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Re: KI-Spam und "clanker"

From Walter Brill <WalterBrill@t-online.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: KI-Spam und "clanker"
Date 2025-11-06 15:02 +0100
Message-ID <mn3o2uFm01mU5@mid.individual.net> (permalink)
References <10ehg85$vot$1@solani.org>

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Hallo,

Am 06.11.25 um 07:46 schrieb Dr. Joachim Neudert:
> Netter Artikel, und den Begriff kann man sich schon mal vormerken. Wir 
> haben hier leider wohl auch ein paar "Clanker"
> 
> Der KI-Spam nervt einfach nur noch, insbesondere auch KI-Videos.
> 
> 
> 
> https://www.sueddeutsche.de/medien/ki-ueberdruss-slop-kennzeichnung- 
> li.3328551
> 
> =============================================
> 
> 
> Überdruss mit KI-Web-Content: Voll und müde
> 
> 5. November 2025, 15:55 Uhr
> Die KI produziert am Fließband Texte, Bilder und Podcasts. Dass Inhalte 
> menschengemacht sind, wird zum neuen Gütesiegel.
> 
> 
> Von Michael Moorstedt
> 
> Penny Power spricht aufgeregt über Nebeneinkünfte, Claire Delish über 
> raffinierte Kräutermixturen und Nigel Thistledown über einen akkuraten 
> Heckenschnitt. Wer jetzt meint, diese Namen klingen wie ausgedacht, hat 
> natürlich recht. Bei den drei Podcastmoderatoren handelt es sich um 
> virtuelle Persönlichkeiten, zusammengestellt von einer künstlichen 
> Intelligenz. Aber nicht nur die Hosts stammen aus dem Generator, sondern 
> auch die Skripte, die Teasertexte und die Artworks.
> 
> Mit Tausenden KI-generierten Podcasts überflutet das Medien-Start-up 
> Inception Point AI die gängigen Downloadportale. Zur Auswahl stehen 
> Hunderte Shows, die von der Bewältigung von Midlife-Crisis und Menopause 
> über Finanztipps und Gartenpflege bis hin zu Koch- und Mysteryshows so 
> gut wie jede nur denkbare Interessensphäre abdecken. Durchstöbert man 
> den Fundus, wirkt es fast, als käme die Auswahl der Themen direkt aus 
> den Suchmaschinen-Trends zu aktuell gefragten Begriffen.
> 
> Künstliche Intelligenz
> 
> Die ratlose Spezies
> 
> KI werde uns lästige Aufgaben abnehmen, so lautete das Versprechen. 
> Inzwischen aber lagern immer mehr Leute nicht nur das Denken, sondern 
> auch Gefühle an Chat-GPT aus. Doch was bleibt vom Menschen, wenn die KI 
> alles entscheidet?
> 
> Komplettiert werden die am KI-Fließband produzierten Podcasts, die im 
> Schnitt eine Länge von 20 Minuten haben, von synthetischen Gastgebern 
> und entsprechenden Websites. Produktionskosten pro Folge: weniger als 
> ein US-Dollar. Mehrere Tausend Folgen kann Inception Point AI auf diese 
> Weise wöchentlich herauspumpen. Ein Teil der produzierten Podcasts möge 
> „chaotisch oder experimentell“ sein, heißt es auf dem Unternehmensblog, 
> aber das gehöre nun mal „zur Innovation dazu“. Mehr als 400 verschiedene 
> Podcast-Reihen hat Inception Point AI allein auf Apples Podcast-Portal 
> veröffentlicht. Liest man dort die Selbstbeschreibung durch, wirkt alles 
> schon wesentlich weniger selbstbewusst. Die KI-Nutzung wird schamvoll 
> verschwiegen.
> 
> 40 Prozent aller Beiträge auf Facebook sollen inzwischen KI-Spam sein
> 
> Das verspricht einen satten Return on Investment und bietet zugleich 
> einen reichlich trostlosen Ausblick auf eine mögliche Zukunft unseres 
> Medienkonsums: Belanglosigkeiten und Allgemeinplätze von der KI 
> vorgelesen zu bekommen, unterlegt mit einem gefälligen, weil ebenfalls 
> künstlich erzeugten Musikbett. Inception Point AI ist nicht das einzige 
> Unternehmen, das auf diese Weise Geld verdienen will: Das Publishing- 
> Start-up Spines will die Verlagswelt mit Tausenden KI-generierten 
