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Re: Merkel gegen Burka

From Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Merkel gegen Burka
Date 2016-12-08 13:55 +0100
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <o2bl5f$jfs$1@dont-email.me> (permalink)
References (1 earlier) <3t5847c584i669dn3e8%sfroehli@Froehlich.Priv.at> <o28hn5$i7$2@news.marzen.de> <eaqj9bF1grsU1@mid.individual.net> <o295qr$971$6@news.marzen.de> <eaqks3F1tunU2@mid.individual.net>

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Salve allerseits,

Hanno Foest schrieb:
> Am 07.12.2016 um 15:20 schrieb Holger Marzen:
> 
>>> Nun ja, das Overton window verschiebt sich alt weiter, getrieben von den
>>> Rechtspopulisten. Ist das jetzt überraschend?
>>
>> Eine natürliche Rückschwingbewegung nach dem ganzen PC-Theater.
> 
> In der letzten Zeit werden immer häufiger Vergleiche mit der Entwicklung 
> von Deutschland in den 30er Jahren gezogen. Wer war denn damals schuld?
> 
--- <hier abknabbern> ---
Condoleezza Rice, vormalige Außenministerin der USA, erläutert in
kleiner Freundesrunde ihre Ansicht vom Stand der Dinge. Sie gehört
offenbar zu jenem Teil der Westküstenpopulation, der sich vom
Trump-Schock zehn Tage nach dem Beben dem äußeren Anschein nach
vollständig erholt hat. Die erzkalifornische Frage, ob es diesmal the
big one gewesen sei, wird klar verneint. Ein größerer Erdstoß gewiss,
doch nichts, was dem klug durchdachten Gefüge der amerikanischen
Institutionen bleibenden Schaden zufügen könnte. Im Übrigen macht Frau
Rice kein Geheimnis daraus, dass sie auch nach ihrer Rückkehr zu den
akademischen Aufgaben auf dem Lehrstuhl für Außenpolitik in Stanford der
Weltsicht der Republikaner zugeneigt bleibt. Gleichwohl bekam Donald
Trump ihre Stimme nicht, ebenso wenig wie die ihres früheren
Vorgesetzten, George W. Bush: An jenem dunklen Dienstag hielt sich der
Ex-Präsident den Wahlkabinen demonstrativ fern, als ob ein gutes
Daimonion ihm nahegelegt hätte, wenigstens diese Gelegenheit, durch
Irrtum aufzufallen, auszulassen.

Tatsächlich kann Georg W. Bush schon heute als der wirkliche Gewinner
der Trump-Wahl gelten. Trump hat Bush über Nacht von dem sicher
scheinenden Platz des unmöglichsten Präsidenten, den das Land je hatte,
verdrängt. Nach allem, was man heute bereits sagen kann, wird der neue
Mann nach seinem rasselnden Einzug in Washington den Vor-Vorgänger – den
eine Aura von politischen Fehlentscheidungen und grammatischen
Kalamitäten begleitet – als einen Weisen erscheinen lassen. In seiner
pittoresken Altersklausur bei Dallas meditiert Bush jr. seit einer Weile
über die Frage, ob letztlich Strukturen, Männer oder Fehler Geschichte
machen.

An jenem Abend in Palo Alto konnte auch der unwiderstehliche Charme von
Condoleezza Rice eine im Hintergrund wirkende Sorge nicht ganz vergessen
machen. Ein dunkler Gast saß mit bei Tisch – nennen wir ihn in
Ermangelung eines besseren Namens: die historische Analogie. Die hockte
zwischen uns und runzelte die Stirn. Es mag ja zutreffen, dass bei der
Wahl von Trump die demokratischen Prozeduren in allen wesentlichen
Punkten respektiert worden waren – falls man die Brutalitäten des
Wahlkampfes nicht per se als eine Serie von verfassungswidrigen, ja
zivilisationsfeindlichen Entgleisungen einstufen möchte. Zugegeben:
Wahlkämpfe sind von Natur aus weder Intelligenztests noch
Höflichkeitskurse. Was aber diesmal im Lauf der Wahlfeldzüge geboten
wurde, musste Zweifel an der Hypothese wecken, man habe es mit einem in
Demokratien normalen Geschehen zu tun. Vielmehr gewann man den Eindruck,
es werde nicht so sehr zwischen zwei Bewerbern und ihren Programmen
entschieden. Es galt, zwischen zwei hilflos gestikulierenden
Normalitätsmodellen zu wählen, von denen das eine delegitimiert
erschien, das andere unerwiesen. In solchen Momenten verwandeln sich
Wahlen in Plebiszite. Die Verfassung sieht nicht vor, dass Wahlen
aufgrund ihrer plebiszitären Dynamik verfassungsändernde Effekte
hervorrufen.

