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| From | Herwig Huener AQSR 5 <Herwig.Huener@t-online.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Die "Null-Befindlichkeit" |
| Date | 2016-03-30 17:52 +0200 |
| Organization | albasani.net |
| Message-ID | <ndgsno$plo$1@news.albasani.net> (permalink) |
2016-03-30 17:53:00 +0200
Eine BegriffsBildung, die sich nirgends besser als in einer
geriatrischen NG diskutieren lässt. Ich verwende sie schon
seit fast 10 Jahren.
Anlass war ein Zitat eines Internisten, bei dem meine
Mutter in Behandlung war:
"Wenn man morgens aufwacht, und man ist über 50,
und es tut nichts weh, dann ist man tot."
Nun, so schlimm hat es sich in meiner BioGraphie nicht
dargestellt. Aber trotzdem war die Idee geboren,
Befindlichkeit über die Jahre und Jahrzehnte zu vergleichen.
Schwierig genug - wer steht schon neben einer 50 Jahre
jüngeren Ausgabe von sich selbst?
Trotzdem scheint es so zu sein, dass es auch in fortgeschrittenem
Alter möglich ist, zu einem gegebenen ZeitPunkt keine
BefindlichkeitsStörungen zu haben: Es tut nichts weh, man versucht
gerade nicht, sich mehr Leistung abzuverlangen als möglich ist,
die TrinkFestigkeit wird und wurde gerade nicht gegen ihre
Grenzen getestet, alle SinnesOrgane werden gerade im Rahmen ihrer
(eventuell reduzierten) Spezifikation beschäftigt.
Wenn einem jetzt jemand sagte, man wäre erst 18 oder 25, und
man würde nicht gleich auf den Fundus der Erinnerungen
zurückgreifen, dann würde man es glauben.
Diesen Zustand nenne ich die "Null-Befindlichkeit" - und
überraschender Weise ist es so, dass dieser Zustand immer
noch mehr als die halbe eigene LebensZeit andauert.
Nun ist natürlich zu kritisieren, in wie weit man tatsächlich
sich selbst über 50 Jahre hinweg vergleichen kann. Ich
sprach mit Leuten, die meinten, es geht gar nicht. Und die
kaum ignorierbare innere Welt hat sich in den letzten 40 bis
50 Jahren ja auch verändert - Erwartungen sind verschwunden,
biographische Erfahrungen sind hinzugekommen, auch Kenntnisse
aus den verschiedensten Bereichen, dafür befindet sich die
Sexualität schon lange im GleitFlug. Vielleicht ist es zu
schwer, bei der Eigen-BefindlichkeitsAnalyse diese unvermeidbaren
Effekte auszublenden.
Aber trotzdem, nach den besten Versuchen, das doch zu tun,
tät mich interessieren: wie weit ist die hier soeben definierte
Null-Befindlichkeit noch verbreitet - welcher Anteil der
LebensZeit?
***
Tatsächlich gibt es Menschen, denen diese VergleichsMöglichkeit
aus anderen Gründen gar nicht zur Verfügung steht. In einer
Kneipe in der Nähe lernte ich einen Mann kennen, der mit
knapp über sechzig die erste Star-Operation hatte - und da
er vorher eine defekte natürliche AugenLinse gehabt hatte,
konnte er das erste Mal im Leben wirklich scharf sehen -
das nahm er zum Anlass, sich nach allen Regeln der Kunst
vollaufen zu lassen.
Ein anderer Fall, eine KlassenKameradin von mir hat mit
über 60 eine neue MitralKlappe bekommen und erlebt nun das
erste Mal im Leben, wie es ist, *kein* VorHofFlimmern zu
haben.
In solchen Fällen ist es schwierig, die "Null-Befindlichkeit"
sauber zu definieren. Aber sie geben auch die Hoffnung, dass,
mit zunehmenden Alter, die Dinge nicht nur immer schlechter
werden müssen.
Herwig
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Die "Null-Befindlichkeit" Herwig Huener AQSR 5 <Herwig.Huener@t-online.de> - 2016-03-30 17:52 +0200
Re: Die "Null-Befindlichkeit" Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2016-03-30 18:54 +0200
Re: Die "Null-Befindlichkeit" spamfalle2@arcor.de (Marc Stibane) - 2016-03-30 21:02 +0200
Re: Die "Null-Befindlichkeit" Bernd Ullrich <ullrich_bernd@hotmail.com> - 2016-03-30 22:13 +0200
Re: Die "Null-Befindlichkeit" Dorothee Hermann <DorotheeHermann@gmx.net> - 2016-03-30 22:16 +0200
Re: Die "Null-Befindlichkeit" Walter Schmid <paulwalterschmid@vtxmail.ch> - 2016-03-31 09:43 +0200
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