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| From | Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Was humanoide Roboter am besten können |
| Date | 2017-02-04 14:40 +0100 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <o74lho$7oa$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | <o6v1mg$e3q$1@dont-email.me> <o73p3p$kkt$2@dont-email.me> |
Salve allerseits,
Mike Grantz schrieb:
> On 02.02.2017 11:31, Walter Schmid wrote:
>
>> Für UFH: Umfallen.
>
> Ich dachte, immer und und immer und immer und immer und immer wieder das
> selbe Thema durchkauen?
>
--- <hier abknabbern> ---
In Deutschlands Krankenhäusern könnte es bald zu einem umfassenden
Streik des Pflegepersonals kommen. Die Gewerkschaft Ver.di fordert mehr
Personal und Entlastung. Schon jetzt sind die Krankenhäuser überlastet,
für die Patienten bleibt kaum Zeit. Laut einer aktuellen Befragung des
Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) fühlen sich mehr als 90 Prozent der
Pflegekräfte während der Arbeit gehetzt. Durch die alternde Gesellschaft
beschleunigt sich dieser Prozess.
Japan hat eine Antwort auf den demografischen Wandel gefunden: Roboter.
In Pflege- und Seniorenheimen kommen schon heute Tausende Roboter zum
Einsatz, Geh- und Aufsteh-Assistenten, künstliche Kuschelrobben und
futuristische Powerhandschuhe, die Senioren und Behinderten zu mehr
Bewegung verhelfen. Es könnte nur der Anfang sein.
Die Automatisierung schreitet rasant voran. Die US-Anwaltskanzlei Baker
& Hostetler hat einen Robo-Anwalt eingestellt, der juristische
Fachliteratur auswertet und Gesetzesänderungen beobachtet. Der
japanische Lebensversicherer Fukoku Mutual Life Insurance plant, 30
Prozent seiner Mitarbeiter in der Abteilung Schadensbemessung durch eine
künstliche Intelligenz zu ersetzen. Und Apples Auftragsfertiger Foxconn
kündigte jüngst an, dass Fabriken in China künftig komplett
automatisiert sowie alle menschlichen Mitarbeiter durch Roboter ersetzt
werden.
*Automationsangst als globaler Effekt*
Das Versprechen der Automatisierung, die Menschheit vom Zwang der
Lohnarbeit zu befreien und ihr ein selbstbestimmtes Leben zu
ermöglichen, "heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen,
nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu
kritisieren, wie ich gerade Lust habe werden", wie der junge Marx
träumte, hat sich in ein Menetekel verwandelt. Nehmen uns Maschinen die
Arbeit weg?, sind zahllose Berichte überschrieben. Der Economist umriss
in ungewohntem Alarmismus eine neue "automation angst". Die deutsch
grundierte Angst ist zu einem globalen Schreckgespenst geworden.
In seinem Aufsatz über die Wirtschaftlichen Möglichkeiten für unsere
Enkelkinder aus dem Jahr 1930 schrieb John Maynard Keynes, drei Stunden
Arbeit reichten aus, um den "alten Adam in uns zu befriedigen, also das
Bedürfnis nach etwas Arbeit, selbst wenn die technologische Entwicklung
in den nächsten 100 Jahren (also bis 2030) Erwerbsarbeit überflüssig
machen würde". Keynes sah aber auch das Problem, dass "die Menschheit
ihres traditionellen Zwecks beraubt" würde. Arbeit ist die zentrale
Sinnstiftungsinstanz der Moderne. Man fragt sich, was mit deren
Disruption gewonnen ist. Wohin soll das führen? Was ist die Finalität
der Entwicklung? Eine vollautomatische Gesellschaft, in der Maschinen
unseren Wohlstand erwirtschaften und der Mensch nur noch konsumiert?
Eine Welt, in der Roboternannys unsere Workbots warten und das
automatisierte Selbsttracking aller Aktivitäten zum Alltag gehört, wie
Kevin Kelly 2012 im Technikmagazin Wired schrieb?
