlitten, der
| neben der motorischen auch seine Sprachfähigkeit stark eingeschränkt
| hatte.
|
| Bouteflika im Rollstuhl, Fidel Castro im Adidas-Trainingsanzug, Francos
| langes Sterben, die alten Männer der Sowjetunion, Breschnew und Andropow
| – Geschichte und Gegenwart sind reich an diesen oft ikonischen Fällen
| kranker oder hinfälliger Autokraten. Das Gegenteil zur ostentativen
| Zurschaustellung bietet Nordkorea, dessen Staatsmedien eine
| möglicherweise schwere Erkrankung Kim Jong-Uns einfach beschweigen. Nach
| Wochen der Abwesenheit im Frühjahr 2020, während derer die Spekulationen
| über seinen Tod ins Kraut schossen, tauchte der kommunistische
| Machthaber aber plötzlich wieder auf der Bildfläche auf. Auch das war zu
| diesem Zeitpunkt, offensichtlich, nötig.
|
| Und jetzt Trump. Nach Boris Johnson und Jair Bolsonaro ist mit dem
| US-Präsidenten der mächtigste der globalen Populisten an Covid-19
| erkrankt. Neben einigen Senatoren und Führungsmitgliedern der
| Republikanischen Partei könnte er auch den Kandidaten der Demokraten Joe
| Biden infiziert haben. Damit droht die Präsidentschaftswahl endgültig im
| Chaos zu versinken. Angesichts der sozialen Spaltung der
| US-Gesellschaft, der erbittert geführten Kulturkämpfe um Identitäten und
| der Aushöhlung des Rechtsstaates durch den Präsidenten macht sich selbst
| bei hartgesottenen Beobachtern ein Hauch von Endzeitstimmung breit. Die
| amerikanische Demokratie wackelt – und wenn manche Kommentatoren schon
| vor Trumps Erkrankung von "Weimerica" sprachen, trifft das nun noch
| einmal mehr zu: Denn was die USA mit ihr erschüttert, traf die Weimarer
| Republik gleich mehrmals.
|
| Ende Februar 1925 lag Friedrich Ebert schon einige Tage im Krankenhaus.
| Täglich wurden ärztliche Bulletins über den Gesundheitszustand des
| Reichspräsidenten veröffentlicht. Die Krankheit war ernst, doch die
| Ärzte optimistisch. Der Öffentlichkeit wurde versichert, dass er die
| Amtsgeschäfte weiterführe und mit seiner baldigen Entlassung zu rechnen
| sei.
|
| Doch das war Wunschdenken. "Die Hoffnung der Ärzte, das Leben des
| Reichspräsidenten zu retten, ist vernichtet worden. Einer heute morgen
| plötzlich aufgetretenen Verschlimmerung der Bauchfellentzündung ist der
| Reichspräsident erlegen." So informierte am Abend des 28. Februar die
| Vossische Zeitung über den Tod des erst 54-Jährigen. Die noch junge
| Weimarer Republik wurde ins Mark getroffen. Gerade erst hatte sie
| existenzbedrohende Krisen wie Inflation oder Hitler-Putsch auch durch
| Einwirken des bodenständigen Ebert glimpflich überwunden, zumindest
| bestand sie fort. Als sein Nachfolger wurde Paul von Hindenburg gewählt,
| der 1933 mit seiner Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler das Dritte
| Reich ermöglichte.
|
| *Es war eigentlich immer Krise*
|
| In der von inneren Feinden bedrohten und von äußeren Krisen
| geschüttelten Republik litt das Führungspersonal immer wieder zur Unzeit
| unter schweren Krankheiten. Es war eigentlich immer Krise – und die
| wichtigsten Entscheider waren krank, wenn es auf sie ankam. Damals wie
| heute waren die körperlichen Leiden von Politikern eine öffentliche
| Sache. Die detaillierten medizinischen Ausführungen, mit denen die
| Tageszeitungen 1929 über den "ernsten Zustand des Kanzlers" Hermann
| Müller berichteten, erinnern an die atemlosen Newsfeeds, in denen wir
| heute fast in Echtzeit über den Gesundheitszustand Donald Trumps, die
| verabreichten Medikamente und Statements der behandelnden Ärzte
| informiert werden. Das macht gerade die Weimarer Zeit zu einer so
| interessanten Referenz.
|
| [...]
|
| Vor allem die Nationalsozialisten deuteten die Gebrechen des Weimarer
| Führungspersonals als Krankheit der Demokratie. Für Joseph Goebbels war
| das demokratische Deutschland "ein Volk, das an der Auszehrung leidet".
| Und Hitler schrieb in Mein Kampf, die ganze Epoche sei eine
| "schleichende Krankheit, die zu einer allgemeinen Zersetzung führt".
| Diese Rhetorik verfing bei einem Publikum, das die Grauen der
| Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges und die Verheerungen der
| Spanischen Grippe noch vor Augen hatte. Der Hass, den die Feinde der
| Republik mit ihrer Sprache säten, machte nicht nur ihre Verteidiger
| krank, sondern etablierte das Bild eines kranken Staatswesens in den
| Köpfen vieler Menschen. Es nützte wenig, dass die Unterstützer Eberts,
| Müllers oder Stresemanns deren persönliche Leiden als heroisches Opfer
| für die Demokratie stilisieren konnten. Für viele Zeitgenossen lag es
| näher, von der Schwäche der Politiker auf die Schwäche des Systems zu
| schließen. Heute würden wir von einem erfolgreichen Framing der
| Demokratiefeinde sprechen.
|
| *Schnauze halten*
|
| In offenen Gesellschaften scheint es keinen Ort für unbeobachtete
| gesundheitliche Schwächen zu geben. Auch in Deutschland reagierte man
| 2010 mit Ratlosigkeit und der bangen Frage: "Wie lange darf ein
| Finanzminister fehlen?" auf Wolfgang Schäubles nur kurzzeitige
| krankheitsbedingte Abwesenheit vom Amt. Erinnert sei auch an Angela
| Merkels Zittern bei einigen öffentlichen Terminen im Hitzesommer 2019.
| Zu schnell wird offenbar immer noch von der Verfassung des
| Regierungspersonals auf den Staat selbst geschlossen. Helmut Schmidt,
| der als Kanzler mehr als hundertmal bewusstlos wurde, gab daher nicht
| ohne Grund die interne Devise aus, über seinen schlechten
| Gesundheitszustand "die Schnauze zu halten".
|
| Die Bundesrepublik hat diese Körperkrisen allerdings verkraftet – und
| auch Washington ist nicht Weimar, trotz aller Aufregung um Trump. Die
| amerikanische Demokratie ruht auf einem ungleich stabileren Fundament.
| Doch als Mahnung kann die historische Erfahrung in jedem Fall dienen –
| nicht zuletzt, weil Trumps Lehre aus der Geschichte und die seiner
| Getreuen ja zu sein scheint, Stärke und Handlungsfähigkeit zu
| demonstrieren, koste es, was es wolle – auch andere Menschenleben, auch
| die Glaubwürdigkeit des öffentlichen Diskurses, letztlich auch die der
| Ärzte und Wissenschaftler.
|
| Donald Trump scheint sich zwischen den Welten zu bewegen. Er ist
| demokratisch gewählt und geriert sich wie ein Autokrat. Das Bild seiner
| sorgfältig inszenierten Männlichkeit bekommt durch die Diagnose mit
| Covid-19 Risse. Und vielleicht übertreibt es der US-Präsident gerade
| deshalb mit einer zur Schau gestellten Vitalität, bei der man ihm die
| Strapazen von Atemnot, hohem Fieber und Medikamentencocktails deutlich
| ansieht.
|
| Denn zu Recht stößt man sich in einer Demokratie daran, dass Donald
| Trump mit seinen Bildern und Videos aus dem Krankenhaus und vor dem
| Weißen Haus nicht allein die Handlungsfähigkeit seiner Regierung
| demonstrieren will, sondern die Legende spinnt, dass er aus eigener
| Kraft ein gefährliches Virus niedergerungen habe, vor dem man aber mit
| ebendieser Kraft keine Angst zu haben braucht. Die Hunderttausenden
| Todesopfer der Pandemie erscheinen da ebenso wie der stets Mundschutz
| tragende Biden wie Schwächlinge, und nur Trump (und seinem Körper) ist
| in diesen schweren Zeiten die Regierung einer Supermacht zuzutrauen.
|
| Doch das ist ein Fehlschluss. Gerade durch die globale Pandemie werden
| wir daran erinnert, dass so eindeutige wie verlässliche Regelungen für
| den Fall von Krankheit oder Tod von Spitzenpolitikern zum Wesensmerkmal
| moderner Demokratien gehören. Dieses Memento Mori – die Gewissheit, dass
| die Person an der Spitze ersetzbar ist, ja, regelmäßig ersetzt werden
| muss – ist es, was Demokratien von Diktaturen unterscheidet.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.zeit.de/kultur/2020-10/donald-trump-corona-infektion-weisses-haus-weimarer-republik/komplettansicht>

