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| From | Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Sondierungsgespräche |
| Date | 2017-11-17 17:21 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <oun2a9$71p$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | (4 earlier) <19gxd5jd3xz6y$.15j69lsdwaias.dlg@40tude.net> <oumm4g$ug$1@news.albasani.net> <oumsat.4bs.1@ID-23555.user.uni-berlin.de> <oun0iu$o94$1@dont-email.me> <oun1qh$54e$1@news.albasani.net> |
Salve allerseits, Dr. Joachim Neudert schrieb: > Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> > wrote: >> Heiko Rost schrieb: >>> Dr. Joachim Neudert schrieb: >>> >>>> Aber es sind jetzt 5 Kleinparteien, und 2 Mittelparteien, nix mehr Zünglein >>>> an der Waage... >>> >>> Bei den Verhandlungen ist die Frage, wer das Zünglein ist, sowieso >>> sinnlos. Sobald einer sagt "Ohne uns" ist die Sache gelaufen. >> >> Mit anderen Worten: Es gibt nur Häuptlinge und keine Indianer mehr... > > In Polen gab es vor Zeiten mal eine Landesversammlung von 400 Fürsten. Alle > Entscheidungen mussten gemeinsam einstimmig verabschiedet werden. > > Das bedeutete, das Land fiel jedem leicht als Opfer anheim, der in der Lage > war eine Entscheidung zu treffen. --- <hier abknabbern> --- Eine mögliche Jamaika-Koalition lässt Beobachter in Frankreich und Deutschland wieder auf ein starkes Europa hoffen. Tatsächlich wäre eine solche Bundesregierung der des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in vielen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Themen nahe. Allerdings hätte diese Ähnlichkeit auch eine Schattenseite: Sie könnte dazu führen, dass sich die gesellschaftliche Spaltung in beiden Ländern noch weiter verstärkt. Sollte in Deutschland ein Bündnis aus Union, FDP und Grünen zustande kommen, stünden beide Regierungen für eine eher unternehmerfreundliche Wirtschaftspolitik und eine liberale Gesellschafts- und Migrationspolitik. Sie würden damit vor allem die oft zitierten Globalisierungsgewinner repräsentieren: Die gut ausgebildete, gut verdienende, urbane, multikulturelle Mittel- und Oberschicht. Konservativere Wähler, die den raschen sozialen Wandel fürchten, oder Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz durch Globalisierung und Digitalisierung bedroht ist, würden sich hingegen weiter bei den Oppositionsparteien sammeln: In Deutschland bei der SPD, der Linkspartei, der AfD; in Frankreich bei den Links- und Rechtspopulisten. Damit würden beide Regierungen in keiner Weise ein Abbild ihrer Gesellschaften repräsentieren. Im Gegenteil: Ihre Klientel stünde den Wählern der Oppositionsparteien ökonomisch und kulturell direkt gegenüber. Das künftige Regierungshandeln könnte daher beide Gesellschaften weiter polarisieren. *Reiche Städte, armes Land* Wer in diesen Jahren durch Frankreich reist, kann die gesellschaftliche Zerrissenheit sofort erkennen. Das Land ist geteilt zwischen prosperierenden Metropolen und verarmenden Kleinstädten; zwischen Kommunisten, Sozialdemokraten, Konservativen und Rechtsnationalen; zwischen gut bezahlten Beamten und schlecht verdienenden Selbstständigen und Arbeitern; zwischen progressiven Kräften, die die Ehe für alle als Grundrecht ansehen und Konservativen, die sie als einen Angriff auf ihre Werte betrachten; zwischen Begeisterung für die EU und der radikalen Ablehnung aller Politik, die nicht aus ihrer Region kommt; zwischen großer Begeisterung für Präsident Macron und totaler Verachtung seines Ansatzes. [...] In Deutschland zeichnet sich eine vergleichbare Spaltung ab. Die Flüchtlingskrise 2015 hat eine Polarisierung offengelegt, die man seit Jahrzehnten nicht kannte. Es bahnt sich ein offener Kulturkampf an. Die aktuelle Lage in Deutschland erinnert an Frankreich um 1990: eine prosperierende Volkswirtschaft, eine der Bevölkerung entrückte Elite, die die Sorgen der Wähler vor Veränderung – damals die EU, heute Flüchtlinge – als Kleinigkeiten abtun möchte, und eine noch eher kleine, aber wachsende, rechtspopulistische Partei. Zu verhindern, dass Deutschland die französischen Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre ebenfalls machen muss, sollte