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Groups > de.alt.folklore.computer > #55744

Re: Heute vor 75 Jahren

From Kay Martinen <usenet@martinen.de>
Newsgroups de.alt.folklore.computer
Subject Re: Heute vor 75 Jahren
Date 2026-07-04 00:31 +0200
Message-ID <fuplhm-m93.ln1@news.martinen.de> (permalink)
References <Heute-20260613133404@ram.dialup.fu-berlin.de> <110plsf$vl3e$1@solani.org>

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Am 15.06.26 um 22:04 schrieb debianthree:
> Am Sat, 13 Jun 2026 12:38:58 +0000 schrieb Stefan Ram:
> 
>> Heute [2026-06-14] vor 75 Jahren [1951-06-14]:
>>
>> Einweihung des UNIVAC-Rechners des Bundesamt für Statistik der USA.
>>
>>    Der UNIVAC I (Universal Automatic Computer) war der weltweit erste
>>    kommerziell hergestellte elektronische Digitalcomputer.
> 
> Das war zu der Zeit irgendwie wirklich unerhört, daß das überhaupt
> passiert ist. Also, daß 2 Leute da eine Firma gründen um einen Computer
> zu bauen und für "normales Publikum" anzubieten. Ohne den Vorlauf beim
> Eniac Projekt wäre das bestimmt nicht so schnell geschehen.

Konrad Zuse soll seinen Ersten Rechner zuhause am Küchentisch entwickelt 
und gebaut haben. Offenbar allein.

>>    Er wurde von J. Presper Eckert und John Mauchly gebaut und war mit
>>    einem Gewicht von ca. 7,3 Tonnen gewaltig und nutzte zirka 5.000
>>    Elektronenröhren, um rund 1.900 Operationen pro Sekunde auszuführen.
> 
> Ich finde ja auch interessant, daß anscheinend dann niemand wieder
> Rechner mit Postrelais ausprobiert hat. Ja - die sind ein ganzes Stück
> langsamer; dafür ist so ein Relais aber auch kaum kaputt zu bekommen.

Das Relativiert sich ganz schnell wieder aus wenn die Komponenten im 
Längeren Betrieb ihr Schwächen offenbaren. Wenn die Magnet-spule nicht 
durchbrennt (korrekte Dimensionierung der Ansteuerung) dann leiert die 
Mechanik nach etlichen Tausend Schaltspielen irgendwann aus, die Federn 
(die den Anker wieder zurück ziehen und ein "Kleben" der Kontakte 
verhindern sollen) werden irgendwann schwach und das Material der 
Schaltkontakte kann sich ebenfalls verändern oder durch zu häufige 
Funkenbildung entsteht eine Isolierschicht oder ein Klebe-effekt.

Für einen Digitalen Rechner der mit Nullen und Einsen arbeitet ist es 
nicht gut wenn ein Teil plötzlich nur noch Dauernd Nullen oder nur noch 
Einsen liefert.

Bei einer Fernschreib- oder Fernsprech-vermittlung bewirkt so was evtl. 
nur eine Verbindung mit dem Falschen Teilnehmer oder Zeichenfehler die 
im Ausdruck sofort auffallen. Aber bei einem Relais-rechner der 
Prinzipbedingt weder ECC noch andere Fehlerkorrekturen haben dürfte 
rechnet das verdammte Ding evtl. einfach andauernd falsch und keiner 
merkt es.

Ich habe im Beruf genug kaputte Leistungschütze und kleinere Relais 
gesehen. Einige gingen drauf weil sie auf einen Kurzschluß schalteten 
und bei 230/380V 3Ph. ihre Leistungs/Stromgrenze dann locker gerissen 
wurden, andere haben so oft unter funken (Induktive/Kapazitive Last) 
geschaltet das die Kontakte total warzig wurden. Und wenn sie nicht 
aneinander klebten dann haben sie sich thermisch selbst zerstört.

Wer glaubt das würde bei DC oder Kleinspannung nicht passieren der macht 
sich was vor.
>>    Der UNIVAC I war wegweisend, da er sowohl numerische als auch
>>    alphabetische Daten verarbeiten konnte und die traditionellen
>>    Lochkarten durch schnellere Magnetbandspeicher ersetzte.

Es gab dazwischen auch noch Lochstreifen, z.b. für Programme.

> Und: das Eingabesystem hat eine viel überschaubarere Struktur und scheint
> auch nur ein einzelner Tisch zu sein.

Kippschalter um einzelne Bits zu schalten (Eingabe) gab es an vielen 
Maschinen, z.b. auch am IMSAI aus "War Games" und der kam später und ist 
deutlich kleiner.

Ansonsten: Fernschreib-Maschinen waren bereits erfunden und boten sich 
als "Interface" zur Maschine quasi an. Ob da nun ASCII oder das 
Fernschreib-alphabet Nr. 2 benutzt wird ist nur eine Anpassungs-frage.

Es ist ja kein Zufall das Serielle Verbindungen zwischen 5 und 8 Bit 
lange Bitmuster haben (Die SDU zwischen Start- und Stop-Bit)

> Bei dem Eniac sind das noch so Stecktafeln an der Wand - überall im Raum
> verteilt.

So weit ich mich erinnere waren diese Stecktafeln Teile des Programms 
das die Maschine benutzen sollte. Neues Programm=Andere Stecktafel.

Die Enigma im WKII hatte auch ein Steckbrett zur Code-einstellung. Im 
Grunde auch teil des Verschlüsselungs-"Programms" - eben in Hardware.

Bye/
   /Kay

-- 
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