	M.f.G.

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                Re: Schnupfen überstanden Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2020-10-07 14:29 +0200
                Re: Schnupfen überstanden Ulf.Kutzner@web.de - 2020-10-07 06:04 -0700
                Re: Schnupfen überstanden Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> - 2020-10-07 14:27 +0200
                Re: Schnupfen überstanden Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2020-10-07 14:45 +0200
                Re: Schnupfen überstanden Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-10-07 14:57 +0200
                Re: Schnupfen überstanden Ulf.Kutzner@web.de - 2020-10-06 11:13 -0700
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                Re: Schnupfen überstanden Herwig Huener <herwig.huener@t-online.de> - 2020-10-06 14:59 -0700
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                Re: Schnupfen überstanden Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2020-10-07 00:12 -0700
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            Re: Schnupfen überstanden Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2020-10-06 17:08 +0000
              Re: Schnupfen überstanden Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-10-06 19:20 +0200
                Re: Schnupfen überstanden Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2020-10-06 17:39 +0000
              Re: Schnupfen überstanden Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2020-10-06 17:36 +0000
                Re: Schnupfen überstanden Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> - 2020-10-06 22:14 +0200
                Re: Schnupfen überstanden Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2020-10-08 14:42 -0400
                Re: Schnupfen überstanden Bernd Mayer <beam.bam.boom@knuut.de> - 2020-10-09 17:06 +0200
            Re: Schnupfen überstanden Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> - 2020-10-06 21:50 +0200
      Re: Schnupfen überstanden Bernd Mayer <beam.bam.boom@knuut.de> - 2020-10-06 16:37 +0200
        Re: Schnupfen überstanden Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-10-06 18:10 +0200
      Re: Schnupfen überstanden Ulf.Kutzner@web.de - 2020-10-06 07:53 -0700
  Re: Schnupfen überstanden Claus D. Arnold <cdanews@arcor.de> - 2020-10-06 11:37 +0200
    Re: Schnupfen überstanden Peter McD <peter.posts@gmx.net> - 2020-10-06 12:10 +0200
    Re: Schnupfen überstanden Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2020-10-06 08:49 -0400
      Re: Schnupfen überstanden Ulf.Kutzner@web.de - 2020-10-06 06:12 -0700

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