> Büchern jährlich beglücken, andere Firmen haben Youtube-Videos oder 
> Lokalnachrichten als Ziel der Automatisierung auserkoren.
> 
> In Österreich startet auf Joyn „kudlmudl.ki“, die erste Satiresendung, 
> die komplett durch KI generiert wird. Man sehnt sich schnell nach 
> Menschlichkeit.
> 
> KI-Spam als Geschäftsmodell, das kannte man bislang eher von 
> halbseidenen Social-Media-Accounts, die durch sogenannten Slop – also 
> minderwertige und in Massen mit künstlicher Intelligenz erzeugte Inhalte 
> – ihre Sichtbarkeit in die Höhe treiben wollen. Hochrechnungen zufolge 
> sind inzwischen mehr als 40 Prozent aller Beiträge auf Facebook KI- 
> generiert. Längst gehört zur Standardreaktion in einer hinlänglich lang 
> genug laufenden User-Debatte, früher oder später den Gesprächspartner zu 
> bezichtigen, seine Beiträge ohnehin nur generieren zu lassen.
> 
> „Die menschliche Note der Originalität in sämtlichen Inhalten ist heute 
> ein seltenes und wertvolles Verkaufsargument“
> 
> All das führt zunehmend dazu, dass sich langsam eine gewisse 
> Desillusionierung in den KI-Hype der vergangenen beiden Jahre 
> einschreibt. „Die anfängliche Begeisterung für KI-Tools“, schreibt etwa 
> die Unternehmensberatung Ernst & Young in einem Bericht, sei „einer 
> zunehmenden Ermüdung gewichen, da automatisierte Inhalte digitale 
> Plattformen mit vorhersehbaren und uninspirierten Texten überschwemmen. 
> Unternehmen und Privatpersonen automatisieren ihre Kommunikation in 
> großem Umfang, aber das Publikum sucht nach Authentizität und 
> menschlichen Nuancen.“ Die gefühlte Ernüchterung lässt sich auch 
> quantitativ belegen: Mehr als 50 Prozent der Befragten stehen laut einer 
> Pew-Studie KI-Inhalten mittlerweile skeptisch bis ablehnend gegenüber. 
> Das Technik-Magazin Wired schreibt bereits von einem „KI-Backlash“, die 
> Harvard Business Review gibt zu bedenken, dass sogenannter Workslop – 
> gedankenlos generierte E-Mails und Konzepte – die Produktivität eher 
> mindere, als sie zu erhöhen. Es gibt sogar einen neuen Kampfbegriff: Das 
> Wörtchen Clanker – Blechbüchse – dient im Netz-Sprech als abwertendes 
> Synonym sowohl für die Technologie selbst als auch für jene, die ohne 
> Hilfe von Chat-GPT scheinbar kaum noch einen klaren Gedanken formulieren 
> können.
> 
> KI
> 
> Verlernt der Mensch das Denken?
> 
> Wer Google eine Frage stellt, erhält jetzt eine Chatbot-Antwort. Ob KI 
> dazu führt, dass wir unsere Gehirne verkümmern lassen, untersucht der 
> Medienphilosoph Roberto Simanowski in seinem Buch „Sprachmaschinen“. Mit 
> frappierenden Ergebnissen.
> 
> Nicht alle wollen die Automatisierung von Sprache und Kultur einfach 
> widerstandslos hinnehmen. Inzwischen gibt es Browser-Erweiterungen wie 
> Is Generated, die versuchen, KI-Content automatisch zu blockieren. „Hol 
> dir die Kontrolle zurück“ und „Mach das Netz zu einem besseren Ort“, 
> schreiben die Programmierer. Auch die, wenn auch nischigen Suchmaschinen 
> DuckDuckGo und Kagi haben vor kurzer Zeit eine neue Funktion eingeführt, 
> die immerhin KI-generierte Bilder aus den Ergebnislisten ausblendet.
> 
> Online-Plattformen sind im Allgemeinen darauf ausgelegt, dass 
> menschliche Nutzer dort so viel Zeit wie möglich verbringen. Das 
> Versprechen synthetischer Medien besteht darin, dass sie bald über eine 
> kostengünstige, reichlich vorhandene Ressource verfügen werden, die ihre 
> Produkte attraktiver denn je macht. Immer häufiger jedoch scheint es 
> ausgerechnet jener Überfluss zu sein, der das Nutzervertrauen in 
> rasantem Tempo erodiert. Selbst große Tech-Konzerne scheinen zu merken, 
> dass die Content-Flut nicht unbedingt nachhaltig ist.