Die Wahrheit ist jedoch – und dies kommt der Meinung des dunklen Gasts
bei Tisch nahe –, dass die Abstimmung über Clinton oder Trump nicht bloß
eine demokratische Wahl war, angereichert durch die üblichen Zutaten aus
dem Fundus der amerikanischen Hysterie, die für Kuriositäten schon immer
gut war. Wird man den 8. November 2016 in Erinnerung behalten, dann
deswegen, weil er schon jetzt ein Datum in der Geschichte des Unbehagens
in der Demokratie bildet. Die Erhebung eines Manns wie Donald Trump ins
Präsidentenamt wäre aus dieser Sicht nicht bloß eine Caprice, die sich
die launische Göttin Majorität gelegentlich leistet. Sie kündigt – im
schlimmsten Fall – die mehrheitliche Abkehr der Demokratie von der
Herrschaft der Mehrheit an. In den dreißiger Jahren sprachen kluge
Soziologen von der "Selbstaufhebung des Liberalismus". Die Geschichte
dieser Selbstaufhebungen ist nicht beendet. Man weiß jetzt, dass
gewöhnliche Wahlen in Plebiszite münden können – und dass Plebiszite das
Potenzial in sich tragen, Demokratien demokratisch zu beenden.

[...]

Populismus von oben ist eine rhetorische Praxis, die darauf ausgeht,
eine diffuse Masse zu einer Einheit namens Volk zusammenzurufen. Es
liegt auf der Hand, dass es "Völker" außerhalb solcher Zusammenrufungen
– moderner ausgedrückt: solcher "Mobilisationen" – nicht geben kann.
Kollektive, die nach Millionen zählen, bilden keine versammlungsfähige
Menge. Es gehört jedoch zu den konstitutiven Phantasmen populistischer
Politik, von Versammlungen der Unversammelbaren zu träumen: so vor allem
die Nationalsozialisten an den Nürnberger Parteitagen bis 1938, die der
Halluzination der Vereinbarkeit von Staat und Zusammenkunft dienten.

Die späteren Populismen zogen sich in die Klausur der Wahlkabinen
zurück, wo die Wähler sich mit ihren Gleichgesinnten auf einem
imaginären Marsfeld zusammenfinden: jeder für sich, alle für eine Sache
namens Wir. Ohne einen Hauch von Identitarismus ist kein Populismus
möglich. Freilich, wer erklärt uns das Band, das uns zu Uns macht? Bis
auf Weiteres muss man sich hierzulande damit begnügen, zu schwören,
nicht Nicht-Syrer und Nicht-Äthiopier zu sein.

Der Populismus ist aber nicht nur eine rhetorische Praxis. Ihm
entspricht auf der Seite der Angerufenen ein Entgegenkommen, das für den
ersten Augenschein ein Sich-erkannt-Fühlen im Anruf ausdrückt. So wird
es möglich, dass auf rhetorische Angebote soziale Bewegungen folgen oder
dass soziale Stimmungen in Formulierungen zusammenfließen. Populismus
von unten, das heißt, man muss sich einmal auskotzen und hat zehn
Prozent der Wählerschaft hinter sich. Das Kotzen ist das subrhetorische
Element der Rhetorik. Ich kotze mich in den Bundestag, Demokrat der ich bin.

Die Wahrheit über die parlamentarische Demokratie ist nicht kompliziert:
Das Spektrum der Parteien lieferte bisher eine Skala von Parteifarben,
bei denen die Wähler sich unmissverständlich einordnen konnten. Politik
war fast einhundert Jahre lang eine Farbenlehre auf dem Spektrum von Rot
bis Schwarz. Seit einer Weile vermischen sich die Töne – es entsteht ein
schmutzfarbiges Grau als Grundton für alles.

In dieser Lage wird der Populismus attraktiv: Er offeriert die
Null-Farbe als Option. Er gibt sich extra-institutionell,
extra-parlamentarisch, extra-machenschaftlich, ja fast sogar ein wenig
extra-terrestrisch. Die Systemschweine mögen unter sich sein, wir kommen
von außen. Der Erfolg von Trump lässt sich nur auf dieser Basis
angemessen beschreiben. Das "Volk", aus dem die 59 Millionen
Trump-Wähler bestehen (etwas mehr als 20 Prozent der Population von 320
Millionen), hat sich dafür entschieden, der Botschaft zu folgen, die
durch die republikanische Publizitätsmaschine vervielfältigt wurde: Die
Erlösung kommt allein durch Inkompetenz. Die Befreiung liegt in der
Unerfahrenheit. Nur wer es noch nie getan hat, kann es richtig machen.
Der Ungeeignete ist der am besten Geeignete. Den Staat kann nur führen,
wer nicht weiß, was ein Staat ist. Die Basis solcher "Regierungen" liegt
in Bevölkerungen, die sich den Zynismus ihrer Herren angeeignet haben.
Der Führer ist ein Lügner! Was schert es uns? Er machte rassistische
Äußerungen? Wieso nicht? Man hat es nicht ausreichend explizit
begriffen: Das viel zitierte Volk hat in puncto Zynismus von den
Mächtigen nichts mehr zu lernen. Es will sie zynisch haben, damit es
sich mit ihnen auf einer Ebene fühlt. Vornehmheit trennt, Schweinerei
verbindet.
--- </hier abknabbern> ---