Die Debatte um die Automatisierung wird meist ökonomistisch verengt
geführt. Die einen Experten sagen, die Automatisierung werde die Hälfte
aller Arbeitsplätze vernichten. Die anderen entgegnen nüchtern, der
Saldo falle am Ende sogar positiv aus. Doch die Frage ist, wer die
Produkte von Robotern kaufen wird oder deren Dienstleistungen in
Anspruch nimmt. Legendär ist die Anekdote aus den 1950er Jahren, als der
Gewerkschaftsführer Walter Reuther eine der vollautomatischen Anlagen
der General-Motors-Werke besuchte. Der Gastgeber, Henry Ford II, fragte
den Gewerkschaftsführer spitz, indem er auf die menschenleere Halle
zeigte: "Walter, wie willst du diese Roboter dazu bringen, dass sie
deine Beiträge zahlen?" Worauf Reuthers kühl konterte: "Henry, wie
willst du die Roboter dazu bringen, dass sie deine Autos kaufen?"
Die Technik muss den Menschen dienen, lautet das Diktum, das Politiker
gern mantrahaft beschwören. Doch spätestens, seitdem Menschen von
Algorithmen gesteuert werden und wie Maschinen operieren (etwa die
Uber-Fahrer oder Lageristen in Amazons Logistikzentren), ist dieser
Glaubenssatz erschüttert worden. Die Frage ist: Dient die Technik
wirklich allen?
*Automatisierung für die Armen*
Der Journalist Edward Luce schrieb kürzlich in einem Kommentar für die
Financial Times: "Wer reich ist, kann sich das leisten, was normal für
jedermann war – das Privileg, mit Menschen zu interagieren. So werden
wohlhabende Individuen personalisiertes Banking bekommen, wo der
Bankmanager ihren Namen und ihre Bedürfnisse kennt. Die Reichen werden
gleichsam von sogenannten Concierge-Gesundheitsdienstleistungen
profitieren, die mit menschlichem Antlitz daherkommen. Viele
oligopolistische Anbieter haben geheime Listen von VIP-Kunden, die sich
nicht erst durch Roboter-Software wählen müssen, bevor sie einen
Sachbearbeiter an der Strippe haben. Wenn sie das Telefon in die Hand
nehmen, nimmt ein Mensch ab."
Automatisierung ist also – um ein Bonmot der Milliardärin Leona Helmsley
zu bemühen ("Nur kleine Leute zahlen Steuern", 1989) – etwas für die
kleinen Leute. Den menschlichen Bankberater oder Anwalt wird man sich
dereinst leisten müssen. Der Reiche kommen in den Genuss des Menschen,
der Arme muss mit dem Roboter Vorlieb nehmen. Es ist eine zynische
Entwicklung, dass man sich den Kontakt mit Menschen leisten muss, dass
die Mensch-Mensch-Interaktion kommodifiziert sein könnte. Die
Roboterisierung vernichtet nicht nur Arbeitsplätze, sondern erzeugt auch
ein neues Dienstleistungsprekariat.
Andre Wilkens beschreibt in seinem Buch Analog ist das neue Bio die
Herausbildung einer neuen "digitalen Schere" zwischen denen, die es sich
leisten können, nicht immer digital zu sein und den anderen, die dies
nicht mehr können, weil analoge Alternativen zu teuer sind. Damit
bekommt die Digitalisierung eine soziale Dimension – obwohl das
Heilsversprechen der Techkonzerne immer lautet, dass alle Menschen
vernetzt werden und digitale Gleichheit hergestellt werde. Das digitale
Proletariat muss digital einkaufen, weil es billiger ist, und skypen,
weil physische Besuche zu teuer sind. Der Privatpatient wird von einem
Menschen gepflegt, der Kassenpatient von einem Roboter. Und während die
digital Abgehängten ihren Urlaub am Virtual-Reality-Strand verbringen,
sonnt sich die Oberklasse am analogen Strand.