> 
> Wie enttäuschend, wenn ein Produkt das Kaufinteresse weckt, es aber nur 
> herbeihalluziniert und gar nicht echt ist
> 
> Zum Beispiel Pinterest. Die Wohlfühl-Bildsharing-Plattform diente vor 
> dem KI-Tsunami mehr als 500 Millionen Nutzern als Moodboard für üppige 
> Mahlzeiten, Kunst und Inneneinrichtung, zum Entdecken von Modetrends, 
> Rezepten und Beautyprodukten sowie als schier endlose Liste von DIY- 
> Projekten für das Zuhause und den Urlaub. Weil die Plattform vor allem 
> als Kaufinspiration dient, führt das freilich zu einem Zielkonflikt, 
> wenn die überwiegende Mehrheit der abgebildeten Produkte nicht 
> erhältlich, sondern nur von einem KI-Modell herbeihalluziniert wurden. 
> In der vergangenen Woche hat Pinterest nun eine Funktion eingeführt, die 
> KI-Bilder blockiert. An anderer Stelle ist ausgerechnet Spotify zu 
> nennen, in der Vergangenheit nicht unbedingt dafür bekannt, menschliche 
> Kreativität besonders hoch zu würdigen. Allein im vergangenen Jahr habe 
> man mehr als 75 Millionen Spam-Tracks entfernt, gab der 
> Musikstreamingdienst an und verkündete in der vergangenen Woche zudem 
> eine Kooperation mit den Major-Labels Sony, Universal und Warner an, um 
> „verantwortungsbewusste“ KI-Produkte zu entwickeln, die das Urheberrecht 
> von Künstlern respektierten.
> 
> Ein Umdenken im Umgang mit KI-Inhalten wünscht sich auch das US- 
> Designkollektiv notbyai.fyi – und bietet konsequenterweise bereits eine 
> Art Gütesiegel für menschengemachte Inhalte an. Aspiranten können eigene 
> Projekte und Arbeiten einreichen, die anschließend auf Spuren von KI 
> untersucht werden. „Die menschliche Note der Originalität in sämtlichen 
> Inhalten ist heute ein seltenes und wertvolles Verkaufsargument“, 
> schreiben die Macher, und laut eigenen Angaben prangt das Logo bereits 
> auf 200 000 Webseiten.
> 
> Dass die Begutachtung bei notbyai.fyi wiederum von echten Menschen 
> vorgenommen wird und mehrere Tage in Anspruch nimmt, verdeutlicht 
> angesichts von weltweit 800 Millionen munter vor sich hin generierenden 
> Chat-GPT-Nutzern die inzwischen herrschenden Kräfteverhältnisse. Wer hat 
> nun recht? Die Puristen menschlicher Kreativität oder Inception-AI- 
> Gründerin Jeanine Wright, die Kritiker als „faule Maschinenstürmer“ 
> abkanzelt?
> 
> Vor nicht allzu langer Zeit wollten Agenturen, Start-ups und 
> Privatpersonen mit ostentativer KI-Nutzung ihre Zukunftsfähigkeit 
> beweisen. Vielleicht dauert es gar nicht mehr so lang, bis sie mit 
> ebenso viel Stolz darauf verweisen werden, dass ihre Inhalte handgemacht 
> sind.


Mit ein wenig Nachdenken konntest Du das alles vorhersehen, aber nein... ;-)

Ciao
Walter

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KI-Spam und "clanker" "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2025-11-06 07:46 +0100
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    Re: KI-Spam und "clanker" Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-11-06 15:05 +0100
    Re: KI-Spam und "clanker" "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2025-11-06 18:06 +0100
      Re: KI-Spam und "clanker" Carla Schneider <carla_schn@proton.me> - 2025-11-07 01:19 +0100
        Re: KI-Spam und "clanker" Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-11-07 12:52 +0100
          Re: KI-Spam und "clanker" Carla Schneider <carla_schn@proton.me> - 2025-11-07 13:09 +0100
          Re: KI-Spam und "clanker" Carla Schneider <carla_schn@proton.me> - 2025-11-07 15:19 +0100
      Re: KI-Spam und "clanker" Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-11-07 16:48 +0100

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