daher vordringlichste Aufgabe jeder neuen deutschen Regierung sein. Die Frage ist, ob eine Jamaika-Koalition das leisten kann. Eine Kanzlerin mit einer liberalen Flüchtlingspolitik im Bündnis mit den Grünen, die für die Ehe für alle und Minderheitenschutz werben, neben der FDP, die den deutschen Arbeitsmarkt liberalisieren will? Eine solche Koalition mag die hippen Innenstädte in Berlin, Köln und Hamburg verzücken. In ehemaligen Industriezentren wie Mannheim oder Essen oder im ländlichen Raum in Brandenburg und Bayern schwankt man aber zwischen Sorge und Wut. *Politik für alle als Ziel* Damit die französische wie auch die künftige deutsche Regierung dieser Entwicklung entgegentreten können, müssen sie Politik für die ganze Gesellschaft – und nicht nur ihre Kernklientel – machen. Sie müssen die Wirtschaft fit machen für die Globalisierung und die Digitalisierung, dürfen aber nicht den Stolz der analogen und bodenständigen Handwerker und Arbeitnehmer kränken. Sie müssen die Innovationskraft ihrer multikulturellen Städte ausbauen und zugleich die Sorgen der ländlichen Bevölkerung ernst nehmen, die Angst hat, abgehängt zu werden. Sie müssen ihre Länder attraktiv für Fachkräftezuwanderung machen und zugleich den Kritikern von Migration und all jenen ein offenes Ohr schenken, die sich vor allzu rascher Veränderung fürchten. Sie müssen ihre Staaten in immer tiefer werdende internationale Kooperationen in der Wirtschafts-, Migrations- und Verteidigungspolitik führen, während viele Bürger hoffen, dass diese undurchschaubare Internationalisierung endlich zu einem Ende kommt. All das erfordert große programmatische Flexibilität und harte Kompromisse zwischen neoliberaler Wirtschaftspolitik und dem Wunsch nach einem starken Wohlfahrtsstaat; zwischen liberalen Gesellschaftsprojekten und harter Law-and-Order-Politik. Allerdings verspürt weder die deutsche noch die französische Regierung großen Druck, solche Kompromisse einzugehen. Und auch das französisch-deutsche Verhältnis eignet sich im Falle einer Jamaika-Koalition nicht als Antrieb für solche Übereinkünfte – eben weil sich die Regierungen so ähnlich wären. Die Oppositionsparteien warten daher nur darauf, die nicht adressierte Spaltung politisch auszunutzen. Die deutschen Sozialdemokraten sind zwar weit entfernt von einem Populismus der französischen Linkspopulisten um Jean-Luc Mélenchon oder der Rechtspopulisten um Marine Le Pen. Aber auch in Deutschland stehen dazu mit der Linkspartei und der AfD extreme Kräfte bereit. [...] Für Deutschland hingegen folgt daraus, dass der CSU und dem konservativen Flügel in der CDU eine entscheidende Bedeutung zukommt. Sie sind wohl der letzte Seismograf, der der Jamaika-Koalition geblieben ist, um zu erfühlen, was jene Bürger umtreibt, die beispielsweise gegen die bisherige Flüchtlingspolitik sind, oder die die Ehe für alle nicht als Bereicherung, sondern als Zumutung empfinden. Schwarz-Gelb-Grün wäre daher gut beraten, konservative Leuchtturmprojekte zu initiieren. Die Regierung könnte das verlorene Vertrauen der Konservativen zum Beispiel durch eine verschärfte Abschiebepraxis oder mit einem Generationenschnitt bei der doppelten Staatsbürgerschaft wiedergewinnen. Die Grünen und die Kanzlerin selbst werden mehr Kompromisse eingehen müssen, als die CSU und die FDP. Als Faustregel könnte schließlich gelten: Jede Eurozoneninitiative, die von der FDP kritisiert wird, ist gut für Frankreich und somit gut für Deutschland. Und jede Migrationspolitik, die für die Grünen schwierig ist, ist gut für Deutschland – und damit auch für Frankreich. --- </hier abknabbern> --- ©<http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-11/deutschland-frankreich-jamaika-koalition-emmanuel-macron/komplettansicht> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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Sondierungsgespräche Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2017-11-16 18:55 +0000
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Re: Sondierungsgespräche Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-11-17 02:28 -0800
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