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Groups > de.soc.politik.misc > #1249364
| From | "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> |
|---|---|
| Newsgroups | de.soc.politik.misc, de.talk.tagesgeschehen, ger.ct |
| Subject | Anfang der 80er |
| Date | 2023-01-07 23:38 +0100 |
| Organization | Ottmar-Ohlemacher-Fanclub |
| Message-ID | <G8PP2oREnYB@tipota.de> (permalink) |
Cross-posted to 3 groups.
...als die ersten Ballerspiele in den Spielhallen Fuss fassten, hatte ich mal einen Text in eine Mailbox geschrieben; der letzte Absatz gibt moeglicherweise einen vagen Erklaerungsansatz fuer die aktuell grassierende Kriegsgeilheit, die bei den ab damals sozialisierten heutigen Politdoedeln zu beobachten ist: |Es gibt da in der Koelner Innenstadt einige Spielhallen. Hier |verkehren z.B. Mitmenschen, die zu Hause keinen Computer haben, |und jagen fuer teures Geld per Joystick diverse Helden ueber die |Bildschirme. | So weit - so gut ! |Es stimmt mich allerdings etwas nachdenklich, dass nach einer |Zeit, wo die Kriegsspiele verteufelt wurden und die |Automatenindustrie vorwiegend auf sogenannte 'Fun-Games' setzte |(in erster Linie Atari), die Betreiber der Spielhallen heute |einstimmig berichten, auf dem Unterhaltungssektor sei heute nur |noch mit den 'Rambo-Automaten' eine Mark zu verdienen. |Bei den Fun-Games wurde Geschicklichkeit verlangt - ab und zu |wurden hoechstens ein paar unpersoenliche Monster z.B. durch |Aufpumpen ausser Gefecht gesetzt. Damit holt man heute keinen |Spieler mehr hinter dem Ofen hervor, geschweige denn vom |Home-Computer weg! |Vor ein paar Jahren noch liess man Froesche von LKWs plattfahren |(Frogger) und wollte partout nicht auf imaginaere, mit ein paar |bunten Punkten dargestellte Raumschiffe (Galaga/Super-Cobra/etc.) |schiessen lassen, da ja der Spieler hier die imaginaeren darin |befindlichen moeglicherweise humanoiden Insassen gleich mit |umbrachte. |Heute ist es ueblich, dass auf den Bildschirmen stahlharte Rambos |mit unendlich munititionierten Schnellfeuergewehren umherlaufen, |die in der Realitaet erst garnicht aus den Startloechern kaemen, |wenn sie die in nur einer Spielrunde verfeuerte Munition |tatsaechlich mitfuehren muessten. Selbstverstaendlich hat der |moderne Kaempfer mindestens drei Leben, und wenn das nicht reicht, |kann man fuer eine Mark drei weitere kaufen und dann wieder drei |und wieder drei, bis der Kampf gegen den uebermaechtigen Feind |gewonnen ist (oder die Knete alle ist). |Geschossen wird auch nicht mehr auf bunte Punkte, sondern auf in |High-Resolution dargestellte menschliche Gegner, die bei einem |Treffer selbstverstaendlich filmreif auf der Stelle ins Gras |beissen. Verwundete gibt es nicht, und die Leichen auf dem |Schlachtfeld loesen sich nach dem Sterben sofort in Nichts auf, |wohl um den Spieler nicht zu verunsichern ob des Massakers, das er |anrichtet. |Selbstverstaendlich hat der Feind nur seine daemlichsten Rekruten |ins Feld geschickt, denn der Rambo am Joystick kann ruhig mal an |seiner Zigarette ziehen, auch wenn ihn der Gegner schon im Visier |hat. Selbstverstaendlich hinterlaesst der Gegner auch reichlich |vollgeladene Gewehre, Flammenwerfer und jede Menge Handgranaten, |bevor er stirbt, und Rambo kann diese dann wieder gegen den Feind |einsetzen! |Der absolute Renner ist z.Zt. der 'Operation Wolf': |Hier hat Rambo nur ein Leben pro Spielrunde, und das kostet auch 2 |Mark, aber es gibt ja Rabatt: 3 Leben fuer 5 Mark! Da faellt das |Sterben leicht! Allein in der ersten Runde sind 30 Soldaten, 5 |Hubschrauber und 6 LKWs zu vernichten. Ein Leichtes, denn Rambo |findet im Urwald laufend volle Magazine, die zufaellig in sein |Schnellfeuer-Gewehr passen, und wenn die mitgefuehrten sechs |Gewehrgranaten, die muehelos einen Panzer knacken, verschossen |sind, - auch davon liegen genung im Wald rum! |Mit dreissig Treffern (!) haucht Rambo sein Leben aus; das koennen |Treffer aus den gegnerischen Karabinern sein (die haben ja |schliesslich kein Schnellfeuergewehr), auch etliche vor den |Fuessen detonierende Handgranaten koennen es sein und mit mehreren |demonstrativ in der Brust steckenden Messern gibt Rambo noch lange |nicht auf! Klar: Im Vorspann hat man ihm mitgeteilt, dass der |boese, boese Feind Gefangene in einem Konzentrationslager haelt, |und seine Aufgabe ist es, diese zu befreien. Da kann er schon mal |zwei Mark fuer ein weiteres Leben ausgeben, denn es geht ja um |eine gute Sache! So bekommt er auch einen Punkeabzug, wenn er |nicht genug Gefangene rettet, denn der Sinn des Spiels ist es ja |keinesfalls, Menschen zu erschiessen, das bringt der Auftrag halt |so mit sich! | |Frage: Sind wir denn noch normal ? | |Den Automaten-Aufstellern kann man keinen Vorwurf machen, die |bieten das, was der Kunde verlangt; und der Kunde zahlt nur |ausgiebig, wenn er gewinnt, also muss man ihn gegen Trottel |kaempfen lassen, aber zuechten wir damit nicht heute die Dummis, |die morgen bereitwillig in ein Kriegsgeraet steigen, in dem |Bewusstsein, der Feind sei sowieso daemlich und die ueberhaupt |keine Vorstellung davon haben, was es heisst, in Wirklichkeit |Menschen zu toeten, geschweige denn selbst getoetet zu werden, |oder auch 'nur' ernsthaft verletzt ? |Ich gehoere zwar auch zu dem Jahrgang, der den Krieg nicht mehr |erlebt hat, jedoch hat man mir nicht die gaengige Story vom Helden |erzaehlt, und mir graut es vor dem Tag, wo die Kriegsteilnehmer |ausgestorben sind und die Automaten-Rambos am (politischen) Ruder |sitzen! -- > Mir fehlen einfach die weiteren Fakten, um mir vorschnell ein solches > Werturteil anzumassen - es kann sein, dass es sich so verhaelt...es kann > aber sein, dass sich die Situation ganz anders darstellt... . [relativiert Ohlemacher in <lltlbu0e2i2amaujj78ic1g03judb1oc6h@4ax.com>] -> das Wahrheitsministerium raet: <http://www.hinterfotz.de/boese.html> <- und immer nur ARD+ZDF gucken: <https://www.youtube.com/watch?v=W2l2kNQhtlQ>
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Anfang der 80er "Siegfrid Breuer" <point@tipota.de> - 2023-01-07 23:38 +0100 Re: Anfang der 80er Manfred <harakiri.sanktionen@mail1a.de> - 2023-01-08 06:53 +0100 Re: Anfang der 80er "F. W." <me@home.com> - 2023-01-09 08:22 +0100
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