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| From | Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? |
| Date | 2017-01-15 10:13 +0200 |
| Organization | A noiseless patient Spider |
| Message-ID | <o5fas7$hd3$1@dont-email.me> (permalink) |
| References | <edt1avFqu37U1@mid.individual.net> <o5e6kl$p1t$6@tota-refugium.de> <edvm2gFg11nU1@mid.individual.net> <o5e8ei$p1t$7@tota-refugium.de> <edvn45Fg9b7U1@mid.individual.net> |
Salve allerseits, Wolfgang Kynast schrieb: > On Sat, 14 Jan 2017 23:24:18 +0100, "Stephan Bumberger" posted: > > .... >>BTW: Das besagte Video ist jetzt seit 14 Stunden online und hat seither >>4,5 Mio. Aufrufe. > > In den letzten Monaten seiner Kanzlerschaft stieg die Anzahl der > Kohl-Witze rapide an. > > Das lässt für die USA hoffen. > --- <hier abknabbern> --- Im Jahre 1916 erklärte William Howard Taft, jeder amerikanische Präsident sei die «persönliche Verkörperung» der «Würde und Majestät» des amerikanischen Volkes. Taft wusste, wovon er sprach, denn er hatte Amtserfahrung. Genau vierzig Jahre danach hat der Historiker Clinton Rossiter aus dieser Bemerkung eine wirkungsmächtige Formel geschmiedet und erklärt, der Präsident sei ein Destillat des amerikanischen Volkes in einer Person: «a one-man distillation». Dann kann es freilich auch sein, dass der Präsident nicht den Glanz, sondern das Elend dieses Volkes repräsentiert. Heute, nochmals sechzig Jahre später, darf man Donald Trump als neuestes Produkt aus dem Hause der US-Destillerie degustieren. Ist er nun ein Kräuterbitter, ein klebriger Likör oder ein lebensgefährlich hochdosierter Absinth? Aber was bringen solche Geschmacksfragen, wenn es in Wahrheit um ganz ernste, einfache Dinge geht: Welche Selbstbilder hat die amerikanische Demokratie im Lauf der Geschichte hervorgebracht und verdichtet? Und wie passt Trump in die Reihe ihrer Präsidenten? *Vier Schlüsselkonzepte* Zum Glück ist die Antwort darauf ziemlich übersichtlich, denn nicht mehr als vier Schlüsselwörter kamen in wechselnden Betonungen und Kombinationen zum Einsatz: Nation, Demokratie, Unternehmung, Weltmacht. Bevor man Trump bei diesem Begriffskonzert mitsingen lässt, muss man mit dem Mut zur Vergröberung ein paar Schneisen in die Vergangenheit schlagen. So darf man zum Beispiel sagen, dass der erste Präsident, George Washington, vor allem auf die Karte der Nation setzte, denn schliesslich ging es um die Unabhängigkeit von der britischen Krone. Thomas Jefferson stand als Erster radikal für Demokratie ein. Er setzte auf die «Selbstregierung», in der jede Generation ihre eigenen Regeln schuf, und gab eine berühmte Antwort auf die Frage, wie seine Wahl zwischen einer «Regierung ohne Zeitungen» und «Zeitungen ohne Regierung» ausfiele: Ohne Zögern würde er sich für «Letzteres entscheiden». Abraham Lincoln gilt als «one-man distillation» von Nation und Demokratie gleichermassen, denn ihm ging es um die Erhaltung der nationalen Einheit und zugleich darum, die Schmach der Sklaverei zu tilgen. Vor und nach Lincoln propagierten Martin Van Buren (Spitzname: «Martin Van Ruin»!) und Grover Cleveland ein Bild der USA als Spielwiese für Unternehmer und Pioniere. Im Staat sahen sie einen Dienstleister der freien Wirtschaft. Woodrow Wilson und Franklin Delano Roosevelt schlugen sich im 20. Jahrhundert mit den Folgen dieses «Laissez-faire» herum. Wilson beklagte, der Staat sei inzwischen in die Hand von ein paar «corporations» geraten, und machte sich zum Fürsprecher der kleinen Leute. Roosevelt stellte «soziale Werte» über «Profit». [...] Auch nach dem Zweiten Weltkrieg ist die politische Bühne mit den genannten Schlüsselwörtern bespielt worden – aber statt nun Kennedy, Bush und Co. einzusortieren, ist es höchste Zeit für Trump. Was ist das für ein Kerl? Diejenigen, die ihn ausserhalb seiner Familie vielleicht am besten kennen, sind Tony Schwartz, sein Koautor für «The Art of the Deal», und seine Biografin Gwenda Blair. Er nannte ihn ein «lebendes Schwarzes Loch», sie bot die Variante an, er sei «ein sehr seichtes Loch, ohne jede Tiefe», weil «er absolut keine Prinzipien hat, ausser zu gewinnen». Gewinnen – das ist freilich mehr als nichts. Es ist die Lieblingsbeschäftigung des Unternehmers. So ist denn auch die Unternehmung ein Schlüsselwort aus dem klassischen amerikanischen Repertoire – nicht das einzige! –, das bestens zu Trump passt. Er selbst sagt: «Geniesse, was du tust, und das Einzige, was du davontragen wirst, ist Sieg, Sieg, Sieg.» Vor allem im Wahlkampf hat Trump einen Unternehmer gespielt, der rücksichtslos sein eigenes Ding durchzieht. Er ist als «Trickster» aufgetreten. Unvergessen ist sein Einwurf in einer TV-Debatte, als Hillary Clinton ihm