*Wer virtuell bespaßt wird, geht nicht auf die Straße*
Die virtuelle Realität könnte tatsächlich eine Art Ersatzrealität für
das digitale Proletariat schaffen. Kurz nachdem Facebook im März 2014
den VR-Videobrillenhersteller Oculus für zwei Milliarden Dollar
übernahm, sagte der junge Oculus-Gründer Palmer Luckey auf einer
Konferenz: "Jeder will ein glückliches Leben, aber es ist unmöglich,
jedem alles zu geben, was er will." Stattdessen können Entwickler fortan
virtuelle Versionen des realen Lebens erschaffen, die bislang nur einer
privilegierten Schicht vorbehalten war. Während die Technologie für
saturierte Kalifornier noch attraktiver werden müsse, sei die Schwelle
für chinesische Arbeiter oder Menschen in Afrika deutlich niedriger.
Diese Early Adopters hätten einen "größeren Anreiz, aus der realen Welt
zu fliehen".
Es ist ein verstörendes Techno-Utopia: Die Armen, deren Situation in der
realen Welt nicht wirklich verbessert werden kann, sollen sich in die
Traumwelt der virtuellen Realität flüchten, wo sie ein Spieleparadies à
la Disneyland erwartet und sie sich am besten gar nicht mehr um ihre
wirklichen Probleme sorgen. Während die Elite im Silicon Valley in
Luxusvillen residiert, bleibt dem digitalen Prekariat nur die virtuelle
Version dieser Traumfabrik. Der egalitäre Anspruch, mit dem die
Technologien immer daherkommen, erscheint in diesem Licht wie eine
Chimäre. Aus Sicht der Herrschenden ist es durchaus reizvoll, der Masse
ein Gimmick an die Hand zu geben (Brot und Spiele!), mit dem sie auf
Knopfdruck ruhiggestellt und sogar gesteuert werden können. Wer denkt
schon an Klassenkampf oder Maschinensturm, wenn er in der virtuellen
Realität bei Laune gehalten wird?
--- </hier abknabbern> ---
©<http://www.zeit.de/kultur/2017-02/automatisierung-pflege-roboter-prekariat-soziale-spaltung/komplettansicht>
M.f.G.
--
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)
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Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-02 11:31 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Herwig AQSR <herwig.huener@t-online.de> - 2017-02-03 14:10 -0800
Re: Was humanoide Roboter am besten können Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2017-02-03 23:19 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Hermann Riemann <nospam.gerct08@hermann-riemann.de> - 2017-02-04 05:58 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Mike Grantz <experiment2@wiebringtmaneinenaffendazugeldzuverschwenden.de> - 2017-02-04 06:36 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Mike Grantz <experiment2@wiebringtmaneinenaffendazugeldzuverschwenden.de> - 2017-02-04 06:35 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2017-02-04 14:40 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2017-02-04 14:35 +0000
Re: Was humanoide Roboter am besten können Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2017-02-04 14:25 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2017-02-04 14:56 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-04 15:16 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2017-02-04 20:44 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2017-02-04 20:47 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Bernd Ullrich <ullrich_bernd@hotmail.com> - 2017-02-04 21:51 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-02-05 03:31 -0800
Re: Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-06 11:00 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-02-06 10:20 -0800
Re: Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-07 11:30 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Sepp Neuper <Sepp_Neuper@web.de> - 2017-02-06 20:47 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-07 11:41 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-02-05 05:07 -0800
Re: Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-05 18:14 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-02-06 02:13 -0800
Re: Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-06 11:37 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2017-02-06 11:42 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2017-02-06 16:42 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Sepp Neuper <Sepp_Neuper@web.de> - 2017-02-06 00:10 +0100
Re: Was humanoide Roboter am besten können Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2017-02-06 05:16 +0000
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