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Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam

From "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam
Date 2017-08-04 09:51 +0200
Organization albasani.net
Message-ID <om192o$oue$1@news.albasani.net> (permalink)
References <om1093$d23$1@news.albasani.net> <om18hs$qe4$1@news.albasani.net>

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Am 04.08.17 um 09:42 schrieb Dr. Joachim Neudert:
> Am 04.08.17 um 07:21 schrieb Dr. Joachim Neudert:
>> Das ist der Titel eines Artikels der Süddeutschen Zeitung heute auf Seite
>> 8. In Amsterdam gibt es jetzt 800 000 Fahrräder, und 1,3 pro Niederländer.
>> Und jetzt kamen noch 6 Start-ups die Leihfahrräder in der Stadt verteilen,
>> per Handy App zu entsperren für 0,50 € für eine halbe Stunde, und die alles
>> zustopfen und herumstehen. Die werden jetzt verboten. Genutzt wird das
>> Angebot angeblich kaum.
>> Ziel müsse es sein, die Zahl der Fahrräder in der Stadt zu verringern.
>>
>> Na bitte, geht doch.
>>
> Das Problem scheint weniger technisch zu sein. Die Menschen sind sich
> selber zunehmend überdrüssig. Wenn auch Fahrräder verboten werden
> müssen- was soll dann noch helfen? Auflösung der Städte ist dann der
> zwangsläufig nächste Schritt?
> 
> 


Jetzt ist der Artikel auf Linie:

"Es ist nicht so, dass Amsterdam dringend mehr Fahrräder gebraucht
hätte. Das legt nicht nur der Augenschein nahe, sondern auch die
Statistik. 800 000 Stück stehen oder fahren nach Schätzungen in der gar
nicht so großen Stadt herum, jedem Niederländer gehören 1,3 Exemplare.
Insofern zog mancher Einwohner im Frühjahr eine Braue hoch, als die
neueste Welle der Sharing Economy heran schwappte: das Fahrrad-Sharing.

Fahrrad-Sharing in Amsterdam? Ja, das war ernst gemeint. Mindestens
sechs Unternehmen, zum Teil aus Dänemark und China, sind inzwischen
tätig im neuen Business. Sie heißen Flickbike, Yellowbike oder Obike,
fahren mit Lastwagen quer durch die Stadt und "kippen", wie es in
Presseberichten mit leichter Abscheu dargestellt wird, ihre
orangeschwarzen, gelben, roten oder grauen "deelfietsen", die Mieträder,
scheinbar auf die Straße. Manche reihen sich dann in Ständer ein, andere
lehnen an Bäumen oder stehen einfach nur herum. Zielgruppe sind
Touristen, Expats, Studenten und alle Radlosen, die dringend irgendwo
hin müssen. Sie laden eine App herunter, die ihnen per GPS das nächst
gelegene Rad anzeigt, zahlen im günstigsten Fall etwa 50 Cent pro halbe
Stunde und können das mit einem "schlauen" Schloss versehene Vehikel
anschließend abstellen, wo sie wollen. Genutzt wird das Angebot bisher:
kaum.

Das Angebot hört sogar gleich wieder auf, denn die Stadtverwaltung hat
auf die Bremse getreten. "Wir wollen nicht, dass Mieträder den knappen
öffentlichen Raum in Beschlag nehmen", sagt Verkehrsstadtrat Peter
Litjens. Man arbeite daran, Platz für Fahrräder zu schaffen, den man
sich nicht von den kommerziellen Anbietern wegnehmen lassen wolle.
Amsterdam hat nämlich andere Sorgen als andere: Ziel aller
Fahrradteilsysteme, sagt Litjens, müsse es sein, die Zahl der Räder in
der Stadt zu reduzieren. "Bisher scheinen es einfach nur mehr zu
werden." Vermutlich im September sollen die Miet-Räder eingezogen
werden. Anschließend will man mit den Anbietern über Regeln reden, die
das Geschäft in verträgliche Bahnen lenken.