vorhielt, jahrelang keine Steuern bezahlt zu haben: «That's because I'm smart.» Trump erlaubt sich, Regeln zu biegen und zu brechen, und diesen Freibrief stellt er sich aus, weil – wie er behauptet – das «System» durch und durch «korrupt» sei. Umgekehrt heisst dies: Die Trickserei ist nicht ehrenrührig, sondern ehrenhaft. Mit dieser Haltung findet er Anklang bei all denjenigen, die sich vom Staat oder von der ganzen Welt im Stich gelassen fühlen – und als Revanche alles auf eigene Faust durchziehen: von der Schwarzarbeit bis zur Selbstjustiz. Für Trump als Unternehmer-«Trickster» gibt es nur Gegner: das «System», Opfer: z. B. Behinderte, und Beute: z. B. Frauen. *Kundenpflege* Aber fehlt da nicht eine Instanz? Richtig: die Kunden. Ohne Kunden hat ein Unternehmer kein Geschäftsmodell. Es reicht nicht, den Amerikanern nur die Lust am trotzigen Egotrip vorzuleben. [...] Welche Kunden hat Trump genau im Visier? Naheliegend ist zunächst – man kennt dies aus der Wirtschaft – die Pflege der Stammkundschaft. Politisch heisst dies: Klientelpolitik. Zu der «closed shop»-Mentalität, also zu den von Trump geschaffenen medialen Echoräumen dumpfer Selbstbestätigung, gehört demnach das, was Jan-Werner Müller, Populismus-Forscher aus Princeton, eine «identitäre Bewegung» genannt hat. Es kommt zur perfekten Resonanz zwischen dem Trump-«Ich» und dem Trumpisten-«Wir». *Fröhliche Fahrt abwärts*? Aber reicht Trump der Zuspruch seiner Stammkundschaft? Er könnte auch mit höheren Zielen liebäugeln, und zwar wegen seiner massiven narzisstischen Neigungen. Ein Narzisst kann bekanntlich nie genug Anerkennung bekommen, und so ergeht es Trump vielleicht wie Mae Holland, der Hauptfigur von Dave Eggers' Roman «The Circle»: Als sie erfährt, dass ihre Beliebtheit unter den Arbeitskollegen bei 97 Prozent liegt, reagiert sie tief gekränkt. Als Unternehmer-Dienstleister will auch Trump bewundert werden. Er liebt sich selbst, also liegt – jedenfalls für ihn – der Schluss nahe, dass ihn auch andere lieben müssen: die Frauen sowieso, aber vielleicht sogar alle Amerikaner? Um dies zu erreichen, müsste Trump allerdings sein Gegner-Opfer-Beute-Schema flexibler gestalten. Seine Bereitschaft, nicht nur Hemden, sondern auch Meinungen in rasendem Tempo zu wechseln, zeigt jedenfalls, dass er seine Popularität aufmerksam beobachtet und pflegt. Daraus ergibt sich im Zweifelsfall eine rein opportunistische Politik, mit der Trump es möglichst vielen recht machen möchte. Sie wäre für das Land ein wenig erträglicher als reine Klientelpolitik. Trump ist, wie gesagt, nicht der Erste, der auf die USA als Land des Unternehmertums setzt. Aber er hat ein Alleinstellungsmerkmal: Er wird der erste Präsident der amerikanischen Geschichte sein, der die «Unternehmung» mit der «Nation» kombiniert. --- </hier abknabbern> --- ©<http://www.nzz.ch/feuilleton/auf-dem-egotrip-in-die-zukunft-ld.139726> M.f.G. -- Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie wird praktisch nie gelesen. Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur etwas komisch... ;-)
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[OT] Quiz: Trump oder Troll? Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2017-01-13 23:06 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Stephan Bumberger <bumberger@gmx.de> - 2017-01-13 23:22 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? peter.faust-solingen@t-online.de (Peter Faust), maria.lopezruidoe@gmail.com (Maria Lopez-Ruido) - 2017-01-13 23:42 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Stephan Bumberger <bumberger@gmx.de> - 2017-01-14 00:35 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Stephan Bumberger <bumberger@gmx.de> - 2017-01-14 22:53 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Bernd Ullrich <ullrich_bernd@hotmail.com> - 2017-01-14 23:12 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Stephan Bumberger <bumberger@gmx.de> - 2017-01-14 23:24 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2017-01-14 23:30 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2017-01-15 10:13 +0200
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Sepp Neuper <Sepp_Neuper@web.de> - 2017-01-16 02:37 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2017-01-16 15:00 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-01-15 22:56 -0800
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2017-01-16 12:46 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2017-01-16 07:33 -0800
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2017-01-16 16:53 +0100
Re: [OT] Quiz: Trump oder Troll? Gregor Kofler <usenet@gregorkofler.com> - 2017-01-16 13:01 +0100
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