©<http://www.zeit.de/2016/49/populismus-demokratie-us-wahl-donald-trump-condoleezza-rice/komplettansicht>

	M.f.G.

-- 
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wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
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                Re: Merkel gegen Burka Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2016-12-09 12:49 +0100
                Re: Merkel gegen Burka Rainer Knaepper <rainerk@smial.prima.de> - 2016-12-11 11:40 +0100
            Re: Merkel gegen Burka Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2016-12-07 14:14 +0000
            Re: Merkel gegen Burka Jörg Tewes <jogi1964@gmx.net> - 2016-12-07 20:59 +0100
          Re: Merkel gegen Burka Jörg Tewes <jogi1964@gmx.net> - 2016-12-07 20:57 +0100
      Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-07 12:54 +0100
        Re: Merkel gegen Burka Jörg Tewes <jogi1964@gmx.net> - 2016-12-07 22:01 +0100
          Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-07 23:22 +0100
        Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-07 23:22 +0100
          Re: Merkel gegen Burka Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2016-12-08 07:25 +0000
            Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-08 08:45 +0100
              Re: Merkel gegen Burka Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2016-12-08 08:00 +0000
      Re: Merkel gegen Burka Hanno Foest <hurga-news2@tigress.com> - 2016-12-07 15:05 +0100
        Re: Merkel gegen Burka Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2016-12-07 14:20 +0000
          Re: Merkel gegen Burka Hanno Foest <hurga-news2@tigress.com> - 2016-12-07 15:32 +0100
            Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-07 15:54 +0100
            Re: Merkel gegen Burka Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2016-12-07 15:12 +0000
              Re: Merkel gegen Burka Hanno Foest <hurga-news2@tigress.com> - 2016-12-07 17:24 +0100
            Re: Merkel gegen Burka Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2016-12-08 13:55 +0100
              Re: Merkel gegen Burka Hanno Foest <hurga-news2@tigress.com> - 2016-12-08 18:33 +0100
                Re: Merkel gegen Burka Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2016-12-08 20:02 +0100
    Re: Merkel gegen Burka Fidel-Sebastian Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse-Lara@b.maus.de> - 2016-12-07 12:14 +0100
    Re: Merkel gegen Burka "Juergen P. Meier" <nospam-1984@jors.net> - 2016-12-07 13:14 +0000
      Re: Merkel gegen Burka Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2016-12-07 14:15 +0000
        Re: Merkel gegen Burka "Juergen P. Meier" <nospam-1984@jors.net> - 2016-12-07 14:55 +0000
          Re: Merkel gegen Burka Holger Marzen <holger@marzen.de> - 2016-12-07 15:14 +0000
            Re: Merkel gegen Burka "Juergen P. Meier" <nospam-1984@jors.net> - 2016-12-07 15:25 +0000
              Re: Merkel gegen Burka Lars Gebauer <lars.gebauer@yahoo.de> - 2016-12-07 15:39 +0000
              Re: Merkel gegen Burka Frank Hucklenbroich <Hucklenbroich01@aol.com> - 2016-12-07 16:58 +0100
                Re: Merkel gegen Burka spamfalle2@arcor.de (Marc Stibane) - 2016-12-07 20:32 +0100
              Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-07 17:37 +0100
                Re: Merkel gegen Burka "Juergen P. Meier" <nospam-1984@jors.net> - 2016-12-08 06:00 +0000
                Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-08 08:19 +0100
                Re: Merkel gegen Burka "Juergen P. Meier" <nospam-1984@jors.net> - 2016-12-08 09:09 +0000
                Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-08 16:14 +0100
                Re: Merkel gegen Burka Hanno Foest <hurga-news2@tigress.com> - 2016-12-08 18:40 +0100
                Re: Merkel gegen Burka Dietz Pröpper <dietz-news@rotfl.franken.de> - 2016-12-08 20:16 +0100
          Re: Merkel gegen Burka Frank Möller <butterspiegeleiauftoast42@spl.at> - 2016-12-07 19:57 +0100
  Re: Merkel gegen Burka Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2016-12-07 02:33 -0800
  Re: Merkel gegen Burka Andreas Quast <bu3ro.kratz@fr33n3t.de> - 2016-12-07 16:44 +0000

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