Wohin mit den Rädern? Das ist eine dringende Frage in niederländischen
Städten
Wohin mit den Rädern? Das ist eine immer dringlichere Frage in
niederländischen Städten. Die Fahrradständer quellen über. Ständig
werden neue gebaut, riesige Parkhäuser sind in Bau - allein am Bahnhof
in Utrecht sollen bald 20 000 Räder stehen. Und trotzdem reicht es
nicht. Laut dem Bahnverband Prorail werden bis 2020 im ganzen Land 180
000 Stellplätze fehlen. Hinzu kommt, dass viele herumstehende Fahrräder
gar nicht in Gebrauch sind. In Amsterdam schätzt man, dass dies auf
jedes vierte zutrifft, das wären etwa 200 000. Im Jahr 2014 wurden dort
73 745 "Waisenräder" oder Wracks entsorgt, zu Kosten von jeweils 76 Euro.

Rotterdam hat das Fahrrad-Sharing im Gegensatz zur Hauptstadt begrüßt.
Es könne, zusammen mit den teureren Mieträdern, die von der Bahn
betrieben werden, den Parkdruck mindern. Allerdings nur, wenn die Räder
auch von Pendlern benutzt werden. Diese neigen dazu, am Bahnhof ihr
altes Gazelle- oder Sparta-Rad abzustellen. Die seien allemal besser,
werden Nutzer zitiert, als die schwergängigen, klobigen Mieträder, die
vor allem chinesische Firmen im Angebot hätten.

Der spezielle Widerwille in Amsterdam erklärt sich wohl aus dem Gefühl
der Einwohner, von immer mehr Touristen überrannt zu werden. In dieser
Hinsicht geht es der Stadt wie Venedig oder Barcelona. Zu manchen
Zeiten, etwa an Ostern, ist der Andrang in der relativ kleinen
Innenstadt so stark, dass man an den Grachten kaum voran kommt. Wo es so
eng ist, wird jedes Touristen-Rad als störend empfunden.

Experten schlagen vor, die Zahl der erlaubten Mieträder an öffentlichen
Fahrradständern zu beschränken, besondere Parkzonen auszuweisen und
Anbieter über eine Gebühr am Bau neuer Standplätze zu beteiligen. Das
Ungeregelte wird nun also geregelt werden."

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Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2017-08-04 05:21 +0000
  Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2017-08-04 09:42 +0200
    Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2017-08-04 09:51 +0200
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              Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-08-04 04:46 -0700
                Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam "Ralph A. Schmid, dk5ras" <ralph@schmid.xxx> - 2017-08-04 13:50 +0200
                Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-08-04 04:56 -0700
              Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2017-08-04 12:07 +0000
                Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam "Ralph A. Schmid, dk5ras" <ralph@schmid.xxx> - 2017-08-07 09:34 +0200
          Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-08-04 04:45 -0700
            Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Gerald Gruner <gerald314@yahoo.de> - 2017-08-04 19:33 +0200
        Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Martin Gerdes <martin.gerdes@gmx.de> - 2017-08-07 21:57 +0200
          Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2017-08-07 20:38 +0000
            Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam "Peter Heitzer" <peter.heitzer@rz.uni-regensburg.de> - 2017-08-08 10:48 +0000
              Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2017-08-08 11:05 +0000
              Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Martin Gerdes <martin.gerdes@gmx.de> - 2017-08-08 18:54 +0200
  Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2017-08-04 18:27 +0200
    Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Matthias Eißing <meissing@gmx.de> - 2017-08-04 16:31 +0000
      Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2017-08-08 05:06 +0200
        Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Herwig AQSR <herwig.huener@t-online.de> - 2017-08-08 23:16 -0700
        Re: Fahrrad-Infarkt in Amsterdam Matthias Eißing <meissing@gmx.de> - 2017-08-09 10:25 +0200

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