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Re: [Arztsprech] Bin ich ein Haarspalter?

From ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram)
Newsgroups ger.ct
Subject Re: [Arztsprech] Bin ich ein Haarspalter?
Date 2024-02-11 11:26 +0000
Organization Stefan Ram
Message-ID <Systeme-20240211122237@ram.dialup.fu-berlin.de> (permalink)
References (4 earlier) <uq859s$37m38$1@raubtier-asyl.eternal-september.org> <l2podbFia9dU5@mid.individual.net> <1qoqkr8.135nqso8n6010N%t.r.h@gmx.net> <uq9077$1klli$2@solani.org> <uqa09n$sv7s$1@dont-email.me>

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Klaus Meinhard <k_meinhard@gmx.de> writes:
>Und selbst philosophisch betrachtet haben sich in Deinem Beispiel nicht
>die Gläser verändert, sondern deren Umgebung. Du bist immer noch Du,
>auch wenn Du von Wohn- ins Schlafzimmer gehst :-)

  Eine Stunde, nachdem eine Uhr 0 Uhr anzeigte, zeigt sie 1 Uhr an.
  Ist es immer noch dieselbe Uhr?

  Dies ist eine Frage der Definition. 

  Im Alltag sagen wir normalerweise, es sei dieselbe Person, wenn
  sie in ein anderes Zimmer geht, aber wahrscheinlich hat auch schon
  einmal jemand gesagt: "Ich bin ein anderer Mensch geworden."

  Wenn man ein Brillenglas unter einem Mikroskop betrachtet, das die
  genaue Lage und Art aller seiner Atome anzeigen kann, würde man
  wahrscheinlich sehen, daß es sich ständig verändert. Aber im Alltag
  sind solche Veränderungen über Zeiträume von 100 Jahren bedeutungslos.

  In der Physik würde man normalerweise sagen, daß die Uhr ein /System/
  ist, das mehrere /Zustände/ haben kann (0 Uhr und 1 Uhr).

  Unter einem System versteht man etwas, das bei einer Änderung
  seiner Zustände erhalten bleibt. Aber man muß eben definieren,
  was genau man unter dem System versteht.

  Technisch betrachtet sind C++11 und C++23 zwei verschiedene
  formale Sprachen, aber man sieht sie meist als zwei "Versionen"
  (~ Zustände) einer einzigen Programmiersprache "C++" an.

  Das "Meßproblem" in der Quantenphysik besteht darin, daß für ein
  Experiment je nach der Definition der Systeme, unterschiedliche
  Ergebnisse vorhergesagt werden, obwohl es ja nur eine Realität
  geben sollte; also sollte das Verhalten der Realität nicht von
  willkürlichen/subjektiven Definitionen von Systemgrenzen abhängen.

  Die Vorstellung, daß "Masse in Energie" umgewandelt werden könnte,
  kommt nur daher, daß man während bestimmter Vorgänge Systemgrenzen
  umdefiniert. Tut man dies nicht, bleibt die Masse erhalten.

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